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Saalwächter

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amateur des vins

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Re: Saalwächter

BeitragSa 17. Aug 2019, 18:40

Interessant Michael - den Hype scheinst Du auch nicht ganz mitzugehen?
Hattest Du ihn solo, oder zum Essen?
Besten Gruß, Karsten
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amateur des vins

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Re: Saalwächter

BeitragSa 17. Aug 2019, 18:50

Nun die Nachverkostung des

Saalwächter, Silvaner Alte Reben 2017

Nase recht kräftig für Silvaner (langer Hefestand, großes Eichenfaß). Am ehesten weiße Frucht und Blüten. Etwas mineralisch, und phenolisch. Ganz leichte Kaugummi-Note.
Am Gaumen frische Säure. Leicht metallisch-bitter. Wieder etwas weiße Frucht (Birne, Litschi). Etwas Pink Grapefruit. Im Abgang erdig und pfeffrig, auch ein bißl wilde Pfefferminze.
Kraftvoll und saftig, auch nicht leiser als der GB - aber berührt mich nicht annähernd wie dieser; auch ein wenig anstrengender.
[+15'] Gewinnt mit Luft, und auch etwas kühler tut gut. Nase jetzt würziger (Lorbeer, Muskat, Rosmarin - abgeschrieben von "Wege zum Wein", aber paßt - abgesehen vom Zimt). Das metallische weicht dem steinigen.
[+1h] Wenn zu warm - metallisch-bitter. wenn zu kalt - etwas flach. Recht schmales Fenster. Hintenraus ganz leicht hefig.
[+1d] Schöne Mineralität, darunter etwas cremiger und weniger aromatisch als gestern. Immernoch leicht metallisch. Aber insgesamt nicht schlecht.

Der WB fehlt mir noch. Aber im Vergleich zu Chardonnay und GB fällt er doch deutlich ab. Dennoch mitnichten ein schlechter Wein, schon gar für 13 €.
Besten Gruß, Karsten
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amateur des vins

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Re: Saalwächter

BeitragSo 16. Feb 2020, 22:38

Gestern und heute hatte ich mal wieder im Glas:

Saalwächter, Chardonnay 2017

V.a. am ersten Tag deutlich schwefelig, was mich hier doch ziemlich stört. Erkennbar Holz, disjunkt. Am zweiten Tag etwas harmonischer; weiterhin störende leichte Bitternote hintenraus. Immernoch ziemlich unsortiert.

Liegt womöglich eher an meiner Tagesform als an der des Weines, hat mich aber nicht erreicht. Aber ich konnte ja schon in Ffm den Hype nicht ganz nachvollziehen. Und wenn ich schon einen Riesling als Alternative auf- und vorziehe... :mrgreen:
Besten Gruß, Karsten
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amateur des vins

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Re: Saalwächter

BeitragMi 1. Apr 2020, 21:47

Gestern (und heute noch enen kleinen Rest) mal wieder im Glas:

Saalwächter, Grauer Burgunder 2017

Ohne große Analyse in's Glas und mit großem Spaß zum abendlichen Bauernfrühstück getrunken. Meine Notiz von vor 7½ Monaten [Link] trifft, im Nachhinein betrachtet, genauso weiterhin zu. Lustig ist, daß mich jetzt aber sowohl Farbe als auch Aromatik zeitweilig an Umeshu [Link] erinnerten (aber ohne jede Süße). :mrgreen:
Besten Gruß, Karsten
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amateur des vins

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Re: Saalwächter

BeitragFr 18. Jun 2021, 20:10

Echt, ich hab hier als letzer geschrieben, und zu genau diesem Wein? Verblüffend!

Saalwächter, Grauer Burgunder 2017

Die Farbe ist irgendwo zwischen Kupfer und Bernstein mit leichtem Rosaschimmer und erinnert in der Tat sehr an Pflaumenwein.
Die Aromen allerdings nicht so sehr: Sofort ist die Frage aufgeworfen, Kork oder Naturweincharakter? Leicht brotig, entfernt Mandarine...
Der Gaumen wirkt eigentlich nicht fehlerhaft. Erstaunlich weich/cremig für Saalwächter, Säure aber hinreichend frisch und etwas kantig. Gedämpfte Aromatik (Nektarine, reife gelbe Birne), aber durchaus stimmig. Leicht oxidativ, ohne Anzeichen von (Alters-)Oxidation.

