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Sancerre

Appellationen des nördlichen Zentralmassivs, Sancerre und Umgebung, Touraine, Anjou, Umgebung von Nantes, die kleinen Gebiete zwischen der Loire und Bordeaux incl. Cognac
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vanvelsen

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Re: Sancerre

BeitragDo 24. Sep 2015, 13:26

Liebes Forum

heute im Glas, ein wundervoller Sancerre (wirklich wie aus dem Bilderbuch) von der Domaine Vacheron. Ein jung zu trinkender Sauvignon Blanc der feine Frucht und eine tolle Mineralik hervorragend vereint.

http://www.vvwine.ch/2015/09/ein-sancer ... rbuch.html

Kennt jemand hier die "grossen" Gewächse "Le Paradis" und "Belle Dame"?

Gruss,

Adrian
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Kle

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Re: Sancerre

BeitragSo 1. Mai 2016, 15:49

Mit Sebastien Riffaults Sancerre Auksinis 2009 konnte ich ganz gut nachvollziehen, was für mich den Reiz und die Schattenseite vieler Weine der vin-naturel-Bewegung ausmacht. Farblich sieht der Sauvignon Blanc sehr gesund nach trübem Apfelsaft aus. Eine richtige Weinbrühe. Geschmacklich an Apfelessig mit sehr wenig Essig und vermischt mit Apfelmost erinnernd. Dieser Wein macht mich apfelverrückt, ich kann an nichts anderes mehr denken als an frisch knackige bis gereifte grüne, rote, braune Exemplare. Warum esse ich nicht besser einen Apfel? Aus demselben Grund, warum ich mir das Blumenbild eines Impressionisten im Museum anschaue, statt mir einen Strauß ins Zimmer zu stellen. Die vollmundigen, facettenreichen Fruchtabbildungen des Weines zu erleben, beeindruckt und beschwingt bei jedem Schluck. Es gelingt mir aber nicht, in dem Wein eine besondere kompositorische Finesse zu entdecken, keine Dynamik, kein Spiel. Ohne leblos oder oberflächlich zu sein, haben seine intensiven und auch schillernden Aromen für mich keinen doppelten Boden. Es spielt kein Orchester, sondern ein Chor einzelner Töne. Das alles macht wie gesagt viel Freude, auch am nächsten Tag, als die Farbe des Weines bräunlich geworden und er geschmacklich nicht sehr verändert ist. Ein wenig gereifter, von Sherry-Noten oder vordergründiger Oxidation einen guten Schritt entfernt. 92 Punkte.

Gruß, Kle
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octopussy

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Re: Sancerre

BeitragSo 1. Mai 2016, 16:56

Kle hat geschrieben:Mit Sebastien Riffaults Sancerre Auksinis 2009 konnte ich ganz gut nachvollziehen, was für mich den Reiz und die Schattenseite vieler Weine der vin-naturel-Bewegung ausmacht. Farblich sieht der Sauvignon Blanc sehr gesund nach trübem Apfelsaft aus. Eine richtige Weinbrühe. Geschmacklich an Apfelessig mit sehr wenig Essig und vermischt mit Apfelmost erinnernd. Dieser Wein macht mich apfelverrückt, ich kann an nichts anderes mehr denken als an frisch knackige bis gereifte grüne, rote, braune Exemplare. Warum esse ich nicht besser einen Apfel? Aus demselben Grund, warum ich mir das Blumenbild eines Impressionisten im Museum anschaue, statt mir einen Strauß ins Zimmer zu stellen. Die vollmundigen, facettenreichen Fruchtabbildungen des Weines zu erleben, beeindruckt und beschwingt bei jedem Schluck. Es gelingt mir aber nicht, in dem Wein eine besondere kompositorische Finesse zu entdecken, keine Dynamik, kein Spiel. Ohne leblos oder oberflächlich zu sein, haben seine intensiven und auch schillernden Aromen für mich keinen doppelten Boden. Es spielt kein Orchester, sondern ein Chor einzelner Töne. Das alles macht wie gesagt viel Freude, auch am nächsten Tag, als die Farbe des Weines bräunlich geworden und er geschmacklich nicht sehr verändert ist. Ein wenig gereifter, von Sherry-Noten oder vordergründiger Oxidation einen guten Schritt entfernt. 92 Punkte.

