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Wein Niederösterreich

Allgemeine Themen oder solche, die mehrere Regionen betreffen
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weingeist

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Wein Niederösterreich

BeitragDo 7. Jan 2021, 09:59

Im aktuellen Newsletter von VINARIA ist zu lesen, dass sich (wenn ich das richtig interpretiere) eine „neue“ Gruppierung gebildet hat, die sich als "Arbeitstitel" (eigenartige Bezeichnung, da kommt doch sicher noch was ;) ) „Wein Niederösterreich“ auf die Fahnen heftet, und die Speerspitze des NÖ-Weines werden (dachte immer das wären DAC-Reserven ;) ) soll.

Als „Geschäftsführerin“ hat man sich die noch aktive Chefin des „Regionalen Weinkomitees Weinviertel“ geholt.
Und jetzt frage ich mich als „gelernter“ Österreicher, was steckt dahinter?

> Da haben wir ein gewachsenes „DAC-System“ in NÖ, an das man sich langsam - aber doch - gewöhnt hat. Will man womöglich weg davon?
> Da haben wir die ÖWM – kümmert sich diese zu wenig um die Belange der Niederösterreicher?
> Da haben wir einen „Nichtösterreicher“ an deren Spitze. Gibt’s da bereits „Grabenkämpfe“?
> Oder nehmen sich einige Herrschaften wieder einmal zu (ge)wichtig und möchten sich mit guten (?) Ideen profilieren?

Ich habe aktuell keine Antworten auf diese Fragen, werde aber weiterhin Weine aus NÖ kaufen, solange sie in mein Geschmacksbild passen, unabhängig davon, was auf dem Etikett steht.
Liebe Grüße
weingeist
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austria_traveller

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Re: Wein Niederösterreich

BeitragDo 7. Jan 2021, 10:00

Ich hab's auch gelesen.
Dachte eher an eine Meldung aus dem Sommer .... ähem Coronaloch,
wo jetzt jeder Zwerg die Möglichkeit hat mal in die Medien zu kommen
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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EThC

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Re: Wein Niederösterreich

BeitragDo 7. Jan 2021, 11:24

weingeist hat geschrieben:werde aber weiterhin Weine aus NÖ kaufen, solange sie in mein Geschmacksbild passen, unabhängig davon, was auf dem Etikett steht.

...wenn das so weitergeht, werde ich eher vermehrt aufs Etikett schauen! Meiner subjektiven Wahrnehmung nach mutieren immer mehr der (für mich) interessanten DAC's oder auch Qw's zu Landweinen, immer mehr Landweine (Weinland, Steirerland...) zu "Wein aus Österreich". Ggf. kommt der Punkt, ab dem ich beim Etikettenstudium entsetzt feststelle: "Nee, is nur DAC!" :lol:
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
https://ec1962.wordpress.com/
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austria_traveller

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Re: Wein Niederösterreich

BeitragDo 7. Jan 2021, 11:46

@weingeist
Gratuliere zum 1000er ;)
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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weingeist

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Re: Wein Niederösterreich

BeitragDo 7. Jan 2021, 13:40

Danke...ist einfach so passiert... :lol:
Liebe Grüße
weingeist
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Blaufränkisch

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Re: Wein Niederösterreich

BeitragDo 7. Jan 2021, 14:42

Herzlichen Dank für dieses wunderschöne Beispiel dafür wie Verschwörungstheorien entstehen bzw. wie leicht man ihnen zu glauben geneigt ist, wenn sie nur die eigenen Vorurteile bzw. das eigene Weltbild zu bestätigen scheinen. Aus (Zitat aus dem angesprochenen Vinaria-Newsletter)...

"Die neue Organisation soll Speerspitze in der Vernetzung von Weinwirtschaft, Tourismus und Produzenten werden. Was in der Steiermark und im Burgenland schon seit langem gut funktioniert, soll 2021 auch im größten Weinbaubundesland Niederösterreich kommen: eine schlagkräftige Organisation, voraussichtlich unter dem Namen Wein Niederösterreich. ... Wein Niederösterreich soll als Dachorganisation im größten Weinbau-Bundesland fungieren. Zwischen der Österreich Weinmarketing (ÖWM) und den 9 Regionalen Weinbaukomitees, die „eine super Arbeit leisten“, so Reinhard Zöchmann: „Überregional haben wir aber noch Luft nach oben."

