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Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

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robertz

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Re: Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

BeitragSo 25. Apr 2021, 21:33

So, nach der Frage des Mehrwerts der Reserva der Produttori habe ich mir den Spaß gemacht und einmal zwei Barbaresco der Produttori gegeneinander verkostet und verglichen, einmal den Jahrgang 2007 Reserva Pora und andererseits die Basis 2017.

Beides waren warme Jahrgänge mit Hagel, Trockenheit und eher geringen Mengen

Auf der einen Seite der gereifte Barbaresco D.O.C.G. Riserva Pora 2007
mittleres eher transparentes bordeauxrot mit etwas ziegelroten Rändern; eher offene rotbeerige Nase, Preiselbeere und Himbeere, etwas Weichsel, daneben aber auch rote Rosenblätter, etwas Tabak, Walnuss, wird mit Luft ätherischer und frischer, später auch Gummi arabicum; der Gaumen wirkt deutlich gereifter, feines noch kantiges Tannin überlagert spürbar die Säure, stoffige Struktur trotz mittelgewichtigem gereiftem Körper, wirkt insgesamt deutlich würzig mineralischer als die Nase vermuten lässt, eher Tabak und Kräuter, auch Bitterschokolade, der Gaumen wirkt tiefgründig mit langem feinherben Nachhall, wirkt insgesamt eher ernsthaft, wobei etwas die Trinkfreudigkeit auf der Strecke bleibt, 90 RPunkte
20210425_205146_resized.jpg

und dann der junge Barbaresco D.O.C.G. 2017
mittleres strahlend transparentes bordeauxrot; frische ausgeprägte rotbeerige Nase, Preiselbeere, rote Johannisbeere, auch etwas Waldhimbeere, dahinter frische eher grüne Kräuternoten, anfangs Petersilie und Rosmarin, später Lorbeer, auch schwarzer Pfeffer, dezente Holznote legt sich über die primären Früchte, wandelt sich dann in leicht blumig-pflanzliche Aromen, Rosenblätter, welkes Laub, helle Tabaknoten; am Gaumen schöne samtige Struktur, feine Fruchtsüsse nach reifen roten Beeren und vor allem Herzkirsche, deutliches feinstkantiges Tannin überlagert die rotbeerige Säure, eher kraftvoller vollmundiger Körper, die Fruchtaromen gepaart mit Tabak und leicht herben Kräutern begleiten den doch ziemlich langen Nachhall 92 RPunkte


Fazit: der gereifte Pora 2007 kann momentan im JLF-Test (laut Merum) nicht ansatzweise mit dem 10 Jahre jüngeren Basis-Wein mithalten. Will man die Stärken der gereiften Riserva herausstreichen, kann man ernsthafte Argumente finden, aber so nebeneinander geht die Hand deutlich lieber und öfter zum jungen Basis-Wein.

Da die jungen Riserva (ab Jahrgang 2015) meine finanzielle Bereitschaft für eine Flasche Wein inzwischen überschreiten, kann und will ich die Parallel-Verkostung von z.B Basis Jahrgang 2016 und Riserva 2015 nicht machen.

Übrigens, ich habe damals für den Pora (ab Hof in Barbaresco) 25,- EUR gezahlt, heuer für die Basis 2017 im Onlinehandel (im Angebot) 24,50 EUR.

Schöne Grüße aus Wien, Robert
Vergeblich klopft, wer ohne Wein ist, an der Musen Pforte. ;)
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Olaf Nikolai

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Re: Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

BeitragMo 26. Apr 2021, 15:00

... .Zumal der Normale auch kein Deklassement im eigentlichen Sinne darstellt sondern einen Lagenmix mit geringeren Holzkontakt.
Wenn man der offiziellen Lesart glauben will, geschieht die Selektion vergleichbar sorgfältig.
In 2016 beispielsweise war die Qualität duchweg exzeptionell. Man hatte gewissermaßen die Qual der Wahl. Der Normale hatte in 2016 ein sensationelles PGV.
Gekauft habe ich als Lagenbarbaresco in 2016 lediglich den Cigliutti. Stilistisch zwar different aber qualitativ m.E. deutlich über dem Normale der Produttori, somit auch dahingehend in der Preisdifferenz gerechtfertigt.
P.S.
Wobei der Vergleich zwischen dem 07 und dem 17 hinkt.
Der 07 Jahrgang ist halt kein Langstreckenläufer, der Gigi Bianco war vor 3- 4 Jahren schon umme, trotz guter Lagerung. Ich denke das gilt für die meisten Barbaresco.
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harti

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Re: Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

BeitragMo 26. Apr 2021, 17:40

Mittlerweile habe ich 3 16er Lagen-Barbaresco der Produttori verkostet: Rabaja, Montestefano und Montefico. Selbst im direkten Vergleich ist es schwer, Qualitätsunterschiede zum normalen Barbaresco zu identifizieren. Im Gegenteil: Letzterer ist in seiner zugänglicheren und charmanteren Art zur Zeit sogar überlegen. Sicher: Die Lagenweine sind komplexer und haften auch länger am Gaumen als der "kleine" Bruder. Aber sie werden Zeit brauchen, um ihre Qualitäten auspielen zu können.

