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Deutschland 2018

Berichte, Erfahrungen, Prophezeiungen
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Bernd Schulz

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Re: Deutschland 2018

BeitragDi 9. Jul 2019, 22:44

Rieke Riesling hat geschrieben:Lass mich raten, der Herr Kössler handelt nicht zufällig mit Biowein?


Naja, nicht nur mit Biowein..... ;)

Alles in allem ist Martin Kössler schon ein Händler mit einem aus meiner Perspektive sehr gut ausgewählten Sortiment. Und es handelt sich bei ihm um einen nicht nur sehr intelligenten, sondern zudem überaus wortgewaltigen Weinkenner. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb :mrgreen: ) genieße ich manche seiner Aussagen mit einer gewissen Vorsicht, denn hinter all der Intelligenz und Wortgewalt schimmert bisweilen auch ein Hang zum Ideologischen und damit zu einer der Wirklichkeit nicht immer ganz gerecht werdenden Farbgebung der "Fakten" durch....

Was Kössler über das Jahr 2018 in Deutschland äußert, halte ich nach meinen (zugegebenermaßen noch sehr spärlichen) Erfahrungen nicht für ganz abwegig. Den Jahrhundertjahrgang sehe ich keineswegs, während ich - im Gegensatz zu 2003 - bei den bekannt guten Winzern auch keine massiven Probleme auf breiter Front erkennen kann.

Widersprechen möchte ich Kösslers Aussage, dass nur oder hauptsächlich deutsche Rotweinwinzer die Gewinner des Klimawandels sind. Seit der Jahrtausendwende gab es in Deutschland genug gute bis exzellente Weißweinjahrgänge. Das Moppern über zu fette Jahre (wie der Tendenz nach 2018) findet auf einem historisch gesehen sehr hohen Niveau statt.

Herzliche Grüße

Bernd
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TOM

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Re: Deutschland 2018

BeitragFr 19. Jul 2019, 10:13

Ich habe eben von dem "Weinskandal in Rheinhessen" gehört.
Die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach ermittelt gegen acht Beschuldigte aus Rheinhessen. Sie sollen unter anderem konventionellen Wein als Biowein verkauft haben. Dabei geht es nicht um wenige Flaschen, sondern um eine Menge in „Richtung von einer Million Liter“, so der Leitendende Oberstaatsanwalt Michael Brandt.

Hauptbeschuldigter ist ... der ehemalige Geschäftsführer einer rheinhessischen Weinkellerei.


Weiß jemand von Euch um welche Weinkellerei es sich handelt?
Oder kennt jemand weitere Hintergründe?

Mehr dazu bspw. hier.

Wenn man etwas googelt, haben aber diverse Zeitungen darüber berichtet...
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niers_runner

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Re: Deutschland 2018

BeitragFr 19. Jul 2019, 12:36

Falscher Thread, guckst Du hier ...
viewtopic.php?f=7&t=5409
Wir soffen uns langsam den Fluss hinab (Kurt Tucholsky 1930 auf seiner Moselreise)
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TOM

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Re: Deutschland 2018

BeitragFr 19. Jul 2019, 12:42

niers_runner hat geschrieben:Falscher Thread, guckst Du hier ...
viewtopic.php?f=7&t=5409


Ah Danke!
Hatte ich übersehen!
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TOM

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Re: Deutschland 2018

BeitragSo 25. Aug 2019, 15:00

Hallo zusammen,
ich war am Samstag auf dem Saar-Riesling Sommer und wollte meine Eindrücke mal weitergeben.

Allgemein war die Veranstaltung auf den Weingütern sehr gut organisiert. Es gab bei jedem Winzer mindestens 2 trockene, 2 feinherbe und 2 fruchtsüße Weine zu probieren. Bei vielen Winzern sogar deutlich mehr. Auch GG aus 2018 (Fassproben) waren bereits dabei. Da jedes Weingut meist noch 2-3 Gastwinzer hatte, konnte man tatsächlich auf jedem Weingut mindestens 20 Weine probieren (wenn man wollte).
Daneben gab es (was ich sehr angenehm fand) immer ausreichend Mineralwasser und Brot, um den Geschmack zu neutralisieren. Die Verbindungsbusse fuhren zu Beginn sehr regelmäßig und zuverlässig. Ab Mitte der Veranstaltung konnte man sich nicht mehr „auf die Farbe verlassen“. Das war etwas ärgerlich und führte zu Verzögerungen.

