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Ist Schweizer Wein preiswert?

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Trinkt ihr gerne Schweizer Wein?

Ja, guter Schweizer Wein einzigartig und mir jeden Rappen wert.
4
44%
Gelegentlich, vor allem autochthone Rebsorten. Bei internationalen Rebsorten greife ich lieber zu günstigeren Alternativen.
1
11%
Nein, er erscheint mir unverhältnismäßig teuer.
2
22%
Nein, ich hatte bisher keine Gelegenheiten bzw. kein Interesse.
2
22%
 
Abstimmungen insgesamt : 9

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jessesmaria

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Ist Schweizer Wein preiswert?

BeitragDi 16. Feb 2021, 18:42

Ich hatte das Thema im neu eröffneten Thread zur Rebsorte Completer angeschnitten, aber würde es gerne mit einer Umfrage auslagern. Aus dem erwähnten Thread:

Die Crux, wie immer, bei den Schweizer Weinen: Der Lauber-Wein kostet 20 CHF für 0,5l und ist damit noch einer der günstigeren. Ist der Wein seinen Preis wert? Bekanntermaßen haben die Schweizer hohe Importzölle und passen damit das Preisniveau der ausländischen Weine den inländischen einfach mehr oder weniger an. Leider produzieren sie aber so wenig Wein, dass sie gar keinen Exportbedarf haben (bei Jan Luzi, Sprecher von Bernegg, der auch einen Completer produziert, ist z. B. gerade bereits das gesamte Sortiment ausverkauft) und entsprechend nicht, wie etwa Schokolade (mittlerweile indirekt), Wein für den Export subventionieren, damit er im Ausland konkurrenzfähig ist. Damit orientiert sich der Preis also nicht direkt am internationalen Preisniveau, sondern ist wohl vor allem einfach dem insgesamt höheren Preisniveau (bzw. den höheren Lohnkosten) in der Schweiz zu verdanken. (Für Schweizer ist Schweizer Wein entsprechend streng genommen günstiger als für andere.) Man könnte aber auch einfach sagen: Angebot und Nachfrage – Completer wurde 2012 auf nur 4,28 Hektar angebaut (siehe Wikipedia), er ist also, obwohl wieder im Kommen, noch immer eine Rarität.
Ich bin persönlich dazu übergangen, "einfachen", aber guten, sauber vinifizierten Wein nicht mehr aus der Schweiz zu importieren (da nehme ich lieber guten deutschen Ortswein, der die Hälfte kostet), wohl aber ab und zu mal besondere Weine wie eben jene aus autochthonen Rebsorten, aber auch mancher gehobenere Bündner Pinot Noir, denn dazu gibt es anderswo einfach kein Äquivalent. Completer gehört in Zukunft auf jeden Fall dazu. Und ich finde gute Schweizer Weine irgendwie ganz besonders, so geschliffen, frisch und "clean" – vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein, aufgrund unweigerlicher Assoziationen mit der Natur und Kultur. :roll:


Zur Fragestellung: Ich meine preiswert im wörtlichen Sinne, also nicht billig, sondern seinen Preis wert.

Meiner Erfahrung nach wird man auf keinen Fall gute Weine für umgerechnet 7,50€ bekommen, wie das bei einem deutschen Riesling der Fall sei kann. Dafür sind die Lohnkosten in der Schweiz zu hoch. Es könnte höchstens sein, das sich im höherpreisigen Segment die Preisdifferenzen nivellieren. D. h.: Ein "idealer" 30-CHF-Wein wäre vergleichbar mit einem "idealen" 28€-Wein aus Deutschland. (Natürlich wird der Vergleich immer hinken, die Rechnung ist vereinfacht.)
Jedenfalls ist dieser Effekt in der Gastronomie zu beobachten: Günstig essen kann man in der Schweiz nicht (ein Döner kostet 10 CHF), in einem 3-Sterne-Lokal kann man hingegen gegebenfalls sogar günstiger essen als in Baiersbronn.

