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Côte de Nuits

Chablis, Auxerre und Umgebung, Côte de Nuits, Côte de Beaune, Châlonnais, Maconnais, Beaujolais und Lyonnais
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octopussy

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Re: Côte de Nuits

BeitragMo 5. Dez 2011, 11:22

Oh Dae-Su hat geschrieben:Ich habe vor wenigen Jahren ein paar Pinots aus den 60er Jahren geschenkt bekommen. Alle sind aus den Jahren 1962 und 1969. Nur mal einen Beispielwein (alle Weine sind vergleichbaren Village Lagen):

1962 Maire & Fils Morey St. Denis

Anscheinend waren sie durchweg einheitlich und gut gelagert (kalter Keller eine 300 Jahr alten Bauernhauses). Füllstand sieht auch gut aus. Korken auch nicht geplatzt.

Nun meine Frage: Kann man sowas überhaupt noch trinken? Was ist eure Meinung? Oder ist es vielleicht besser solche Dinge als Anschauungsobjekte ;) im Keller zu belassen?

Ich würde es probieren. 1969 jedenfalls soll ein sehr gutes Jahr gewesen sein, 1964 auch. Die leeren Flaschen sind doch genauso gute Anschauungsobjekte, oder ;). Ich hatte neulich mit einer halbwegs vergleichbaren Flasche Morey St. Denis aus 1969 Pech, aber was soll's. Jedenfalls würde ich die Weine dekantieren, um den Wein vom Depot zu trennen, und dann ganz schnell austrinken.
Beste Grüße, Stephan
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Oh Dae-Su

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Re: Côte de Nuits

BeitragDi 6. Dez 2011, 14:38

Danke. Ich glaub ich werd es einfach mal in den nächsten Wochen mit einer Flasche probieren. Stimmt schon. Die kann man auch leer aufheben. Falls der Inhalt etwas war an den man erinnert werden möchte :lol: .

LG

Chris
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Ostbelgier

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Re: Côte de Nuits

BeitragDi 6. Dez 2011, 20:30

Hallo Chris,

ich würde es versuchen. 1969 und 1964 waren sehr gut in Burgund, 1962 meines Wissens nach noch besser als in Bordeaux. Ich habe selbst schon etliche solcher Weine getrunken, meist mit grossem Vergnügen, die Ausfallquote war ungefähr ein Drittel (Ebay-Flaschen unbekannter Herkunft inklusive). Vorsichtig dekantieren ist eine gute Idee, für solche mutmasslich fragile Tropfen nehme ich ein schlankes, hohes Gefäss. Wenn man Altweine generell mag, können alte Pinots für so manche Überraschung gut sein, ich denke da z.B. an einen simplen Santrenay 1949 zurück *schwärm*.
Viel Spass und bitte berichten !

Viele Grüße

Markus
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Oh Dae-Su

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Re: Côte de Nuits

BeitragMi 7. Dez 2011, 21:12

Vielen Dank für die Tipps Markus!

Jetzt bin ich so scharfgemacht :oops: da muss einer demnächst dran glauben :D .
Wow sehr erstaunlich, dass ein 60 Jahre alter Santenay so begeisternd überleben kann.
Ich werde berichten.

LG

Chris
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Oh Dae-Su

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Re: Côte de Nuits

BeitragMi 7. Dez 2011, 21:26

Noch ein kurzer Nachtrag. Habe eben in Michael Broadbent's Große Weine (ja, wenn man sich keine großen, teueren, alten Sachen leisten kann muss man eben über sie lesen ;) ) nachgeschlagen. Nach seiner Einschätzung scheint 1962 ein außerordentlich guter Jahrgang zu sein. So wie 1964 und 1969. Oh bin ich froh, dass die Flaschen nicht aus 1965 sind. Zitat Broadbent: "Ein im wahrsten Sinne des Wortes hinweggespülter Jahrgang, der vielleicht fürchterlichste der Nachkriegszeit" Aua!
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Herr S.

