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Burgund für Anfänger

Chablis, Auxerre und Umgebung, Côte de Nuits, Côte de Beaune, Châlonnais, Maconnais, Beaujolais und Lyonnais
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Desmirail

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Burgund für Anfänger

BeitragDo 6. Okt 2011, 15:46

Tag zusammen.

Ich mache hier mal einen neuen Fred auf, da ich nicht weiß wo ich das Thema sonst zu schreiben könnte.

Ich habe mich nie wirklich mit Burgundern, den roten, beschäftigt. Ein paar negative Erfahrungen vor 15 Jahren hatten ausgereicht mich abzuschrecken. Jetzt habe ich aber ein paar positive gemacht und dachte mir, welche Burgunder sind denn für welches Geld wie gut.

Das will heißen: Was bekommt man für's Geld und welche sind denn ganz annehmbar? Ich habe mich inzwischen etwas belesen und musste feststellen, dass das Burgund ja dermaßen zerstückelt ist, dass es vermutlich schwierig wird sich innerhalb der nächsten Jahre zu den geschmacklich besseren vorzutrinken. Das Burgund ist ja ein völliger Flickenteppich mit unterschiedlichen Klimata und Böden auf zum Teil wenigen Metern ...

Bild


Wie kommt man denn da zurecht Bild

Aus dem ganzen entstehen natürlich ziemlich viele neue Fragen. Meine erste ist zum Beispiel wo liegen denn die Unterschiede zu den deutschen Burgundern?


Ergo: Können wir hier einen Burgund-Einsteiger-Fred auf machen, wo Infos für Burgundereinsteiger rein kommenBild

Ich kann mir vorstellen, dass es anderen ähnlich geht wie mir.


Auf geht es.

@MODs, wenn der Fred hier nicht passt oder überflüssig ist weil es schon so einen Fred gibt den ich übersehen haben: Alles bitte löschen :!:
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octopussy

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Re: Burgund für Anfänger

BeitragDo 6. Okt 2011, 17:07

Desmirail hat geschrieben:Aus dem ganzen entstehen natürlich ziemlich viele neue Fragen. Meine erste ist zum Beispiel wo liegen denn die Unterschiede zu den deutschen Burgundern?

Hallo Manuel,

super Thema, das mich auch sehr interessiert. Als ein weiterer Burgunder-Anfänger kann ich leider nur begrenzt etwas beitragen, mache aber trotzdem mal den laienhaften Einstieg.

Zu der Frage der Unterschiede zu den deutschen Spätburgundern: gerade von letzteren habe ich bei weitem noch nicht genug getrunken, um mir ein auch nur annähernd fundiertes Urteil bilden zu können. Bisher finde ich Bourgogne-Burgunder jedoch meist deutlich feiner und eleganter als deutsche Spätburgunder, bei denen mich häufig eine etwas plumpe Art stört. Hinzu kommt hier und da ein eher unsensibler Holzeinsatz und Überreife. Am liebsten sind mir bisher eigentlich diejenigen deutschen Spätburgunder, die sich am nächsten am Original halten (z.B. F. Becker, Huber, Ziereisen). Aber wie gesagt - das ist bei mir ein sehr vages und nicht repräsentatives Bild.

Zum Einstieg in das Burgund: am besten wäre natürlich hinfahren, in Restaurants essen, ein paar Winzer besuchen, viel in Läden und Weinbars probieren. Das habe ich mir fest für in den nächsten zwei Jahren vorgenommen. Mein letzter Burgund-Besuch ist mittlerweile fast 10 Jahre her. Ansonsten finde ich halbe Flaschen eine sehr gute Möglichkeit, sich ein bisschen reinzutrinken. Die nicht zu vermeidenden Enttäuschungen sind dann nur halb so teuer :lol:. Es gibt ein oder zwei Händler, die auch einiges in halben Flaschen verkaufen. Schließlich denke ich, dass man im Burgund gut "unten" anfangen kann: erstmal die Produzenten testen mit einfachen Bourgogne Pinot Noirs, Hautes-Côtes de Beaune, Côtes de Nuits-Villages oder einer günstigeren Dorf-AOC (z.B. Marsannay, Ladoix, Chorey-les-Beaune, usw.). Alternativ kann man auch gleich in Villages Weine investieren, die meist preislich auch gehen. Wenn man dann für sich verlässliche Produzenten gefunden hat, kann man sich eine Stufe hochwagen und 1er Crus oder Grand Crus kaufen.

Welcher Stil dir am ehesten entgegenkommt, ist eine weitere Frage, die es zu klären gilt. Magst du die Pinots gerne streng, eher weich, kräftig, subtil, usw.?
Beste Grüße, Stephan
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Weinschlumpf

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Re: Burgund für Anfänger

BeitragDo 6. Okt 2011, 17:40

octopussy hat geschrieben:
Desmirail hat geschrieben:Aus dem ganzen entstehen natürlich ziemlich viele neue Fragen. Meine erste ist zum Beispiel wo liegen denn die Unterschiede zu den deutschen Burgundern?

