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Biologisch vs. Biodynamisch

Von der Weinbergspflege bis zur Kellertechnik
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thvins

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Re: Biologisch vs. Biodynamisch

BeitragFr 22. Jun 2012, 09:17

Hallo Gerald, im Priorat wohl eher nicht,

da gibt es wenig auf´s Label Versessene - Sie machen es einfach aus innerer Überzeugung und gut. Sie zeigen es dir gern im Weinberg und im Keller und erkären ihre Philosophie, aber sich der Bürokratie einer Zertifizierung unterwerfen tun sie sich am wenigsten gern. Demeter ist im Priorat eigentlich nicht relevant und wenn man sich beim CCPAE (dem offiziellen katalanischen Biolabel) zertifizieren lässt, dann wegen der höheren Akzeptanz von Weinen mit Label in Ländern wie Deutschland, wo es eben ein starkes Label-vernarrtes Klientel gibt. Wenn diese Weine dann nach der Zertifizierung teurer werden, dann im Übrigen wegen der durchaus immensen Bürokratiekosten für Prüfung etc. Besser werden die Weine durch das Label jedenfalls nicht. Eben weil die meisten bereits vor dem Gang zum Amt mit entsprechender Überzeugung gearbeitet haben.

Die Weine lassen sich schon oft ab dem ersten Glas gut trinken, nur entwickeln sie sich halt und erscheinen mir oft facettenreicher. Daher lassen sie sich besser als Roman lesen, denn als Kurzzusammenfassung, sprich, sie offenbaren oft viel mehr als nach nur einem Probeschluck erfassbar ist. Das kannst du Magie nennen, ich nenne es Lebendigkeit und Wandelbarkeit.

Das mit der Harmonie ist auch kein schlechtes Ding beim Weingenuss, ich nenne es oft das miteinander Tanzen - die männlichen und die weiblichen Eigenschaften im Wein müssen miteinander harmonieren, das ist wie Ying und Yang. Das finde ich in den Weinen, die im Einklang mit der Natur hergestellt werden öfter als bei konventionell hergestellten Weinen.

Auch finde ich eben mehr Bekömmlichkeit, was ja manchmal schon schlicht an mehr oder weniger Schwefel liegen kann... In den Philosophien der Biodynamiker und der Naturweinverfechter ist es eben unüblich, Unmengen zu schwefeln. So wenig wie nötig lautet auch da das bessere Motto.

Es muss für mich auch nicht immer alles geregelt, genormt, definiert und bürokratisiert werden, in Geschmacksfragen nicht, genau so wenig wie in der Kunst. Mir persönlich reicht es, wenn das Streben nach Perfektion und der Respekt vor der Umwelt eine nicht unwesentliche Rolle im Denken und Handeln des Schöpfers (sprich Weinmachers, Winzers) spielen.
Beste Grüße

Torsten

http://www.torsten-hammer-priorat-guide.com
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Desmirail

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Re: Biologisch vs. Biodynamisch

BeitragFr 22. Jun 2012, 09:30

UlliB hat geschrieben:Biodyvin, hat mit Demeter nichts, aber auch gar nichts am Hut.

Gruß
Ulli


Jaja, Biodyvin, aber biodyn ist an demeter gekoppelt. Zumindest wenn bei mir jetzt biologisch und dynamisch nicht alles völlig durcheinander geht :| ;) :)
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olifant

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Re: Biologisch vs. Biodynamisch

BeitragFr 22. Jun 2012, 09:48

Und ich vermag des Wort

Weinzelmännchen hat geschrieben:.... substitatnativisch ...


in keinster Weise zu deuten :shock:

... aah, sehe grad, dass ich da schon recht spät dran bin :lol:
Grüsse

Ralf
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UlliB

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Re: Biologisch vs. Biodynamisch

BeitragFr 22. Jun 2012, 10:28

Desmirail hat geschrieben: aber biodyn ist an demeter gekoppelt.


Ja, der konkrete Begriff biodyn scheint eine Marke im Besitz von Demeter zu sein. Aber eben nicht "biologisch-dynamisch" oder "biodynamisch", die Bezeichnungen dürfen auch andere verwenden.

Gruß
Ulli
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Desmirail

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Re: Biologisch vs. Biodynamisch

BeitragFr 22. Jun 2012, 10:33

UlliB hat geschrieben:
Desmirail hat geschrieben: aber biodyn ist an demeter gekoppelt.


Ja, der konkrete Begriff biodyn scheint eine Marke im Besitz von Demeter zu sein. Aber eben nicht "biologisch-dynamisch" oder "biodynamisch", die Bezeichnungen dürfen auch andere verwenden.

Gruß
Ulli


Aso.
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Markus Vahlefeld

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Re: Biologisch vs. Biodynamisch

BeitragFr 22. Jun 2012, 15:02

Mein Kenntnisstand ist, dass der Schutz des Begriffs "biodyn" für demeter abgelehnt worden ist oder zurückgezogen wurde.

