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Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

Von A wie Aldi bis Z wie Zielpunkt
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Lakrisi

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Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragDi 9. Jul 2019, 14:47

Hallo, :)

ich bin italienischer Staatsbürger und lebe in Deutschland. Künstliche Weine schmecke ich schnell heraus. Ich kann Sulfit nicht ausstehen; auch Holzpulver verdirbt mir zuverlässig den Genuss.

Ich erinnere mich, dass man vor ein-zwei Jahrzehnten gute günstige (meist italienische) Weine in den deutschen Supermärkten fand. Die Tafelweine hatten hierbei in aller Regel 9 oder 9,5% (Vol.), selten mehr. Dies entspricht einem natürlichen Wein.
Heute finden sich fast nur noch Weine mit 12% oder mehr in den Regalen. Manche haben gar 15%. Zu allem Überfluss handelt es sich dabei noch um "Kunstweine", die alle – mehr oder minder – gleich schmecken (nämlich scheußlich).

Darum meine Frage: Wo gibt es noch günstige, natürliche (=echte) Weine in den Märkten? Mir genügt hierbei vollends ein Tafelwein mit 9%. Je weniger filtriert wurde, desto besser.

Danke für eure Hilfe!
Lakrisi
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EThC

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragDi 9. Jul 2019, 17:55

...na ja, Natürlichkeit beim Wein hat erst mal nichts mit dem Alkoholgehalt zu tun. Je nachdem, wieviel Zucker die Trauben ausbilden (egal, wie "natürlich" das vonstatten geht) und wie weit man den Wein dann durchgären läßt, entsteht mehr oder weniger Alkohol. Was Du als "künstlichen Wein" beschreibst, ist vermutlich die Massenware, die in der Regel in den Supermärkten verkauft wird. Technisch soweit i.O., häufig etwas mehr auf der plakativ-fruchtigen Seite mit mehr oder weniger langem Zuckerschwänzchen unterwegs, aber in der Regel eben belanglos.
Ich vertrete die Auffassung, daß es um möglichst wenig Geld nicht den maximalen Genuß gibt und daß die Supermärkte die falsche Adresse sind, wenn man beim Wein was sucht, was "anders als die anderen" schmeckt. Es mag im Einzelfall mal Ausnahmen geben, aber die muß man dann schon mit der Lupe suchen, dazu hab' ich selbst keine Lust (mehr). Besser mal zum Weinhändler (oder auch auf ein etwas ambitionierteres Weinfest / Weinmesse) gehen und einfach probieren. Wer suchet, der findet...
Ach ja: und unfiltriert, da ist man im Supermarkt an der total falschen Adresse!
Viele Grüße
Erich


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Lakrisi

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragMi 10. Jul 2019, 09:37

Ich weiß, zu welchen Preisen die kleinen Winzer in Italien ihre Weine "abtreten". Da ist ein Euro pro Liter schon viel - und das sind, nicht selten, sehr gute Weine. In anderen Ländern ist dies noch deutlich weniger (Mazedonien & Co.).

Ein Tafelwein ist meist "frisch" (jung). Bei den Weinen im Supermarkt (12-15%) wird auf alle nur erdenklichen Arten nachgeholfen. Das würde ich dann nicht mehr als Wein bezeichnen wollen.
Wir haben eine solche "Weinfabrik" in Italien in unmittelbarer Nachbarschaft. Dort wird der günstigste Wein importiert (Osteuropa), "frisiert", und dann unter zig Markennamen in die Märkte gedrückt. Furchtbar!

Ich suche lediglich nach einem brauchbaren Tafelwein. Beim Weinhändler stehen die Chancen nicht schlecht, dass ich einen Wein erhalte, wo Flasche und Etikettierung (inklusive nichtssagender Auszeichnungen) mehr kosten als der Inhalt. Da nehme ich lieber eine 2l Flasche mit Schraubverschluss und gutem Inhalt. ;-)
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EThC

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragMi 10. Jul 2019, 16:00

Lakrisi hat geschrieben:Ich suche lediglich nach einem brauchbaren Tafelwein. Beim Weinhändler stehen die Chancen nicht schlecht, dass ich einen Wein erhalte, wo Flasche und Etikettierung (inklusive nichtssagender Auszeichnungen) mehr kosten als der Inhalt. Da nehme ich lieber eine 2l Flasche mit Schraubverschluss und gutem Inhalt. ;-)