...werden Fragen wie:

> Da haben wir ein gewachsenes „DAC-System“ in NÖ, an das man sich langsam - aber doch - gewöhnt hat. Will man womöglich weg davon?
> Da haben wir die ÖWM – kümmert sich diese zu wenig um die Belange der Niederösterreicher?
> Da haben wir einen „Nichtösterreicher“ an deren Spitze. Gibt’s da bereits „Grabenkämpfe“?
> Oder nehmen sich einige Herrschaften wieder einmal zu (ge)wichtig und möchten sich mit guten (?) Ideen profilieren?

Damit ich aus dem Kopfschütteln herauskomme hier ein paar Erklärungen, die ihr sicherlich hier oder anderswo auch ohne solche Suggestivfragen bekommen hättet. Disclaimer: Ich bin burgenländischer Weinbauer, also nicht direkt von der obigen Meldung betroffen.

Das DAC-System basiert auf den Weinbaugebieten als Vermarktungsstrukturen, als Werbeplattform, als Chance dafür, dass sich Weinbauern gemeinsam präsentieren. Das war auch schon vor der DAC-Einführung so und ist in Nicht-DAC-Ländern auch so, weshalb die ganze Debatte nur sehr bedingt etwas mit DAC zu tun hat. Das Problem bei diesen Gebietsstrukturen ist jedoch, dass die Weinbaugebiete oft sehr klein sind und dementsprechend schwierig zu organisieren und finanzieren. Außerdem stehen ihnen gegenüber meist bundesländerweise gegliederte Organisationen gegenübe (z.B. Tourismusverbände, Landesbehörden, etc.), die sich schwer damit tun, ihre Aktivitäten gebietsweise zu trennen bzw. zu administrieren.

Dazu kommt noch, dass es durch die Hervorhebung von Gebietsbezeichnungen auf besonders typischen Weinen (DAC, aber auch abseits davon) zunehmend Weine auf dem Markt gibt, die "nur" die Herkunftsbezeichnung des Bundeslandes tragen, im konkreten Fall also "Niederösterreich". Für die Bewerbung dieser Weine fühlt sich aber naturgemäß keines der Gebiete zuständig, da deren Gremen ausdrücklich für die Vermarktung von Wachau, Kamptal, Carnuntum, you name it, gegründet wurden. Es fehlt also - insbesondere in Niederösterreich, aber dazu später - eine Stelle, die den Wein eines ganzen Bundeslandes nach außen vertritt, dafür Veranstaltungen macht, Kooperationen mit dem Tourismusverband eingeht, Fördermittel lukriert und die bundesländer- und DAC-gebietsweise Werbung mit der ausschließlich überregional arbeitenden ÖWM koordiniert.

Genau dafür wurde jetzt die Wein Niederösterreich gegründet nach dem Vorbild der Wein Burgenland und der Wein Steiermark, die es schon jahrelang gibt, ohne dass jemand von einer Abschaffung der DACs im Burgenland oder von Grabenkämpfen oder einer ungenügenden Arbeit der ÖWM gesprochen hätte. Im Burgenland ist es sogar so, dass es zwar mehrere DAC-Gebiete gibt, aber nur ein interprofessionelles Komittee, dessen quasi operativer Arm die Wein Burgenland ist. Diese Lösung wurde in NÖ nicht gewählt, allerdings wird auch dort die Wein NÖ die Anliegen der DAC-Gebiete bzw. ihrer IKs bündeln und bei den kleineren Gebieten, die sich kaum eine Halbtagskraft im Sekretariat leisten können wohl auch administrative Hilfestellung leisten.

Zu den Fragen ganz konkret deshalb:

> Da haben wir ein gewachsenes „DAC-System“ in NÖ, an das man sich langsam - aber doch - gewöhnt hat. Will man womöglich weg davon?