[+1h] Die Zweifel halten sich hartnäckig, und so habe ich eine Konterflasche geholt. Und siehe da:
Im direkten Vergleich ist der Kork deutlich, und wird minütlich deutlicher. Bei #1 ist die Säure eher harsch; es fehlt aber das deutlich Trocknende eines typischen Korkfehlers. Allerdings wirkt er etwas gedämpft, was erst im direkten Vergleich überdeutlich wird.
#2 hat zwar frische, aber nicht harsche Säure. Ein Fruchtmonster ist er nicht, aber insgesamt klarer, weniger diffus, und doch mit schönen Noten von Apfelkompott/-kuchen. Pfirsich (vgl. Vornotiz) kann ich übrigens durchgehen lassen, aber Johannisbeere ist da keine (mehr?).

Ich bin sehr froh, daß ich die Möglichkeit zum Öffnen einer Konterflasche hatte, und diese auch realisierte. Der Korkfehler war solo wirklich an der Wahrnehmungsgrenze, der Wein keineswegs ungenießbar - das änderte sich erst später und im Vergleich. Dann aber war der Unterschied überdeutlich.
Besten Gruß, Karsten
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Lorne Malvo

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Re: Saalwächter

BeitragSo 20. Jun 2021, 15:00

Hatte zuletzt im Glas

Auxerrois 2019

Habe zwar keine VKN gemacht, aber kurz und knapp kann ich aus dem Kopf sagen, dass der Wein sich sehr schön präsentierte.
Absolut trocken ausgebaut(was nach einigen Möselchen zuvor besonders angenehm auffiel), verhaltene Fruchtaromatik, eher leicht steinig, sehr gute Länge, enorm viel Spannung, Kräuter auf angenehme Art und guter Zug. Auch hier frische Säure für die Rebsorte und etwas trinkförderndes Bitterle.
Schon gut anzutrinken reift das bestimmt gut.

Durchaus leicht französisch anmutende Stilistik. Gefiel mir.

Sylvaner und Grauburgunder liegen noch vor.
Vielleicht demnächst mal.
„Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es schön war.“
Grüße, Lars
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amateur des vins

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Re: Saalwächter

BeitragFr 2. Jul 2021, 22:19

Inzwischen konnte ich die weißen mit 2019ern auffüllen; 2 Einzelflaschen vom roten aus 2018 sind auch darunter.

Zunächst gab es im Pärchen:

Saalwächter, Silvaner Alte Reben 2019
Saalwächter, Weißer Burgunder 2019


Hier habe ich keine Live-Notizen gemacht und nur einen Tag später aus der Erinnerung ein bißchen aufgeschrieben:
Die Weine erscheinen mir zugänglicher, mit weniger Säure und Reduktion (jedenfalls der Silvaner), als ich die 2017er in Erinnerung habe. Oder vergleiche ich jetzt mit dem Chardonnay? Wenn ihr euch erinnert, der 2017er Chardonnay war auf unserer Probe "Chardonnay D vs. F" in Ffm [Link] so eine Art Geheimfavorit und schlug sich im Feld viel besser als erwartet. Ich habe mich dort ziemlich zurückgehalten, aber die allgemeine Begeisterung wollte damals nicht auf mich übergreifen: Zu sehr ging er mir in die schwefelig-reduzierte Richtung.

Aber zurück zu diesen beiden: Der WB ist sortentypisch, mit Kernobst und weißer Steinfrucht; ziemlich cremig, mit ausreichender Säure. Der Silvaner deutlich würziger, mit herb-grasiger Note; minimal straffer, aber auch kein Säuremonster.

Das war beides unfallfrei und mit einigem Spaß zu trinken, aber Begeisterung kam nicht wirklich auf.