Nun zu einige Weingütern, die ich besucht habe:
Das (neue) Weingut Van Volxem ist schon monumental. Sowohl Fasskeller als auch Gebäude sind beeindruckend. Genial die Aussicht auf die Weinberge des Saartales. Von Van Volxem wurden bereits die 2018er Weine präsentiert und ich fand die Weine kräftig, markant, präzis und ausdrucksvoll. Allerdings hatten sie nicht die filigrane Saftigkeit der 2017er. Im Gespräch wurde mir das auch bestätigt. Nach Aussage eines dort ausschenkenden „Sommeliers“ leben die 2017er vom Säure- und Fruchspiel. Die 2018er hingegen von Ihrer Kraft und Stärke. Insbesondere die feinherben und fruchsüßen Weine seien sehr gelungen und jung sehr gut trinkbar (was ich bestätigen kann). Trotzdem gefielen mir auch die trockenen Weine recht gut, obwohl ich da 2017 in deutlich besserer Erinnerung habe. Stolz war man bei VV in diesem schwierigen Jahrgang überall unter 12% Alkohol geblieben zu sein. Das hat nicht jeder geschafft!
Markus Molitor präsentierte dann im Keller von Van Volxem seine 2017er Kollektion. 2018 ist bei ihn noch nicht zu haben. Die 2017er von Molitor sind natürlich von Stilistik und Jahrgang viel weicher und cremiger. Im direkten Vergleich muss ich sagen, dass der Unterschied tatsächlich noch deutlich größer ist, als ich das in Erinnerung hatte. Darüber hinaus schenkte Molitor noch eine fruchtsüße 2009er Zeltinger Sonnenuhr Auslese** aus. Obwohl ich eigentlich eher trocken trinke, muss ich sagen, dass das schon ein genialer Wein in einem schönen Alter ist.

Das Weingut von Othegraven ist von der Architektur das grasse Gegenstück zu Van Volxems moderner Bauweise. Eine alte Villa mit herrlichem Park und altem Baumbestand. Das war schon wirklich genial. Ich persönlich liebe so etwas. Hier präsentierte man aus 2018 allerdings nur die feinherben und fruchtsüßen Weine. Als trockene Weine hatte man noch 2017 im Ausschank. Auf meine Rückfrage hin wurde mir erklärt, dass die trockenen 2018er noch gären und daher nicht zur Verfügung stehen. 2018 sei ein herausforderndes Jahr gewesen bei dem die Weine trotz der frühen Ente eine sehr lange Gärphase hätten. Interessant! Die Weine insgesamt waren in Ordnung, haben mich aber nicht „vom Hocker gehauen“. Das Weingut Hammel aus der Pfalz präsentierte dort noch u.a. einen recht spannenden 2011er Spätburgunder sowie einen schönen Sauvignon blanc. War eine nette Abwechslung und Christoph Hammel ist durchaus ein „Alleinunterhalter“.

Ziliken war durchweg gut, dort bot man auch Kellerführungen an. Er ist aber noch immer nicht mein Favorit, was aber eher an mir liegt als an Ziliken. Ist einfach nicht mein Wein, ist mir zu brav, hat mir zu wenig Ecken und Kanten. Die Überraschung bei Ziliken war das Weingut Peter Lauer. Florian Lauer präsentierte dort seine Weine persönlich. Sein Fass 25 (würzig und balanciert) war sehr ausgewogen. Hätte ich nicht in 2018 verortet. Auch die beiden großen Gewächse (Kupp und Schonfels) haben mir gefallen. Die sind in der jetzigen Fruchphase bereits sehr harmonisch, ausgewogen und schmackhaft. Der Schonfels war dabei eher etwas salziger und mineralischer; die Kupp war eher feinfruchtig herb, aber nicht süß. In einer naheliegenden Vinothek hatten wir am Vortag bereits den Cremant von Lauer verkostet und fanden auch diesen sehr fein. Für mich war Lauer die Überraschung des SRS!

Ich war noch auf einigen anderen Weingütern, habe dort aber nichts „herausragendes“ zu berichten. Bei einigen fand ich den 2018er Jahrgang noch „sehr zurückgezogen“, manchmal sogar mit etwas „Gärgeschmack“, wie beim Cidre oder intensiven Bittertönen im Abgang. Ein Winzer sagte mir, dass diese Bittertöne von Trauben mit Sonnenbrand, die nicht aussortiert wurden, kämen. Kann ich nicht beurteilen. Es gab zudem mehr als einen Winzer, der meinte 2017 und 2018 wären einfach nicht vergleichbar. Es gäbe die „Fans“ des einen und des anderen Jahrganges und jeder müsse seine Präferenzen finden. Da ich aber zum einen sicherlich kein perfekter Verkoster bin und Jungweine in dieser Phase sehr schwer einzuschätzen sind, will ich die Weingüter, die mir nicht gefallen haben, nicht nennen und keine Negativwerbung machen. Kann durchaus sein, dass ich von dem ein oder anderen Wein, der mir heute nicht schmeckt, in ein paar Jahren begeistert bin.