...nicht böse sein, aber ich habe so den Eindruck, daß Du verglichen mit den meisten Forumsmitgliedern hier in komplett anderen Kategorien denkst. Ich jedenfalls kann Dir da nicht weiterhelfen. Ich habe zwar auch ein bißchen was an "Vino di Tavola" im Keller liegen, aber die sind nur deshalb in dieser untersten Qualitätsebene eingeordnet, weil die Winzer sich -mit Vorsatz übrigens- nicht an die jeweiligen IGT- oder DOC-Regeln halten. Da kostet so eine Flasche dann auch gerne mal deutlich mehr als 30 Euronen. Und in Deutschland heißt sowas dann schlicht "Wein" (früher "Tafelwein", aber die Bezeichnung gibt's offiziell nicht mehr) oder eine Stufe d'rüber dann "Landwein" (entspricht in etwa dem italienischen IGT).
Lakrisi hat geschrieben:Da nehme ich lieber eine 2l Flasche mit Schraubverschluss und gutem Inhalt. ;-)

...ich wage allerdings zu bezweifeln, daß diese Weine "natürlich" entstanden sind. Um die Preise für solche Sachen niedrig halten zu können, ist intensiver Maschinen- und Pflanzenschutzmitteleinsatz sowie das konsequente Trimmen auf Höchsterträge notwendig, sonst geht das nicht, auch nicht in Mazedonien. Wenn's also nicht aus einer großen Kellerei stammen soll (nur solche beliefern die Supermarktketten), aber andererseits auch nix kosten darf, dann bleibt wahrscheinlich nur noch der Weg zu einem Winzer, der seine Trauben nebenher quasi auf die rustikale Art keltert und zufällig Deinen Geschmack trifft...
Viele Grüße
Erich


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OsCor

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragMi 10. Jul 2019, 16:17

Italienischer Wein, trocken ausgebaut mit 9%? Gab es das jemals?
Ganz abgesehen davon wundert mich die Aussage zu den Literpreisen, wenn Winzer Ihre Produkte an weiterverarbeitende Kellereien liefern. In der Regel werden doch Trauben geliefert und Kilopreise bezahlt und nicht fertiger Wein verkauft.
Merkwürdige Suche.

Gruß
Oswald
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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragMi 10. Jul 2019, 17:00

OsCor hat geschrieben:Italienischer Wein, trocken ausgebaut mit 9%? Gab es das jemals?

Ich hab' heute dann tatsächlich, als ich unterwegs war, mal in einem Edegga "en passant" geschaut, was so eine italienische 2 Liter-Magnum an Alk hat, waren 10,0 Umdrehungen... :o
Wie trocken der ist, erschließt sich einem gemäß den italienischen Kennzeichnungsgepflogenheiten ja nicht. :?
Viele Grüße
Erich


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Lakrisi

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragMi 10. Jul 2019, 17:36

EThC hat geschrieben:... Ich habe zwar auch ein bißchen was an "Vino di Tavola" im Keller liegen, aber die sind nur deshalb in dieser untersten Qualitätsebene eingeordnet, weil die Winzer sich -mit Vorsatz übrigens- nicht an die jeweiligen IGT- oder DOC-Regeln halten. ...

"Vino di tavola" ist in Weinanbaugebieten meist ein junger Wein, der nicht lange haltbar ist. Dies ergibt sich meist aus dem Umstand, dass er nicht so viel Alkohol hat und, des Geschmackes wegen, wenig gefiltert wird. Häufig sind es auch besondere Trauben, die nicht allzu viel Zucker bilden, dafür aber geschmacklich glänzen (bspw. "uva fragola").
Nicht alle Trauben sind gleich (zum Glück). Im Süden werden tendenziell eher süße Trauben angebaut, die viel Zucker bilden (meist niedrig stehend). Dies ist dem Umstand geschuldet, dass man im Süden keine Keller hatte und die Weine haltbar sein mussten. Häufig wurden sie aus diesem Grunde gar noch gekocht. Deshalb schmecken sie eher nach Sherry ("marsala") und fangen bei 12% an (Unterkante). Sie sind eher, in kleinen Mengen, zum Dessert zu empfehlen.
Gen Norden, hat man hingegen die Ranken (teils ganz alt, um die Häuser herum). Hier hat man auch Keller. Natürliche, trockene, Weine haben hier selten mehr als 11½%. Tafelweine liegen bei 9-10%.
Das hat alles nichts mit "Minderwertigkeit" zu tun, sondern ist unterschiedlichen Sorten geschuldet.
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Lakrisi

