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Südtirol - die Rotweine

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olifant

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragDi 8. Mai 2018, 15:35

... Haas würde ich in jedem Falle empfehlen - die Annata ist eigentlich, auch wenn dir die Frucht evtl. anspringt, ich habe diesen Eindruck nicht, für mich ist diese meist sehr sauber gearbeitet, verläßlich, m.E. vorallem auch im Reifeverhalten.
Die Riserva "Schweizer" gehört m.E. noch immer mit zu den Besten, ist m.E. aber kein jung zu trinkender Wein.

Stroblhof und Manincor sind i.m.A. beide ebenfalls sehr verläßlich.
Bei Tiefenbrunner nehme ich gerne die Annata - die finde ich manchmal etwas zu plakativ, was sich aber nach ein/zwei Jahren gibt, ist m.E. aber kein Lagerwein, die Riserva Linticlarus empfand ich dagegen als zu schwankend und gerne mal zu dominiert von der Barrique.
Grüsse

Ralf
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Invest

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragDi 8. Mai 2018, 16:15

Ungefragt erlaube ich mir ein paar Zwischentöne aus meinen Geschmackseindrücken:

Als ich den ersten Manincor Wein kennenlernte, es war der 2012er Sauvignon Blanc 'Tannenberg', war ich angetan. Das war SB, der nicht so kitschig exotischfruchtig daherkam, sondern mit gutem Trinkflow, dezent, mit feiner zurückhaltender Frucht und auch einer Prise Mineralität. Mittlerweile hat sich meine positive Einschätzung dem WG gegenüber dahingehend geändert, dass mir die Qualität zu schwankend und unsicher ist. Der 2015er 'Tannenberg ist alkoholisch, dick und breit, mit wenig Freude machenden mühseligem Trinkfluss. Am Wochenende konnte ich zudem auch noch den 2011er 'Castel Campan' probieren. Auch enttäuschend, deutliche Noten von Überreife und nur begrenzte Trinkfreude auch in Anbetracht des aufgerufenen Preise von 86 Euro im Restaurant (86 Pkte).

Franz Haas PN Schweizer aus der Erinnerung vom letzten Februar. Während der 2013er sortentypisch sehr gut zu gefallen wusste (91 Pkte), fand ich den 2015er zu alkoholisch und schwer. Die Sonne war in 2015 für viele das Problem.

BG
Christian
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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragDi 8. Mai 2018, 17:45

Invest hat geschrieben:Der 2015er 'Tannenberg ist alkoholisch, dick und breit, mit wenig Freude machenden mühseligem Trinkfluss.


Genau deswegen habe ich den 15er auch nicht gekauft, der 14er dagegen ist ein SB mit sehr schöner Säurestruktur. 2015 war aber bei einigen Winzern aus Südtirol ein richtiger Problemjahrgang, wenn man Breite als Problem sieht, bei mir jedenfalls ist das so, zumindest bei den -hier offtopischen- Weißweinen...

Da ich so ein Säurestrukturheini bin, kaufe ich in warmen Jahren mittlerweile viel weniger blind als in vergleichsweise kalten Jahren, auch bei Winzern, die eigentlich eine gute Reputation haben.
Viele Grüße
Erich


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olifant

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragMi 9. Mai 2018, 09:23

Invest hat geschrieben:.... Mittlerweile hat sich meine positive Einschätzung dem WG gegenüber dahingehend geändert, dass mir die Qualität zu schwankend und unsicher ist. ...


Nunja,

auch wenn ich kein ausgewiesener Fan des Hauses Manincor bin, nicht wegen der Qualität, sondern wegen des gegenüber Mitbewerbern subjektiv erhöhten Preisniveaus, würde ich nicht zu behaupten wagen, dass die Qualität deren Weine zu schwankend und unsicher sei.

Man darf diesem naturnah / biodyn arbeitenden Betrieb, ebenso wie vielen anderen Südtiroler Qualitätsbetrieben, die ihr akribisches Arbeiten nicht auf stolzgeschwellter Brust vorantragen, durchaus zu Gute halten, dass Jahrgangsunterschiede in der Produktion dargestellt und nicht auf "Teufel komm raus" mit technischen Tricks im Keller kaschiert werden.
Jahrgangsunterschiede sind sind in weinbautechnischen Grenzbereichen, zu denen Südtirol trotz jahrhundertealter Tradition m.E. dennoch zu zählen ist, der Einfluss der Alpen und des Mittelmeeres in Verbindung mit üblichen Jahrgangsschwankungen ist nicht zu unterschätzen, in nicht zu verleugnendem Maße gegeben.

