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Österreich 2016

Berichte, Erfahrungen, Prophezeiungen
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Gerald

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Österreich 2016

BeitragFr 29. Apr 2016, 08:33

Das neue Jahr hat leider nicht allzu gut begonnen: der arktische Kaltlufteinbruch dieser Woche hat bei klaren Nächten zu deutlichen Minusgraden in vielen Weinbaugebieten geführt, es dürften vor allem in der Steiermark, Mittel- und Südburgenland erhebliche Schäden aufgetreten sein. Die Vegetation war aufgrund des milden Winters deutlich weiter entwickelt als sonst zu dieser Zeit, man muss die Kälte also mit Spätfrösten Mitte/Ende Mai vergleichen.

Schlimmer hat es aber noch die Obstkulturen (Äpfel, Kirschen etc.) vor allem in der Steiermark erwischt, hier sind großflächig Totalausfälle zu befürchten. :(

Niederösterreich (z.B. das Weinviertel) ist auch betroffen, aber wahrscheinlich nicht ganz so massiv.

http://www.kleinezeitung.at/s/steiermar ... wirtschaft

http://burgenland.orf.at/news/stories/2771038/

http://burgenland.orf.at/news/stories/2771239/

Grüße,
Gerald
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austria_traveller

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Re: Österreich 2016

BeitragFr 29. Apr 2016, 08:49

wundert mich nicht.
Hatten wir doch die letzten 3 Tage in Wien Temperaturen um -1 Grad, heute sogar -2 Grad in der Früh.
Meine Marillen werde ich mir wohl für heuer aufzeichnen können :? ; schade so voll war unser Baum davon.
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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weingeist

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Re: Österreich 2016

BeitragFr 29. Apr 2016, 12:41

Nachdem ich mich morgen in der Wachau "herumtreiben" werde, höre ich zu diesem Thema sicher auch einige Stimmen. Schauen wir einmal, was die Winzer dazu sagen. Wenn es interessant ist, gebe ich es gerne wieder.
Liebe Grüße
weingeist
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Gerald

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Re: Österreich 2016

BeitragFr 29. Apr 2016, 13:16

Der Falstaff hat auch dazu berichtet: http://www.falstaff.at/nd/zweite-frostn ... rzweifeln/

Offenbar - was bei dem großen Kaltluftvorstoß ja nicht wundert - sind teilweise auch Weinbaugebiete anderer Länder betroffen (Italien, Schweiz, Deutschland, Frankreich).

Grüße,
Gerald
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Blaufränkisch

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Re: Österreich 2016

BeitragFr 29. Apr 2016, 22:54

Auch wenn man noch keinen vollständigen Überblick haben kann, läßt sich sagen, dass es in fast allen österreichischen Weinbaugebieten ziemlich schlimm aussieht. Bei mir ist etwa ein Drittel der Flächen zur gänze erfroren (d.h. die Triebe sind alle kaputt und die nachwachsenden Triebe werden nur sehr wenige Trauben tragen), mehr als ein Drittel hat deutliche Schäden und weniger als ein Drittel meiner Weingärten ist halbwegs unversehrt.

Aus dem Seewinkel hört bzw. liest man z.B. bei Pepi Umathum oder Franz Schneider von 100% Schaden. Das Mittelburgenland hat es nicht ganz so schlimm, aber auch sehr, sehr stark erwischt, und das Südburgenland ebenso.

Aus der gesamten Steiermark gibt es jede Menge Schadensmeldungen, ebenso aus den meisten Gebieten Niederösterreichs und aus Wien. Wie es scheint, sind größere Teile des Weinviertels bis Donnerstag halbwegs verschont geblieben, aber zumindest in Mailberg hatte es heute in der Früh minus 3 Grad...

Das wird österreichweit eine der kleinsten Ernten überhaupt.
Hier gibts mehr von mir zu lesen: www.bernhard-fiedler.at
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Gerald

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Re: Österreich 2016

BeitragSa 30. Apr 2016, 07:40

Kamptal und auch Wachau dürften ziemlich stark betroffen sein:

http://noe.orf.at/news/stories/2771605/

Meine Pergolarebe hat trotz -1,8 °C gestern früh offenbar keine Schäden davongetragen - vielleicht da die Austriebe aufgrund der Pergola in 2,5 m Höhe sind und daher von bodennaher Kaltluft etwas geschützt waren? Kann es sein, dass niedrige Erziehungsformen besonders gefährdet für Spätfröste sind?

Grüße,
Gerald
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Muellimov

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Re: Österreich 2016

BeitragSa 30. Apr 2016, 10:06

Hallo Gerald,

Ja, das ist so. Aus diesem Grund zeigen spezialisierte Agrarwetterberichte auch immer die Bodentemperatur (bzw. die Temperatur 5 cm darüber) auf.

