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Burgund 2011

Chablis, Auxerre und Umgebung, Côte de Nuits, Côte de Beaune, Châlonnais, Maconnais, Beaujolais und Lyonnais
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amateur des vins

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Re: Burgund 2011

BeitragSo 14. Mai 2017, 19:26

Henri Boillot, Meursault 1er Cru Les Charmes 2011

Goldgelb, leicht grünlich(?).
Nase initial sehr reduziert und dtl. schwefelig -> Karaffe
Läßt nach wenigen Minuten nach und offenbart eine immernoch "karge", aber zunehmend ausdrucksstärkere Nase: leicht unreife Zitrone, ein klein wenig Brioche und Haselnuß. [+10'] Immer "befreiter": harmonischer, voller tiefer, komplexer. Auch "oranger": Physalis, sogar etwas Aprikose und Nektarine.
Am Gaumen ist die knackige Säure noch recht separat. Der "Unterbau" ist weich, etwas buttrig. Beides steht nebeneinander; der Wein braucht noch Zeit.
Sehr intensiver langer Abgang, getragen von Zitrus. Holz durchgängig zwar gerade so erkennbar, aber sehr gut integriert.
[+3h45'] Scheint fast so, als hätte er "kehrt gemacht"; jedenfalls ist die Reduktion immernoch (oder wieder?) sehr deutlich, sogar störend - obwohl ich, was das angeht, recht tolerant bin.
[+1d] Leider ist der Nachverkostungsrest über Nacht verschwunden... :(

Ich hatte schon sehr schöne Erfahrungen mit H. Boillot, vor allem mit dem Puligny Clos de la Mouchère. aber auch mit diesem Les Charmes. Ein bißchen Reduktion haben sie eigentlich alle gezeigt, aber nicht so heftig, und eigentlich immer mit Luft zu bändigen. So aber leider keine große Freude. Liegenlassen und die nächste Flasche einen Tag vorher ordentlich belüften, meine ich.
Besten Gruß, Karsten
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amateur des vins

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Re: Burgund 2011

BeitragSo 18. Jun 2017, 21:39

Ich mag ja Burgunder. Sehr! Weniger mag ich die abgehobenen Preise für das richtig gute Zeug. Als eine der bezahlbare(re)n Varianten betrachte ich die Weine von Joblot - Côte Chalonnaise ist noch nicht so abgedreht...

Heute im Glas:

Domaine Joblot, «Clos de la Servoisine» Givry 1er Cru 2011

Sowohl in der Nase als auch am Gaumen Marillen, Melone, frische Mandeln und Walnuß. Noch schöne Säure. Kein Fett, was ich derzeit sehr mag. Leicht reduktiv, dennoch würde ich ihn nicht mehr sehr lange liegenlassen, sondern eher mit etwas Belüftung in der näheren Zukunft genießen. Nicht wahnsinnig tief, aber von einiger Komplexität, und harmonisch.

Ich hatte Spaß! :D
Besten Gruß, Karsten
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amateur des vins

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Re: Burgund 2011

BeitragMo 14. Aug 2017, 12:35

Die wenigen Erwähnungen von Claude Dugat hier im Forum gehören nicht unbedingt zu den begeistertsten. Da war es wohl ganz gut, daß ich nicht vorher recherchierte, so daß ich mich dem

Claude Dugat, Gevrey-Chambertin 2011

unvoreingenommen nähern konnte. Meine erste Begegnung mit Dugat.

Im Glas begrüßt einen mitteldichtes Rubinrot mit deutlicher Purpurtendenz. Zunächst noch etwas zu kalt, zeigt sich die Nase klassisch-"maskulin": Cranberry, Kirsche und ein Hauch Himbeere; sehr klar und fruchtbetont. Eigentlich wirkt er eher dunkler als diese Beschreibung vermuten läßt, aber ich bekomme das begrifflich nicht gefaßt. [+15'] Am Gaumen leicht bis mittelschwer. Noch deutliche, aber feine Tannine. Frisch und jetzt klar rotfruchtig. Nicht besonders komplex, aber fein und harmonisch. Fast ein bißchen "zu fein" für Gevrey... ;)
Sehr schöner Village ohne großen Aha-Effekt! Angenehm niedrige 12,5%.

Ich fand weder "jugendliche Kraft" noch "Ausgezehrtheit". In seiner geradlinigen Art erinnerte er mich an meine derzeitigen "Burgunder für jeden Tag" von Joblot aus Givry(!); vielleicht eine Spur eleganter. Für schlicht gebratenes Perlhuhn war er fast zu zart.

Und noch etwas stellte sich als glücklich heraus, nämlich daß ich - wie so oft - den Preis vergessen habe, nachdem der Wein inventarisiert war. Hier habe ich ausnahmsweise nachgeschlagen: Ich wußte wohl noch, daß ich den Wein als Einzelflasche im Rahmen einer Händleraktion erstand, nicht aber, daß ich knapp über 40€ bezahlte, und der Listenpreis sogar 69€ war. Hier stimmt die Relation z.B. zu o.g. Joblots nicht, die genausoviel Spaß machen, aber für so um die 27€ zu haben sind. Côte-de-Nuits-Premium eben... :(
Besten Gruß, Karsten
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octopussy

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Re: Burgund 2011

BeitragMo 14. Aug 2017, 13:26

amateur des vins hat geschrieben:Hier stimmt die Relation z.B. zu o.g. Joblots nicht, die genausoviel Spaß machen, aber für so um die 27€ zu haben sind. Côte-de-Nuits-Premium eben... :(