Zum Hintergrund: manche Anthros sind immer noch sehr sehr stolz darauf, dass die ganze Anthro-Geschichte eher einem anarchisch bis anarchistischem Impuls entsprungen ist. Die Übernahme quasi staatlicher Aufgaben - also Begriffsschutz über inhaltliche Kontrolle u.ä. - wird in diesen Kreisen sehr kritisch gesehen.

Jeder, der kosmische Einflüsse im Landbau bewusst unterstützt und verstärkt und dazu noch das Menschenbild Steiners anerkennt und die Vorgaben Steiners als mindestens anregend empfindet, sollte sich bio-dyn nenenn dürfen.
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UlliB

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Re: Biologisch vs. Biodynamisch

BeitragFr 22. Jun 2012, 15:55

Markus Vahlefeld hat geschrieben:Zum Hintergrund: manche Anthros sind immer noch sehr sehr stolz darauf, dass die ganze Anthro-Geschichte eher einem anarchisch bis anarchistischem Impuls entsprungen ist. Die Übernahme quasi staatlicher Aufgaben - also Begriffsschutz über inhaltliche Kontrolle u.ä. - wird in diesen Kreisen sehr kritisch gesehen.

Jeder, der kosmische Einflüsse im Landbau bewusst unterstützt und verstärkt und dazu noch das Menschenbild Steiners anerkennt und die Vorgaben Steiners als mindestens anregend empfindet, sollte sich bio-dyn nenenn dürfen.


Wobei die etablierten Markenverbände von Demeter bis zu Biodyvin sehr konkrete und enge Vorgaben machen. Von Anarchie ist da nichts zu spüren, für den Außenstehenden dafür aber sehr viel von ideologischer Rigorosität.

Gruß
Ulli


PS. Ach ja, und ganz gut Geld gemacht wird da auch noch...
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Markus Vahlefeld

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Re: Biologisch vs. Biodynamisch

BeitragFr 22. Jun 2012, 17:59

Ja, deswegen sind diese Verbände auch nicht umumstritten in der Szene und ihre Macht - hier: Begriffsschutz - wird so löchrig wie möglich zu halten versucht. Bei Waldorf ist es nicht anders. Der Bund der Waldorfschulen hat das Namensrecht auf Waldorfschule und hat schon versucht, gegen Schulen, die "nach der Waldorfpädagogik" arbeiten zu klagen. Da haben die aber schön einen auf die Mütze bekommen. Auch intern.

Aber das Problem mit Verbänden ist halt immer, dass sie ihre Macht ständig ausdehnen wollen statt in der Bewegung des sich-Abschaffens zu sein. Wie der vormundschaftliche Staat.
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Gerald

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Re: Biologisch vs. Biodynamisch

BeitragMi 15. Okt 2014, 08:25

Interessantes Forschungsergebnis, das die oft beworbene Artenvielfalt in Biobetrieben doch stark relativiert.

Besonders im Weinbau sind die Unterschiede zwischen biologisch und konventionell arbeitenden Betrieben gering, was ja nicht ganz zu den gerne gezeigten Fotos von Bioweingütern mit "Blumenwiesen" zwischen den Rebzeilen passt.

http://derstandard.at/2000006820735/Ob- ... g-Einfluss

Natürlich ist das nur einer von vielen Faktoren für die Umweltfreundlichkeit von Betrieben, aber doch einer, der gerne plakativ in Szene gesetzt wird ...

Grüße,
Gerald
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robertz

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Re: Biologisch vs. Biodynamisch

BeitragMi 15. Okt 2014, 10:09

Sorry, wer logisch denkt, hat dies sowieso gewußt, insbesondere bei den kleinräumigen Strukturen in Österreich, wo oft nur einige wenige Rebzeilen zusammengehören.

Und Weinbau ist Intensivst-Kultur ohne Fruchtwechsel etc, insbesondere wenn auch hohe Stockdichten die Qualität noch verbessern sollen. In vielen Weingebieten stirbt die gemischte Bewirtschaftung aus, Betriebe spezialisieren sich und nutzen auch weniger geeignete Flächen für den Weinbau. Und die Artenvielfalt ist doch direkt abhängig von der Vielzahl der unterschiedlichen Lebensräume nahe beieinander. Trotzdem fühlen sich die anwesenden Lebewesen im Bio-Weingärten (sofern das Gift an der Grenze Halt macht) vermutlich wohler ;) .

P.S: Die ‚Blumenwiesen’ zwischen den Rebzeilen werden bei den Bioweingütern mit ihren Fahrzeugen (Bodenverdichtung) auch nicht geschont, was viele Bodenbewohner nicht besonders freuen wird.

Trotzdem sind Sie mir BIO-Weinberge um vieles lieber als die Weingärten, in denen im Frühherbst das Unkraut unter den Reben mit Chemie verbrannt wird.

Liebe Grüße, Robert
Vergeblich klopft, wer ohne Wein ist, an der Musen Pforte. ;)
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