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Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

Von A wie Aldi bis Z wie Zielpunkt
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austria_traveller

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragFr 12. Jul 2019, 08:31

Hab ich schon korrigiert.
Trotzdem finde ich die Aussage schon seltsam. Ich bin Österreicher und weiß das mit dem Öl.
Jedesmal wenn wir auf Urlaub sind sehen wir Olivenöl bei irgendeinem Bauern um einen 10er
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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amateur des vins

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragFr 12. Jul 2019, 08:54

...und das ist auch schon ein wesentlicher Punkt, mit Öl, Wein, Käse, was-auch-immer:
Es ist ein Unterschied, ob es eine Vertriebskette gibt, an deren Ende man das Produkt erwirbt, oder ob man "mal eben beim nächsten Bauern vorbeischaut", der womöglich nichtmal kommerzielle Interessen damit verfolgt, weil es nur ein Hobby neben dem Haupterwerb ist. Und zwar sowohl pekuniär, als auch bezüglich des getriebenen Aufwands.

Lakrisi, ich könnte mir vorstellen, daß Du auch in deutschen Weinbauregionen Bauern findest, die nebenher ein paar Liter unter weitgehendem Verzicht auf Technik und Zusätze erzeugen. Einige werden vielleicht sogar günstig davon abgeben. Und womöglich sind Weine darunter, die Dir zusagen. Ich sehe nicht, warum sich Deutschland und Italien diesbezüglich grundsätzlich unterscheiden sollten.

Allein, im Einzelhandel wirst Du genau diese Art von Wein wohl kaum finden. Und auch das wird in italien nicht anders sein; die Beiträge in diesem Thread lassen das ja auch durchklingen, auch Deine.

Tut mir leid, ich fürchte, ich kann hier nicht helfen. Ist auch nicht mein Beuteschema.
Besten Gruß, Karsten
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Gerald

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragFr 12. Jul 2019, 09:08

Auch aus Sicht des Handels kurz nachgedacht: Angenommen, der Wein kostet 1 Euro die Flasche oder so, da ist die Spanne für den Handel naturgemäß klein - verursacht aber für die Logistik ähnliche Kosten wie ein 5- oder 10-Euro-Wein. Wenn der Wein dann auch nicht lange haltbar ist, wäre ein Händler ziemlich unklug, so etwas ins Sortiment aufzunehmen. Noch dazu, da die Nachfrage danach offenbar nicht so groß ist ...

Vielleicht ist die Situation da in Italien einfach anders, wo viele Bauernhöfe nebenbei ein paar Quadratmeter Rebfläche haben, ihren Hauswein erzeugen und Überschüsse an die lokale Gastronomie (oder durstige Touristen wie bei uns damals) abgeben. In D oder Ö ist das aber meines Wissens nicht üblich.

Grüße,
Gerald
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mixalhs

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragFr 12. Jul 2019, 09:26

Gerald hat geschrieben:
Vielleicht ist die Situation da in Italien einfach anders, wo viele Bauernhöfe nebenbei ein paar Quadratmeter Rebfläche haben, ihren Hauswein erzeugen und Überschüsse an die lokale Gastronomie (oder durstige Touristen wie bei uns damals) abgeben. In D oder Ö ist das aber meines Wissens nicht üblich.


Genau das habe ich in Italien erlebt. Während ich beim Weingut La Prendina (nicht weit vom Gardasee) Weine probierte , um dann ein paar Sechserkartons zu kaufen und nach Hause mitzunehmen, wurde für Kunden aus der Region Wein direkt aus dem Stahlank in mitgebrachte Behältnisse gefüllt und zu sehr bezahlbaren Preisen verkauft. Ich habe diese offenen Weine dann auch probiert, und sie waren erstaunlich gut.

Das funktioniert natürlich nur, wenn die Weine rasch getrunken werden. Ein längerer Transport oder eine Lagerung über mehr als eine Woche würden nicht funktionieren.
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Lakrisi

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragFr 12. Jul 2019, 09:58

amateur des vins hat geschrieben:Verstehe ich Dich richtig - Du gehst davon aus, daß jeder Wein mit > 9 % Alkohol chaptalisiert und somit "künstlich" ist?

Wie kommt man zu so einer Aussage - oder anders gefragt, warum die Polemik?
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Lakrisi

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragFr 12. Jul 2019, 10:07

austria_traveller hat geschrieben:
Lakrisi hat geschrieben:Geerntet werden sie immer reif (zumindest im Süden). Da ergibt die gleiche Sorte fast immer den gleichen Alkoholgehalt.

immer reif ist jetzt aber keine verlässliche Aussage. Wenn im Refraktometer die Zuckerwerte passen wird geerntet.
Mit den Jahren habe ich feststellen können, dass die Alkoholgrade mehr werden.
Mit Experimentierkasten kann ich jetzt wirklich nicht viel anfangen ?

