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Re: Deutschland 2019

BeitragVerfasst: Do 9. Mai 2019, 18:46
von EThC
Bernd Schulz hat geschrieben:Ich persönlich glaube nicht, dass es im Laufe der nächsten 100 Jahre im Graacher Himmelreich zum Anbau von Viognier kommen wird.

...welche Sorte(n) auch immer, Merlot gibt's ja auch schon an der Mosel (auch wenn ich damit so gar nix anfangen kann). Philipp Kuhn baut übrigens in der Pfalz Viognier an. Und ich halte es nicht (mehr) für so abwegig, daß sich da in den kommenden Jahren deutlich was ändert. Man sieht es ja heute schon an allen Ecken und Enden. Die Vegetation ist im Schnitt 3 Wochen früher dran als man das eigentlich so kennt. Bei Riesling ist bis jetzt nur passiert, daß der nunmehr regelmäßig reif wird. Vielleicht gibt's in Zukunft an der Mosel auch nur noch im Juli gelesene Riesling-Trockenbeerenauslesen. Die Luftkondensatoren für die Kraftwerke müssen wir auch ständig für höhere Lufttemperaturen auslegen, bei den Durchschnittstemperaturen für verschiedenste Orte in D sehe ich durchgängig nur steigende Werte, wenn man mal über die Jahresmittel linear interpoliert. Und an diesem Trend ändert sich aktuell gar nix. Da wird auch in 2019 keine Kehrtwende zu sehen sein...

Re: Deutschland 2019

BeitragVerfasst: Do 9. Mai 2019, 20:22
von Figeac78
Tom schrieb:
Ich kenne nicht viele der o.g. 27 Winzer, da es mich eher über die saarländische Grenze hinweg Richtung Scharzhofberg oder Ayler Kupp zieht (womit wir aber wieder an der Saar wären). Aber von denen, die ich probiert habe, fand ich die Burgunder von Petgen-Dahm (https://www.petgen-dahm.de/) garnicht mal schlecht. Auch wenn ich eigentlich Riesling-Trinker bin. Aber Vorsicht! Es gibt einige "Petgens" unter den Winzern! Ich meine das "Weingut Ökonomierat Petgen-Dahm".

An der Obermosel gibt es meist Kalksteinlagen (im Gegensatzt zu Saar und Mosel), die für Burgundersorten ja bekanntlich nicht schlecht sind. Ich denke, sobald sich da Winzer forcierter auf Spitzenqualitäten fokussieren, könnten von da interessante Tropfen kommen. Auf der Luxemburger Seite kann man das ja schon beobachten.

Gruß, Detlef

Re: Deutschland 2019

BeitragVerfasst: Do 9. Mai 2019, 20:29
von Bernd Schulz
EThC hat geschrieben:....Philipp Kuhn baut übrigens in der Pfalz Viognier an.....


Ja, und bei Brenneis-Koch gibt es zusätzlich zum Viognier noch Nebbiolo. Es mag sein, dass sich der eine oder andere Winzer für die mutmaßliche Zukunft fit machen will, indem er solche Sorten anbaut. Wahrscheinlicher ist es aber für mich, dass derartige Experimente eher einen gewissen Trend zum Exotismus geschuldet sind. Ich kann die Gründe, aus denen "südeuropäische" Sorten hierzulande gepflanzt werden, nicht genau abschätzen, wobei ich deutsche Weine aus diesen Sorten nicht brauche und nicht kaufe (ich kaufe schon deutschen Sauvignon Blanc oder Chardonnay nur in sehr seltenen Ausnahmefällen).

Und im Hinblick auf die künftige Entwicklung des Klimas bin ich auch alles andere als ein Experte. Klar für mich ist aber, dass die jetzige wärmere Phase, die wir erleben, den einheimischen Rebsorten eher zuträglich als abträglich ist. Wir sind mittlerweile verwöhnt (auch ich!) und schimpfen im Falle von beispielsweise 2005 über einen zu breiten Jahrgang. Wenn man auf Jahre wie 1980 oder 1981 oder 1984 schaut, muss man aber über alles, was in die 2005er Richtung geht, heilfroh sein....

Herzliche offtopische Grüße

Bernd

Re: Deutschland 2019

BeitragVerfasst: Do 9. Mai 2019, 21:09
von EThC
Bernd Schulz hat geschrieben:Klar für mich ist aber, dass die jetzige wärmere Phase, die wir erleben, den einheimischen Rebsorten eher zuträglich als abträglich ist.