Ums gleich vorwegzunehmen: Die Diskussion, ob 30€-Weine besser sind als 10€-Weine, möchte ich hier nicht nochmal aufflammen lassen, mich interessieren mehr eure persönlichen Einschätzungen, Erfahrungen und euer Kaufverhalten in Bezug auf Schweizer Wein.

Ein Beispiel aus meiner Erfahrung:

Ich trank den Einstiegs-Pinot Noir von Georg Schlegel für 19 CHF. Er war sehr ansprechend, sauber vinifiziert, aber in seiner Art eher einfach. Ein guter Alltagswein. Für einen Alltagswein sind mir aber 19 CHF zu viel, da zahle ich lieber die Hälfte für einen badischen PN, auch wenn es nicht genau dasselbe ist.

Ein anderes mal probierte ich den Pinot Noir Vom Lindenwingert (2017) von Jan Luzi. Lobenbergs selbst für seine Verhältnisse absolut begeisterten Notizen machten mich neugierig und ich schluckte die 32 CHF. Dieser PN zählte zu den besten, die ich in meinem bescheidenen Weinleben bisher getrunken habe. Ich habe ihn jüngst wiedergekauft, wenn auch ob des Preises leider nur in winziger Menge. Kisten davon kann man wohl eh nicht kaufen, da er schon längst ausverkauft ist und die Händler ihre Kellerreserven nur ungern hergeben. M. E. absolut preiswert, kann mit Lagen-PNs aus Deutschland, die häufig genauso viel oder gar mehr kosten, locker mithalten. Extrem fein und facettenreich. Außerdem Demeter-zertifiziert.
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la-vita

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Re: Ist Schweizer Wein preiswert?

BeitragDi 16. Feb 2021, 20:10

Zur Beantwortung der Frage reicht ein Blick auf den Euro / Schweizer Franken Chart. So lag der Kurs 2008 bei ca. 1,60 €, heute liegt er aktuell bei 1,08 €. Noch Fragen?
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jessesmaria

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Re: Ist Schweizer Wein preiswert?

BeitragDi 16. Feb 2021, 20:38

la-vita hat geschrieben:Zur Beantwortung der Frage reicht ein Blick auf den Euro / Schweizer Franken Chart. So lag der Kurs 2008 bei ca. 1,60 €, heute liegt er aktuell bei 1,08 €. Noch Fragen?


Ja, denn in die Rechnung gehören noch mehr Parameter: die Inflation und entsprechend Teuerung fiel in der Schweiz in vergangener Zeit deutlich geringer aus; ich habe vor einer Weile sogar mal einen Artikel gelesen, in dem es hieß, dass dieser Effekt den von dir erwähnten sogar in einigen Bereichen überkompensiert. Wie auch immer: die Rechnung ist komplizierter.
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EThC

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Re: Ist Schweizer Wein preiswert?

BeitragDi 16. Feb 2021, 21:48

...alles was ich in den letzten Jahren aus der Schweiz getrunken bzw. probiert und dann nicht gekauft habe (das war allerdings sehr sehr überschaubar), wäre um den halben Euronen-Preis ganz i.O. gewesen, aber bei quasis 1:1... :?
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
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maha

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Re: Ist Schweizer Wein preiswert?

BeitragDi 16. Feb 2021, 22:08

jessesmaria hat geschrieben:Meiner Erfahrung nach wird man auf keinen Fall gute Weine für umgerechnet 7,50€ bekommen, wie das bei einem deutschen Riesling der Fall sei kann. Dafür sind die Lohnkosten in der Schweiz zu hoch. Es könnte höchstens sein, das sich im höherpreisigen Segment die Preisdifferenzen nivellieren. D. h.: Ein "idealer" 30-CHF-Wein wäre vergleichbar mit einem "idealen" 28€-Wein aus Deutschland. (Natürlich wird der Vergleich immer hinken, die Rechnung ist vereinfacht.)...

