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Bordeaux ganz allgemein!

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
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Sauternes

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Re: Bordeaux ganz allgemein!

BeitragSo 27. Aug 2017, 09:52

Danke für die Aufklärung, da habe ich bisher nicht drauf geachtet, wieder etwas schlauer :) .
Meine Meinung zur Jahrgangsqualität beeinflußt das aber zum Glück nicht.
2015 kann echt groß werden, wenn ein kleiner Wein jung schon so zu gefallen weiß, so rund,voll und mit herrlichen Trinkvergnügen, das kann großartig werden, die Zeit wird es zeigen.

Gruß Heiko
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vanvelsen

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Re: Bordeaux ganz allgemein!

BeitragDo 10. Jan 2019, 11:41

Liebe Weinfreunde

irgendwie fehlen hier "Vertikal" Threads... Darum einfach mal hier: Meine Eindrücke zu Vertikalen von Beychevelle und Les Carmes Haut-Brion.
https://vvwine.ch/2019/01/bordeaux-und- ... ychevelle/

Viel Spass beim Lesen.

Grüsse,

Adrian
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Jochen R.

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Re: Bordeaux ganz allgemein!

BeitragDo 10. Jan 2019, 18:59

vanvelsen hat geschrieben:Liebe Weinfreunde

irgendwie fehlen hier "Vertikal" Threads... Darum einfach mal hier: Meine Eindrücke zu Vertikalen von Beychevelle und Les Carmes Haut-Brion.
https://vvwine.ch/2019/01/bordeaux-und- ... ychevelle/

Viel Spass beim Lesen.

Grüsse,

Adrian

Hallo Adrian,
wer kauft sich denn - wenn er bereit ist (aus eigener Tasche) 70-90 EUR für
eine Flasche BDX auszugeben - Beychevelle?

Viele Grüße,
Jochen
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miromo

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Re: Bordeaux ganz allgemein!

BeitragFr 11. Jan 2019, 19:46

Hallo Adrian,
wer kauft sich denn - wenn er bereit ist (aus eigener Tasche) 70-90 EUR für
eine Flasche BDX auszugeben - Beychevelle?

Viele Grüße,
Jochen[/quote]

Hallo Jochen
vielleicht die Chinesen ...

Habe den Wein mal gerade durch den Winsearcher gejagt. Fast alle Jahrgänge der letzten 30 Jahre kosten brutto um die 100 Euro oder darüber (mittlerer Handlespreis). In so Überfliegerjahren wie 92, 93, 94, 97, 98 ,99, 02 ist Beychevelle teurer als Leoville Barton. Selbst der Zweitwein liegt grob so im Level von der Dame de Montrose. Muss also irgendwo auf dem Spekulationsradar sein. Dächte mal gehört zu haben, dass die Chinesen auf das Drachenboot auf dem Etikett stehen.

Beychevelle habe ich, auch aus preislichen Gränden, schon sehr lange nicht mehr getrunken, die letzten Jahrgänge die ich in Erinnerung habe (1990 93 01) waren belanglos bis schlecht.

Vinophile Grüße

Stefan
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Rotundweiss

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Re: Bordeaux ganz allgemein!

BeitragFr 11. Jan 2019, 23:19

miromo hat geschrieben:wer kauft sich denn - wenn er bereit ist (aus eigener Tasche) 70-90 EUR für
eine Flasche BDX auszugeben - Beychevelle?


Der 2016er kostete bei ausgezeichneten Bewertungen in der Subskription € 78.
Muss ´mal im Stammbaum nachsehen, ob ich Chinesische Wurzeln habe :D .
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Jochen R.

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Re: Bordeaux ganz allgemein!

BeitragSa 12. Jan 2019, 10:20

Hallo Stefan,
mir kam das Gleiche in den Sinn!
miromo hat geschrieben:...
Beychevelle habe ich, auch aus preislichen Gränden, schon sehr lange nicht mehr getrunken, die letzten Jahrgänge die ich in Erinnerung habe (1990 93 01) waren belanglos bis schlecht.

Vinophile Grüße

Stefan

Auch das kann ich 1:1 für mich so übernehmen.
Aber der 2016er wird bei den wohlwollenden Kritiken
den Preis schon rechtfertigen :P

Viele Grüße,
Jochen
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vanvelsen

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Re: Bordeaux ganz allgemein!

BeitragSo 13. Jan 2019, 15:32

Grüezi zäme

ich habe in diesem Beitrag keine Aussage zu Preisen gemacht. Wer wie viel für was zahlt, ist in diesem Kontext nicht wirklich relevant.

Hier geht's übrigens zum 2. Bericht über Cos und Léo Las Cases... beides auch keine Schnäppchen um ehrlich zu sein.
https://vvwine.ch/2019/01/bordeaux-und- ... estournel/

Gruss

Adrian
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pessac-léognan

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Re: Bordeaux ganz allgemein!