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Re: Côte de Nuits

BeitragMi 2. Mai 2012, 21:09

Hallo zusammen,

ich schulde diesem Forum mal wieder eine Beitrag im Allgemeinen und einen Bericht des Burgund-Kurzurlaubs im Speziellen. Da ich mich quer durch die Jahrgänge und Appelationen getrunken habe, stelle ich den Bericht einfach mal hier ein damit ich keinen neuen Fred aufmachen muss.

Ende März wurde zusammen mit Frau, Kind und Viech (Hund) der Resturlaub aus 2011 im Burgund zugebracht. Die ersten zwei Tage verbrachten wir in eine netten Gite in Velars-sur-Ouche. Wir mussten unserem Sohnemann ja mal zeigen wo Mama und Papa sich dereinst kennegelernt haben (Dijon). An den zwei Tagen tranken wir außer Picon-Bière bei herrlichem Wetter auf dem Place Zola in Dijon einen Pouilly-Fumé und einen Fleurie aus dem Supermarkt, mehr zu diesen interessanten Weinen zeitnah in den entsprechenden Freds. Am Montag ging es dann witer zu unserem Gite rural in Sully in der Nähe von Autun. Der Weg führte - oh Wunder- über Domaine Stéphane Magnien in Morey Saint-Denis sowie zu Prunier et fille in Auxey-Duresse.
Bei den Magniens trank ich vor Ort den neuen 2010er Morey Village. Was soll ich sagen, klasse Wein, noch voll auf der Frucht, keine Spur eines schwierigen Jahrgangs, ein vin de plaisir. Auch noch sehr fruchtbetont aber mit mehr Tiefe und Komplexität dann der 2010er Les Faconnières 1er Cru aus dem Faß kurz vor der Füllung. Wieder eine feine Frucht von Erdbeere und Himbeere, dazu ein Touch vom Holz, Unterholz, etwas Galle, alles da was ein Burgunder benötigt um in Ehre zu altern und dereinst schön zu werden. Gekauft habe ich aber dann den Clos St. Denis GC aus 2010 in der extra für mich bzw. den 2010er-Nachwuchs gefüllt. Stéphane mag den Jahrgang 2010 übrigens lieber als den 2009er gerade da die Ecken und Kanten den Weinen mehr Struktur verleihen und er das 2009er-Fett nicht unbedingt mag. Gekauft haben wir für die weitere Woche noch ältere Jahrgänge. Der Morey Village 2004 für knapp €16 ist jeden Cent wert mit seiner feinen Animalik nach Unterholz und Laub gepaart mit Guignolet, Johannisbeerstrauch und Himbeere. Am Gaumen zeigt sich eine schöne Reife, die Säure stützt ohne zu präsent zu sein, wieder zeigen sich Aromen von roten Beeren und Unterholz. Der Abgang ist nicht der Rede wert, tut dem guten Gesamteindruck aber keine Abbruch. Wenn der 2005er Village sich ähnlich oder noch besser entwickelt wäre das mit Blick auf meine Kellerbestandsliste zu begrüßen! Ein richtig toller Wein dann der 2001 Morey 1er Cru „Aux Petits Noix“. Der Wein ist nochmal feiner und komplexer, Süßholz paart sich mit Walderdbeeren, etwas Holunder dazu, feine Animalik sowie weiteren Beerenfrüchten. Am Gaumen zeigt sich die Wein reif aber nicht zu reif. Zuerst reiten die Beerenfrüchte wieder ihre Attacke, die Tannine sind noch spürbar aber schon sehr samtig, die Säure ist ebenfalls noch nicht altersmüde. Hinzu kommt ein toller, komplexer Abgang. Für ca. €24 ab Hof ein guter Preis für die gebotene Leistung.
Bei Prunier waren die 2010 noch nicht im Angebot, dafür gab es 2009 ins Glas. Den Anfang machte der weiße Chorey les Beaune 2009. Ein frischer, einfacher Weißer aus dem Burgund mit Aromen vom Apfel. Mindestens eine Klasse besser dann der Auxey-Duresse Vieille Vignes 2009. Wieder Aromen vom reifen Apfel, dazu etwas Mandel und Zitrone. Am Gaume ebenfalls frisch, dezentes Holz, nussig mit etwas Karamell, Ginster und andere Blüten, schöner Trinkfluß. Der Volnay 1er Cru Caillerets war das einzige rote Gewächs, welches wir vor Ort tranken. Ein feiner Wein allerdings mir eine Spur zu fett und rustikal, diesen Tropfen kenne ich eigentlich wesentlich filigraner und auch eleganter.
Ein weiterer Star des Kurzurlaubs war übrigens ein Bier: Das L'Eurelienne rousse aus der Nähe von Chartres. Kostet zwar auch €5,40 die 0,75L-Flasche – was für den deutschen Einheitsbiertrinker vermutlich schon fast die Kiste bedeuten würde – schmeckt aber eben auch wesentlich besser. Feinfruchtiger Duft nach Grapefruit, Aprikose und Malz. Toll zu trinken ist das Zeug auch und es war ein hervorragender Apero.