Diese Einschätzung teile ich in kleinster Weise. Ich hatte das Glück 10 Jahre in diesem schönen Land leben zu dürfen und konnte deine These mehrfach widerlegen. Man muß halt nur vor Ort die Weingüter besuchen, dann findet man sehr oft wunderschöne „Alltagsweine“ für um die 10 Franken.
Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Weingut Neukom, Wil (ZH), da fängt es bei 8 fufzich an (Riesling Silvaner) und auch die Cuvée Weiss für 10 Stutz kann sich durchaus sehen lassen. (Oh ich seh gerade ist nur ne 0,5l Pulle, aber so weit sind wir da nicht entfernt)
Im Raum Schaffhausen gibt es wunderschöne Basis-Blauburgunder, die es mit der Badischen Basis durchaus aufnehmen können
Der Riesling Silvaner von Aagne / Hallau (ich meine Schaffhausen) schlägt mit 15 Franken zu buche und war mein favorisierter Sommerwein, Pinot Noir Klassik startet ebenfalls bei 15 Stutz

Von den Chasselas aus dem Wallis will ich hier gar nicht sprechen. Auch hier gibt es sehr schöne „Basis“ Qualitäten, (die vorzugsweise zum Fondue getrunken werden,
To be continued...

Nur gibt es halt diese Weine nur vor Ort und nicht im Export.

Desweiteren sollte man bei so einem Vergleich beachten dass die Gehälter vor Ort etwas üppiger ausfallen und die Steuerbelastung deutlich geringer ausfällt. Das gleicht dann das Mehr an Lebenshaltungskosten am Ende deutlich wieder aus. Dafür bekommt man aber auch qualitativ in vielen Bereichen meist mehr für sein Geld. Unterm Strich bleibt dann gefühlt schon mehr über am Ende des Monats (wenn man keine Kinderbetreuung braucht, dann sieht‘s schon wieder ganz anders aus ;))

Gruss
Marko
Zuletzt geändert von maha am Di 16. Feb 2021, 22:15, insgesamt 1-mal geändert.
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jessesmaria

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Re: Ist Schweizer Wein preiswert?

BeitragDi 16. Feb 2021, 22:14

EThC hat geschrieben:...alles was ich in den letzten Jahren aus der Schweiz getrunken bzw. probiert und dann nicht gekauft habe (das war allerdings sehr sehr überschaubar), wäre um den halben Euronen-Preis ganz i.O. gewesen, aber bei quasis 1:1... :?


Damit würde sich Wein bei dem Groß der übrigen Konsumgüter einreihen, scheint also logisch.

Ich zitiere euch aus meinem anderen Thread zur Weinbepreisung:

austria_traveller hat geschrieben:Ich glaube mich erinnern zu können, dass mal gesagt wurde eine Flasche Wein kostet in der Erzeugung max. 20.-
Alles darüber hinaus ist Marketing.


EThC hat geschrieben:Irgendwann hört halt der Preis auf, sich im Wesentlichen an den Gestehungskosten zu orientieren und wendet sich den Möglichkeiten des Marktes zu, wo auch immer diese Grenze liegen mag, ich hab für D so eine Zahl von 35 Euronen je Eintel im Kopf.


Ja, wo auch immer die Grenze liegen mag: bis dahin müsste deine Beobachtung genau so sein ("für den halben Preis wär's i. O.").
Spannend ist's, ob's danach so weitergeht oder nicht. Sprich, wie verhält sich etwa ein renommierter Burgunder à 50€ zu einem entsprechend teuren Schweizer Pinot Noir. (Natürlich hat der Schweizer Pinot eine ganz andere Charakteristik, das ist klar.)
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la-vita

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Re: Ist Schweizer Wein preiswert?

BeitragDi 16. Feb 2021, 22:24

Man muß halt nur vor Ort die Weingüter besuchen, dann findet man sehr oft wunderschöne „Alltagsweine“ für um die 10 Franken.


Naja, wenn man in der Mitte Deutschlands lebt, ist das etwas schwierig. Da ist man auf den Online-Weinhandel angewiesen. Und dann wird´s ganz schön bitter. Zum einen preislich, und zum anderen vom Angebot her. Schwierig.