BeitragSo 13. Jan 2019, 16:10

Drei provokative, teils überspitzte, auf jeden Fall persönliche Thesen zum Thema >Bordeaux<:

1) Die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte hat den Weinen des Bordelais – mindestens bis anhin – mehr Vorteile als Nachteile gebracht.
2) Dasselbe gilt für Parker und seine Bewertungen, die diese Weine in eine bestimmte Richtung gedrängt haben.
3) Parker ist zum richtigen Zeitpunkt abgetreten.

Das scheint ein wenig paradox und ruft nach Erklärungen. Sie seien hier, zusammen mit ein paar wiederum persönlichen Schlussfolgerungen, geliefert:

1) Zumindest bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es im Bordelais (zu) viele schlechte oder höchstens durchschnittliche Weinjahrgänge, die wenig bis keinen Spass bereitet haben.
2) Viele Weine, auch große, zum Teil sogar sehr große, hatten in früheren Jahrzehnten, folgend auf eine fehlende Fruchtphase, eine sehr lange Verschlussphase, auf die ein Trinkfenster folgte, das man durchaus vergleichen kann mit dem der Phase des Auftauens eines Kuhstalls, sowohl olfaktorisch als auch geschmacklich.
3) In den letzten Jahrzehnten haben die Weine des Bordelais – zumindest in der Masse – zugelegt. Die schlechten Jahrgänge der jüngeren Vergangenheit (etwa 2007 oder 2013) hätten in früheren Jahrzehnten immer noch als passabel gegolten.
4) Parker hat mit seinem Geschmack und seinen Bewertungen diese Tendenz der Weine des Bordelais in Richtung Trinkbarkeit noch beschleunigt, und zwar gerade auch für große und größte Weine. Er hat quasi eine Kongruenz von Publikumsgeschmack und Finanzkraft hergestellt. Zumindest hat sich dies für die Güter gelohnt. Parkerpunkte waren fast immer Geld wert.
5) Irgendwo hatte diese Tendenz eine logische Grenze. Stichworte: Alkoholwerte, Überextraktion usw.
6) In Jahrgängen wie 2003, 2009, 2010 und (bereits nach Parkers Abgang) 2015 haben dies gezeigt.
7) So hat in den letzten Jahren eine Gegentendenz eingesetzt, zuerst nur bei einigen ganz großen Weingütern, in der Breite erstmals 2016.
8) So scheint nun eine Art Mittelmaß von Bordeaux-Terroir und Trinkigkeit (oder Weltwein) gefunden worden zu sein, das den meisten Weinen des Bordelais bekommt. Jedenfalls scheint es mir im Bordelais noch nie so viele Spitzenweine gegeben zu haben wie in den letzten drei oder vier Jahren. Aber auch in der Breite gibt es viel mehr große, zumindest sehr gute Weine als noch in den 80er und 90er Jahren.
9) Das Trinkfenster hat sich erweitert. Die meisten Weine haben nun eine echte Fruchtphase, die für den Gaumen und vor allem auch für die Nase riesige Freude bereitet.
10) Was natürlich angesichts der relativen Kürze dieser Entwicklung noch nicht absehbar ist: Wie wirkt sich das auf Dauer und Wirkung der Verschlussphase aus? Im glücklichsten Fall wird diese verkürzt oder gibt es den totalen, mitunter jahrzehntelangen Verschluss gar nicht mehr? Wenn dadurch die Gesamtlebensdauer der Weine in Summe verkürzt würde, scheint mir das keine Tragödie zu sein – v.a. für nicht mehr ganz junge Bordeaux-Liebhaber. Schliesslich braucht es nicht Ziel eines Weines zu sein, erst nach 50 Jahren Trinkgenuss zu bieten, wenn überhaupt und wenn der Korken das zulässt.
11) In diesem Sinn scheinen uns mehr gute (wie 2014) oder gar große (wie 2009, 2010, 2015, 2016) Jahrgänge erfreuen zu können als in früheren Jahrzehnten.
12) Die schlechten Jahrgänge, die früher (wie gesagt) noch als passabel durchgegangen wären, sind ein Problem für den Weinhandel, nicht für die Weintrinker. Man lasse sie einfach liegen und zwinge so den Handel dazu, sie zu deklassieren (mit Abschlägen von mindestens 70% gegenüber guten Jahrgängen!). Dann kann man es beim einen oder anderen Wein vielleicht wagen und nette, günstige Weine von Spitzengütern finden. Sonst sollen die Händler darauf sitzen, solange sie wollen oder Ladenketten wie Lidl sollen sie völlig überteuert Bordeaux-Ignoranten anzudrehen versuchen, bis sie es satt haben und Essig daraus machen.
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vanvelsen

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Re: Bordeaux ganz allgemein!

BeitragSo 13. Jan 2019, 16:47

pessac-léognan hat geschrieben:Drei provokative, teils überspitzte, auf jeden Fall persönliche Thesen zum Thema >Bordeaux<:

1) Die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte hat den Weinen des Bordelais – mindestens bis anhin – mehr Vorteile als Nachteile gebracht.
2) Dasselbe gilt für Parker und seine Bewertungen, die diese Weine in eine bestimmte Richtung gedrängt haben.
3) Parker ist zum richtigen Zeitpunkt abgetreten.