S
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octopussy

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Re: Côte de Nuits

BeitragSo 19. Jan 2014, 18:45

Hallo zusammen,

bei schönstem Wetter (war aber auch der einzige Tag mit gutem Wetter) bin ich auf der Durchreise an der Côte de Nuits noch ein, zwei Stunden durch die Weinberge auf der Grenze zwischen Vosne und Nuits-St. Georges spaziert. Aufgefallen ist mir besonders, dass die DRC Weinberge (und auch einige Parzellen anderer Erzeuger) kräftig durchgepflügt waren, andere nicht. Weiß jemand zufällig, ob und wann das Durchpflügen (im Burgund) üblich ist?

Vosne Malconsorts:
2255

(ich glaube) NSG Aux Boudots:
2254

La Romanée:
2253

Romanée-Conti:
2252

La Grande Rue:
2251
Beste Grüße, Stephan
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Créot

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Re: Côte de Nuits

BeitragDi 21. Jan 2014, 00:36

Soweit ich es verstanden habe: Entweder wird umgegraben oder gespritzt. Wann, weiß ich allerdings auch nicht.
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octopussy

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Re: Côte de Nuits

BeitragDi 28. Jan 2014, 13:08

Mit der Zeit entwickele ich ein immer größeres Faible für die Weine aus Nuits St. Georges, deren "Makel" in der öffentlichen Wahrnehmung darin liegt, dass die Gemeinde über keine einzige Grand Cru Lage verfügt, deren Preise auf der anderen Seite verbraucherfreundlich geblieben sind. Die Weinberge in Nuits St. Georges ziehen sich wie ein Band von Vosne-Romanée im Norden bis Prémeaux-Prissey im Süden mit einer kleinen Unterbrechung durch das Dorf Nuits St. Georges.

Wie auch in einigen anderen Dörfern an der Côte de Nuits liegen jedenfalls im nördlichen Teil die besten Lagen im Mittelteil des Hangs und ziehen sich bis oben in den Hang hinein. Der flachere Teil in Richtung der N74 besteht jedenfalls im nördlichen Teil ausschließlich aus Dorflagen, während auf der selben Höhe ab Vosne-Romanée auch 1er Crus zu finden sind (Chaumes, Clos de Réas) und noch weiter nördlich sogar der Grand Cru Clos de Vougeot (wobei der untere Teil ja als nicht Grand-Cru würdig gilt). Da die N74 in Richtung Prémeaux-Prissey etwas nach Westen biegt, stoßen die südlichen 1er Cru Lagen von Nuits St. Georges dann auch auf die Hauptstraße. Die Nuits St. Georges Weinberge enden mit zwei berühmten "Clos" Monopol-Lagen, nämlich dem Clos de l'Arlot der Domaine de l'Arlot und dem Clos de la Maréchale der Domaine Mugnier (früher verpachtet an Faiveley).

