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Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

Berichte, Erfahrungen, Prophezeiungen
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EThC

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Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

BeitragMi 28. Dez 2016, 13:12

Was ich mich immer mal wieder angesichts der häufig prognostizierten Trinkfenster frage, ist, wie machen die das? Eine aktuelle Weinbewertung bzw. -beschreibung ist das eine, aber der Blick in die Zukunft setzt meiner Meinung nach eine Menge Wissen und Erfahrung voraus, wenn man solch eine Prognose einigermaßen belastbar abgibt. Daß die Trinkfensterprognosen auch und gerade von den Wein-Päpsten häufig extrem auseinander liegen bzw. von diesen selbst auch über die Jahre fast nach Belieben rauf und runter korrigiert werden, ist bekannt und will auch nicht so sehr thematisieren. Mich interessiert mehr, wie diejenigen, die solche Prognosen abgeben, letztlich zu den Zahlen kommen. Werden in die Überlegungen die harten Fakten wie die Gehalte an Alk, Säure, Zucker bzw. sonstige Merkmale des jeweiligen Tröpfchens mit in die Waagschale geworfen, inwieweit zählen (selbst) gemachte Erfahrungen mit anderen Weinen des jeweiligen Guts bzw. anderen Jahrgängen? Werden diese "harten Fakten" dann auch tatsächlich recherchiert, insbesondere wenn sie nicht auf dem Etikett dokumentiert sind? Oder sind die Zahlen eher "aus der Hüfte geschossen"? Wobei ich letzteres nicht selten vermute.

Angesichts z.B. der frühen Trinkbarkeit der 2015er GG's und der gleichzeitigen Prognose teils sehr weit reichender Zeitfenster komme ich da zumindest stark ins Grübeln. Jedenfalls fühle ich mich als blutiger Amateur mit gerade mal 25 Jahren Trinkerkarriere nicht in der Lage, solche Prognosen abzugeben, die ich dann auch verteidigen würde und könnte.

Also: wie macht ihr das?
Viele Grüße
Erich


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weingeist

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Re: Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

BeitragMi 28. Dez 2016, 13:48

Die Frage meinst Du jetzt aber nicht ganz ernst, oder?

Im Prinzip beantwortetst Du Dir alle Möglichkeiten eh schon selbst. Aber auch ich bewundere diese "Typen", die in die Zukunft (hier halt mit Flasche statt Glaskugel ;) ) schauen können, und das Ergebnis auch noch mit dem Brustton der Überzeugung publizieren.

Ich selbst notiere mir in meiner Kellerdatenbank auch "Trinkfenster", einfach um Weine nicht zu "übersehen". Weder nach wissenschaftlichen, noch nach analytischen Werten, einfach nach dem Bauchgefühl, nach dem Eindruck bei der Verkostung. Wobei einem Wachauer Smaragd sicher eine längere Lebensdauer zugestanden wird, als einem normalen Welschriesling (im Qualitätsweinbereich) aus dem Weinviertel. Und falsch liegen kann ich trotzdem in beiden Fällen. O.K. beim Welschriesling vielleicht nicht so sehr, aber bei einem Grünen Veltliner aus dem Weinviertel schon.
Liebe Grüße
weingeist
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EThC

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Re: Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

BeitragMi 28. Dez 2016, 15:20

weingeist hat geschrieben:Die Frage meinst Du jetzt aber nicht ganz ernst, oder?


Sagen wir mal "halbernst". Wobei: "ernst" ist das Thema Wein für mich eigentlich generell nicht. "Intensiv" vielleicht, letztlich will ich ja nur Spaß dabei haben.

Aber es interessiert mich tatsächlich, wie andere zu ihrer Meinung bezüglich des Trinkfensters kommen. Egal ob das nun zu 100 % aus dem Bauch kommt oder ob da andere mehr oder weniger objektive Fakten bzw. Überlegungen im Spiel sind. Von den berufsmäßigen Trinkfenster-Auguren werde ich hier mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Antwort finden, das ist mir schon klar...
Viele Grüße
Erich


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weingeist

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Re: Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

BeitragMi 28. Dez 2016, 17:34

Na gut, dann hab' ich ja im ersten Posting einmal einen Anfang gemacht. Schauen wir einmal, was da noch so alles kommen mag... :?:

"Trinkfenster-Auguren"....den Begriff muss ich mir merken :lol:
Liebe Grüße
weingeist
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nono

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Re: Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

BeitragMi 28. Dez 2016, 18:10

Persönliche Erfahrung lässt sich wohl nicht ersetzen, es hilft also nur älter werden und viel Wein trinken...
Von Analysewerten halte ich jedenfalls überhaupt nichts. Irgendwann stellt man dann fest was man mag, ich z.B. nicht : tertiäre Aromen, also trinke ich die meisten Weine tendenziell eher früher als viele andere Forumianer, deren Hinweise nach einigen Beiträgen meistens ganz gut einschätzbar sind..
Ausnahme: Gerbstoffbomben wie Cahors oder Madiran oder edelsüsse Weine wie Sauternes, die kriegen auch bei mir mindestens zehn bis fünfzehn Jahre
Damit dies meinerseits nicht nur allgemeines Gebrabbel wird:
Wenn ich abends Wein trinken will, mache ich die Flasche nachmittags auf, wenn der Wein schmeckt: Korken drauf ( das bisschen Sauerstoff schadet nicht ), wenn der Wein zu gerbstofflastig schmeckt oder fehlerhaft zu sein scheint: rein in die Karaffe.
Funktioniert manchmal ...
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thvins

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Re: Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

BeitragMi 28. Dez 2016, 18:12

Letztlich sind solche Sachen immer sehr schwer zu händeln, wenn, dann geht nur das Abgleichen des Neuen mit dem bereits bekannten - und auch da bleibt es in aller Regel bei Vermutungen.