Bspw. hier, bitte noch eine passende PLZ bzw. Gemeinde eingeben:
http://www.proplanta.de/Agrar-Wetter/Deutschland/ (Österreich kann man ebenfalls wählen).

Die Temperaturen, die in den normalen Wetterberichten angegeben werden, beziehen sich im Regelfall auf eine Höhe von 150 bis 200 cm über dem Boden. Wie man auf den Proplanta-Seiten erkennen kann, weisen die Temperaturen zwischen Normalhöhe und Bodenhöhe einen Unterschied von mehreren Grad auf. Ich habe mal exemplarisch mir die Temperaturverläufe von Bernkastel-Kues von heute angeschaut. Da waren in der Nacht die Temperaturen 5 cm über dem Boden um 3 Grad Celsius niedriger als auf normaler Messhöhe.
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Gerald

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Re: Österreich 2016

BeitragSa 30. Apr 2016, 10:24

Ja, die Sache mit der 5 cm - Messung ist mir bekannt. Offizielle Wetterstationen zumindest in Österreich haben die Temperaturmessung in 2 m, für viele Geräte gibt es Zusatzsensoren für eine 5 cm - Messung.

Habe selbst interessehalber bei mir im Hof 3 Thermometer (einfache analoge) montiert, einmal in 5 cm, einmal in 1 m und einmal in 2 m. Merkwürdigerweise ist bei mir die 5 cm - Messung immer mehrere Grad höher als in 1 bzw. 2 m, auch in typischen Strahlungsnächten (windstill und klarer Himmel), was ich mit dem vergleichsweise warmen Boden (der sich ja am Tag zuvor erwärmt hat) in Zusammenhang bringen würde. Natürlich habe ich an dieser Stelle Betonsteine (nicht Erde), vielleicht macht deren Wärmekapazität den Unterschied aus?

Auf jeden Fall sind hier Hanglagen eindeutig bevorzugt, Weinreben im Flachland oder gar in Senken sind naturgemäß stärker gefährdet. Wird also schon einen Grund haben, warum man traditionell von einem Weinberg spricht ...

Grüße,
Gerald
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weingeist

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Re: Österreich 2016

BeitragSo 1. Mai 2016, 09:00

Bernhard hat die Lage ja bereits sehr gut beschrieben, unser Bekannter, der gestern mit in der Wachau war, selbst in der Gegend um Eisenstadt wohnt, Freitag abend noch in den Weingärten unterwegs war, hat ziemlich genau das gleiche geschildert. Großflächige Frostschäden, wohin man schaut.

Den Winzern in der Wachau geht es jedenfalls nicht besser. Teilweise kamen ( von Winzern, die wir schon länger kennen) sehr emotionale Antworten, wobei halt immer auch mitklang, dass man es nicht ändern kann und darauf hoffen muss, was sich jetzt am Stock noch tun wird. Unisono wurde auch immer wieder der Jahrgang 2014 angesprochen, der ziemlich nachwirken dürfte und heuer jetzt dieses Klimaproblem.

Was ebenfalls alle Wachauer Winzer feststellten war die Tatsache, dass diesmal nicht nur die frostgefährdeten Tallagen betroffen waren, sondern sich die Frostschäden genauso in die guten Steillagen hinauf ausgebreitet haben (was bis dato eher selten der Fall war). Originalzitat eines jungen Winzers in einem „Leitbetrieb“ der Wachau „Ich hätte lieber 100% Ausfall in unseren Tallagen gehabt, als überall, auch in den teuren Steillagen, kontinuierliche 60%“

Ach ja, Feuer wurden ebenfalls angezündet, manche Winzer sprachen von fünf Stunden Schlaf in den letzten drei Tagen. Über den Erfolg der Feuer waren sich aber auch alle einig „es war eine Gewissenberuhigung, es war besser als daheim zu sitzen, gebracht hat’s aber nicht wirklich etwas“.
Liebe Grüße
weingeist
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Gerald

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Re: Österreich 2016

BeitragSo 1. Mai 2016, 09:46

Was ebenfalls alle Wachauer Winzer feststellten war die Tatsache, dass diesmal nicht nur die frostgefährdeten Tallagen betroffen waren, sondern sich die Frostschäden genauso in die guten Steillagen hinauf ausgebreitet haben (was bis dato eher selten der Fall war).


das muss die Nacht von Mo auf Di gewesen sein, wo es Wind gegeben hat und die Kälte damit auch über die Hänge verteilt wurde (statt nur wie sonst in die Bodenlagen abzusinken). Tatsächlich um diese Jahreszeit ziemlich ungewöhnlich ...

Grüße,
Gerald
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