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Bordeaux 2017

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
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Jochen R.

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Re: Bordeaux 2017

BeitragDo 25. Jun 2020, 09:57

Hallo Josef,
danke für die Notizen!
Finde ich gut, dass du unvoreingenommen an die Sache heran
gehst. Und wenn dann Weine den Geschmack nicht treffen oder
das PLV nicht passt, ist das ja vollkommen in Ordnung.
Über dieses "Punktetrinken" an andere Stelle muss ich mich nur
noch wundern, aber jedem Narr gfällt sei Kapp!

Viele Grüße,
Jochen

PS: Hast du den Le Reysse schon gekauft? Ich bin noch nicht dazu
gekommen.
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Winedom

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Re: Bordeaux 2017

BeitragDo 25. Jun 2020, 10:36

und hier passt thematisch auch ein weiterer 2016er, rein:

la tour st.christophe aus 2016 mit 15% alkohol.

nase und aromatik sind durchaus schön (blaubeeren, sehr fruchtbetont, minimale holz/röstnoten im hintergrund), tannine sind erstmal nicht grob, aber ab der mitte und nach hinten wird der wein unangenehm bissig als kombination aus säure, tannin und alkohol und verliert jegliche balance.
beim 2015er war das vor einem jahr genauso.

hab leider im überschwang der bewertungen ein six-pack vom 2016er subskribiert...

gruss, m



Den 15er la tour st.christophe fand ich bei der Ankunft echt genial. Vor 6 Monaten hatte ich den wieder im Glas und wie du sagst fehlte die Balance. Hoher Alkohol macht es einfach nicht besser.
Gruß Rainer
Viele Grüße
Rainer
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AmonA

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Re: Bordeaux 2017

BeitragDo 25. Jun 2020, 11:00

Winedom hat geschrieben:...
Den 15er la tour st.christophe fand ich bei der Ankunft echt genial. Vor 6 Monaten hatte ich den wieder im Glas und wie du sagst fehlte die Balance. Hoher Alkohol macht es einfach nicht besser.
Gruß Rainer

Hm, das war bei mir etwas anders. Vor genau 2 Jahren schmeckte der 15er wie ein Amarone, im Dezember des gleichen Jahres war der Wein "genial". Im Frühjahr diesen Jahres fand ich den Wein total verschlossen.
Den 16er St. Christophe hatte ich im Dezember 2019 probiert (also unter angenehmen Zimmertemperaturen ~ 21°C und keine 24 °C im Sommer), aber keine Notizen gemacht. Wahrscheinlich war ich nach dem Probieren nicht mehr in der Lage irgendwas zu schreiben :lol:
Grüße
AmonA (aka Volker)
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stollinger

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Re: Bordeaux 2017

BeitragDo 25. Jun 2020, 11:33

Jochen R. hat geschrieben:PS: Hast du den Le Reysse schon gekauft? Ich bin noch nicht dazu
gekommen.

Ja, der ist da. Vermutlich wird er heute oder morgen verkostet.
Winedom hat geschrieben:
und hier passt thematisch auch ein weiterer 2016er, rein:

la tour st.christophe aus 2016 mit 15% alkohol.

nase und aromatik sind durchaus schön (blaubeeren, sehr fruchtbetont, minimale holz/röstnoten im hintergrund), tannine sind erstmal nicht grob, aber ab der mitte und nach hinten wird der wein unangenehm bissig als kombination aus säure, tannin und alkohol und verliert jegliche balance.
beim 2015er war das vor einem jahr genauso.

hab leider im überschwang der bewertungen ein six-pack vom 2016er subskribiert...

gruss, m



Den 15er la tour st.christophe fand ich bei der Ankunft echt genial. Vor 6 Monaten hatte ich den wieder im Glas und wie du sagst fehlte die Balance. Hoher Alkohol macht es einfach nicht besser.
Gruß Rainer