Im Übrigen dürften als die besten Nuits St. Georges Lagen zum einen diejenigen gelten, die an Vosne-Romanée angrenzen (Aux Boudots, direkt neben dem Vosne-Malconsorts, vielleicht noch Les Damodes) und zum anderen diejenigen, die im Mittelteil zwischen Nuits St. Georges und Prémeaux-Prissey liegen (Les Cailles, Les St. Georges, Les Vaucrains, vielleicht noch Les Didiers, der aber nur von den Hospices de Nuits angeboten wird).

Einige Domaines in Nuits St. Georges haben ein stattliches Portfolio an 1er Cru Lagen im Angebot, Henri/Gregory Gouges, Jean Chauvenet und Robert Chevillon zum Beispiel. Ich bin zur Domaine Alain Michelot gefahren, deren Weine in Deutschland aktuell leider nicht verfügbar sind. Alain Michelot hat das Zepter mittlerweile weitgehend an seine Tochter Elodie und ihren Mann abgegeben, hilft aber selber im Weinberg noch kräftig mit. Die Domaine verfügt über insgesamt 8 ha, davon 7,5 ha in Nuits St. Georges. Es gibt etwas Morey St. Denis (Village und 1er Cru Les Charrières), Lagen, die irgendwann durch eine Hochzeit mit einer anderen Familie dazukamen, seit 2010 einen Clos de Vougeot (aus dem Petit Mapertui, der angrenzend an den Grands Echézeaux in der Nähe des Grand Mapertui liegt) und sehr viel Nuits St. Georges. Das Lagenportfolio ist beeindruckend: Les St. Georges, Les Vaucrains, Les Cailles und Les Poirets St. Georges aus dem Südteil und La Richemone, Aux Chaignots und Aux Champs Perdrix aus dem Nordteil). Dann gibt es noch einen Village Nuits St. Georges "Aux Perdrix" und einen Nuits St. Georges Vielles Vignes. Wichtig sind der Domaine alte Reben. In der AOP Nuits St. Georges gelegene jüngere Reben gehen in den Bourgogne Rouge.

Im Keller passiert wenig Aufregendes, die Trauben werden entrappt, gepresst, ein paar Tage kalt mazeriert, dann vergoren und zwischen 16 und 20 Monaten in pièces ausgebaut mit einem eher moderaten Neuholzanteil (ca. bis zu 1/3 Neuholz).

Während ich erwartet hatte, dass es nur 2011er gibt, war die Auswahl dann doch schön groß. Der Les St. Georges war komplett ausverkauft, der Jahrgang 2005 ebenfalls (schade :cry:) aber von den übrigen Weinen waren überwiegend noch alle Jahrgänge von 2011 bis 2004 verfügbar. Elodie Michelot berichtete, dass die Domaine sehr viel die Gastronomie beliefere (was sichtbar ist) und sehr viel an Privatkunden verkaufe. Für diese halte man größere Vorräte älterer Jahrgänge bereit. Aus Konsumentensicht ist das natürlich sehr attraktiv. Probiert haben wir im sehr schönen (und auch sehr kalten) Fasskeller.

