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Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSa 19. Mai 2018, 11:30

Es ist richtig, es gibt einige Weingüter in Südschweden [url]http://www.vinvagen.se/karta-vingårdar-5849619[/url]. Auch hier wie in Deutschland ist das Klima die letzten Jahrzehnten wärmer geworden. In den West- und Südteilen von Schonen (Skåne) besteht der Grundgestein aus Kalk. Hier ein Beispiel am Südrand von Malmö https://www.google.se/search?q=kalkbrottet+limhamn&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwir4K2Ps5HbAhVDyKQKHdB-CowQ_AUICigB&biw=1366&bih=691#imgrc=cWqyyfZ4Qa91dM:
So theoretisch sollte es in der Zukunft Möglichkeiten geben.

Die Produktion ist noch sehr klein (Preise hoch) und alles ist in einer Anfängerphase. Qualitativ kein PLV. Man benutzt auch andere Rebsorten für das Klima passend, auch wenn es im Winter hier öfters milder ist als in der Pfalz, bleibt es im Herbst nicht so lange warm und sonnig.
Für Weissweine die Rebsorte Solaris, erinnert viel um Sauvignon Blanc, sehr aromatisch und noch mehr Stachelbeerig.
Für Rotweine benutzt man Rondo, eine Kreuzung zwischen St. Laurent und Saperavi Severnyi. Diese Rebsorten brauchen nur 90 Tage zwischen Blüte und Ernte.

Zurück zum Thema:
Ich habe gestern mit Weingut Knewitz telefoniert und werde dort am 01.06. einen Besuch machen.

Viele Grüsse
Rolf
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSa 19. Mai 2018, 11:55

Hallo Käfi,

vielen Dank für deinen detailierten Beitrag!

Jülg werde ich bei der nächsten Pfalzreise probieren. Ziereisen muss bis November warten (dann ist wieder Zeit für die Jährlche Pilgerreise zum Huber in Malterdingen).
Ich gebe dir recht dass die Huber Ch 15er sehr Zitronisch sind. Ich habe trotzdem den Ch Bienenberg 15 in November bei Huber für fantastisch gefunden, ein sehr tiefer Wein. Bei der Jahrgangspräsentation konnte man nur den Wein probieren (alles war schon zu Händlern verkauft und vergeben), aber ich habe später drei Flaschen bei Kölner Weinkeller abholen können.
Die Alte Reben 14 und 15 habe ich beide zu Hause probiert. Der 15 braucht noch "zusammenkommen" und ein bisschen "abgekantet" werden. Den Alte Reben 14 finde ich schon super zu trinken.
Deine Beurteilung Huber Ch 14 gegenüber 15, wir übrigens auch so von Eichelmann gesehen. Es wird interessant zu sehen wohin es mit den 16ern gehen wird?

In November bei Huber dürfte man auch den Ch Schlossberg 2012 probieren, war deutlich "weicher", wie Nektar mit Mineralik. Den Wein konnte man für 61 Euro kaufen, aber dann ist meine Schmerzgrenze schon überschritten.

Am 01.06. werde ich Weingut Knewitz besuchen.

Schönes Wochenende!
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Käfi

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSa 2. Jun 2018, 10:06

Käfi hat geschrieben:Knewitz solltest Du unbedingt probieren - wenn Du irgendwo einen 2015er Reserve findest, zuschlagen. Ist m.A. noch deutlich besser als der 2016, oder aber letzterer ist noch unterentwickelt. Der 2015er hat eine ungemein vibrierende, sich breit auffächernde Säure, während der 16er eher einen dichten Säurenerv hat. So die Eindrücke, als der 16er erschien, ich glaub ich muss bald wieder einen testen ;)

Ich würde noch "Jülg" und unbedingt den Hard von Ziereisen probieren. Leicht zu bekommen, kein Deutscher, aber unbedingt empfehlen möchte ich auch noch den Chardonnay Leitharberg von Heinrich.

Huber fand ich übrigens den 15er auch nicht so gut wie den 14er, zu zitronig. :)


Gestern hatte ich wieder einen Knewitz Reserve 16 und kann obige Aussage ergänzen:

Der war (nach meinem Geschmack) absoluter Hammer! Die Säure ist deutlich abgepuffert und eingebundener, es hat sich ein sehr starker Geschmack nach Rauch und Teer entwickelt, dazu eine deutliche Salzspur und Extraktsüße. Als würde man auf einer von der Sonne aufgehitzten, mit Salz und Zucker bestreuten Fahrbahn lecken :o

Wie war Dein Besuch bei Knewitz?
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSa 2. Jun 2018, 14:03

Neue Chardonnay-Proben!

