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In welchem Sinus-Milieu findet ihr euch am ehesten wieder?

Konservativ-etabliertes Milieu
1
11%
Liberal-intellektuelles Milieu
3
33%
Milieu der Performer
0
Keine Stimmen
Expeditives Milieu
0
Keine Stimmen
Sozialökologisches Milieu
2
22%
Adaptiv-pragmatisches Milieu
0
Keine Stimmen
Bürgerliche Mitte
2
22%
Traditionelles Milieu
0
Keine Stimmen
Hedonistisches Milieu
0
Keine Stimmen
Prekäres Milieu
1
11%
 
Abstimmungen insgesamt : 9

Re: Wein und Sinus-Milieus

Di 27. Apr 2021, 22:14

jessesmaria hat geschrieben:Ich glaub, du nimmst das zu buchstäblich. Das Wohnzimmer scheint ja ein Familenhaushalt zu sein, allein lebt man hoffentlich aufgeräumter.


Ich lebe definitiv nicht aufgeräumter; in meiner Butze sieht es noch gaaaanz anders aus.... :oops: ;)

jessesmaria hat geschrieben:Und natürlich muss man nicht genau aussehen, wie die Typen auf den Bildern. Ich sehe auch nicht so aus wie irgendeiner von denen. Aber ich kann mir bei manchen dieser abgebildeten Personen eher vorstellen, dass ich mit ihnen Werte teile, mich auf einer Wellenlänge fühlen könnte etc. als bei anderen.


Wenn ich den "sozialökologischen" Typen sehe, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich mit ihm Werte teilen könnte. Aber du schreibst ja völlig zu Recht:

jessesmaria hat geschrieben: Natürlich sind das nur Vorurteile, zum Glück kann man nicht vom Äußeren auf alles Innere schließen.
--

jessesmaria hat geschrieben:Man kann ja mal die Milieus, die infrage kommen, überfliegen.
(@Bernd: z. B. S. 296–303 zum sozialökologischen Milieu und zum liberal-intellektuellen S. 106–112)


Habe ich gerade mal spaßeshalber gemacht. Aber nach wie vor gilt für mich: Bei dem einen Milieu passen diese Punkte, während jene Punkte nicht passen, bei dem anderen Milieu verhält es sich genau umgekehrt :mrgreen: . Ich kann mich da überall und nirgendwo wiederfinden.

Mir bringt eine derart betriebene "Milieu-Forschung" schlichtweg keinen Erkenntnisgewinn. Im Hinblick auf meine Weinvorlieben (die, wie ich mal dreist behaupte, ziemlich weit gestreut sind) schon mal gar nicht.

Damit will ich aber nicht gesagt haben, dass die Eröffnung des Threads, in dem wir uns gerade befinden, völlig sinnfrei war. Vielmehr habe ich mich ganz gut unterhalten :) und noch einmal näher über mein Verhältnis zur Soziologie nachgedacht.

Herzliche Grüße

Bernd
Zuletzt geändert von Bernd Schulz am Di 27. Apr 2021, 23:13, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Wein und Sinus-Milieus

Di 27. Apr 2021, 22:40

Allein beim Begriff "Sinus-Mileu" wird mir schon schlecht. Das kann ja wohl nur einem kranken Gehirn entspinnen. Dieser Begriff zeigt schon wie weit sich die Wissenschaft der Soziologie bzw. des Marketings vom normalen Leben entfernt hat. Man schmückt sich mit soziologischen bzw. wissenschaftlichen Termini nur um zu verdecken worum es eigentlich geht: Die Gewinnmaximierung durch zielgerichtete Werbung. Das ist widerlich . :twisted:

Viele Grüße
Detlef
Zuletzt geändert von la-vita am Mi 28. Apr 2021, 07:02, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Wein und Sinus-Milieus

Di 27. Apr 2021, 23:11

la-vita hat geschrieben:Allein bei Begriff "Sinus-Mileu" wird mir schon schlecht.


Ich weiss nicht, warum mir jetzt die Jod S-11 Körnchen von Trill in Erinnerung kommen...
Für Nostalgiker:

https://www.youtube.com/watch?v=kVKd_f3vJGU

Gruss
Georg

Re: Wein und Sinus-Milieus

Mi 28. Apr 2021, 09:22

la-vita hat geschrieben: Dieser Begriff zeigt schon wie weit sich die Wissenschaft der Soziologie bzw. des Marketings vom normalen Leben entfernt hat.