Das würde ich jetzt nicht unterschreiben. Schon die Tatsache, daß die Ausnahmeregel "Aufsäuerung" mittlerweile zur Regel geworden ist, zeigt doch, daß der erste obere Grenzwert schon dauerhaft gerissen ist. Auch wenn einige sehr gute Winzer dann immer noch sehr guten Wein machen. Aber eben häufig nur mit "Tricks"...

Re: Deutschland 2019

BeitragVerfasst: Do 9. Mai 2019, 21:15
von la-vita
..und ich sehe schon vor meinem geistigen Auge die Werbeprospekte aus dem Jahr 2035 die einem Moselriesling mit 15% Alkohol jede Menge Frische und Eleganz attestieren wollen :lol:

Gruß
Detlef

Re: Deutschland 2019

BeitragVerfasst: Do 9. Mai 2019, 21:22
von Jochen R.
la-vita hat geschrieben:..und ich sehe schon vor meinem geistigen Auge die Werbeprospekte aus dem Jahr 2035 die einem Moselriesling mit 15% Alkohol jede Menge Frische und Eleganz attestieren wollen :lol:

Gruß
Detlef

... und Bordeaux trinkt man gerne aus dem Riedel- oder wahlweise aus
dem mundgeblasenen Gabriel-Schnapsglas ... :lol:

Re: Deutschland 2019

BeitragVerfasst: Do 9. Mai 2019, 21:29
von EThC
...möglicherweise ist die Zukunft auch die, daß ein -soweit ich mich erinnere- in Amiland entwickeltes Verfahren zur "Fettabsaugung" aus zu speckigen Weinen auch in der EU zugelassen wird... :?

Re: Deutschland 2019

BeitragVerfasst: Do 9. Mai 2019, 22:05
von Bernd Schulz
EThC hat geschrieben:
Bernd Schulz hat geschrieben:Klar für mich ist aber, dass die jetzige wärmere Phase, die wir erleben, den einheimischen Rebsorten eher zuträglich als abträglich ist.


Das würde ich jetzt nicht unterschreiben. Schon die Tatsache, daß die Ausnahmeregel "Aufsäuerung" mittlerweile zur Regel geworden ist, zeigt doch, daß der erste obere Grenzwert schon dauerhaft gerissen ist. Auch wenn einige sehr gute Winzer dann immer noch sehr guten Wein machen. Aber eben häufig nur mit "Tricks"...


Es gab mal Zeiten, in denen man in Deutschlands nördlichen Anbaugebieten ganz andere Probleme hatte als heutzutage. Diese Probleme sind mittlerweile offenbar weitgehend vergessen - beziehungsweise denjenigen Weintrinkern, die deutlich jünger als ich sind, kaum noch zu vermitteln. Fakt ist trotzdem, dass ganze Jahrgänge aus Gründen mangelnder Reife nahezu komplett ein Fall für die Tonne waren. Hast du schon mal einen 1980er Riesling von der Mosel getrunken?

Im Vergleich zu den extrem kalten und sonnenarmen frühen 80ern ("Wann wirds mal endlich wieder Sommer?") halte ich "die Tatsache, daß die Ausnahmeregel "Aufsäuerung" mittlerweile zur Regel geworden ist", eher für nicht so relevant - wobei ich unter den Jahrgängen der letzten zwei Dekaden auch deutlich die kühleren wie 2004, 2008, 2010, 2012 oder 2013 bevorzuge ;)....

Herzliche offtopische Grüße

Bernd

Re: Deutschland 2019

BeitragVerfasst: Fr 10. Mai 2019, 06:25
von EThC
Bernd Schulz hat geschrieben:Im Vergleich zu den extrem kalten und sonnenarmen frühen 80ern ("Wann wirds mal endlich wieder Sommer?") halte ich "die Tatsache, daß die Ausnahmeregel "Aufsäuerung" mittlerweile zur Regel geworden ist", eher für nicht so relevant

Aber Du siehst schon, wo der Trend aktuell hinläuft?
Wie Du und ich hat auch der Riesling seinen persönlichen Wohlfühlbereich. Der war in den 80ern wohl unterschritten, dann ging's dem Riesling mal ziemlich gut, aber jetzt geht's mit weiter steigenden Temperaturen für diese Sorte wohlfühlmäßig schon wieder abwärts. Mit Aufsäuern etc. zieht man das noch ein bißchen 'raus, aber irgendwann wird einfach Schluß sein...

Re: Deutschland 2019

BeitragVerfasst: Fr 10. Mai 2019, 07:42
von la-vita
..es geht beim Klimawandel ja nicht nur um höhere Temperaturen. Trockenheit und Sonnenbrandschäden können den Trauben auch ganz erheblich zusetzen:

http://www.vitipendium.de/Sonnenbrand

Gruß
Detlef