Zum 2007er: Dies ist ein Jahrgang, der mir schon im Jungweinstadium in seiner hitzigen Art nicht besonders gefallen hat und habe deswegen nichts eingelagert. Scheine Recht daran getan zu haben. Auch 2017, ebenfalls eine Hitzejahrgang, werde ich trotz der hohen Bewertung des normalen Barbaresco komplett auslassen.

Grüße

Hartmut
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Olaf Nikolai

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Re: Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

BeitragDi 27. Apr 2021, 22:09

Das ist gewissermaßen des Pudels Kern.
Es gibt im Grunde kaum Veranlassung, nach dem grandiosen 16er Jahrgang für Barbaresco und Barolo, tief in Folgejahrgänge einzusteigen.....und in den 16er habe ich kräftig investiert. Das wars fürs erste auch mal.
Wenn demnächst diverse Riserva vom 16er lanciert werden könnte ich nochmals schwach werden....
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sabul

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Re: Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

BeitragDi 22. Jun 2021, 11:25

Auf dem Rückweg von Italien in Sterzing noch ein paar Flaschen 2016 Molsino von Nervi/Conterno zu noch vertretbarem Kurs mitgenommen und zu Hause gleich eine aufgemacht. Natürlich noch zu jung, aber das ist für mich großes Nebbiolo-Kino!! Wow!
Wenn ich sehe, dass die Lagen-Barbarescos der Produttori mittlerweile auch schon über €40,-- kosten, ist der Molsino fast schon ein Schnäppchen... Großer Wein für mich!!
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Bibbel

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Re: Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

BeitragDi 22. Jun 2021, 14:36

Danke für den Hinweis.

Galloni schreibt zu dem Wein: „... Readers will find an old-school, classically austere Gattinara that needs 10-15 years to be at its best. The 2016 is an absolute jewel of a wine, but it should be purchased only by readers with either very good genes are a ton of optimism regarding their own longevity. 96+„

Na ja, bin Optimist und habe mal 3 Flaschen bestellt.
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harti

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Re: Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

BeitragDi 22. Jun 2021, 18:08

sabul hat geschrieben:Auf dem Rückweg von Italien in Sterzing noch ein paar Flaschen 2016 Molsino von Nervi/Conterno zu noch vertretbarem Kurs mitgenommen und zu Hause gleich eine aufgemacht. Natürlich noch zu jung, aber das ist für mich großes Nebbiolo-Kino!! Wow!
Wenn ich sehe, dass die Lagen-Barbarescos der Produttori mittlerweile auch schon über €40,-- kosten, ist der Molsino fast schon ein Schnäppchen... Großer Wein für mich!!

Auch von mir danke für den Tipp. Ich habe ebenfalls ein paar Fläschchen bei Mair Mair bestellt. Bei den anderen Händlern kostet der Wein bereits 60 € aufwärts und ist damit deutlich teurer als die Produttori Riserva (mal bei den Ankunftsofferten gekostet haben). Bin echt gespannt.

Grüße

Hartmut
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sabul

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Re: Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

BeitragDi 22. Jun 2021, 18:53

Sehr gerne! Fand den Preis gerade noch akzeptabel. Bei LOB kostet er doch eine Stange mehr...

Viele Grüße
Ralph
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Bradetti

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Re: Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

BeitragDi 22. Jun 2021, 23:23

Hab den Molsino 2016 nun auch bei Mair Mair bestellt.
Der Valferana 2016 kostet da über 70€, was auch konsistenter zu den anderen Anbietern ist.

Also entweder wurde der Molsino 2016 bei Mair Mair falsch ausgepreist oder ich weiß auch nicht. Naja, mir sollst recht sein :)

DANKE für den Tipp!!
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jessesmaria

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Re: Piemont - Barbaresco und die Langhe (außer Barolo)

BeitragMi 23. Jun 2021, 17:50

Schade, jetzt habt ihr ihn leer gekauft. :twisted: Wo anders kostet er fast das Doppelte.
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