Vielleicht sind die Jahre 11 und 15, was die Temperaturen anbelangte hitzebedingte Ausreisser zur eher säureschwachen, aber konzentrierten Seite, ein wahrlich kühles und regenerisches Jahr wie 14, fällt hingegen eher dünn und zitrisch aus.

Was ich jedoch sagen will, ist, wenn man einzelnen Winzern / WG über Jahre hinweg "treu" bleibt, fängt man an die eigentliche Qualität derselben zu erkennen. Selbst wenn es bei Einzelverkostungen den Anschein hatte, der eine oder andere Wein sei schwach, zeigt sich, dass man mit seiner Ersteinschätzung gerne auch mal grob daneben lag, eben dann, wenn man diese mit Abstand und Lager immer mal wieder im Glas hatte und damit Jahrgangscharakteristiken und Qualität immer wieder in anderem Licht erscheinen.

Um ein Gebiet kennen zu lernen ist es durchaus hilfreich bestimmte Weine eines Winzers / WG jahrgangsmäßig durchgängig zu erwerben, zu trinken und vergleichen zu können. Bei einigen Kandidaten mache ich dass, auch wenn mir bei der Verkostung vor Ort der Wein nicht unbedingt animiert, und bin dann später um so erfreuter, sollte mich der Wein, respektive der Betrieb, eines Besseren belehren.
Grüsse

Ralf
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Invest

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragMi 9. Mai 2018, 09:54

Hallo Erich, hallo Ralf,

durchaus zu Gute halten, dass Jahrgangsunterschiede in der Produktion dargestellt und nicht auf "Teufel komm raus" mit technischen Tricks im Keller kaschiert werden.


Da ich so ein Säurestrukturheini bin, kaufe ich in warmen Jahren mittlerweile viel weniger blind als in vergleichsweise kalten Jahren, auch bei Winzern, die eigentlich eine gute Reputation haben.


War im letzten November in dem von mir geschätzten sehr bodenständigen WG Schneider in Endingen und habe dort den 2015er Chardonnay probiert. Der hatte jahrgangsbedingt 15% Alk., viel Kraft und Muskeln und war zweifelsfrei als Chardonnay erkennbar. Im Vergleich dazu der 2015er Chardonnay Bienenberg von Julian Huber, Malterdingen, nur etwa 10 km Luftlinie von Endingen entfernt. Diesen Wein wird blind nicht jeder als Chardonnay erkennen. Er hat trotz des heissen Jahrgangs eine fantastische Frische, tollen Trinkflow mit wenig Alkohol. Mir schmeckt er grossartig, trotzdem schwanke ich zwischen völliger Begeisterung und Ablehnung. Es ist offensichtlich, dass hier aufgesäuert wurde und Vorbild dabei ist das Burgund (weiss und rot). In Südtirol, das zeigen die von mir aus 2015 verkosteten Weissen, scheint das dagegen (noch) kein Thema zu sein.

Viele Grüsse
Christian
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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragMi 9. Mai 2018, 16:42

Invest hat geschrieben:Es ist offensichtlich, dass hier aufgesäuert wurde und Vorbild dabei ist das Burgund (weiss und rot). In Südtirol, das zeigen die von mir aus 2015 verkosteten Weissen, scheint das dagegen (noch) kein Thema zu sein.


Wenn jemand auch in wärmeren Jahren was Frisches in die Flasche zaubert, dann kann die Aufsäuerung dabei eine Rolle spielen, muß aber nicht. Ganz entscheidend ist z.B. der richtige Lesezeitpunkt. In 15 haben wohl viele Winzer voller Begeisterung zu sehr auf die Zuckergehalte geschaut und die Säure eher an zweiter Stelle gesehen. Außerdem weiß ich von Winzern, die erzählt haben, daß in 15 die Zuckergehalte teils innerhalb weniger Tage "durch die Decke gingen". Mancher hatte dann nicht genügend Personal, um alle Trauben zum optimalen Zeitpunkt zu lesen. Und wenn tatsächlich aufgesäuert wurde, dann ist mir die frischere Variante immer noch lieber als das "breite Original".

olifant hat geschrieben:Was ich jedoch sagen will, ist, wenn man einzelnen Winzern / WG über Jahre hinweg "treu" bleibt, fängt man an die eigentliche Qualität derselben zu erkennen. Selbst wenn es bei Einzelverkostungen den Anschein hatte, der eine oder andere Wein sei schwach, zeigt sich, dass man mit seiner Ersteinschätzung gerne auch mal grob daneben lag, eben dann, wenn man diese mit Abstand und Lager immer mal wieder im Glas hatte und damit Jahrgangscharakteristiken und Qualität immer wieder in anderem Licht erscheinen.