2266

Da ich aussuchen durfte, was wir probieren, habe ich zunächst um einige 2010er gebeten. Aufgemacht hat Elodie 2010 Nuits St. Georges Les Cailles, 2010 Nuits St. Georges Aux Champs Perdrix und 2010 Nuits St. Georges Les Vaucrains. Interessant war dabei, dass Elodie ihre Lagen wirklich ganz genau kennt und ihre Erklärungen, warum die eine Lage anders schmeckt als die andere im Glas glasklar nachzuvollziehen waren. Den Les Cailles haben wir zuerst getrunken, weil er der filigranste und eleganteste der 1er Crus ist. Der Wein war schwer einzuschätzen, weil er sehr kalt aus der frisch geöffneten Flasche kam, mit etwas Handerwärmung zeigte sich diese Finesse und Eleganz (bei gleichzeitig sehr präsenten Tanninen) aber sehr schön. Aux Champs Perdrix liegt sehr weit oben am Hang und ist laut Elodie Michelot die Lage, die der Domaine als bester Wetterindikator dient. Sie ist eher kühl, wird spät gelesen, es gibt recht viel Wind und meist die gesundesten (wenn auch nicht die reifsten) Trauben aus allen Lagen. Wenn es Botrytis im Champs Perdrix gibt, gibt es überall Botrytis. Der Wein war sehr ausgewogen, harmonisch, eher etwas runder und fülliger als der Cailles.

Dann hatten wir noch den Les Vaucrains, der von allen Lagen der Domaine die muskulösesten, üppigsten, lagefähigsten und lagerbedürftigsten Weine hervorbringt. Das war wirklich deutlich auch im Glas erkennbar, der Duft springt einen gleich an, ist viel schwarzfruchtiger als in den anderen Lagen, viel dunkler und kräftiger. Aber auch die Tannine teilen einem mit, dass man die Flasche am besten mindestens 15 Jahre im Keller vergisst.

Danach wollte ich gerne noch einen 2006er probieren, laut Elodie ein guter Jahrgang, nicht ganz so gut wie 2005, aber besser als 2007, ähnlich wie 2008 mit recht kräftigen Tanninen, eher präsenter Säure und einer langen Lagerfähigkeit. Ich fragte nach dem aktuell zugänglisten, woraufhin der 2006 Nuits St. Georges La Richemone geöffnet wurde. Auch der war ziemlich zugenagelt, mit etwas Luft und Wärme zeigte sich aber die herannahende Klasse sehr schön. Der Wein ist auf der runderen Seite und hat eine schöne Würze bei klaren Kirscharomen.

Ich war sehr begeistert nicht nur von den Weinen an sich, sondern vor allem von der bescheidenen Art der Familie (Papa und Ehemann habe ich auch noch kurz getroffen), ihrer Kenntnis der Lagen, Jahrgänge und der Selbstverständlichkeit der Vinifizierung. Bewusst sein muss einem allerdings, dass die Weine stilistisch eher "old-school" sind und nach meiner nicht sonderlich belastbaren Einschätzung (und auch der von Elodie Michelot) wirklich lange Reifezeit im Keller benötigen, um die durchaus kräftigen Tannine abzuschmelzen. Mich würde es freuen, wenn die Domaine auch nach Deutschland importiert würde.
Beste Grüße, Stephan
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octopussy

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Re: Côte de Nuits

BeitragDo 27. Mär 2014, 18:56

Ich war vor dem Besuch bei Sylvain Pataille in Marsannay-la-Côte vorgewarnt worden. Das würde anstrengend werden. Am Ende war mir zwar eiskalt, aber ich fand den Besuch hauptsächlich extrem spannend.

Sylvains Domaine ist noch relativ jung. 2001 war der erste Jahrgang. Er kommt zwar aus einer Winzerfamilie aus Marsannay, arbeitete aber nach seinem Studium zunächst nur als Berater für andere Domaines. Das tut er immer noch und man fragt sich, woher der Mann eigentlich die Zeit nimmt, zahlreiche namhafte Domaines zu beraten und seine eigene Domaine mit großer Passion voranzubringen. Aber es scheint irgendwie zu gehen. Mittlerweile bewirtschaftet Sylvain 10 ha in Marsannay-la-Côte und in Lagen nördlich von Marsannay in dem Gebiet, in dem man die Weine nur noch als "Bourgogne" bezeichnen darf.