Ich konnte dir folgen, bis zu den 92 Punkten. Die Textbeschreibung hörte sich für mich eher nach 82 Punkten an (etwas eintönig in der Aromatik, keine kompositorische Finesse, keine Dynamik, kein Spiel, Chor einzelner Töne).
Beste Grüße, Stephan
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Kle

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Re: Sancerre

BeitragSo 1. Mai 2016, 17:57

octopussy hat geschrieben: (etwas eintönig in der Aromatik, keine kompositorische Finesse, keine Dynamik, kein Spiel, Chor einzelner Töne).


deswegen keine 96 Punkte. Es ist schon ein hartes Brot, auf die obigen Qualitätsmerkmale verzichten zu müssen, sie sind für mich aber nicht in jedem Fall notwendig für einen herausragenden Wein. So wenn es etwas gibt, was ihre Abwesenheit überstrahlt.

Gruß, Kle
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Kle

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Re: Sancerre

BeitragSo 1. Mai 2016, 19:54

...was ich in meiner Beschreibung des Weines leider vergessen habe, ist seine intensive Grüntee-Aromatik, die der Frucht-Komponente von Beginn an ebenbürtig war. Jetzt, am dritten Tag, dominiert der Tee sogar, verbunden mit fruchtiger Frische. Diese Entwicklung bekommt dem Wein gut. Er besitzt Länge mit pikanter Säure, ist aber nach wie vor für meinen Geschmack zu wenig bewegt.
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Panamera

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Re: Sancerre

BeitragMo 2. Mai 2016, 07:10

Gestern Abend mit viel Begeisterung im Glas...

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Dieser Wein macht jetzt unheimlich viel Spass, darf aber ruhig noch ein paar Jahre liegen. Ich bin zugegeben aufgrund der hohen Bewertung und der Beschreibung in der letzten Vinum auf das Weingut aufmerksam geworden und bin ganz froh darüber ;)
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octopussy

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Re: Sancerre

BeitragMo 2. Mai 2016, 09:01

Kle hat geschrieben:deswegen keine 96 Punkte. Es ist schon ein hartes Brot, auf die obigen Qualitätsmerkmale verzichten zu müssen, sie sind für mich aber nicht in jedem Fall notwendig für einen herausragenden Wein. So wenn es etwas gibt, was ihre Abwesenheit überstrahlt.

Vielleicht besorge ich mir auch mal eine Flasche davon (Weinrebellen, oder?). Das klingt zwar gar nicht nach meinem Geschmack wegen der generischen Vin Naturel Aromen (Apfelmost, Teearomen), aber selbst ausprobieren ist immer besser als nur lesen :)
Beste Grüße, Stephan
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Kle

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Re: Sancerre

BeitragMo 2. Mai 2016, 11:03

Hallo Stephan,

zumindest der Jahrgang ist bei den Rebellen meines Wissens aus. Früher führte, glaube ich, auch vin vivants die Weine von Riffault. Leider fürchte ich, dass meine Auksinis eine Einzelflasche war. Ich schaue nach und andernfalls mache ich mit dir gerne mal den Punktetest!

Gruß, Kle
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nono

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Re: Sancerre

BeitragMo 2. Mai 2016, 19:19

Lieber Kle,
das gerät jetzt leicht "off-topic", trotzdem: die Apfelessig- Note bei entsprechenden Weinen halte ich schlicht für einen Wein-Fehler. Bei Bier wird ein entsprechender Fehler dann gerne unter Typizität eingeordnet. Für mich schiebt sich das aber über jeden individuellen Geschmack.
Gruß, nono
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Kle

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Re: Sancerre

BeitragMo 2. Mai 2016, 20:03

Lieber Nono,

finde ich nicht off-topic, aber an einen Fehler glaube ich eher nicht – wenn, dann in meiner Beschreibung. Ich hatte Skrupel, den Begriff zu verwenden, da trotz dem "sehr wenig" beim Leser eine bestimmte Assoziation geweckt wird. Ich verkoste jedoch ab und zu Apfelessig und die gewisse Apfelaromatik des Auksinis war so hinreißend ähnlich – abgesehen eben von der dominierenden Essignote...
Apropos off- topic: Nicht erst seit dem Probieren des Auksinis habe ich den Eindruck, dass der Geschmack vieler Vin naturel – Weine mit einem Zeitgeist zu tun hat, der auch in anderen Bereichen anzutreffen ist, z.B. in der modernen Kunst. Zufällig stieß ich heute auf das Werk des Fotografen Michael Flomen, der einfach große Streifen Fotopapier in die Natur legt, in Schnee, Sand, Wasser, und sie über Stunden den Elementen aussetzt und sich selbst belichten lässt. Dies als möglichst weitgehende Reduktion menschlich bewussten Komponierens/Dramatisierens/Manipulierens. Dafür die Phänomene der Welt („Terroir“) weitgehend für sich selbst sprechen, bzw. das Spontanvergorene nach eigener Willkür blubbern lassen. Würde meine Wahrnehmung des Auksinis ganz gut erklären. Hier spricht der Apfel, der Apfel und noch einmal der Apfel.

Gruß, Kle
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