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Deutschland 2018

Berichte, Erfahrungen, Prophezeiungen
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EThC

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Re: Deutschland 2018

BeitragSo 19. Mai 2019, 21:38

Bernd Schulz hat geschrieben:Das erste Zitat ist wahrscheinlich auch in einem gewissen Sinne als "schönschreiberisch" anzusehen - kein Winzer wird einen neuen Jahrgang, aus dem er nicht ganz wenige Weine verkaufen muss, komplett niederschreiben! Oder hast du in einem Anschreiben oder auf einer Website eines Weinbaubetriebs schon mal eine Aussage wie "Der aktuelle Jahrgang ist vergleichsweise schwach ausgefallen. Die große Dürre hat ihre Spuren deutlich hinterlassen; infolge niedriger Säurewerte wirken unsere Rieslinge auf breiter Front ziemlich spannungsarm!" gelesen?

...klar, daß jeder seine Produkte so gut wie möglich ins Licht setzt, ist ja auch kein Problem. Man muß halt die sprachlichen Feinheiten deuten können. Oder wenn die Deutung zu große Streuungen erlaubt, entsprechend vorsichtig sein...
Viele Grüße
Erich


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Bernd Schulz

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Re: Deutschland 2018

BeitragSo 19. Mai 2019, 21:50

EThC hat geschrieben:Man muß halt die sprachlichen Feinheiten deuten können


Genau!

Und von den Feinheiten abgesehen gehört zu einer Aussage wie "Aromatische Fülle und Reife waren gleichwohl nicht selbstverständlich und niedrige Säuren und Extrakte werden gemeinhin nicht als Zeichen großer Weine mit entsprechenden Lagereigenschaften gesehen" schon ganz schön viel Mut. Etwas vergleichbar Kritisches zu 2018 wirst du bei den wenigsten Winzern finden - die Mehrzahl der Erzeuger schwafelt lieber etwas über hochreifes Lesegut, Oechsle-Rekorde etc. usf.....

Herzliche Grüße

Bernd
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EThC

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Re: Deutschland 2018

BeitragSo 19. Mai 2019, 22:32

...deswegen hab' ich ja auch geschrieben, daß das für mich
EThC hat geschrieben:durchaus interessant und in Teilen auch nachvollziehbar

ist...
Viele Grüße
Erich


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niers_runner

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Re: Deutschland 2018

BeitragMo 20. Mai 2019, 11:23

UlliB hat geschrieben:Hallo Peter,

ist hier zwar OT, aber: wenn Du vor Ort bist, solltest Du bei Deinen Winzern mal höflich nachfragen, ob es noch Altweinbestände gibt und man Dir davon nicht ein paar Flaschen gegen Bezahlung überlassen könnte. Es ist erstaunlich, was da manchmal zu Tage kommt. Einen 59er wirst du wohl schwerlich finden, aber bei 76ern würde ich vermuten, dass es da durchaus noch Chancen gibt. Der Jahrgang hat dermaßen viel Hochprädikate ergeben, dass man die damals gar nicht auf einmal verkaufen konnte, und viele Winzer haben einiges zurückgelegt, um zu sehen, was aus diesem ungewöhnlichen Jahrgang mal wird. Fragen kostet ja nichts...

Gruß
Ulli

Hallo Ulli,

Dein Tipp war Gold wert. Es ist mir tatsächlich gelungen ein paar Flaschen sowohl aus 71 als auch aus 76 käuflich zu erwerben. Besten Dank dafür.

OT-Grüße

Peter
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Gaston

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Re: Deutschland 2018

BeitragSo 26. Mai 2019, 20:17

Hallo,

vergangene Woch war ich ein paar Tage am Rhein und habe einige 18er Rieslinge verkostet, vor allem Mittelrhein, aber auch Rheinhessen und ein wenig Rheingau.

Niedrige Säure war definitiv überall ein Thema. Für ein ein differenzierteres Urteil werde ich in der nächsten Zeit ein paar der mitgebrachten Flaschen einer näheren Betrachtung unterziehen, ein grobes Bild ergibt sich aber schon.

Die Säuren sind, wie gesagt, bei den meisten Rieslingen analytisch deutlich niedriger als in den vorhergehenden Jahren. Was allerdings nicht automatisch heißt, dass die Weine durchgehend sensorisch säurearm sind. Insgesamt sind die Weine aber doch runder und weicher und schon jetzt relativ zugänglich, was vielen Konsumenten sicherlich entgegen kommen wird. Erinnerte mich ein wenig an 2011. Ich hatte Weine im Glas, wo ich die Säure tatsächlich ein wenig vermisste, viele Weine, die trotz milderer Säure sehr trinkanimierend waren und es gab auch Weine, die "klassisch" säurebetont ausgefallen sind.