In Marsannay hat er durchaus einige Lagen im Portfolio: En Clemengeots, Longeroies, Clos du Roy, La Montagne, Grasses Têtes und weitere. Er erzeugt Weißweine (Aligoté, Chardonnay), Rotweine und Roséweine. Marsannay ist letztlich das einzige Dorf an der Côte d'Or, aus dem in nennenswertem Umfang Roséweine erzeugt werden. Seine Vorgehensweise ist recht wenig interventionistisch. Er arbeitet - ich meine - zertifiziert biologisch-organisch und mit einigen biodynamischen Aspekten. Im Keller wird spontan vergoren, die Weine kriegen - je nach Wein - mehr oder weniger neues Holz zu sehen (bis zu 100% neues Holz). Das Gleiche gilt für die Verwendung von unentrappten Trauben für die Pinot Noirs. Alle Weine werden ungeschönt und unfiltriert abgefüllt. Die SO² Zugabe ist sehr gering. Soweit ich es verstanden habe, werden ein paar Weine mittlerweile komplett ohne SO² Zugabe abgefüllt.

In jeder Farbe hat Sylvain Pataille einen Wein, der 24 Monate in relativ viel Neuholz ausgebaut wird - es handelt sich dabei jeweils um die Spitzencuvées: - den "Charme aux Pretres" in Weiß, den "Fleur de Pinot" in Rosé und den "L'Ancestrale" in Rot.

Gute drei Stunden waren wir da und haben in der Zeit eine ganze Menge Weine probiert. Am Ende habe ich ehrlich gesagt trotz Spuckens ein bisschen den Überblick verloren, deshalb ist die zweite Hälfte der Weine etwas bruchstückhaft erfasst.

1. Bourgogne Rouge 2012: sauber, jung, klar, fein. Kein Leichtgewicht.
2. Marsannay Rouge 2012: mit mehr Tannin, mehr Komplexität und mehr Konzentration als der Bourgogne Rouge.
3. Marsannay En Clemengeots 2012: Der Wein hat mir besonders gut gefallen - rot- und schwarzbeerig, sehr harmonisch, delikat, mit feinen Tanninen und feiner Säure, exzellent balanciert.
4. Marsannay Grasses Têtes 2012: Hat deutlich mehr Tannin als der Clemengeots, recht konzentriert, kräftiges Tannin, wird lange brauchen.
5. Marsannay Longeroies 2012: ähnlich wie der Grasses Têtes, aber für meinen Geschmack etwas ausgewogener und weniger tanningeprägt. Sehr gut.
6. Marsannay Clos du Roy 2012: sehr konzentriert, viel dran und drin, wunderbar duftig, mineralisch im Mund, feine Frucht.
7- Bourgogne Le Chapitre 2012: Nach dem Marsannay Clemengeots mein Lieblingswein bis zu diesem Zeitpunkt. Sehr harmonisch, ausgewogen, sehr feine Säure, super feine Frucht, tolle Balance. Große Klasse.
8. Marsannay "L'Ancestrale" 2012: :shock:. Erst das zweite Mal, dass ich einen L'Ancestrale von Pataille im Glas hatte (das erste Mal war ein 2006er). Dieser Wein ist derart konzentriert, dass man sich ihm nicht entziehen kann. Duftig, springt aus dem Glas. Im Mund geradezu explosiv, nicht schwer, nicht mit dem manchmal etwas nervigen "Teppich" aus Tannin, Säure und süßer Frucht, sondern einfach mit wirklich extremer Aromenkonzentration. Grandios. Wer keine Angst vor konzentrierten Weinen hat, unbedingt ein paar Flaschen sichern :!:
9. Marsannay "L'Ancestrale" 2011: Auch hervorragend, aber nicht ganz so packend wie der 2012er. Deutlich weniger konzentriert, trotzdem komplex, sehr mineralisch. Große Klasse.
10. Marsannay Rouge 2013: Malo war noch nicht durch. Sehr schön trotzdem, klare, eher rotbeerige Frucht.
11. Marsannay En Clemengeots 2013: Malo noch nicht durch. Den Clemengeots fand ich auch aus 2013 ganz wunderbar, ähnlich elegant, feinfruchtig und ausgewogen wie den 2012er, vielleicht einen Tick leichter.
12. Marsannay Longeroies 2013: Malo noch nicht durch. Noch ein Wow-Moment. Der Wein gefiel mir sogar besser als der eh schon gute 2012er - feine Aromatik, muskulös, aber nicht stämmig, sehr schöne Aromenkonzentration, v.a. Kirsche. Große Klasse
13. Bourgogne Le Chapitre 2013: Malo noch nicht durch. Auch der Le Chapitre scheint in 2013 wieder gut gelungen zu sein - vielleicht etwas leichter als 2013, etwas weniger konzentriert.

