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Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

Berichte, Erfahrungen, Prophezeiungen
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innauen

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Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

BeitragMi 21. Okt 2015, 22:02

Hallo,

der Jahrgang wirft erste Schatten voraus. Der Sommer war warm, die Alkoholwerte in den Weinen hoch und alle zeigen sich begeistert. Man kann es an den Äußerungen der Produzenten ablesen.

Denis Durantou von Château L’Eglise Clinet 2015 will probably offered great wines!

Jens Priewe hat hier zwei Interviews hinterlegt, die der eng­li­sche Jour­na­list And­rew Black mit Pierre Lur­ton (Che­val Blanc) und Pau­line Vaut­hier (Ausone) geführt hat: http://www.weinkenner.de/2015/deutungsversuch-bordeaux-2015-gross-oder-nur-gut-37963/

Nach zehn Jahren Subskriptionserlebnissen meine ich, dass mir ein Muster der Argumentation bekannt vorkommt. Der Markt wird schon jetzt gemacht. Ist es ein gutes Jahr und ziehen die Produzenten Vergleiche mit 2005, 2009, 2010 oder einem anderen Fabeljahr ist das schon ein Hinweis auf den Preis. Unter den Tarifen der Vergleichsjahre kann man dann nach dem eigenen Selbstverständnis eigentlich kaum mehr bleiben. Und die Tatsache, dass noch viel unverkauftes aus 2011 und 2014 in den Lagern liegt, ist kein Argument GEGEN sondern FÜR hohe Preise. Denn verkauft man den nächsten Jahrgang unter dem Marktniveau der schlechteren Jahre, wird man die ja erst recht nicht mehr los.

Wo das alles endet? Ich weiß es nicht. Muss ich ja auch nicht. 8-) Ich muss ja nur überzeugt werden, zum ersten Mal seit 2010 wieder nennenswert zu subskribieren. :geek:

Grüße,

Wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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harti

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Re: Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

BeitragDo 22. Okt 2015, 09:50

Hallo Wolf,

nach meinem Aussetzer in diesem Jahr freue ich mich, die Primeur-Kampagne 2015 wieder vor Ort miterleben zu können. Ich bin schon gespannt, welche Argumente dieses Mal für einen deutlichen Anstieg der Preise vorgetragen werden ;) .

Grüße

Hartmut
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la-vita

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Re: Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

BeitragDo 22. Okt 2015, 22:25

Ich hab so meine Zweifel ob diese Kampagne bzw. Bordeaux überhaupt nochmal an die damaligen Hypes um 2005,2009 u. 2010 anknüpfen kann. Dafür sind die meisten Normalverdiener durch die Preiserhöhungen mittlerweile sturmreif geschossen worden. Was mich reizen würde ist mittlerweile in der Preisklasse über 30,- Euro "verschwunden". Da hört bei mir einfach das Interesse auf. Ich denke, dass aus diesem Grund das Thema Bordeaux in diesem Forum immer mehr an Interesse verlieren wird. Schade :( .

Gruß
Detlef
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Rotundweiss

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Re: Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

BeitragFr 23. Okt 2015, 06:10

Hallo zusammen,

ein neuer Jahrgang kommt, vermutlich ein ganz brauchbarer....und bevor auch nur Irgendjemand nur einen Wein probieren konnte, wird (wie all die Jahre) hier erstmal wieder ne Preisdebatte angezettelt. Na klar, manch klassifiziertes Gewächs hat sich längst über die Jahre aus dem auch für mich akzeptablen Preirahmen gebeamt.
Dennoch habe ich für mich das Gefühl, in den letzten 10 Jahren für meinen Einsatz (max € 60) eher bessere als schwächere Qualitäten eingelagert zu haben. Die Etiketten sind halt andere, mir doch Wurscht, das Einzige was zählt ist aufem Platz...äääh sorry...im Glas. Freue mich also auf einen hoffentlich interessanten Jahrgang und schmunzle über das Gestöhne derjenigen, die BDX grundsätzlich für masslos überteuert halten...und dennoch kaufen ;) .
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Desmirail

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Re: Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

BeitragFr 23. Okt 2015, 08:23

Ich kann das gejammere um die hohen Preise auch nicht verstehen und auch nicht merhr hören. Wer meint er muß und/oder kann >80 Euro pro Pulle ausgeben, der soll das tun und nicht jammern :!: :!: :!:

Ich bin inzwischen ein großer Freund der bürgerlichen Gewächse geworden. Da bekomme ich Bordeaux wie ich ihn mag und auf einem Niveau das den Hochgewächsen ähnlich ist aber nicht überteuert bezahlt werden muss weil die Flaschen nicht "sexy" sind (mit einer sexy Flasche im Bett ... auch 'ne komische Vorstellung!).