Schließlich denke ich, dass man im Burgund gut "unten" anfangen kann: erstmal die Produzenten testen mit einfachen Bourgogne Pinot Noirs, Hautes-Côtes de Beaune, Côtes de Nuits-Villages oder einer günstigeren Dorf-AOC (z.B. Marsannay, Ladoix, Chorey-les-Beaune, usw.). Alternativ kann man auch gleich in Villages Weine investieren, die meist preislich auch gehen. Wenn man dann für sich verlässliche Produzenten gefunden hat, kann man sich eine Stufe hochwagen und 1er Crus oder Grand Crus kaufen.



Genauso habe ich das auch gemacht. Erstmal rund 15-20 einfache Bourgogne gekauft, um "meine" Erzeuger zu finden (z.B. Meo Camuzet, Gislaine Barthod, AF Gros, LeMoine). Dann Villages und teilweise Pc`s oder sogar GC`s in Restpostenverkäufen abgerast und so erste ERfahrungen gesammelt. Mein größtes Schnäppchen waren mal 8 Flaschen verschiedene PC`s von Roumier aus 97und98 für je nen 10er pro Flasche.. :D .
Stehe in Sachen Burgund immer noch nahe am Anfang, weiss jetzt aber, dass ich den klassischen Stil bevorzuge (z.B. Robert Chevillon, Mugnier).

Viele Grüße und viel Spaß!

Nikolai
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Desmirail

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Re: Burgund für Anfänger

BeitragDo 6. Okt 2011, 17:43

Hallo Stephan,

ich habe vor im Dezember 4-5 Tage ins Burgund zu fahren, deswegen ist Dein Hinweis schon mal gut. Irgend wie so was hatte ich mir auch gedacht. Winzer besuchen etc.

Probiert habe ich vor kurzem:

2006 Beaune 1er Cru "Clos des Ursules"
Maison Louis Jadot

2006 Santenay 1er Cru "Gravières" – Lucien Muzard

2006 Fixin "Les Champs de Charmes"
Jerome Galeyrand

2006 Clos de Vougeot Grand Cru
Maison Louis Jadot


Wie man mir schon versicherte waren diese Weine noch sehr jung, aber für mich als Nichtkenner war das trotzdem aufschlussreich, gerade für mich mit meiner rauen Bordeaux Zunge ;)
Preislich waren die Weine oben schon etwas gehoben, wenngleich ich weiß, das allenfalls der Himmel die Grenze bei guten Burgundern ist.
Zur Zeit ist es mir erst mal sehr wichtig Burgund zu verstehen und da habe ich schon gehört, das der Boden, natürlich der Boden, bei den feinen Pinots eine sehr gewichtige Rolle spielt. Verständlich, ist die Traube doch im Geschmack sehr fein und ziseliert.
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Desmirail

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Re: Burgund für Anfänger

BeitragDo 6. Okt 2011, 17:45

Weinschlumpf hat geschrieben:Stehe in Sachen Burgund immer noch nahe am Anfang, weiss jetzt aber, dass ich den klassischen Stil bevorzuge (z.B. Robert Chevillon, Mugnier).

Viele Grüße und viel Spaß!

Nikolai


Hi Nicolai ...


Oh je, da geht es schon los. Was heißt der "Klassische Stil"?

Könntest Du mir einen Vertreter nennen, der in die untere Preiskategorie gehört und diesen Stil repräsentiert?
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weinaffe

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Re: Burgund für Anfänger

BeitragDo 6. Okt 2011, 18:26

Hallo Manuel,

besuch auf jeden Fall mal auf Deiner Reise das Chateau de Monthelie in Monthelie. Tolle traditionelle, bio-zertifizierte Weine für ganz kleines Geld (wirklich alles, auch die 1er Crus, unter 20 EURO), die Lagen grenzen direkt an das bekannte Volnay und sind auf ähnlichem Niveau. Da Monthelie aber nicht so bekannt ist, sind die Preise entsprechend niedrig.
Dort muss man sich auch nicht unbedingt vorher anmelden... sehr unprätentiös und sympathisch; in diesem Betrieb hat sich im besten Sinne des Wortes in den letzten 20 Jahren nichts geändert.

Hierzu folgenden Link: http://www.wineterroirs.com/2009/01/suremain.html

Viel Spass in der Bourgogne
Bodo
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octopussy

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Re: Burgund für Anfänger

BeitragDo 6. Okt 2011, 18:29

Desmirail hat geschrieben:ich habe vor im Dezember 4-5 Tage ins Burgund zu fahren, deswegen ist Dein Hinweis schon mal gut. Irgend wie so was hatte ich mir auch gedacht. Winzer besuchen etc.

Super, das wird bestimmt großartig. Wir waren damals bei der Domaine André Chopin & Fils in Comblanchien, die sehr guten Nuits St. Georges haben. Außerdem waren wir v.a. für Chardonnay bei der Domaine Bernard Colin in Chassagne-Montrachet (damals schon Bio-Winzer). Bei beiden war der Empfang sehr, sehr nett. Aber wie gesagt - das ist 10 Jahre her. Und die Preise :roll: unglaublich. Bei Colin der tolle 1999 St. Aubin 1er Cru En Remilly für 10,60 Euro, die Chassagne-Montrachet 1er Crus alle für um die 15 Euro, 1999 Chassagne Rouge für 8,70 Euro. Auch wenn die Preise sicher ordentlich gestiegen sind, kannst du vor Ort überall erheblich günstiger kaufen als hier.