Da ist einerseits was Wahres dran, andererseits, wenn's um die Säurestruktur geht, dann kann sich mit der Lagerung ja nur noch die Qualität der Einbindung zum Vorteil entwickeln, eine Säurevermehrung geschieht ja erst mal nicht, zumindest solange aus dem Saft kein Essig wird. Deshalb: wenn's offensichtlich am Säuregehalt hapert, lasse ich es lieber, da habe ich zu wenige -nämlich fast gar keine Beispiele-, daß aus "breit" mit Lagerzeit auf einmal "spitz" wird. Oder so...
Viele Grüße
Erich


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Jürgen

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragMi 9. Mai 2018, 17:09

Invest hat geschrieben:Am Wochenende konnte ich zudem auch noch den 2011er 'Castel Campan' probieren. Auch enttäuschend, deutliche Noten von Überreife und nur begrenzte Trinkfreude auch in Anbetracht des aufgerufenen Preise von 86 Euro im Restaurant (86 Pkte).

Hallo Christian,

im Oktober letzten Jahres habe ich den von dir erwähnten 201er Castel Campan über einen schönen Wochenendtag getrunken.
Hier meine VKN dazu:
Castel Campan 2011 von Manincor. Ein Wein der mir eine enorme Trinkfreunde bereitet hat! Noten nach dunklen Beeren. Zu Anfang am Nachmittag Noten nach hellerer Schokolade und leicht rappig. Am späten Abend Noten nach dunklerer Schokolade und deutlich tanniniger. Über den kompletten Trinkzeitraum war der Wein schmelzig bei moderater Säure und sehr lang im Abgang. 94-95P mit weiterem Lagerpotential.
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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragMi 9. Mai 2018, 18:32

...entweder deutlich unterschiedliche Wahrnehmung des Weins oder krass unterschiedliche Lagerbedingungen? Bei manchen, auch vermeintlich besseren Restaurants habe ich ja meine Zweifel, was die Aufbewahrung der Weine angeht. Ich komme deswegen drauf, weil oben auch von "Überreife" die Rede war...
Viele Grüße
Erich


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Invest

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragMi 9. Mai 2018, 19:20

Hallo Jürgen,

ich hatte Manincors 'Castel Campan', allerdings den 2013er, im letzten Jahr (März) kennen und schätzen gelernt. So war ich hocherfreut, jetzt den Jahrgang 2011 in einem anderen Hotelrestaurant auf der Weinkarte zu entdecken.

Tja, ich kann nur das beurteilen, was ich im Glas hatte und geschmeckt habe. Die Frucht wirkte müde und leicht ausgezehrt. Hinzu kam ein mich störender unharmonischer Geschmackston, der häufig auch bei überreifen Chateauneuf Du Papes anzutreffen ist. Diese Flasche ganz klar über seinem Zenit. Mag sein, dass es an der Lagerung gelegen hat. Den 2013er hab ich im Februar letzten Jahres bei etwa 92 Pkte gesehen und mir auch zwei Flaschen davon gekauft. Eigentlich wollte ich noch etwas warten. Gross, i.e. >=95 Pkte sehe ich den 'Castel Campan' vom Potential her jedoch generell nicht.

Viele Grüsse
Christian
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Jürgen

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragDo 10. Mai 2018, 13:46

Invest hat geschrieben:Hallo Jürgen,

ich hatte Manincors 'Castel Campan', allerdings den 2013er, im letzten Jahr (März) kennen und schätzen gelernt. So war ich hocherfreut, jetzt den Jahrgang 2011 in einem anderen Hotelrestaurant auf der Weinkarte zu entdecken.


Ich habe noch Flaschen vom 2011er und auch vom 2013er im Keller und werde demnächst mal wieder den 2011er "testen" und dann berichten. Vielleicht bin ich ja auch beeinflusst, weil ich das Weingut so toll und die Inhaberfamilie so nett finde?
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