Das scheint ein wenig paradox und ruft nach Erklärungen. Sie seien hier, zusammen mit ein paar wiederum persönlichen Schlussfolgerungen, geliefert:

1) Zumindest bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es im Bordelais (zu) viele schlechte oder höchstens durchschnittliche Weinjahrgänge, die wenig bis keinen Spass bereitet haben.
2) Viele Weine, auch große, zum Teil sogar sehr große, hatten in früheren Jahrzehnten, folgend auf eine fehlende Fruchtphase, eine sehr lange Verschlussphase, auf die ein Trinkfenster folgte, das man durchaus vergleichen kann mit dem der Phase des Auftauens eines Kuhstalls, sowohl olfaktorisch als auch geschmacklich.
3) In den letzten Jahrzehnten haben die Weine des Bordelais – zumindest in der Masse – zugelegt. Die schlechten Jahrgänge der jüngeren Vergangenheit (etwa 2007 oder 2013) hätten in früheren Jahrzehnten immer noch als passabel gegolten.
4) Parker hat mit seinem Geschmack und seinen Bewertungen diese Tendenz der Weine des Bordelais in Richtung Trinkbarkeit noch beschleunigt, und zwar gerade auch für große und größte Weine. Er hat quasi eine Kongruenz von Publikumsgeschmack und Finanzkraft hergestellt. Zumindest hat sich dies für die Güter gelohnt. Parkerpunkte waren fast immer Geld wert.
5) Irgendwo hatte diese Tendenz eine logische Grenze. Stichworte: Alkoholwerte, Überextraktion usw.
6) In Jahrgängen wie 2003, 2009, 2010 und (bereits nach Parkers Abgang) 2015 haben dies gezeigt.
7) So hat in den letzten Jahren eine Gegentendenz eingesetzt, zuerst nur bei einigen ganz großen Weingütern, in der Breite erstmals 2016.
8) So scheint nun eine Art Mittelmaß von Bordeaux-Terroir und Trinkigkeit (oder Weltwein) gefunden worden zu sein, das den meisten Weinen des Bordelais bekommt. Jedenfalls scheint es mir im Bordelais noch nie so viele Spitzenweine gegeben zu haben wie in den letzten drei oder vier Jahren. Aber auch in der Breite gibt es viel mehr große, zumindest sehr gute Weine als noch in den 80er und 90er Jahren.
9) Das Trinkfenster hat sich erweitert. Die meisten Weine haben nun eine echte Fruchtphase, die für den Gaumen und vor allem auch für die Nase riesige Freude bereitet.
10) Was natürlich angesichts der relativen Kürze dieser Entwicklung noch nicht absehbar ist: Wie wirkt sich das auf Dauer und Wirkung der Verschlussphase aus? Im glücklichsten Fall wird diese verkürzt oder gibt es den totalen, mitunter jahrzehntelangen Verschluss gar nicht mehr? Wenn dadurch die Gesamtlebensdauer der Weine in Summe verkürzt würde, scheint mir das keine Tragödie zu sein – v.a. für nicht mehr ganz junge Bordeaux-Liebhaber. Schliesslich braucht es nicht Ziel eines Weines zu sein, erst nach 50 Jahren Trinkgenuss zu bieten, wenn überhaupt und wenn der Korken das zulässt.
11) In diesem Sinn scheinen uns mehr gute (wie 2014) oder gar große (wie 2009, 2010, 2015, 2016) Jahrgänge erfreuen zu können als in früheren Jahrzehnten.
12) Die schlechten Jahrgänge, die früher (wie gesagt) noch als passabel durchgegangen wären, sind ein Problem für den Weinhandel, nicht für die Weintrinker. Man lasse sie einfach liegen und zwinge so den Handel dazu, sie zu deklassieren (mit Abschlägen von mindestens 70% gegenüber guten Jahrgängen!). Dann kann man es beim einen oder anderen Wein vielleicht wagen und nette, günstige Weine von Spitzengütern finden. Sonst sollen die Händler darauf sitzen, solange sie wollen oder Ladenketten wie Lidl sollen sie völlig überteuert Bordeaux-Ignoranten anzudrehen versuchen, bis sie es satt haben und Essig daraus machen.


Da kann ich nicht viel beifügen, scheint mir eine sehr gute Zusammenfassung zu sein. Danke Pessac-Léognan :-)

Gruss,

Adrian
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Jochen R.

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Re: Bordeaux ganz allgemein!

BeitragSo 13. Jan 2019, 16:59

vanvelsen hat geschrieben:... Wer wie viel für was zahlt, ist in diesem Kontext nicht wirklich relevant.
...

Hallo Adrian,
das sehe ich - in diesem Kontext - anders!
Aber egal, ich lese deine Beiträge sehr gerne und wer was zu zahlen
bereit ist, muss letztendlich jeder selber entscheiden.

Viele Grüße,
Jochen
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