Ich habe mir zuletzt 2008 bei einem passablen Frankenkurs im Rahmen eines Skiurlaubes ca. 20 Flaschen Pinot Noir aus der Bündner Herrschaft gegönnt. Schon damals fand ich die Preise recht sportlich. Trotz allem, die Weine haben mir vorzüglich geschmeckt und ich finde die Pinots der Bündner Herrschaft einfach Weltklasse.
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jessesmaria

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Re: Ist Schweizer Wein preiswert?

BeitragDi 16. Feb 2021, 22:27

maha hat geschrieben:Desweiteren sollte man bei so einem Vergleich beachten dass die Gehälter vor Ort etwas üppiger ausfallen und die Steuerbelastung deutlich geringer ausfällt. Das gleicht dann das Mehr an Lebenshaltungskosten am Ende deutlich wieder aus. Dafür bekommt man aber auch qualitativ in vielen Bereichen meist mehr für sein Geld. Unterm Strich bleibt dann gefühlt schon mehr über am Ende des Monats (wenn man keine Kinderbetreuung braucht, dann sieht‘s schon wieder ganz anders aus ;))


Hallo Marko,

ich kenne die Schweiz auch ganz gut und kann das alles unterschreiben. Die Frage ist ja bloß, ob es sich für einen in Deutschland lebenden lohnt, Schweizer Wein zu kaufen (muss ja nicht im Import sein, man kann ja auch in die Schweiz fahren). Zum Vergleich: Bei Käse kann sich das lohnen, bei Sonnenbrillen eher nicht (hatte jüngst im Urlaub eine Kleinkindsonnenbrille kaufen müssen, Preise fangen bei 30 CHF an; in DE bei 6€).

War auch wieder klar, dass ich mit meiner wenigen Erfahrung viele Schnäppchen übersehen habe. :mrgreen:
In den Weingeschäften, in denen ich bisher war, fingen die Preise meistens bei ca. 20 CHF an, die mir dann als "Einstiegsweine" präsentiert wurden.
Gerade im Wallis finde ich die autochthonen Sorten spannend (Cornalin, Humagne Rouge, Petite Arvine u. a.), aber die kriegt man m. W. wirklich nicht unter 20 CHF.
Bei Basis-Chasselas stellt sich die Frage, ob man da nicht mit einem Basis-Gutedel von Schneider für 7€ ein besseres PLV bekommt bzw. ob der Schweizer Chasselas (Frage!) wirklich so anders ist, dass badischer Gutedel keine Alternative ist.

Frage an dich: Kaufst und trinkst du (nach Möglichkeit) deine erwähnten Lieblinge noch immer, auch, nachdem seitdem in Deutschland lebst und einkaufst?
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maha

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Re: Ist Schweizer Wein preiswert?

BeitragDi 16. Feb 2021, 22:37

jessesmaria hat geschrieben:Frage an dich: Kaufst und trinkst du (nach Möglichkeit) deine erwähnten Lieblinge noch immer, auch, nachdem seitdem in Deutschland lebst und einkaufst?

Ich würde gerne mehr kaufen und trinken. Das Problem ist daß a) der Keller schon sehr voll ist und b) man ja doch nicht so oft in die Schweiz kommt um dort einzukaufen.
Was ich schon noch häufiger mache ist zB BDX Subs in der Schweiz zu kaufen und am Freunde liefern zu lassen. Oder wenn zB Denner mal eine Aktion hat (letztens Stags Leap Artemis)
Wenn ich aber mal da bin und Freunde besuche (oder auch ab und zu mal beruflich) dann stöbere ich schon in den Läden und Supermärkten und bring die eine oder andere Flasche mit
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maha

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Re: Ist Schweizer Wein preiswert?

BeitragDi 16. Feb 2021, 22:41

Naja, wenn man in der Mitte Deutschlands lebt, ist das etwas schwierig. Da ist man auf den Online-Weinhandel angewiesen. Und dann wird´s ganz schön bitter. Zum einen preislich, und zum anderen vom Angebot her. Schwierig.

Ja klar, aber darum ging es ja in der Ausgansfragestellung nicht. ;)
Die Frage war ja ob schweizer Wein preiswert ist, und das finde ich durchaus

Gruss
Marko
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