Ich fürchte, es ist genau anders herum: noch niemals war Marketing dem "normalen Leben" so nahe wie jetzt.

Wenn man sich mit erfahrenen Marketingleuten unterhält (ich hatte mit denen die letzten 18 Jahre meines Brufslebens viel zu tun, was nicht immer ganz einfach war), hört man immer wieder, dass jeder Mensch manipulierbar ist - das deckt sich auch mit den Erkenntnissen der Verhaltensforschung. Und fast jeder wird heute durch Marketing manipuliert, wobei sich exzellentes Marketing dadurch auszeichnet, dass der Betroffene die Manipulation gar nicht bemerkt.

Das muss einem nicht gefallen. Aber dessen bewusst sein sollte man sich schon.

Gruß
Ulli

Re: Wein und Sinus-Milieus

Mi 28. Apr 2021, 12:58

Wenn man sich mit erfahrenen Marketingleuten unterhält (ich hatte mit denen die letzten 18 Jahre meines Brufslebens viel zu tun, was nicht immer ganz einfach war), hört man immer wieder, dass jeder Mensch manipulierbar ist - das deckt sich auch mit den Erkenntnissen der Verhaltensforschung. Und fast jeder wird heute durch Marketing manipuliert, wobei sich exzellentes Marketing dadurch auszeichnet, dass der Betroffene die Manipulation gar nicht bemerkt.

Das muss einem nicht gefallen. Aber dessen bewusst sein sollte man sich schon.


Genau in diese Richtung ging mein Unbehagen beim Lesen dieser Studie über Sinus-Milieus. Daher auch meine allergische Reaktion. Dass mag man vor dem Hintergrund marktwirtschaftlicher Interessen irgendwie rechtfertigen können - ich finde das Vorgehen irgendwie perfide und unmoralisch. Wenn Fachwissen zur Manipulation benutzt wird, wird es heikel.

Darüber hinaus sollte man sich im Klaren sein, dass dieses Fachwissen der Verhaltensforscher und Marketingexperten natürlich auch im medialen und politischen Bereich Anwendung findet.

Viele Grüße
Detlef

Re: Wein und Sinus-Milieus

So 6. Jun 2021, 10:51

Hi,
Sehr interessanter thread! Ich darf mich kurz vorstellen: Ich bin in erster Linie hier im Forum unterwergs, da ich Weine liebe. Ich arbeite seit nunmehr 8 Jahren am Sinus-Institut als Sozialforscher und und hab daher natürlich mit großem Interesse die Beiträge dieses threads gelesen.
Erstmal finde ich es bemerkenswert, wie detaliert und tiefgründig das Sinus-Milieu-Modell hier diskutiert wird, alleine das zeigt schon , dass es von gesellschaftlicher Relevanz ist.
Einige Beiträge (z.B. von Bernd, der sich selbst als nicht einordenbar sieht) kristisieren zumindest indirekt die Stereotypisierung eines Einzelnen Individuums durch das Modell. Mit dieser Kritik sind wir häufiger konfrontiert und dazu muss man sagen, dass der Sinn und Zweck dieses Modelles nicht ist, einzelnen Menschen zu verorten. Vielmehr geht es um ein ganzheitliches Zielgruppenverständnis, also das Verständnis von Menschen, die ähnlich ticken, die eine ähnliche Wertehaltung haben, die ähnliche Stilpräferenzen haben und die in einer ähnlichen sozialen Lage sind (Einkommen, formale Bildung etc.). Dieses Verständnis dient z.B. der Optimierung der Zielgruppenansprache. Als Beispiel sei hier das Print-Magazin von Lobenberg erwähnt, das sich in seiner Ansprache klar an den Liberal-Intellektuellen interessiert (Stichwort detalierte Hintergrundinformationen, hochwertige Aufmachung, stilvoller Genuss).