Beispiel Priorat 2005 hat zur Fira im Mai 2007 wunderbar gemundet - da waren viele Weine wie üblich erst kurz vor der Abfüllung. Ende des Jahres nach der Abfüllung kam dann schnell der Verschluß der Weine, der Begriff "Arbeitsprobe" ward geboren. 2015 dann sehr viel Spaß bei entsprechender Belüftung... Nachdem sich nun 2010 und 2013 jung ähnlich verhalten haben wie 2005 damals, hab ich dann auch gesagt "Keine Angt, die kommen wieder! Aber Geduld mitbringen - u.U. eben ähnlich wie bei 2005..." Manche Szenarien wiederholen sich, daraus könnte man denn ableiten. Und dennoch immer wieder neu hinzulernen. Aber wenn, dann traue ich mir so was auch maximal für das Spezialgebiet zu.

Wenn mich aber jemand fragt, wie alt können die Roten aus der Amphore werden, dann zucke ich noch mit den Schultern. Gänzlich neues Thema eben. Irgendwer muss dann über die Jahre die Probe aufs Exempel machen und so was studieren. Hat man Vergleichmöglichkeiten auf den Lippen, kann man sich aus dem Fenster lehnen...

Aus der Theorie irgendwelcher Analysewerte leite ich aber nichts ab. Der Vergleich von Wetterverläufen wäre zwar vorstellbar, aber darauf allein reduziert es sich sicher eher nicht.
Beste Grüße

Torsten

http://www.torsten-hammer-priorat-guide.com
jetzt mit richtiger Startseite...
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Jürgen

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Re: Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

BeitragMi 28. Dez 2016, 18:48

Ich möchte behaupten, daß über Erfahrung bei der Einschätzung von Trinkfensterprognosen nichts geht und dann trotzdem noch Enttäuschungen passieren.

Die Trinkfensterprognosen von Vinum kann man übrigens getrost in die Tonne kloppen.
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baboon

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Re: Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

BeitragMo 2. Jan 2017, 14:55

Ich habe in meiner Kellertabelle eine Spalte mit dem Titel "Trinken ab..." - damit trage ich der Verschlussphase bzw. der Entwicklungsphase Rechnung, die komplexere Weine haben.
Einfache Weine bekommen immer direkt das aktuelle Jahr eingetragen, etwas "bessere" Weißweine +2 Jahre, weiße GG's o.ä. +4 Jahre - bei Rotweinen kommt es drauf an, wie komplex die Aromatik, und wie gut die Aromen sich schon vereint haben. Letztendlich hilft aber wohl doch nur Erfahrung, und dass mein System nicht 100%ig funktioniert habe ich erst zwischen den Jahren wieder erfahren müssen - der Chardonnay steckte glaube ich noch zu sehr in den Kinderschuhen, obwohl er ein 2012er Jahrgang war. (oder Rebholz hat einen wirklich erstaunlich nichtssagenden Chardonnay R in die Flasche gezaubert)

Gruß,
Fabian
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Moselglück

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Re: Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

BeitragMo 2. Jan 2017, 15:27

Kürzlich sagte mir ein Moselwinzer, das er pauschal erstmal alle Weine 2-5 Jahre weg legt und erst dann trinkt :?:
Ich würde es selber auch gerne einschätzen können :shock:

Gruß und bitte noch mehr Infos dazu :D

Daniel
Bild ...Medizin für Feinschmecker! :D
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Gerald

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Re: Trinkfensterprognosen - wie macht ihr das?

BeitragMo 2. Jan 2017, 16:05

Ich kann nur für mich sagen, dass ich weiß - frei nach Sokrates - dass ich keine Idee habe, wie man eine halbwegs zuverlässige Prognose machen könnte. Die häufig genannten Faktoren wie Alkoholgehalt, Säure, Restzucker etc. sind meiner Meinung nach dafür jedenfalls kein Maßstab.

Meiner Ansicht nach haben aber auch die Profis damit gröbere Schwierigkeiten (auch wenn viele von ihnen das nicht wahrhaben wollen ;) ). Man braucht nur einen sagen wir 10 Jahre alten Weinguide zur Hand nehmen und die dort abgegebenen Prognosen mit der Realität vergleichen.

Besonders merkwürdig ist, dass vielfach die empfundene Qualität des Weins zum Verkostungszeitpunkt als Indikator für die Lagerfähigkeit herangezogen wird (euphorische Beschreibung + viele Punkte => langes Trinkfenster). Das scheint mir allerdings weder theoretisch plausibel noch stimmt es mit meiner eigenen Erfahrung überein.

Meine Favoriten sind jedenfalls die Verkostungsnotizen, wo der Autor dann Zeitspannen z.B. "bis 2100" oder ähnlich angibt. Sein Vorteil dabei: niemand von uns wird überprüfen können, ob er Recht gehabt hat oder nicht. :D

Grüße,
Gerald
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