Naja, ein Côte de Nuits Premium gibt es ja normalerweise nicht ohne Grund bzw. einfach nur so, sondern weil sich die Weine aus den besseren Dörfern der Côte de Nuits über die Jahre/Jahrzehnte/Jahrhunderte einen guten Ruf erarbeitet haben. Das heißt natürlich nicht, dass nicht ein Côte Chalonnaise Pinot Noir auch mal und gar nicht so selten besser sein kann als deutlich teurere Weine von der Côte de Nuits. Gerade, wenn es ein guter Erzeuger ist (Joblot). Nicht außer acht gelassen werden sollte aber, dass die Claude Dugat Weine erstens im Gevrey-Chambertin-internen Vergleich schon am ganz oberen Ende der Preisskala sind, zweitens aus PGV-Gesichtspunkten eigentlich nie überzeugen und drittens 2011 ein wirklich problematisches Jahr war.
Beste Grüße, Stephan
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amateur des vins

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Re: Burgund 2011

BeitragMo 14. Aug 2017, 14:17

Klar, wenn ich top of the pops suche, werde ich das auch weiterhin im Norden der Côte machen - bisher hat meines Wissens noch niemand von der Côte Chalonnaise Burgunder der absoluten Spitze abgeliefert. Die richtig guten Winzer schaffen es meiner Meinung nach aber überall auch in schwierigen Jahren und aus nicht nicht so hoch gepriesenen Lagen gute Weine zu produzieren.
octopussy hat geschrieben:Nicht außer acht gelassen werden sollte aber, dass die Claude Dugat Weine erstens im Gevrey-Chambertin-internen Vergleich schon am ganz oberen Ende der Preisskala sind, zweitens aus PGV-Gesichtspunkten eigentlich nie überzeugen
Beides war mir nicht bewußt - wie geschrieben, war es mein erster Kontakt mit Dugat. Diese eine Flasche widerspricht dem Eindruck nicht, ganz im Gegenteil. Und sie löst auch keinen Überprüfungsreiz aus.

In der Preisklasse greife ich dann lieber zu z.B. Confuron-Cotetidot oder Harmand-Geoffroy. Weine welcher Erzeuger, die auch in D im Versandhandel erhältlich sind, empfiehlst Du?
Besten Gruß, Karsten
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octopussy

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Re: Burgund 2011

BeitragMo 14. Aug 2017, 15:12

amateur des vins hat geschrieben:In der Preisklasse greife ich dann lieber zu z.B. Confuron-Cotetidot oder Harmand-Geoffroy. Weine welcher Erzeuger, die auch in D im Versandhandel erhältlich sind, empfiehlst Du?

Harmand Geoffroy finde ich super, klassischer Stil und preislich noch im Rahmen. Wenn du einen eher klaren und präzisen Stil magst mit durchaus Kraft, aber eher wenig Erdigkeit, dann ist auch Duroché eine Option. Dessen Weine entwickeln sich in USA und UK gerade vom Geheimtipp weg zum Top-1-Tipp unterhalb der Spitzenerzeuger wie Rousseau, Mortet, Bachelet oder Fourrier, sind preislich aber auch noch im Rahmen.
Beste Grüße, Stephan
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amateur des vins

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Re: Burgund 2011

BeitragMo 14. Aug 2017, 19:16

Danke, Stephan! Richtig weit verbreitet scheint Duroché ja nicht, aber ich werde mal stöbern...
Besten Gruß, Karsten
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Re: Burgund 2011

BeitragDo 17. Aug 2017, 19:13

Hallo Forum,

Haben gerade einen

pulligny-montrachet premier cru la truffière 2011 von jean-marc boillot

im Glas. In der Farbe sehr hell, blasses Gelb. In der Nase Zitrusfrüchte, Grapefruit, mit zartem Holz unterbunden. Ein grosser Schmeichler in der Nase. Am Gaumen eine präzise Säure, leicht cremig und buttrig-nussig, aber rein, sauber und klar. Bleibt lange haften.

Bin ein Burgundbanause, aber der schmeckt mir sehr gut. Er ist ein Geschenk, würde kaum soviel Geld für einen Weisswein springen lassen.

Grüsse
Sacha
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EThC

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Re: Burgund 2011

BeitragFr 15. Sep 2017, 14:35

Sehr schöner PN mit aus meiner Sicht gutem PLV:

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Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
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amateur des vins

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Re: Burgund 2011

BeitragMi 25. Okt 2017, 20:28

Heute im Glas:

Joblot, Givry 1er Cru «Clos du Cellier aux Moines» 2011

Von den vier roten 1er Crus hat mir der Servoisine bisher am besten gefallen: Er scheint mir balancierter und komplexer als die anderen. Eine Einschätzung, an der meine letzte Flasche '11er Cellier aux Moines ein bißchen rütteln kann:

Mitteldicht, keine Verfärbungen.In der Nase dunkelfruchtig und beginnend tertiär (Leder und Tabak, beides auch dunkel). Viel ernsthafter, als ich Joblot in Erinnerung habe!

Am Gaumen doch deutlich noch eher auf der fruchtigen Seite (Kirsch, Cranberry, Blaubeere). Dazu eine gewisse Würze (Wacholder), verbunden mit einem Hauch Bitterkeit. Mittlerer Körper, deutlich adstringent, noch frische Säure.

Trotz der präsenten Tannine ein exzellenter Zeitpunkt zum Trinken für mich. Hat aber sicher noch etliche Jahre Leben in sich.

Sehr schön und besser als erwartet! Nicht die große Tiefe oder Komplexität (obschon einige), aber toll balanciert und einfach stimmig. Macht viel Spaß!
Besten Gruß, Karsten
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