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Tobias Knewitz

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Der Wein-Schwede

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Re: Tobias Knewitz

BeitragFr 15. Jun 2018, 09:34

Ja, die Knewitz Weissburgunder stecken wirklich aus im Verhältnis zu der typischen WB "Gelbfruchtmasse" auf dem Markt. Vor allem finde ich dass diese Weine Komplexität haben, und das fehlt öfters bei Weissburgundern. Da kann diese Rebsorte normalerweise nicht mit Chardonnay oder Riesling konkurrieren.
Und die Weine haben Frische und Mineralität - fehlt auch sonst öfters bei WB.
Der Ortswein (Appenheimer WB) ist vom PLV sehr, sehr gut. Die Frucht kommt ein bisschen mehr im Vordergrund im Verhältnis zum Eselspfad, und der Holzeinsatz hält sich ein bisschen zurück, aber der Wein hat schon schöne Reduktionsnoten und Frische.
Gault-Millau und Eichelmann haben diese Weine wieder falsch bewertet (zu niedrig), ich empfehle die Beurteilungen dieser Weine in Falstaff zu lesen - dort hat man es im Griff!

Auf der Knewitz Website stehen nur noch die Detailinformationen über die 2015:er (hast Du wahrscheinlich gesehen), und der Gutswin hat 3,9 G, die zwei anderen sind beide unter 2 G und knochentrocken. 2016 und 2017 haben sicherlich nicht mehr RZ als das Hitzejahr 2015.
Bei meinem Besuch bei Knewitz in Appenheim vor zwei Wochen haben alle drei WB trocken geschmeckt. Wenn ich RZ beim probieren wahrnehmen kann, sind die Weine für mich ein "no go".

Ich wünsche Euch alle ein schönes Weinwochenende! :)
Rolf
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Pechstein

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Re: Tobias Knewitz

BeitragSa 16. Jun 2018, 14:12

Nach der Chardonnay-Probe am Donnerstag mit den doch teilweise sehr fordernden Lagen- bzw. Premium-Weinen von Huber, Becker, Von Winning, Koch und Koehler-Ruprecht, über die Marko/maha an anderer Stelle berichtet hat (http://www.dasweinforum.de/viewtopic.ph ... 1af1d5d162), gab es gestern Abend zum Fußballschauen mit Freunden die easy drinking-Variante, den Chardonnay Holzfass 2015 vom Weingut Knewitz in Appenheim.

Und es war ein reines Vergnügen: das Holz in Nase und am Gaumen inzwischen bestens integriert, mit einem Duft von Limetten- und Orangenzeste, am Gaumen wiederum mit Limette und leichtem Schmelz, feiner Mineralität, Frische und toller Länge. Die Magnum (leider meine letzte) war schnell leer. Sensationelles Preis-/Genussverhältnis!

Viele Grüße,
Dirk
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Canardo

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Re: Tobias Knewitz

BeitragSa 16. Jun 2018, 15:01

Das Attribut "easy drinking" wird dem "einfachen" Chardonnay Holzfass m.E. nicht ganz gerecht. Aus meiner Sicht ist dieser immer noch anspruchsvoller als sehr viele und auch weitaus teurere deutsche Chardonnay. In Relation zur Knewitz´schen Reserve, und so war es wohl auch gemeint, ist das allerdings in der Tat enorm "trinkiger" Stoff. Das sensationelle Preis-/Genuss-Verhältnis kann ich so nur unterstreichen.

Gruß,
Canardo
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Der Wein-Schwede

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Re: Tobias Knewitz

BeitragSa 16. Jun 2018, 17:41

Canardo hat geschrieben:Das Attribut "easy drinking" wird dem "einfachen" Chardonnay Holzfass m.E. nicht ganz gerecht. Aus meiner Sicht ist dieser immer noch anspruchsvoller als sehr viele und auch weitaus teurere deutsche Chardonnay. In Relation zur Knewitz´schen Reserve, und so war es wohl auch gemeint, ist das allerdings in der Tat enorm "trinkiger" Stoff. Das sensationelle Preis-/Genuss-Verhältnis kann ich so nur unterstreichen.

Gruß,
Canardo

Hallo Canardo,
Ich gebe Dir völlig recht, ich habe letzte Woche eine Flasche Knewitz Ch Holzfass 2016 geöffnet, und der Wein ist äusserst seriös. Ich habe gerade zwei andere Chardonnays geöffnet und kurz probiert, Huber Ch Alte Reben 2014 und Ziereisen Ch Hard 2014. Der Knewitz Ch Holzfass kann qualitätsmässig locker mit diesen beiden Weinen mithalten. Ich werde noch später heute Abend beim Essen die beiden Ch ordentlich durchprobieren, und werde danach in meinem Chardonnay Thread berichten.