Hallo Käfi,

Danke für deine neuen Kommentare über Knewitz Ch Reserve 2016, ich habe den Wein auch gestern zusammen mit dem jungen Herrn Knewitz probiert. Ich teile deine Meinung zu 100%. Ich habe auch den 2015 probiert, aber finde den 2016:er mineralischer, komplexer und interessanter. Die Knewitz-Weine sind für mich die "Huberigsten" und "Burgunderigsten" Chardonnays ausser Huber selbst, die ich in Deutschland soweit probiert habe. Der H. Knewitz ist mit Julian Huber eng befreundet und man merkt wo sein Weinvorbild liegt. Die Weine haben genau wie Huber die ausgeprägten Reduktionsnoten mit Schiesspulver aromatik, die sind doch ein bisschen weniger säurebissig. Diese Weine sind doch keine "Anfängerweine" wenn man so sagen darf, und würden wahrscheinlich den alltäglischen Konsument nicht so gut wie ein fruchtigerer Wein gefallen.

Ich habe gestern auch bei zwei Händlern in Mainz und Darmstadt einige Chardonnay Proben kaufen können (auf Bild). Ziereisen Ch Hard 2014, Jülg Ch Sonnenberg 2016 und die zwei 16:er Knewitz Ch Reserve und Holzfass auch vom Händler (der Knewitz hatte keine zu verkaufen, nur probieren).
Natürlich habe ich 2017:er bei ihm reserviert.

Das hier ist ein Chardonnay-Thread aber ich muss trotzdem erwähnen welche Knewitz-Weine die mir am meisten beeindruckt haben. Die Weissburgunder!
Schon der Gutswein ist mineralisch, komplex, frisch und besitzt einen Hauch Reduktionsnoten. Dann noch eine deutliche Stufe höher der Ortswein Appenheimer Weissburgunder. Zum Schluss der Weissburgunder Eselspfad 2016, jetzt sind wir völlig im Frankreich und der Wein schmeckt mehr als ein Chardonnay als ein Weissburgunder. Für jede Weissburgunderstufe nach oben haben die Intensität und die Reduktionsnoten zugenommen, und die Frucht sich mehr und mehr in den Hintergrund gestellt.
Ich musste natürlich vier Flaschen WB Eselspfad in den Reisekoffer einpacken und mitnehmen. Die liegen jetzt in dem Weinkühlraum zu Hause und warten.....
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Vier neue Chardonnay-Proben gestern geholt!
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSa 2. Jun 2018, 22:34

Weingut Jülg Chardonnay Sonnenberg 2016

So, dann die erste Flasche vom Einkauf dieser Woche heute Abend probiert.
Der Jülg Chardonnay Sonnenberg 2016 hat eine Nase von feinen Zitrus/Gewürzaromen und ein bisschen Fenchel dabei. Verspricht viel.
Dann am Gaumen kann der Wein nicht halten was die Nase verspricht. Leider eine Enttäuschung, der Wein ist eindimensional und fehlt Komplexität. Der Wein hat Konzentration und Fülle aber die nötige frische Säure ist nicht da, und der Abgang wieder ohne Komplexität und Länge.

Nach der gestrigen Chardonnay Probe bei Weingut Knewitz in Erinnerung ist dieser Wein leider enttäuschend, von Knewitz habe ich noch die komplexe Aromen in der Nase in Erinnerung, wo man den Wein "ewig" riechen kann, ohne dass es langweilig wird.

Für den Jülg Chardonnay Sonnenberg 2016 vergebe ich 85 W-S Punkte.
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Käfi

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSo 3. Jun 2018, 12:13

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Den Knewitz WB werde ich direkt probieren, dreier Flight ist bestellt. Ich kaufe selten WB, da ich sehr gerne Chardonnay und Riesling trinke und ich dieses "Mittelding" eigentlich nicht brauche. Bin gespannt!

Den Jülg 2016 fand ich leider auch nicht so gelungen wie den ´15er, leider :-/

Btw. mir wurde bei ähnlicher Anfrage noch der Becker Chardonnay Reserve und Mineral empfohlen, habe ich aber noch nicht probiert; der Preis bewegt sich da dann aber schon Richtung Burgund ;)
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragDo 7. Jun 2018, 21:54

Knewitz Chardonnay Holzfass 2016
Die Suche nach Burgunder Chardonnay in Deutschland geht weiter!