Zum Essen kann ich sehr das Restaurant Pierre in Macon empfehlen. Ich hab gerade auf die Karte geschaut, die hat sich in 10 Jahren nicht groß verändert. Das kleine Menu ist im Preis fast gleich geblieben. Die Quenelles de Brochet dort sind ausgezeichnet.
Beste Grüße, Stephan
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octopussy

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Re: Burgund für Anfänger

BeitragDo 6. Okt 2011, 22:24

Desmirail hat geschrieben:
Oh je, da geht es schon los. Was heißt der "Klassische Stil"?

Könntest Du mir einen Vertreter nennen, der in die untere Preiskategorie gehört und diesen Stil repräsentiert?

Hallo Manuel,

ich bin zwar nicht Nikolai, gebe aber trotzdem mal meinen Senf dazu. Ich persönlich finde es sehr schwierig, anhand "Papier-Kriterien" wie z.B. Neuholzeinsatz, Maischestandzeit, Vergärung mit Stielen oder ohne, Gärtemperatur nach klassisch oder nicht zu unterscheiden. Deshalb geht probieren über studieren, eine never ending story, bei der ein irgendwie geartetes Ziel nie vor Augen ist.

Als nach meinem Empfinden eher klassische Erzeuger fallen mir ganz beispielhaft ein (jeweils nur Basisqualitäten getrunken, ist oft auch schon eine Weile her):

Denis Bachelet, Gevrey-Chambertin (leider eher hochpreisig)
Jacques Frédéric Mugnier, Chambolle-Musigny (von Weinschlumpf völlig zu recht genannt, auch hochpreisig, aber es lohnt sich)
Henri Gouges, Nuits-St. Georges (aus meiner Sicht grandios, braucht aber lange Reifezeit in der Flasche)
Michel Lafarge, Volnay

Es würde mich echt freuen, wenn wir hier in den Burgund-Thread etwas mehr Leben reinbekommen würden. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich weiße und rote Burgunder eigentlich nicht für zu teuer und zu divenhaft halte. Die begeisternden Erlebnisse waren zuletzt deutlich in der Mehrzahl im Vergleich zu den Enttäuschungen.
Beste Grüße, Stephan
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argentum

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Re: Burgund für Anfänger

BeitragFr 7. Okt 2011, 06:35

Hei Stefan,

bin da deiner Meinung. Wegen zu teuer: Ich habe noch keinen Burgunder die Preise in Bordeaux übertreffen sehen. Und wenn man für sich einmal seine Lieblingsecke gefunden hat vertrete ich die Meinung, dass preislich eigentlich alles humaner ist, als es dargestellt wird - sogar auf GC-Stufe.
Gruss
Philipp

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argentum

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Re: Burgund für Anfänger

BeitragFr 7. Okt 2011, 08:14

Hei Manuel, mir ist grade noch etwas in denn Sinn gekommen bezüglich Unterschiede Deutschland-Burgund - drum meine kurze Beigabe via iPhone...

Ich tue das unter der Berücksichtigung Badens, das mir als Rotweinbauregion in Deutschland am geläufigsten ist. Als einer der wichtigsten Unterschiede gibt es eben dieses mythische Terroir, obschon man bei Huber in Malterdingen und am Tuniberg gewisse Parallelen hinsichtlich der sedimentären Beschaffenheit der beiden gebiete herausstreicht. Ich habe es nie im Original gesehen, aber Huber zum Beispiel soll die Rebgärten der abgewanderten Zisterzienser fortführen, die den Weinbau aus Burgund nach Baden brachten. Hierzu kann ich dich aber nur auf die HP von Huber verweisen : www.weingut-huber.com .

Nebst dem Terroir im Rest von Baden bin ich der Meinung (hier schliesse ich einfach aus Gesprächen und habe keine weiter fundierte Grundlage) spielen natürlich die Reben eine Rolle. Ich weiss nur, dass immer noch der ertragreiche "Badenerklon" breit eingesetzt wird (man verzeihe die ungenaue Ausdrucksweise, da auch hier de memoria nicht ganz so einfach rekonstruierbar). Nun haben bspw. Huber und andere angefangen Burgunderklone zu pflanzen (glaube klon 777) auf zumeist ertragsarmen Unterlagen.

Dies hat für mein Geschmacksempfinden vor allem einen entscheidenden Einfluss gegenüber der Badenerklone: geschmackliche Komplexität. Wo badenerklone drall, sexy, süss sind bringen die Burgunderklone diese Tiefe mit, das sich in einem ganz anderen Erlebnis wiederspiegelt... Ich bin mir aber sicher, dass es auch ganz andere Meinungen hierzu gibt, die dann das gemeinsame verkosten einer flasche badischen oder burgundischen Weins sehr spannend gestalten können ;-)

Dies als kleiner Einschub noch meinerseits, wo der Hnterschied anfangen kann...
Gruss
Philipp

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