Und allen Beitrags-Autoren, die das etwas abwertend als "Spinnerei" bezeichnet haben kann ich nur sagen: die SInus-Milieus gibt es mittlerweile seit über 40 Jahren, einige Kunden arbeiten schon sehr lange und erfolgreich mit diesem Modell. Wenn es wirklich reine Spinnerei wäre, gäbe es dieses Modell nicht schon so lange.
Dass sich eine Einzelperson nicht klar einodnen lassen kann/will, ist hierzu kein Widerspruch. Das Modell (bzw. die Kartoffeln, welche die Milieus-Milieus repräsentieren) haben ja auch Schnittmengen, es gibt also im Einzelfall nicht immer eindeutige Poitionierungen.
Ein weitere Punkt, der in der Diskussion recht gut erkannt wurde ist, dass das Modell eigentlich dreidimensional sein müsste. Das wäre aber für den Alltagsgebrauch im Marketing zu komplex und nicht zielführend.
Mit dreidimensial meine ich: Die Vertikale bildet die soziale Lage ab (Einkommen, Bildung), die Horizontale Wertehaltung und Stilpräferenzen, von traditionell über modern bis hin zu postmodern (von links nach rechts). Wertehaltung und Stilpräferenz müssten eigenlich eine eigene Achse darstellen.

Noch kurz zu Bernds Beitrag und der Frage, welche Milieu er denn sei. So einfach ist das eben nicht! Ein paar Angaben zu sozialem Backround reichen nicht aus, um darüber eine Aussagen zu machen. Dazu gehört auch, die soziale Haut eines Menschen kennenzulernen (wie wohnt er, wie kleidet er sich, was sind seine Konsuminteressen), aber auch grundsätzliche Fragen: worauf kommt es dem Menschen im Leben an? Was ist ihm besonders wichtig im Leben? etc etc. Daher besuchen wir die Menschen für Intrviews häuifig zu Hause in ihrer natürlichen Umgebung.

Und zum Schluss noch:
Zuletzt geändert von jojojo_berlin am Mo 7. Jun 2021, 23:00, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Wein und Sinus-Milieus

So 6. Jun 2021, 11:03

la-vita hat geschrieben:

Darüber hinaus sollte man sich im Klaren sein, dass dieses Fachwissen der Verhaltensforscher und Marketingexperten natürlich auch im medialen und politischen Bereich Anwendung findet.

Viele Grüße
Detlef


Um auch dazu hier Stellung beziehen: Eine Zielgruppe bei der Ansprache in ihrer Lebenswelt abzuolen, ist keine Manipulation! Was bringt es mir, wenn ich als Verkäufer oder Dienstleister etwas anbieten möchte, aber die Zielgruppe, die ich erreichen möchte, die Ansprache gar nicht versteht? Oder sie gar nicht wahrnimmt?
Eine Ausrichtung und Verfeinerung der Ansprache, eine Optimierung eines Produkt-Portfolios kommt doch letztenendes beiden Seiten zu Gute: denjenigen, die etwas anbietet, und denjenigen, die konsumieren.
Und btw: nicht alle unserer Studien sind reine Marktforschungsstudien. Dazu müsstest Du einfach mal googlen zur SINUS Jugendstudie oder auch zu Corona- oder Nachhaltigkeitsstudie. Bei diesen Studien geht es um allgemeine gesellschaftliche Trends mit Blick auf verschiedene Lebenswelten und dienen dem besseren Verständnis.

Re: Wein und Sinus-Milieus

So 6. Jun 2021, 11:09

la-vita hat geschrieben:Allein beim Begriff "Sinus-Mileu" wird mir schon schlecht. Das kann ja wohl nur einem kranken Gehirn entspinnen. Dieser Begriff zeigt schon wie weit sich die Wissenschaft der Soziologie bzw. des Marketings vom normalen Leben entfernt hat. Man schmückt sich mit soziologischen bzw. wissenschaftlichen Termini nur um zu verdecken worum es eigentlich geht: Die Gewinnmaximierung durch zielgerichtete Werbung. Das ist widerlich . :twisted:

Viele Grüße
Detlef


Auch hierzu noch eine Bemerkung: wir sind selbstverständich offen für Kritik und setzen uns damit gerne auseinander. Aber unsere Arbeit als Ursprung "eines kranken Gehirnes" zu bezeichnen finde ich schon sehr respektlos!

