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Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

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Gerald

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Re: Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

BeitragDo 9. Feb 2012, 10:45

Auf der Ecovin-Webseite war ein Link zu einem neuen Entwurf der EU-Kommission. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das das zitierte Werk.

http://www.uwe-hofmann.org/Final%20Rule ... 20wine.pdf

Sieht aber ganz anders aus als erwartet, eigentlich genau das Gegenteil. Man beachte die Seiten 9 und 10, wo alle zugelassenen Zusätze schön aufgelistet sind.

Neben einer gegenüber bisherigen Regeln etwas reduzierter Schwefelung (=Sulfitzusatz), die aber je nach Wetterbedingungen angepasst werden kann, sind sehr viele Zusatzstoffe erlaubt, die für viele Biowinzer ein "rotes Tuch" sind, so z.B. Aufsäuerung und Entsäuerung. Aber - schlimmer noch - die Verwendung von Eichenholzchips, Tanninpulver oder sogar das im Wein-Boulevard sogar mit Mumien in Verbindung gebrachte Gummi arabicum :D

Das Regelwerk ist also offenbar viel weniger streng als bestehende Richtlinien, ich glaube daher eher nicht an eine große Zukunft des Siegels ...

Grüße,
Gerald
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JDW2309

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Re: Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

BeitragDo 9. Feb 2012, 11:02

Hallo liebe Weinfreunde,
ich bin kein Fan von nichtgeschwefeltem Wein. Auf Millesime Bio in Montpellier dieses Jahr hab ich genug Weine probiert die nicht geschwefelt waren. Gerade in den hohen Qualitätsbereichen hatte ich viel Mäuseln erkannt. Das ist ein heute recht seltener Weinfehler der auf falsches Schwefelmanagement zurückzuführen ist. Die Weine an sich hatten (abgesehen von diesem Fehler) eine sehr hohe Qualität, hinter der viel Arbeit gesteckt haben muss. Das hat mich persönlich sehr traurig gemacht.
Was aber gut für diese Weingüter war: Ich habe viele Verkoster neben mir beobachtet (dazu muss gesagt sein, dass diese Messe nur für Fachpublikum ist), die begeistert von den Weinen waren, diesen Fehler also nicht erschmeckt haben.
Ich kann die Intension nachvollziehen, man will so wenig Zusatzstoffe wie möglich im Wein haben. Gerade vom Gesundheitsaspekt aus. Beim SO2 kann ich da aber nicht zustimmen (außer man ist Allergiker). SO2 ist ein Oxidationsschutz und auch ein Schutz vor mikrobiellen Einflüssen. Und jetzt mal ne Frage hier in die Runde, denn das konnte mir bis jetzt noch niemand beantworten. Der Hauptbindungspartner von SO2 ist Acetaldehyd. Ein Stoff der z.B beim Konsum von Alkohol durch Ethanoldehydrogenase entsteht und der unsere Leber schädigt. Wird durch das Abbinden von Acetaldehyd durch SO2 wenigstens dieses unschädlich gemacht, beim Konsum? Ich weiß wir reden hier von Mengen von unter 50mg/L jedoch wäre es mal ein interessanter Gedanke.
Ach ja wo wir gerade von Alkohol sprechen. Auf der Millesime hab ich genug Weine gesehen die 15%+ Alkoholgehalte vorzuweisen haben, wieso macht man da nicht mal ne Höchstgrenze, wenn man so auf den Gesundheitsaspekt bedacht ist, denn ich glaube das ist für uns im allgemeinen schädlicher als SO2. Was nicht heisst, dass man dann mehr Wein konsumieren soll, weil er ja dann soooo gesund ist, so naiv bin ich ja auch nicht :)
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Gerald

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Re: Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

BeitragDo 9. Feb 2012, 11:08

Hallo,

Der Hauptbindungspartner von SO2 ist Acetaldehyd. Ein Stoff der z.B beim Konsum von Alkohol durch Ethanoldehydrogenase entsteht und der unsere Leber schädigt. Wird durch das Abbinden von Acetaldehyd durch SO2 wenigstens dieses unschädlich gemacht, beim Konsum?


wenn - glaube ich - ist eher das Gegenteil der Fall. Im Wein wird der Acetaldehyd ja durch den Hefestoffwechsel weiter zu Alkohol verarbeitet, nur das Sulfit bindet ihn und entzieht ihn dieser Weiterverarbeitung. Ich bin leider mit der Physiologie im menschlichen Körper nicht so gut vertraut, dass ich sagen könnte, ob der Acetaldehyd-Sulfit-Komplex im Körper auch die schädlichen Wirkungen des freien Acetaldehyds hat oder nicht.