Gruss
Rolf
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Pechstein

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Re: Tobias Knewitz

BeitragSa 16. Jun 2018, 18:17

Hallo Canardo und Rolf,

“seriös” und “easy drinking” schließen sich nach meinem Verständnis nicht aus, und “easy drinking” soll keineswegs eindimensional o.ä. bedeuten.
Marko/maha hat ja klasse beschrieben, wie fordernd die Weine unserer Chardonnay-Probe letzten Donnerstag waren. Keiner dieser Weine hat sich (jedenfalls mir) sofort erschlossen, sondern alle mussten belüftet, immer wieder neu verkostet und über den Abend hinweg beobachtet werden. Der Knewitz Holzfass war das genaue Gegenteil: sofort da und verständlich, und einfach richtig gut. In Sachen Komplexität würde ich allerdings schon noch einen Unterschied zu den Lagenweinen von Huber, Becker, etc. sehen wollen. Aber in dieser Liga gibt es ja den Knewitz Chardonnay Reserve.

Viele Grüße,
Dirk
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Der Wein-Schwede

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Re: Tobias Knewitz

BeitragSa 16. Jun 2018, 18:42

Hallo Dirk,

Ja, das ist richtig dass eine Flasche Knewitz Holzfass direkt geöffnet und genossen werden kann…… und noch "exquis" schmecken kann. Wirklich schön dass es solche Weine gibt!
Weine die Stunden (und manschmal Tage) sich entfalten müssen, sind schwierig bei einem Weingutbesuch (wo man einen neuen Wein alle 3-4 minuten probieren muss) zu beurteilen. Es ist wie ein Foto von einem Marathonrennen anzuschauen und sagen welcher Rennläufer wird gewinnen?

Die Huber und Ziereisen Ch ich gerade geöffnet habe haben diese direkte Eindrücke gegeben:
Ziereisen - sehr subtile Reduktions- und Holznoten, ein hauch Fenschel, bisschen süssliche Vanille, Zitrusschalen - mineralisch und elegant - sehr Französisch.
Huber - wer hat die alte Kanone unter meiner Nase abgefeuert?!

Später heute Abend werden wir sehen wo die Weine landen werden.

Gruss
Rolf
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amateur des vins

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Re: Tobias Knewitz

BeitragSo 17. Jun 2018, 21:56

Knewitz ist hier ja in letzter Zeit ziemlich en vogue, und die Beschreibungen waren äußerst vielversprechend, so daß ich mir ein paar Flaschen

Knewitz, Chardonnay Reserve 2016

bestellt habe. Sie kamen mit dem dritten Zustellversuch just in time für ein Treffen am Samstagabend; ich habe einfach gleich mal eine aufgerissen. Die Elogen halte ich für gerechtfertigt!

In der Nase zunächst Zitrone und sehr wohldosiertes (d.h. dezentes) Holz. Ein wenig grasig. Am Gaumen dominiert zitrische, ziemlich knackige Säure. Das ist ganz gut, aber noch nicht sooo beeindruckend. Aber zum einen ist er ja just aufgezogen, zum anderen habe ich als letztes Süßkram gegessen, auch wenn es schon Stunden her ist und ich mich um Neutralisation bemüht habe. Mal abwarten... [+15'] ↷ karaffiert (gekühlt)

[+30'] Now we are talking!
immernoch deutlich Zitrone, aber jetzt wesentlich vielfältiger: Zitronengras und -melisse, Thymian. Auch die von anderen erwähnten Schießpulver und Feuerstein kann ich jetzt nachvollziehen, aber insgesamt sehe ich die Reduktionsnoten als sehr moderat an. (Kein Vergleich zu Henri Boillot z.B., bei dem mir das mittlerweile manchmal zu heftig ist.)
Am Gaumen leicht cremige Textur, aber Hauptmerkmal ist die darüber tänzelnde, vibrierende Säure, knackig und gerade eben nicht bissig. Stimmig, verbunden, lebendig, auch fordernd. Wenn ich etwas kritisieren [ws]ollte, dann vielleicht, daß er etwas linear wirkt. Will ich aber garnicht. :lol:
[+6h] Mittrinker haben übrigens Chablis geraten; auch Puligny kam in den Sinn. Der Wein hat sich inzwischen ein wenig beruhigt, erscheint etwas weicher, verbundener, aber die Änderungen ggü. oben sind gering.