Das gilt nur für den (hohen) Norden. Südlicher wurden die Trauben schon immer reif. Mal etwas früher, mal später - aber IMMER reif - und so erntet man sie seit Jahrtausenden. Die meisten Weinbauern dort haben gar kein Refraktometer, weil sie es schlicht nicht brauchen.

austria_traveller hat geschrieben:
Lakrisi hat geschrieben:Während man selbst in Italien für gutes Olivenöl locker 20 Euro je Liter bezahlt (eher mehr)

Das verwundert mich jetzt schon ein wenig ?
Also für Einheimische schätze ich dass du schon um einen 10er ein gutes Olivenöl bekommst

Nein, sicher nicht. Die Produzenten geben gutes Öl bereits nicht unter 20 Euro her...

austria_traveller hat geschrieben:@Naturprodukt
Vielleicht solltest du mal zu einem Winzer gehen und dort einen Orangenwein probieren.
Allerdings musst du dann mehr Geld in die Hand nehmen, als ein paar Euro.
So anspruchsvoll wie du bist (aber nicht bei den Preisen, da darf es gerne weniger sein) ist es wohl besser du machst den Wein selbst ;-)

Das sind keine Ansprüche. Ich stelle lediglich fest, dass in südlichen Ländern sehr gute Weine für sehr wenig Geld abgegeben werden und hier - eher - schlechte Wein mit einem kräftigen Aufpreis ankommen, die obendrein gerne und oft "frisiert" sind (siehe Stern Artikel).
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Lakrisi

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragFr 12. Jul 2019, 10:21

austria_traveller hat geschrieben:Hab ich schon korrigiert.
Trotzdem finde ich die Aussage schon seltsam. Ich bin Österreicher und weiß das mit dem Öl.
Jedesmal wenn wir auf Urlaub sind sehen wir Olivenöl bei irgendeinem Bauern um einen 10er

Das ist ein Missverständnis, da ich hier den Begriff des "guten Olivenöls" aus professioneller Sicht verwendet habe. Ich bitte um Entschuldigung.
Die Qualität (und damit der Preis) des Olivenöls wird, u. A., nach dem Säuregehalt bewertet. Richtig gute/teure Öle kann man längst nicht in allen Regionen anbauen!
Für 10 Euro kann man, z. B., ein gutes kräftiges Olivenöl aus Apulien bekommen. "Gut" habe ich hier umgangssprachlich verwendet. Diese Öle sind ideal für Salate, da sie sehr geschmacksintensiv sind (kräftiger Duft). Zum Braten sind diese jedoch ungeeignet, da fangen sie an zu stinken.
Es gibt noch zig andere Kriterien. Wir haben Bekannte in einer "Top-Anbauregion". Da lagen schon die Freundschaftspreise vor 10 Jahren über 20 Euro (sprich: sie erhalten deutlich mehr, wenn sie das Öl anderweitig verkaufen).
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austria_traveller

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragFr 12. Jul 2019, 10:45

Lakrisi hat geschrieben:Zum Braten sind diese jedoch ungeeignet, da fangen sie an zu stinken.

Ich geb das mal so meinen Olivenöllieferanten weiter und klink mich dann mal aus .... :?
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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Ollie

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragFr 12. Jul 2019, 10:52

Erstaunlich, wie weit die KIs schon sind. :shock: :roll: 8-)
Die Erde ist flach, und wir leben auf ihrer Innenseite.
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EThC

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragFr 12. Jul 2019, 10:57

Lakrisi hat geschrieben:
amateur des vins hat geschrieben:Verstehe ich Dich richtig - Du gehst davon aus, daß jeder Wein mit > 9 % Alkohol chaptalisiert und somit "künstlich" ist?

Wie kommt man zu so einer Aussage - oder anders gefragt, warum die Polemik?

Na ja, ehrlich gesagt drängt sich einem -auch mir- die Frage schon auf, wenn man deine vorangegangenen Statements so liest, das mag aber auch mit Mißverständnissen zu tun haben. Hier sind halt hauptsächlich "Weinnerds" unterwegs, und die verstehen halt z.B. Ausdrücke wie "Tafelwein", "Vino da Tavola" etc. erst mal so, wie sie auch weinrechtlich definiert sind. Wenn das anderweitig umgangssprachlich anders gehandhabt wird, sind die Mißverständnisse bereits vorprogrammiert.