Einige Tage später gab es das andere Pärchen, diesmal mit Live-Begleitung:

Saalwächter, Grauer Burgunder 2019
Saalwächter, Chardonnay 2019


Der GB mittelhell, mit deutlichem Kupfer-/Rosaschimmer. In der Nase reifer gelber Apfel, minimal brotig, Pomelo. Etwas CO₂, obwohl nichts in Form von Bläschen zu sehen ist. Am Gaumen mit deutlicher, aber sehr milder Orange. CO₂ spürbar, aber verfliegt schnell im sich erwärmenden Glas. Recht langer, ziemlich reifzitroniger Abgang.

Schöne Interpretation von GB. Typische Aromatik, auch Kraft, aber keine Breite und schöne Frische.

Der Chardonnay strohgelb. Deutlich schwefelige Reduktion, die alles andere überdeckt. Am Gaumen erstmal langweiliger als der GB. Schöne Struktur, lebendige und nicht zu knackige Säure, leichte Adstringenz. Schwer, neben dem Schwefel andere Aromen auszumachen, auch wenn es absolut garnicht so viel ist: etwas Limette, etwas Thymian ... schwierig.

Ich verstehe nicht, warum diese Stilistik so en vogue ist. Chardonnay ist ja für sich eher langweilig und auf den Ausbau angewiesen. Ist dieser gekonnt, können einzigartig elegante Weine entstehen. Im Umkehrschluß hat die Rebsorte aber auch zu grober Behandlung nicht allzuviel entgegenzusetzen. Und um so einen Fall handelt es sich hier meiner Meinung nach. Rolf, vielleicht auch Marko, würden das vermutlich anders sehen, aber ich kann mit so einer "Vergewaltigung" wenig anfangen.

Für mich war der GB noch am interessantesten, gefolgt vom Silvaner. Der WB fiel schon ein Stück weit ab. Und den Chardonnay kann ich nur als fehlerhaft ansehen; nicht unbedingt technisch, aber stilistisch. Ja, in vielen Jahren mag sich das alles relativieren, und der Schwefel dann vielleicht kräuterige Assoziationen hervorrufen. Aber meins ist das nicht. Der Winzer zeigt ja deutlich, daß der Chardonnay ein Solitär ist, denn die anderen drei sind "normal". Ist es wirklich "der Markt", der solche Weinkarikaturen verlangt?
Besten Gruß, Karsten
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Der Wein-Schwede

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Re: Saalwächter

BeitragSa 3. Jul 2021, 07:29

Hallo Karsten,
danke für die ausführliche Notizen.
So schwefelig reduktiv habe ich den 2017er Chardonnay nicht gefunden, da gab es auch viele andere Aromen zu finden.
Ich habe den Wein als Dritter in der FM Probe gehabt, aber danach habe ich über die nächsten 18 Monaten zu Hause noch fünf Flaschen getrunken, aber die haben nie das Level wie die Frankfurter Flasche erreicht. Vielleicht lag es an der Ambiente in Frankfurt.
Die letzten zwei Jahre habe ich auch begonnen ziemlich viele Chardonnays aus Burgund zu trinken, und ich schätze auch nicht wenn es zu schwefelig-reduktiv ist. ;)
Ein bisschen mehr Säure als Du habe ich vielleicht doch gerne, aber sonst unterscheiden sich unsere Weinvorlieben nicht sehr viel glaube ich.
Viele Grüße
Rolf
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stollinger

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Re: Saalwächter

BeitragSa 3. Jul 2021, 12:27

amateur des vins hat geschrieben:Ich verstehe nicht, warum diese Stilistik so en vogue ist. Chardonnay ist ja für sich eher langweilig und auf den Ausbau angewiesen. Ist dieser gekonnt, können einzigartig elegante Weine entstehen. Im Umkehrschluß hat die Rebsorte aber auch zu grober Behandlung nicht allzuviel entgegenzusetzen. Und um so einen Fall handelt es sich hier meiner Meinung nach. Rolf, vielleicht auch Marko, würden das vermutlich anders sehen, aber ich kann mit so einer "Vergewaltigung" wenig anfangen.

Hi Karsten,

volle Zustimmung von mir.