14. Bourgogne Aligoté 2013: Malo noch nicht durch. Aligoté-typisch in der Aromatik, vielleicht etwas herber und etwas weniger luftig.
15. Marsannay Blanc 2013: Malo noch nicht durch. Glockenklar in der Aromatik, bespielt die ganze Klaviatur von weißlichen bis exotisch-gelblichen Früchten, dazu nussige Aromen.
16. Bourgogne Le Chapitre 2013: habe leider im Kopf nichts notiert
17. Marsannay Blanc 2012: Ein kleiner Chardonnay mit Anspruch. Etwas weniger klar aromatisch als 2013, dafür konzentrierter in den Aromen, leichte Gerbstoffnote im Abgang.
18. Marsannay Blanc "Charme aux Pretres" 2012: ein Hauch Holz in der Nase, weißlich-florale Noten, etwas Funk. Im Mund sehr herb, gerbstoffreich, stoffig.
19. Marsannay Blanc "Charme aux Pretres" 2011: Wie der 2012er, nur meiner Erinnerung nach noch gerbstoffreicher. Mit dem Wein hatte ich leichte Schwierigkeiten.
20. Marsannay Blanc "Charme aux Pretres" 2004: Aus einer 0,375 l Flasche, ein Fund aus der hintersten Ecke des Kellers. Die erste Flasche war leider anoxidiert, warum, konnte man ziemlich deutlich am Bröselkorken erkennen. Die zweite Flasche war in Ordnung, der Wein ist wunderbar gereift, noch sehr jung, geht mit den jüngeren Jahrgängen mit, recht herb, gerbstoffreich, leichte Bitternoten (wie Grapefruit), sehr salzig im Abgang.
21. Marsannay Rosé "Fleur de Pinot" 2012: Mit dem Wein hatte ich auch sehr große Schwierigkeiten. Irgendwie komisch in der Nase, im Mund besser, aber der Wein gab mir nur Rätsel auf, vermutlich, weil seine 24 Monate Fassreife noch nicht abgeschlossen sind.
22. Marsannay Rosé "Fleur de Pinot" 2011: Erheblich leichter zu verstehen als der 2012er, floral, zitrusfruchtig in der Nase, dicht, aber frisch im Mund. Ein ausgezeichneter Rosé, allerdings mit > 30 Euro im deutschen Handel auch ziemlich hochpreisig.

Ich meine, dass wir noch ein paar mehr Weine getrunken haben. Die Pataille 2012er fand ich ausgezeichnet, sie sind aber wirklich konzentriert (wie gesagt, ohne schwer zu sein) - da sind extrem viele Aromen in die kleinen Flaschen reingekommen - die Weine sind sehr komplex. Ich vermute mal, dass es mit einigen Ausnahmen (Village, Clemengeots) recht lange dauern wird, bis sich die Weine wirklich entfalten. 2012 schien mir bei Pataille kein Jahrgang zum jung trinken zu sein. Ich habe schon ein paar Weine gekauft, u.a. den tollen L'Ancestrale 2012. Die 2013er schienen mir größtenteils auch sehr vielvesprechend.
Beste Grüße, Stephan
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