Grüße,
Gerald

Edit: ich sehe, dass sich deine Frage nicht auf den Wein, sondern auf die Acetaldehydproduktion im Körper bezogen hat. Da würde ich mal sagen, dass das SO2 im Wein keinen Einfluss hat, da es im Körper sicherlich schnell weiterverarbeitet wird bzw. so stark verdünnt, dass es in der Leber nicht in relevantem Maß mit dem Acetaldehyd reagieren kann.
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UlliB

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Re: Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

BeitragDo 9. Feb 2012, 11:25

Gerald hat geschrieben:ich sehe, dass sich deine Frage nicht auf den Wein, sondern auf die Acetaldehydproduktion im Körper bezogen hat. Da würde ich mal sagen, dass das SO2 im Wein keinen Einfluss hat, da es im Körper sicherlich schnell weiterverarbeitet wird bzw. so stark verdünnt, dass es in der Leber nicht in relevantem Maß mit dem Acetaldehyd reagieren kann.


Gerald,

die Gesamtmenge des zugeführten Alkohols wird im Körper im ersten Schritt durch die Alkoholdehydrogenase in Acetaldehyd umgewandelt. Das Acetaldehyd wird im zweiten Schritt durch eine Aldehyddehydrogenase zu Essigsäure konvertiert, welche dann in den Zitronensäurezyklus einfließt.

Soviel Sulfit kann man gar nicht zugeben, dass dieses in der Lage wäre, das im ersten Schritt gebildete Acetaldehyd im Körper quantitativ abzubinden. Der Wein wäre nicht nur untrinkbar, sondern durch den Sulfitgehalt dann auch ernsthaft giftig.

Gruß
Ulli
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Gerald

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Re: Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

BeitragDo 9. Feb 2012, 11:28

Hallo Ulli,

klar. Und noch dazu, wenn man die Sulfitkonzentration in der gesamten Gewebsflüssigkeit (das könnten so durchschnittlich 40-50 kg sein!) so hoch wie im Wein haben möchte, wäre das vermutlich ohnehin schon für sich alleine tödlich ...

Grüße,
Gerald
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JDW2309

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Re: Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

BeitragDo 9. Feb 2012, 11:40

nein ihr habt mich falsch verstanden. Mir ist schon bewusst dass hier kein SO2 helfen kann um das Problem mit der Leber zu bewältigen. Hier ging es mir wirklich nur um den geringen Anteil, der im Wein abgebunden wird und genau bei diesen Anteil wollte ich wissen, ob dieser noch im Körper später aktiv sein kann oder nicht.
Ach ja und eine Hefe bildet immer im Überschuss Acetaldehyd, wie auch Pyruvat. Also es lässt sich nicht vermeiden, dass alles an Acetaldehyd nicht komplett in Ethanol umgewandelt wird. Auch gibst du ja keinen Schwefel in einer noch laufenden Gärung dazu, das passiert wenn die Hefe ihren Metabolismus ausgesetzt hat (je nach Hefestamm kannst du schon recht viel SO2 binden, jedoch nicht so viel dass du sofort Acetaldehyd abbindest....da wird das SO2 eher wieder von der Hefe metabolisiert und in Thiole und Disulfide umgewandelt und am Ende bleibt ein Überschuss übrig, der dann das Sulfit ist). Ach ja und gibst du keinen Schwefel nach der Gärung hinzu (und hast keinen anderen Oxidationsschutz wie N2), dann wird Ethanol eh zu Ethanal, sprich Acetaldehyd oxidiert. C2H5OH--->C2H4O wenn ichs grad richtig im Kopf hab :D
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JDW2309

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Re: Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

BeitragDo 9. Feb 2012, 11:42

je nach Hefestamm kannst du schon recht viel SO2 binden

sorry das soll bilden heißen und nicht binden :D
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susa

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Re: Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

BeitragDo 9. Feb 2012, 15:33

hier gibt es ein paar weiterführende Informationen
(ich weiss nicht, ob es doppelt ist, bei hat dieser UweHoffmann-Link nicht funktioniert)

http://www.enobooks.de/aktuell/blog/bre ... r-bioweine

lieben Gruß
susa
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Gerald

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Re: Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

BeitragDo 9. Feb 2012, 15:37

Ja, das ist offenbar eine Kopie aus der Tabelle des Entwurfs der EU-Kommission ...

Grüße,
Gerald
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mvwein

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Re: Einheitliches EU weites Bioweinsiegel

BeitragDo 9. Feb 2012, 19:00

Wie sieht den das neue Siegel aus? Gibts dazu schon Logos oder Fotos?
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