Der Knewitz Chardonnay Holzfass 2016 wächst auf Kalk..... das ist für "Burgunder" Chardonnay ein Muss!
Komplett in Barriques vergoren (Zweit- und Drittbelegung) hat der Wein direkt aus der Flasche feine subtile Reduktions- und Rauchnoten. Dann auch komplexe feinwürzige Zitrusaromen, welche auf der Zunge mit wunderschöner Säure und Mineral begleitet werden. Der Säuremineralische Abgand ist sooo... lang und perfekt abgewogen. Die Barriquelagerung kann mann nur als geschmackstruktur ahnen.
Der Wein errinnert sehr viel von Wageck-Pfaffmann Chardonnay Kalkmergel 2016, aber ist schon direkt aus der Flasche offener und braucht nicht so viel Luft um sich zu entfalten. Am Ende (nach zwei Stunden) tauchen auch süssliche Duft noten auf (Cocos?) und die Rauchnoten fallen zurück.
Ist dieser Chardonay aus Deutschland burgundisch? JA!
Ist dieser Chardonnay aus Deutschland im Verhältnis zu Burgund gut? JA!

Habe gerade im Gault-Millau 2018 geguckt. Der Wein hat dort 86 Punkte bekommen. War es für die Verkoster spät am Abend und die waren schon betrunkend eingeschlafen? Oder die verstehen nicht besser...... :evil:

Im Eichelmann 2018 hat der Wein 88 Punkte bekommen..... Naja.... :roll:

Ich vergebe 92 W-S Punkte!

Schöne Grüsse aus Schweden
Rolf
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Heute Abend auf dem Tisch....
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSa 16. Jun 2018, 23:05

Jetzt sind wir in Burgund!


Heute diese zwei Chardonnays probiert!

Die VKN kommen vier Stunden nach dem Öffnen der Flaschen.

Ziereisen Chardonnay Hard 2014:
Meine erste Flasche Ziereisen überhaubt.
Die Nase gibt feine subtile Reduktionsnoten, ein bisschen Holz, Fenchel, ganz im Hintergrund süsse Vanille, Kräuter, Zitrusschalen. Am Gaumen alles so perfekt abgewogen, schöne Mineralität, alle Aromen in der Nase schmelzen zusammen und tönen langsam zusammen aus….. So elegant, so perfekt abgewogen und der Wein ist sooo Französisch….. 94 W-S Punkte!


Bernhard Huber Chardonnay Alte Reben 2014:
Nach vier Stunden haben die Kanonen-Rauch-Wolken sich verstreut. Der Wein ist kräftiger und konzentrierter als der Ziereisen, und mehr Holz!. Staubige, rauchige Mineralität, Kräuter, plötzlich kräftige Mandel/Nussaromen, am Ende ein bisschen Orangenschalen dazu. Die Säure ist bissig und hält alles im Griff. Mehr Power als der Ziereisen, auch eckiger…… besser? Heute Abend nicht! Den Eleganz vom Chardonnay Hard 2014 kann der Alte Reben von Huber heute Abend nicht übertreffen! ….. 93 W-S Punkte für Huber Ch Alte Reben 2014!

Viele Grüsse aus Schweden
Rolf
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amateur des vins

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSo 17. Jun 2018, 22:03

Knewitz' Chardonnay Reserve kann man zweifellos zurecht als "burgundisch" bezeichnen...
Besten Gruß, Karsten
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSa 7. Jul 2018, 02:06

Wageck Pfaffmann Chardonnay Sülzner Weg 2016

Terroir Ton-Mergel auf Kalksteinfels, Rebklone aus Burgund in 1996 gepflanzt. Ertrag 28 hl/ha!
Burgunder Barriques 100% Erstbelegung.

Die Nase gibt vorsichtige Reduktionsnoten ab, aber gar nicht wie Huber oder Knewitz. Dazu kommt viel Holz aber keine Toasting, nur Struktur. Dazu Orangenschalen und Kräuter.
Am Gaumen ist der Wein mineralisch und hat eine kräftige und feine Säure, aber gar nicht so scharf wie bei Huber. Der Wein ist nicht so Säure/Schlank sondern kräftiger ohne schwer zu werden. Der wahnsinnig niedrige Ertrag ist deutlich spürbar, wer in Burgund macht eine so strenge Selektion?
Nach meinen alten Burgundererfahrungen ist der Wein "burgundischer" als beide Huber und Knewitz. Ist neutraler aber doch speziell (für Deutschland). Der Wein ist noch sehr jung und sollte noch einige Jahren reifen dürfen.

Momentan vergebe ich 90 W-S Punkte.
Wenn das Holz mehr integriert wird und die Komplexität noch zunehmen kann, hat der Wein noch Potential für 3-4 weitere Punkte. Die Zeit wird zeigen ob es so wird…..

Viele Grüsse
Rolf
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