Ich hatte mich vor einiger Zeit ja mal etwas mit Schwefelverbindungen und schwefelassoziierten Aromen in Wein auseinander gesetzt und Literatur gewälzt [1,2,3,4] Die Chemie dahinter ist sehr variabel. Es sind nicht nur die Schwefelmenge und der Sauerstoffeintrag wichtig, sondern auch die Menge an Cu und Fe (in unterschiedlichen Oxidationszahlen) als katalytische Substanzen im Wein. Zusätzlich treten die schwefelassoziierten Aromen dann in gebundener Form als Metall-Adukte (aromatisch nicht aktiv) und in freier Form auf. Was ich sagen will: Es sind eine Menge chemischer Reaktionen und Gleichgewichte beteiligt, das ganze System ist recht chaotisch.

Als Resultat hat man dann immer die aromatische Fruchtarmut und die schwefelassoziierten Aromen, die gehen von einer angenehmen, steinigen Mineralität und rauchigen Nuancen über pflanzliche Aromen, Kompost und Fäulnis zu verfaulten Eiern etc. Das aromatische Ergebnis ist aber nicht einfach steuerbar, nach dem Motto: ordentlich Schwefel drauf, der nimmt ab und nach einiger Reifezeit habe ich eine angenehme Mineralität, sondern (wie oben beschrieben) von vielen Faktoren in einem dynamischen Zusammenspiel abhängig.

Ich finde diese nur auf Reduktion getrimmten Weine recht langweilig und einfallslos. Ich habe das Gefühl, die extreme stilistische Ausrichtung wird zum Teil verwendet, um einfach Aufmerksamkeit zu erzeugen. Schwefel polarisiert - hinzu kommt, dass die individuelle physiologische Wahrnehmungsschwelle sehr unterschiedlich ist (für den einen ist es Mineralität, der andere riecht faule Eier). Aus meiner persönlichen Kundenperspektive finde ich das vom Winzer und vom Händler durchaus grenzwertig. Da bekommt man eine Schwefel-Wundertüte für 20€+ und kein Mensch hat Ahnung, wie sich der Wein entwickelt. Ich hatte persönlich genug Beispiele, die nicht mehr mit Genuss zu trinken waren.

Ich finde, reduktive Aromen sind eine Bereicherung, aber in Maßen und der Winzer muss schon wissen, was er macht. Dafür braucht es, m.M. nach, einfach Emipirik. Winzer die wie Phönix aus der Schwefelgrube auferstehen meide ich.

Grüße, Josef

[1] Elusive Chemistry of Hydrogen Sulfide and Mercaptans in Wine, V. Ferreira, et al [Link]
[2] Formation and Release of H2S, Methanethiol, and Dimethylsulfideduring the Anoxic Storage of Wines at Room Temperature, V. Ferreira, et al [Link]
[3] Interaction of Sulfur Dioxide, Polyphenols, and Oxygen in aWine-Model System: Central Role of Iron and Copper, J. Danilewicz, [Link]
[4] Loss and formation of malodorous volatile sulfhydryl compounds during wine storage, G. Y. Kreitman et al [Link]
Zuletzt geändert von stollinger am Sa 3. Jul 2021, 13:32, insgesamt 1-mal geändert.
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EThC

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Re: Saalwächter

BeitragSa 3. Jul 2021, 13:28

stollinger hat geschrieben:Ich finde, reduktive Aromen sind eine Bereicherung, aber in Maßen und der Winzer muss schon wissen, was er macht.
...Deinem Fazit kann ich voll zustimmen und könnte es -ausgehend von meinen Vorlieben und auch Abneigungen- auch auf das "grüne Holz" ausweiten; beide Stilistiken gehen ja häufig ineinander über bzw. sind parallel präsent. Da gibt's gehypte Sachen, mit denen ich gar nichts anfangen kann, obwohl ich dem Thema grundsätzlich positiv begegne, und es gibt dann eben die Winzer, die irgendwas anders machen oder die Mechanismen verlaufen ggf. auch ohne deren bewußtes Zutun irgendwie anders, sodaß ich mich auf einmal direkt vor deren Weinen niederknien könnte...
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
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