Vielleicht noch ein paar Erläuterungen zum Thema:

Alkoholgehalt: der ist zum einen davon abhängig, wieviel Zuckergehalt in der Traube bei der Lese vorhanden ist und zum anderen davon, wie weit man den Wein gären läßt. Auf der Seite
https://de.wikipedia.org/wiki/Grad_Oechsle
findet man eine Tabelle, die zeigt, welcher Alkoholgehalt erreichbar ist, wenn man den Wein vollständig durchgären läßt, z.B. 13 % Alkohol bei 95 Grad Oechsle Mostgewicht (was dann z.B. eine "Spätlese" ist). Ein Wein, der durchgegoren nur 9 % Alkohol hat, hat demnach bei der Lese gerade mal knapp 70 °Oe, das ist in Zeiten des Klimawandels mit immer höheren Temperaturen nix, in Italien zweimal nix. Um so was zu schaffen, muß man die Trauben entweder sehr früh -quasi grün- ernten oder den Wein nicht komplett durchgären lassen, was dann zu höheren Restzuckergehalten führt und je nach Weinstilistik ja durchaus gewollt ist. Aufgezuckert wird heute bei ordentlichen Qualitäten eigentlich nur noch selten, da die Trauben aufgrund der sich ändernden Wachstumsbedingungen in der Regel genügend hohe Mostgewichte erreichen. Wenn man aber beim Weinbau auf Höchstertrag setzt, bilden die Trauben auch vergleichsweise weniger Zucker aus und dann wird auch schon mal mit Fremdzucker nachgeholfen. Das war übrigens in Deutschland früher fast durchgehend die Regel, weil es in den Weinbergen damals einfach zu kalt war, als daß man die Trauben durchgehend anständig reif bekommen hat. Wenn in D auf der Flasche übrigens "Prädikatswein" d'rauf steht, darf der Wein nicht aufgezuckert sein, beim "Qualitätswein" ist es zwar rechtlich möglich, wird heutzutage aber wohl eher selten gemacht, wenn, dann aus oben erwähnten Gründen. Heute ist es eher verbreitet, die Moste zur Stabilisierung aufzusäuern, weil es nunmehr vielen Reben schlicht zu warm ist...

Schwefel: je nach Terroir und Rebsorte ist im Most von Haus aus mehr oder weniger Schwefel enthalten. Um die Weine zu stabilisieren, wird allermeistens noch Schwefel dazugegeben, was aus meiner Sicht erst mal nix Schlimmes ist, wenn man's nicht übertreibt. Weine ganz ohne Schwefel gibt es praktisch nicht, Weine ohne Schwefelzusatz dagegen schon. Allerdings sind viele dieser "Zero-S-Weine" schlicht und ergreifend nicht trinkbar. Zur Herstellung solcher Weine gehört viel Erfahrung und vor allem Sorgfalt, dann können das ganz großartige Sachen sein. Aber das hat dann auch seinen Preis. Und es funktioniert auch nur bei ganz trockenen Weinen und penibler Sauberkeit im Keller (laut Winzeraussage).

Ansonsten beziehe ich mich auf die Aussage eines der Blogger-Urgesteine in D, der (wenn ich mich recht erinnere) mal sinngemäß geschrieben hat, daß ein "ehrlicher Wein" in D ab ca. 8 EUR/l möglich ist. D'runter muß man dann das "Tricksen" anfangen und das, was man durch entsprechende Arbeit im Weinberg aus Kostengründen nicht mehr machen kann, im Keller durch günstigere Ersatzmaßnahmen aufholen. Das ist dann das, was Du vermutlich als "Kunstwein" deklarierst. Wenn der Kunde aber unbedingt Wein für 1,99 Euronen / Flasche haben will, führt am Kunstwein kein Weg vorbei.
Wenn Du was suchst, was in reiner Handarbeit und möglichst wenig bis gar keinen Eingriffen im Keller hergestellt wird, dann bist Du preislich einfach bei 15 Euronen plus unterwegs. Und da kommen dann auch je nach Jahrgang, Rebsorte und beabsichtigter Stilistik auch gerne mal über 13 Umdrehungen 'raus, ohne daß da aufgezuckert oder sonstwie nachgeholfen wurde.

Supermarkt & Co.: schon aus logistischen Gründen wird ein Supermarkt in der Regel nur Weine von großen Herstellern bzw. Abfüllern im Sortiment haben. Was nützt dem ein Winzer, der nur ein paar 1.000 Flaschen im Jahr herstellt? Wenn man nicht im sechsstelligen Bereich liefern kann, ist das für die Handelsketten nicht machbar mit ihren vielen Filialen, auf klein-klein sind die nicht eingestellt. Nur wenn Supermarkteigner im Franchise-System arbeiten, können diese neben dem Regelsortiment auch noch was "Eigenes" anbieten, bei manchen inhabergeführten Edekas z.B. passiert das, ist aber dann vom Interesse des Inhabers abhängig, was der da ggf. zusätzlich ins Regal stellt. Aber auch die haben in den allerseltensten Fällen Sachen, die auch für passionierte Weinliebhaber interessant sind.

Deshalb sehe ich nach wie vor keine "ins Auge springende" Lösung für Deine Nachfrage...
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
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