Re: Wein und Sinus-Milieus

Di 17. Aug 2021, 13:33

Hi jojojo_berlin,

ich finde es spannend, dass du dich als Mitarbeiter beim Sinus-Institut hier zu Wort meldest! Deine Erläuterungen kann ich soweit gut nachvollziehen.

Mich würde interessieren, ob dich das Ergebnis dieser Umfrage eigentlich überrascht (sofern es bei der geringen Teilnehmerzahl überhaupt aussagekräftig ist) bzw. welche Milieus du in einem solchen Internetforum erwarten würdest.

Sehr häufig hat man doch das Gefühl, sein Gegenüber lebt irgendwie "in einer anderen Welt". Sozialforschung finde ich interessant, da sie m. E. helfen kann, aus einer gewissen Distanz solche Situationen präziser einzuordnen.
Für mich verläuft eine scharfe Trennlinie (und entsprechend wenig gegenseitiges Verständnis) zwischen denjenigen, die Geschmack gleichsam rein biologistisch auffassen und jede Diskussion über ästhetische Gegenstände mit den zwei Alternativen gefällt mir/gefällt mir nicht beenden und denjenigen, die willig sind, über ihr Urteil und dessen Voraussetzungen zu reflektieren. Grundsätzlich denke ich, dass es jenseits der Dimension tatsächlich ganz subjektiver Geschmackspräferenzen auch folgende Alternativen gibt: der Gegenstand (sei es Wein, Musik oder ein Gemälde) erfüllt nicht die Ansprüche des Subjekts oder das Subjekt erfüllt nicht die Ansprüche des Gegenstands. Wer letztere Möglichkeit erkannt hat, betrachtet seinen Geschmack als wandelbar und lernfähig. Er glaubt, dass Wissen und Kommunikation Vorlieben verändern und den Horizont erweitern können. Nur für so jemanden macht es eigentlich Sinn, sich in einem Internetforum über Wein, Musik oder was auch immer auszutauschen. Ich vermute, er ist relativ milieugebunden und etwa im "adaptiv-pragmatischen" weniger zuhause als im "liberal-intellektuellen".

Re: Wein und Sinus-Milieus

Di 17. Aug 2021, 20:07

jojojo_berlin hat geschrieben:
la-vita hat geschrieben:Allein beim Begriff "Sinus-Mileu" wird mir schon schlecht. Das kann ja wohl nur einem kranken Gehirn entspinnen. Dieser Begriff zeigt schon wie weit sich die Wissenschaft der Soziologie bzw. des Marketings vom normalen Leben entfernt hat. Man schmückt sich mit soziologischen bzw. wissenschaftlichen Termini nur um zu verdecken worum es eigentlich geht: Die Gewinnmaximierung durch zielgerichtete Werbung. Das ist widerlich . :twisted:

Viele Grüße
Detlef


Auch hierzu noch eine Bemerkung: wir sind selbstverständich offen für Kritik und setzen uns damit gerne auseinander. Aber unsere Arbeit als Ursprung "eines kranken Gehirnes" zu bezeichnen finde ich schon sehr respektlos!
..."krankes Hirn" hätt ich wohl nicht gesagt bzw. geschrieben, aber vom Inhalt her kann ich da durchaus zustimmend nicken und kann auch verstehen, wenn einem bei dem Thema ein solcher Begriff rausrutscht, denn "Sowas kommt von sowas her!".
Das Marketing als Ganzes hat sich leider aus meiner Sicht mittlerweile deutlich weg vom Menschen an sich und hin zur Zielgruppe entwickelt, der Mensch als solcher verschwindet hinter branchenspezifischen Fachbegriffen, die Grenzen zwischen lauter und unlauter verschieben sich zusehends und man muß als Kunde bzw. Zielgruppenperson immer mehr in Abwehrstellung gehen, die Fronten verhärten sich. Jedenfalls geht's mir so und nicht wenige Produkte sind bei mir nur aufgrund des Marketings dahinter auf der Schwarzen Liste, die Qualität des Produkts interessiert mich da gar nicht mehr. Auch wenn im Einzelfall Marketing auch aus meiner Sicht durchaus positiv praktiziert werden kann, die Gesamtbranche driftet für mich immer mehr ins Skrupellose, ins dem Menschen Fremde ab...
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