Rein subjektiv war ich – den Gesamteindruck betreffend – durchaus zufrieden, aber als tendenziell eher ein Freund von kühleren, säurebetonteren Jahrgängen, präsentiert sich mir 2018 zur Zeit nicht als großer, sondern eher als mittelprächtiger Jahrgang.

Mal sehen, wie sich die Weine entwickeln, da kann man ja durchaus Überraschungen erleben.
Beste Grüße
Gaston
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niers_runner

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Re: Deutschland 2018

BeitragDo 30. Mai 2019, 07:43

Hallo Gaston,
die von mir kürzlich probierten 18er von der Saar hatten 10,n g/L, Mittelmosel hatte 1g weniger als 2017.
Vermutlich wird sich beim 18er, stark die Spreu vom Weizen trennen.

Beste Grüße

Peter
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nahebub

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Re: Deutschland 2018

BeitragSo 2. Jun 2019, 20:04

Ich war gestern bei Dönnhoff auf der Jahrgangspräsentation. Die GGs liegen bei der Säure zw. 7 u. 7,5 % und zeigten sich tlw. noch etwas verschlossen. Die kleineren Weine zeigten sich zwar schon recht zugänglich, aber auch hier war von fehlender Säure eigentlich nichts zu spüren.
Ich glaube aber auch, dass sich 2018 - eigentlich wie auch bereits in den letzten Jahren - die Spreu vom Weizen trennt.
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TOM

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Re: Deutschland 2018

BeitragDi 9. Jul 2019, 16:16

Interessantes Interview das ich in der Weinpost gefunden habe:

Deutscher Wein im Klimawandel
? Deutsche Winzer glauben, sie seien Gewinner des Klimawandels. Ist da etwas dran?
! Ja und nein. Der angeblich so tolle Jahrgang 2018 zum Beispiel ist nicht das, was er vorgibt zu sein. So behinderte die Trockenheit des Jahrgangs die Nährstoffversorgung der Trauben, viele Moste mussten „gefüttert“ werden, damit die Hefen Nahrung für die Gärung finden.
? Was ist daran schlecht?
! Immer weniger „macht“ die Natur den Wein, Kellertechnik muss es richten, was aus dem Lot geraten ist. So war 2018 die Säure oft so niedrig, dass nachgebessert werden musste, und die Mengen waren so groß, dass Enzyme und andere Hilfsstoffe für Aromas sorgen mussten. Folgen des Klimawandels.
? Gibt es nicht doch Gewinner?
! Ja, Rotweinwinzer. Die machen heute viel bessere Weine. Konventionell wirtschaftende Winzer aber haben zunehmend Probleme mit Säure, Alkohol und Böden. Biobetriebe, die ihr Metier verstehen, kommen mit dem Klimawandel grundsätzlich besser zurecht. Ich empfehle: Winzern und Händlern Druck machen und etwa fragen, ob Säure, Alkohol oder Mundgefühl des Weines im Keller korrigiert werden mussten. Und beim nächsten Winzerbesuch in den Weinberg gehen und fragen, wie der Winzer dort auf den Klimawandel zu reagieren versucht.
Interview mit Martin Kössler, Chemiker und Weinhändler in Nürnberg, stern Nr. 27 v. 27.06.19
Wer 14 Tage auf Öl, Wein und Zucker verzichtet, der verliert 2 Wochen.
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Rieke Riesling

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Re: Deutschland 2018

BeitragDi 9. Jul 2019, 20:50

TOM hat geschrieben:Interessantes Interview das ich in der Weinpost gefunden habe:

.......
Interview mit Martin Kössler, Chemiker und Weinhändler in Nürnberg, stern Nr. 27 v. 27.06.19

Lass mich raten, der Herr Kössler handelt nicht zufällig mit Biowein?

Solche Aussagen wie in diesem Interwiew lassen bei mir die Alarmglocken baumeln. Biowinzer sind nach meiner überzeugung nicht pauschal besser oder schlechter als Konventionelle Winzer, nur weil sie Bio anbauen. Das ist ein weit verbreiteter Wunschgedanke.
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EThC

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Re: Deutschland 2018

BeitragDi 9. Jul 2019, 20:56

+1
...da gibt's zwar viel Licht, aber auch noch mehr Schatten...
Viele Grüße
Erich


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