Das ist richtig klasse und macht Riesenspaß! Vielen Dank, Forum! Nach Holger Koch jetzt schon der zweite Volltreffer, auf den ihr mich geschubst habt! :ugeek:

Die Vergleiche mit Huber halte ich übrigens für ziemlich weit hergeholt. Außer daß beide aus Chardonnay gemacht sind, sehe ich nicht allzuviele Gemeinsamkeiten. :roll:
Besten Gruß, Karsten
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Käfi

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Re: Tobias Knewitz

BeitragSo 17. Jun 2018, 23:24

Wo bekommt ihr denn alle aktuell noch Flaschen her? Ich habe die damals bei Riesling&co vorbestellt , 4€ Aufpreis auf ab Hof pro Flasche bezahlt und ne Woche nachdem der online ging, war er schon ausverkauft ;)

Deine Beschreibung finde ich interessant, ich finde ihn reduktiver als Henri Boillot, habe da erst neulich 14 und 15 Bourgogne Blanc getrunken. Vergleich mit Huber 14 ist finde ich gegeben, finde hier ganz ähnliche Reduktionsnote und Schießpulver. 15er Huber ist, wie schon mal geschrieben, nicht mein Fall.
Schön, dass er Dir schmeckt!

BTW, die größte Ähnlichkeit von Knewitz hatte ich mit Dureuil-Janthial BB 2012.

Werde morgen die drei WBs parallel verkosten. Ich hoffe ich kann hinterher noch informatives berichten :)
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Der Wein-Schwede

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Re: Tobias Knewitz

BeitragSo 17. Jun 2018, 23:42

amateur des vins hat geschrieben:
Die Vergleiche mit Huber halte ich übrigens für ziemlich weit hergeholt. Außer daß beide aus Chardonnay gemacht sind, sehe ich nicht allzuviele Gemeinsamkeiten. :roll:


Hallo Karsten,

Ich gebe Dir und Deine Aussage oben teilweise recht, aber auf Grund dass so wenige Deutsche Chardonnays burgundisch reduktiv schmecken, finde ich dass Knewitz am ähnlichten im Verhältnis zu Huber ist (von den Weinen ich probiert habe). Die meisten Deutsche Chardonnays sind fruchtig/mineralisch/barrique-süsslich. Z.B. der Chardonnay R von Rebholz der immer im Gault-Millau so gelobt wird und um die 95 immer punktet. Der ist zwar gut, aber burgundisch ist er nicht, und ein 95 Punkter ist er auch nicht.

Erwähnungswert ist auch dass Julian Huber das grosse Vorbild von den Brüdern Knewitz ist, und die sind auch eng befreundet und tauschen Erfahrungen aus.

Folgende Deutsche Chardonnays habe ich soweit "burgundisch" gefunden:
- Huber (extreme Schiesspulveraromatik)
- Knewitz (auch sehr reduktiv, auch so die Weissburgunder des Weingutes)
- Wageck-Pfaffman ( klassisch burgundisch, nicht so reduktiv wie die zwei oberen)
- Ziereisen (wie Wageck-Pfaffmann, aber weniger Holz)

Könnte man noch Weingüter in diese Liste zufügen?

Viele Grüsse
Rolf
Zuletzt geändert von Der Wein-Schwede am So 17. Jun 2018, 23:59, insgesamt 1-mal geändert.
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amateur des vins

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Re: Tobias Knewitz

BeitragSo 17. Jun 2018, 23:50

Käfi hat geschrieben:Wo bekommt ihr denn alle aktuell noch Flaschen her?
Sie haben Post! ;)
Käfi hat geschrieben:Deine Beschreibung finde ich interessant, ich finde ihn reduktiver als Henri Boillot, habe da erst neulich 14 und 15 Bourgogne Blanc getrunken.
Bourgogne Blanc ist bei mir schon eine Weile her, aber ja, die mögen wohl zugänglicher sein. Mein letzter Boillot war 11er Charly, und den fand ich diesbezüglich ziemlich heftig.
Käfi hat geschrieben:Vergleich mit Huber 14 ist finde ich gegeben, finde hier ganz ähnliche Reduktionsnote und Schießpulver.
Was die Reduktion angeht, müßte ich nochmal meine Notizen durchgehen. Daß aber Huber für mich für disharmonischen Krawall steht, habe ich ja hier schon das eine- oder anderemal erwähnt... :D
Käfi hat geschrieben:BTW, die größte Ähnlichkeit von Knewitz hatte ich mit Dureuil-Janthial BB 2012.
Kenne ich leider nicht. ;(
Zuletzt geändert von amateur des vins am Mo 18. Jun 2018, 07:12, insgesamt 1-mal geändert.
Besten Gruß, Karsten
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