Nein, im Gegenteil. Die Wein NÖ wird die DACs bündeln und ihnen damit mehr Schlagkraft und einen einheitlicheren, gemeinsamen Auftritt z.B. bei Veranstaltungen verpassen. Und sie wird das Profil der DACs dadurch stärken, dass sie für einen guten Auftritt von Nicht-DAC-Weinen sorgt, sodass die DAC-Gebiete für ihre Weintypen noch konsequenter ihren Weg gehen können.

> Da haben wir die ÖWM – kümmert sich diese zu wenig um die Belange der Niederösterreicher?

Nein. Die ÖWM ist überregional aufgestellt und für regionale Aktivitäten immer schon auf Partner in den Bundesländern angewiesen. Mit denen ist sie in guter Abstimmung, diese ist allerdings leichter auf bundesländerebene (zumal ein wesentlicher Teil des Budgets der ÖWM von den weinbautreibenden Bundesländern aus dem Steuertopf gestellt wird) als auf Gebietsebene.

> Da haben wir einen „Nichtösterreicher“ an deren Spitze. Gibt’s da bereits „Grabenkämpfe“?

Nicht dass ich wüsste, aber ich frage mich, was das damit zu tun haben sollte. Vor einem Jahr holt man Chris Yorke und weil man nicht zufrieden ist, gründet man jetzt die Wein NÖ? Niederösterreich hat in allen Weinbaugremien die absolute Mehrheit, wenn sie nicht zufrieden sind, dann könnten sie ihn einfach feuern, das wäre sicher einfacher.

> Oder nehmen sich einige Herrschaften wieder einmal zu (ge)wichtig und möchten sich mit guten (?) Ideen profilieren?

Das ist grundsätzlich nie auszuschließen, allerdings ist es hier eher so, dass Niederösterreich verspätet eine in der Praxis seit vielen Jahren bewährte gute Idee jetzt endlich aufgreift. Und eigentlich auch den größten Bedarf dafür hat, denn anders als "Steiermark" oder "Burgenland" hat "Niederösterreich" kein besonderes Renommee als Weinherkunftsbegriff, weil in diesem Bundesland traditionell die Gebietsnamen ("Wachau",...) stärker sind. Weil aber in der Praxis vermehrt (und auch verstärkt durch die DACs bzw. den dadurch aus den Gebieten herausfallenden Weinen) dieser Begriff auch als Weinherkunft für Konsumenten wichtig wird, war da schon längst Handlungsbedarf gegeben.

Grüße

Bernhard
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austria_traveller

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Re: Wein Niederösterreich

BeitragDo 7. Jan 2021, 14:53

Vielen Dank Bernhard für diese ausführliche Erklärung.
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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weingeist

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Re: Wein Niederösterreich

BeitragDo 7. Jan 2021, 19:58

Zur Klarstellung, grundsätzlich habe ich mir beim Lesen des Artikels lediglich Gedanken dazu gemacht, ohne – das gebe ich gerne zu – zu wissen, dass es selbige „Institutionen“ bereits im Burgenland und in der Steiermark gibt. Die Arbeit dieser Stellen ist mir bis dato somit schlichtweg und herzergreifend entgangen.

Blaufränkisch hat geschrieben:Herzlichen Dank für dieses wunderschöne Beispiel dafür wie Verschwörungstheorien entstehen bzw. wie leicht man ihnen zu glauben geneigt ist, wenn sie nur die eigenen Vorurteile bzw. das eigene Weltbild zu bestätigen scheinen. Aus (Zitat aus dem angesprochenen Vinaria-Newsletter)...

Mir daraus zu unterstellen, Verschwörungstheorien entstehen lassen zu wollen, finde ich doch etwas heftig. Noch heftiger finde ich dabei aber, daraus auf Vorurteile meinerseits (nur weil ich oftmals das DAC-System in Frage gestellt habe, für das Bernhard uneingeschränkt lebt) zu schließen bzw. mein "Weltbild" (welches Weltbild) durch mein Eingangsposting bestätigt zu sehen.

Kopfschüttelnde Grüße!
Liebe Grüße
weingeist
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Blaufränkisch

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Re: Wein Niederösterreich

BeitragDo 7. Jan 2021, 20:30

weingeist hat geschrieben:... für das Bernhard uneingeschränkt lebt...


Ich denke damit sind wir dann bezüglich "Unterstellungen" mehr als quit.

Grüße

Bernhard
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