Um nochmals auf das Thema des Threads zurückzukommen: Ich persönlich glaube, dass es insbesondere die großen Winzer es 2018 überwiegend gut geschafft haben mit der Hitze des Jahrganges zurecht zu kommen und dass gute bis sehr gute Weine herauskamen. Aber das gilt sicherlich nicht für jeden Winzer. Zudem kommt mir persönlich die Stilistik des 2017er Jahrganges eher entgegen. Daher werde ich wohl 2018 nur sehr wenig kaufen und einlagern.

Zuletzt muss ich gestehen, dass ich beim SRS vor Ort keine Notizen gemacht habe und dieser Beitrag einen reiner "Braindump" ist. Hoffe, dass ich nach den vielen Proben noch alles richtig in Erinnerung habe... ;)
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Philst

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Re: Deutschland 2018

BeitragSa 7. Nov 2020, 21:53

Allzu viele deutsche Rotweine aus 2018 habe ich bislang noch nicht getrunken. Den ersten Eindrücken der professionellen Verkoster hatte ich bislang entnommen, dass die Rotweine die Hitze wohl besser vertragen haben als die Weißweine.

Heute kam ein kleines Werbekärtchen von Maximin Grünhaus ins Haus geflattert. Beworben wird ein Paket mit drei Flaschen Pinot Blanc Reserve und drei Flaschen Pinot Noir jeweils aus 2018. Als ich dann gelesen habe, dass der Pinot Noir 15,5 % Alkohol haben soll, habe ich zuerst an einen Druckfehler gedacht. Aber auf der Hompepage findet sich derselbe extrem hohe Wert. Bei manchen Spaniern und Südfranzosen mag der Wert ja nicht besonders auffällig sein, bei einem Spätburgunder von der Ruwer habe ich mich dann doch sehr gewundert.

Ist das eine Ausnahme oder habt ihr schon vermehrt Rotweineaus 2018 mit solchen Alkoholgehalten gesehen?
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EThC

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Re: Deutschland 2018

BeitragSa 7. Nov 2020, 22:09

Philst hat geschrieben:Ist das eine Ausnahme oder habt ihr schon vermehrt Rotweineaus 2018 mit solchen Alkoholgehalten gesehen?

...auch wenn ich noch nicht viel Rotes aus 2018 und D gesehen bzw. probiert habe, würde ich das doch eher als Ausnahme einstufen, noch dazu bei Spätburgunder. Da schrillen bei mir gleich sämtliche Alarmglocken... :o
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
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Bernd Schulz

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Re: Deutschland 2018

BeitragSa 7. Nov 2020, 22:18

Philst hat geschrieben:Heute kam ein kleines Werbekärtchen von Maximin Grünhaus ins Haus geflattert.


Das Kärtchen kam gestern oder vorgestern auch bei mir an. Ich habe es aber sofort ins Altpapier geworfen, da ich den Grünhäuser Rielingstil zwar sehr schätze, aber aus Preisgründen aktuell keine Grünhäuser (und schon gar keine aus Burgundersorten) kaufe. Deshalb sind mir die 15,5 % - weiah! - gar nicht aufgefallen.

Viele deutsche Rotweine aus 2018 habe ich noch nicht getrunken, aber unter den 2018ern, die ich bislang im Glas hatte, war keiner mit mehr als 13,5 Umdrehungen. 15,5 kommen mir selbst für diesen Jahrgang bei einem Pinot Noir nicht "normal" vor. Da scheint etwas gründlich schief gelaufen zu sein..... :twisted:

Herzliche Grüße

Bernd
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Ralf Gundlach

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Re: Deutschland 2018

BeitragSa 7. Nov 2020, 22:22

An der Ahr scheint der 2018er gut gelungen zu sein. Die Alkwerte befinden sich im normalen Fenster. Vielleicht sollte Grünhaus keinen Spätburgunder machen. Gute Winzer, die schon länger Rotwein machen, haben aus 2003 gelernt. Die wissen, wann man Spätburgunder liest. Grünhaus anscheinend nicht.

Gruß

Ralf
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Philst

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Re: Deutschland 2018

BeitragSa 7. Nov 2020, 22:34

Ralf Gundlach hat geschrieben:An der Ahr scheint der 2018er gut gelungen zu sein. Die Alkwerte befinden sich im normalen Fenster.

Gruß

Ralf


So habe ich es bei Hofschuster auch gelesen. Ich hatte bislang einen Spätburgunder Kalkmergel von Jülg positiv in Erinnerung behalten. Der war bei (wohl?) 13,5 % wirklich gut.

Bei 15,5 % Alkohol ist man bei einem Mostgewicht von über 110 Grad Oechsle. Da Grünhaus jetzt auch nicht für besonders alkoholhaltige Weine bekannt ist, weiß ich auch nicht wie das kommt. Zumal es ja wohl eine relativ kleine Spätburgunder-Parzelle ist, die sich recht schnell lesen lässt.
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