Ich werde da das Gefühl nicht los, dass einige Wein für die en primeure Verkostung und die Arrivage gemacht werden. Frühe Zugänglichkeit und Aromenfülle. Kurze Zeit später geraten die Weine dann voll aus der Balance. Wie solche Weine reifen, da gibt es m.M. nach auch keine Erfahrungswerte zu.*

Grüße, Josef

*jetzt bitte nicht wieder den 47er Cheval Blanc anführen, der ist doch maximal die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Ich hatte mal versucht, die genauen Umstände der Messwerte in Erfahrung zu bringen, aber nichts gefunden. Solange ich die Umstände nicht kenne vermute ich a) einen Messfehler oder methodische Fehler wenn die Analyse aus den Zeiten der Füllung stammt, oder b) wenn die Analyse modern ist, eine Flasche aus der Hand von Rodenstock, Kurniawan o.Ä. mit Primitivo drin.
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Winedom

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Re: Bordeaux 2017

BeitragDo 25. Jun 2020, 12:02

Tour St. Christophe
Vor genau 2 Jahren schmeckte der 15er wie ein Amarone, im Dezember des gleichen Jahres war der Wein "genial"


Meine erste Verkostung war Oktober 2018. Dann passt das ja fast.
Dennoch glaub ich noch an die Zukunft.

Hatte bis jetzt noch gar keinen 17er im Glas da noch kein Sub-Weine erhalten.
Auf den Le Reysse 2017 bin ich nun auch gespannt.


Gruß Rainer
Viele Grüße
Rainer
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stollinger

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Re: Bordeaux 2017

BeitragSa 27. Jun 2020, 14:19

Hallo,

gestern (und heute mittag nachverkostet) haben wir dann noch zwei weitere Weine aus 2017 probiert, auch blind, diese mal vom linken Ufer.

Chateau Lanessan - Haut-Médoc 2017:

Bild

Am 2. Tag die Tannine erwartungsgemäß mit etwas mehr Grip, aber insgesamt nicht besonders gerbstofflastig. Auch die Frucht deutlich exponierter. Ich finde die Aromen von roter Grütze und Menthol dabei ziemlich Lanessan-typisch. Der Wein ist zur Zeit sehr offen und zugänglich, ist einfach schön zu trinken. In der Wahrnehmung sind Jochen und ich m.M. recht nah beienander [Link] Jochens Kommentar etwas weiter im Faden trifft es recht gut und ist glaube ich in keiner Weise abwertend gemeint:
Jochen R. hat geschrieben:Der 2017er ist ein solider Zechwein, der ´16er schon
eine andere Hausnummer (sehe ich bei 90 P.).

Ich kann mir vorstellen, dass der Wein eine etwas schwachbrüstige Säure und etwas zu wenig Substanz hat, um wirklich alt zu werden. Der ist nicht für die Ewigkeit gemacht, aber Entwicklung traue ich dem auch zu, würde ihn tendenziell auch über den 87P von Jochen sehen.

Der zweite Wein, der ins Glas kam war Château Le Reysse - Vignobles Paeffgen - Médoc 2017:

Bild

Der hat mir noch einen Ticken besser gefallen, wirklich ein toller Wein. Die Frucht im Mund ist einfach wunderschön und die Kaffee-Noten dazu treffen voll meinen Geschmack! Zwar auch ein nicht zu extraktreicher Wein, aber schon intensiver und kraftvoller als der Lanessan. Auch dieser hier mit sehr schönen Gerbstoffen.

Die Gerbstoffe vom Lanessan habe ich als eher adstringent-zusammenziehend wahrgenommen, die vom Le Reysse als adstringent-samtig. In der Fachliteratur [1] werden adstringierend-zusammenziehende (puckering) Sinneseindrücke Tanninen wie der Gallussäure, Vanilinsäure und Syringasäure, die sich z.B. in den Traubenkernen finden, zugeschrieben.