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragMi 10. Jul 2019, 17:47

OsCor hat geschrieben:...Ganz abgesehen davon wundert mich die Aussage zu den Literpreisen, wenn Winzer Ihre Produkte an weiterverarbeitende Kellereien liefern. In der Regel werden doch Trauben geliefert und Kilopreise bezahlt und nicht fertiger Wein verkauft.
Merkwürdige Suche.

Dies ist, zum Teil, dem Erbrecht geschuldet. In Italien (und vielen anderen Ländern) wurden die Ländereien unter den Söhnen aufgeteilt. So wurden sie im Laufe der Zeit immer weiter geteilt, bis nur noch kleine Grundstücke übrig blieben.
Die meisten Weinbauern bauen, aus Eigeninteresse, mehrere Sorten an. Die Mengen reichen dann schlicht nicht, um den Wein zu verkaufen. Mit Glück findet sich eine Genossenschaft ("cantina sociale"), die Weine aufkauft und Mischungen erstellt. Diese können dann – in größeren Mengen – in den Vertrieb kommen. Weinmischungen sind übrigens nichts Ungewöhnliches. Wenn jemand das Handwerk beherrscht, kann man hierdurch sehr gute Weine erzeugen.
Die Winzer produzieren den Wein in erster Linie für den Eigengebrauch. Dann schaut man, was übrig bleibt. Das wird dann, idealerweise, an die Genossenschaften abgetreten. Was übrig bleibt, hängt stark vom Wetter ab und kann schon mal bei Null liegen (Hagel).
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OsCor

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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragMi 10. Jul 2019, 19:11

Ok, dass Wein verkauft wird, passte jetzt nicht in meinen Erfahrungsschatz. Mein Großvater und mein Vater haben immer 2 Fässer à 150 l selber ausgebaut und die restlichen Trauben dann verkauft. Das heißt, man wusste schon ungefähr, wieviele Trauben gepresst werden mussten, um die beiden Fässer voll zu bekommen. Die Arbeit, den Rest auch noch auszubauen, hat man sich nicht gemacht. Übrig geblieben sind meist zwischen 600 und 1000 kg Trauben, die dann entsprechend der Öchslegrade abgerechnet wurden.
Der Gutedel brachte zu der Zeit (vor 1990) tatsächlich häufig Weine mit ca. 10° Alkohol, manchmal auch (deutlich) weniger, so dass aufgezuckert werden musste. Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich bei Behauptungen, der Gutedel sei eine recht säurearme Rebsorte, früher regelrecht aufgejault habe :-)

Sorry für OT.

Gruß
Oswald
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Re: Günstige, natürliche Tafelweine um die 9% Vol.?

BeitragMi 10. Jul 2019, 19:51

Lakrisi hat geschrieben:"Vino di tavola" ist in Weinanbaugebieten meist ein junger Wein, der nicht lange haltbar ist.

Das mag im umgangssprachlichen Gebrauch so sein, weinrechtlich ist das in Italien die unterste Kategorie, über Alkoholgehalt, Alter und / oder Haltbarkeit sagt das aber rein gar nichts aus. Da d'rüber kommen dann die IGT's, dann die DOC's und DOCG's. Letztere Herkunftsbezeichnungen wurden eingeführt, um den vor zig Jahren in Italien anscheinend marodierenden Weinbau qualitativ wieder anzukurbeln, was generell auch gelungen ist. Wenn jemand im entsprechenden Gebiet einen Wein herstellt(e), der nicht den DOC- bzw. DOCG-Regularien entsprach, war's dann automatisch ein Vino di Tavola. Auch die besten und teuersten Weine Italiens waren seinerzeit sehr häufig "nur" Vino di Tavolas. Später hat man dazwischen noch die IGT's eingeführt, da sind die Regeln und Kontrollen nicht ganz so streng...
Viele Grüße
Erich


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