Die adstringierend-samtigen Eindrücke werden Flavonolglycosiden (zu denen auch die Anthocyanine zählen) zugeordnet. Diese befinden sich hauptsächlich in der Beerenschale. Ich vermute, der Unterschied in den Tanninen und der Empfindung kommt durch den hohen Anteil an Cabernet Sauvignon (90% in Le Reysse), der mehr Farbstoffe und dickere Schalen hat. Zusätzlich ist bei kleinen Beeren und einer stärkeren Entlaubung der Gehalt an Flavonolglycosiden in Trauben höher.

Insgesamt finde ich den Wein recht sanft extrahiert, auf der Flasche steht aber 34 Tage, was ja jetzt nicht unbedingt kurz ist. Den Holzeinsatz beim Le Reysse finde ich recht dezent und gut gewählt für den leichteren Körper (und die Kaffeenote finde ich großartig), trotz 24 Monaten Barrique.

Stefan, ich würde mich sehr freuen, wenn du meine Eindrücke und Gedanken kommentieren kannst. Wie alt/neu waren die Fässer, bei welchen Temperaturen hast du vergoren, hast du untergetaucht? Und wie hast du die Gerbstoffzusammensetzung empfunden?

Ich werde mir jedenfalls von beiden Weinen noch mal etwas nachkaufen, liegt mir deutlich mehr als die rechtsufrigen, was auch allgemein (unabhängig von 2017) meiner Vorliebe entspricht. Wir hatten auch noch mal den Dalem und De La Dauphine im Laufe des Abends dagegen probiert. Der Dalem war von der Frucht deutlich kitschiger und unnatürlicher, der Dauphine mit unreifen, überextrahierten Tanninen.

Grüße, Josef

[1] J. C. Hufnagel, T. Hofmann, J. Agric. Food Chem., 2008, 56, 1376-1386. [Link]
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Jochen R.

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Re: Bordeaux 2017

BeitragSa 27. Jun 2020, 15:05

Hallo Josef,
ich glaube auch, dass wir bzgl. Lanessan ´17 nicht weit auseinander
liegen und das Zitat ist in der Tat in keinster Weise abwertent gemeint.
Ich wurde gefragt, ob ich mit früheren Jahrgängen vergleichen kann,
und da ist halt der 2016er ein andere Hausnummer. Der ´17er ist sehr
gut!
Deine Notiz zum Le Reysse 2017 ist ganz nach meinem Geschmack!

Viele Grüße,
Jochen
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small talk

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Re: Bordeaux 2017

BeitragSa 27. Jun 2020, 18:22

Hallo Josef,
Danke für die gelungene und detailreiche Beschreibung.
Da möchte ich die Frage nach mehr Hintergrundinformationen nicht unbeantwortet lassen:
2017 haben wir mit der Merlot Lese für Le Reysse erst am 26. September angefangen. Es gab einen Befall von Botrytis der noch tolerierbar war. Dadurch ging die Vergärung extrem schnell und die Temperatur auf 35,5° C hoch. Das ist schon sehr nach an einem Abbruch der Gärung, diese konnte aber durch die Kühlung verhindert werden. Mit reifen Trauben kann man das machen. Der schnelle heftige Gärbeginn war gewünscht und wichtig um die Enzyme der Botrytis zu blockieren. Dier Enzyme der Botritis können während der Vergärung weiter Schaden anrichten. Die Merlots haben nach diesem sehr schnellen Start über 30 Tage insgesamt 30 Tage gegoren. Mit anschließender Maceration war die Extraktion am 30. Oktober fertig.
Die Cabernet Sauvignon wurden al 4 Oktober gelesen. Botritis war auch etwas da nicht so stark wie bei den Merlots. Hier ging die Temperatur auf ‚nur‘ 35 ° hoch auch - extrem. Die Vergärung war mit 20 Tagen schneller durch die maceration etwas länger und am 2 November war die Extraktion fertig.
Der Ausbau erfolgte im ausschließlich neuem Barrique (französische Eiche) über 24 Monate.
Keine Schönung, stattdessen Abzüge und eine Filterung bei der Abfüllung.
Da der 2017er als Jahrgang nicht so ‚populär‘ ist, habe ich vom 2017er Le Reysse sehr wenig abgefüllt und einen Teil dieser sehr guten Chargen in das andere Chateau gegeben was zum gleichen Weinbetrieb gehört – das darf ich. Dadurch hatte ich mehr Spielraum bei den Cabernet Anteilen (die sind sonst immer knapp). Wenn die Cabernets gut reif werden sind sie unschlagbar in Médoc. (Die Cabernets – Jahre häufen sich auch durch den ‚Klimawandel‘). Dem 2017er tun die 90 % Cabernet Saufignon sehr gut. Obwohl der Wein nicht so wuchtig ist mache ich mir bezüglich seines Reifepotentials bei den Tanninen keine Sorgen.

Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Die Wahrheit liebt es, sich zu verstecken.
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Jochen R.

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Re: Bordeaux 2017

BeitragMo 6. Jul 2020, 18:13

Auch hier kann ich mich Josef anschließen, wobei ich den
Le Reysse 2017 mehr als einen Ticken besser sehe als den
Lanessan.

Tief dunkles Weinrot mit ganz dezentem Violettstich. Gleich
nach dem Öffnen voll da: blumig, Vanille, Heidelbeer(joghurt)
und Minze. Mit wenig Luftzufuhr Tabak und eine animalische
Note. Merklicher Holzeinsatz, mind. mittelkräftig.
Mittlerer Körper, wunderbare Cabernetfrucht: Kirschen, Cassis
und auch hier Heidelbeerjoghurt, cremig, frisch, dezent floral,
lang mit fruchtigem Nachhall.

Mich erinnert der Holzeinsatz - v. a. die Nase - an einen Saint
Pierre 2017 oder La Tour Carnet 2016, da hatte ich mir "nuttig"
notiert. Damit möchte ich niemanden zu Nahe treten, der Wein
ist m. M. sehr gut mit Potential, top PLV! 90+ P.

Viele Grüße,
Jochen
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Jochen R.

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Re: Bordeaux 2017

BeitragFr 17. Jul 2020, 18:48

Charmail hat geschrieben:Chateau Fonplegade 2017
...
Mein Fazit:
Wenn mein Keller nicht schon aus allen Nähten platzen würde, wäre das ein sicherer Nachkaufkandidat, der Wein ist eine absolute Empfehlung, weil er Frische, Frucht, Würze, Komplexität, Ausgewogenheit und Länge besitzt. (92)

Cheers Steffen

Ohne Steffen´s Notiz wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, diesen
Wein zu kaufen. Gut dass ich es gemacht habe, der Wein ist wirklich
hervorragend - zum Rostbraten mit Bratkartoffeln und auch solo!

Nase typisch Merlot mit Zwetschgen und Kirschen, dazu eine animalische
Note mit Gewürzen. Mittelkräftig, im Hintergrund ganz dezent laktisch/
Karamell, mit Luftzufuhr gesellt sich Tabak und frische Minze dazu.
Komplex!
Mittlerer Körper, tolle Frucht (v. a. Kirschen und Cassis), cremig, auch hier
tut Luft gut: würzig, etwas Karamell, frisch, schöne Adstringenz, mittel-
lang bis eher lang. 91 P.

Auch bei mir ist der Keller voll und die letzten Freiräume sind für CS-
dominierte BDX reserviert. Merlotfans kann man den Fonplegade ´17
nur empfehlen, weil es genau so wie A. Kunz beschreibt eben im Wesent-
lichen nicht ist :idea:
Üppiges, süsses, breites, leicht alkoholisches Bouquet, Erdbeerkonfitüre, Brombeeren, Caramel. Molliger, fruchtiger Gaumen mit üppiger Frucht, feinsandigem Tannin, opulenter Struktur, kräftiger Aromatik, süsser, pfefferiger Abgang. Kann noch zulegen." – André Kunz


Viele Grüße,
Jochen
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