Außerdem muss ich nicht mehr 25 Jahre warten bis ich die erste Flasche mit ausgereiften Tanninen zum vollen Genuss öffnen kann, welche ich dann, vermutlich aufgrund von Kraftmangel, sowieso von meiner Pflegekraft öffnen lassen muss. Vermutlich trinke ich dann den Wein auch aus einem Schnabel-Gabriel-Glas und mein Gebiss fällt mir dabei immer raus weil die teuer berechnete Biegung des Kristall-Schnabel-Gabriel-Glas nicht zu meinem zentraleuropäischem Gaumen passt und außerdem hat mein Geschmackssinn schon nachgelassen, so dass ich nicht mehr die subtielen quartär, holozän und pleistozähen Aromen schmecke und ach was weiß ich ... :lol: :lol: :lol:
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Deep And House
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Rotundweiss

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Re: Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

BeitragFr 23. Okt 2015, 16:03

@ Manuel: Geiler Beitrag... :D ...sehe es auch mit Humor und kaufe seit einigen Jahren öfter bürgerliche Pullen aus ordentlichen Jahrgängen. Was mir da für < 20 Öcken schon in´s Glas gekommen ist, hat bei so einigen Blindverkostungen dazu geführt, dass teilnehmende Weinfreunde es nicht glauben konnten, dass BDX so preiswert sein kann. Wer natürlich an seinen über die Jahre liebgewonnenen klassifizierten Etiketten festhalten möchte, sollte das Aushalten von Schmerzen schon abkönnen. Komisch nur, dass über die hohen Preise ausgezeichneter und/oder seltener Kalifornier, Burgunder, Toskaner etc. selten gejammert wird...man gönnt sie sich, falls man sie sich leisten kann/möchte oder sucht halt nach Alternativen. Und die gibt´s in BDX aus meiner Sicht so zahlreich wie nirgenwo anders.

Viele Grüße, Georg
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harti

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Re: Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

BeitragFr 23. Okt 2015, 16:16

Rotundweiss hat geschrieben:@ Manuel: Geiler Beitrag... :D ...sehe es auch mit Humor und kaufe seit einigen Jahren öfter bürgerliche Pullen aus ordentlichen Jahrgängen. Was mir da für < 20 Öcken schon in´s Glas gekommen ist, hat bei so einigen Blindverkostungen dazu geführt, dass teilnehmende Weinfreunde es nicht glauben konnten, dass BDX so preiswert sein kann. Wer natürlich an seinen über die Jahre liebgewonnenen klassifizierten Etiketten festhalten möchte, sollte das Aushalten von Schmerzen schon abkönnen. Komisch nur, dass über die hohen Preise ausgezeichneter und/oder seltener Kalifornier, Burgunder, Toskaner etc. selten gejammert wird...man gönnt sie sich, falls man sie sich leisten kann/möchte oder sucht halt nach Alternativen. Und die gibt´s in BDX aus meiner Sicht so zahlreich wie nirgenwo anders.

Viele Grüße, Georg

Hallo Georg,

in einigen Punkten stimme ich Dir zu.

Nur: Den Geschmack von guten Pauillac, Pessac oder Pomerol (meine Lieblings-Appellationen) finde ich nun mal nicht in einem Poujeaux, Rollan de By, Sénéjac oder was weiß ich. Grüne Lese, Ultraselektion und 100 % Barrique können das Terroir nicht ersetzen. Das hat mit Klassifikation zunächst einmal gar nichts zu tun. Ich habe den Keller voll von den ach so tollen Cru Bourgeois, aber die schmecken leider ganz anders als eine Comtesse, eine Conseillante oder ein Haut Brion. Wenn ich ehrlich bin, ich trinke lieber alle paar Monate mal einen richtig guten Bordeaux als regelmäßig eine billige Kopie. Im Preisbereich der teureren Cru Bourgeois oder der preiswerten klassifizierten Gewächse gibt es in anderen Ländern und Regionen für mich inzwischen deutlich interessantere Weine.

Grüße

Hartmut
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innauen

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Re: Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

BeitragFr 23. Okt 2015, 19:31

Hallo,

nach zwanzig Jahren Trinkerfahrung traue ich mich zu sagen: Ein guter Cru Bourgeois schmeckt einfach wie ein guter Haut Medoc, Medoc oder Moulis. Aber eben leider nicht wie ein guter Paulliac. Da hat harti leider Recht. Es gibt nur noch sehr wenige bürgerliche Gewächse aus den zentralen Appellationen und die sind auch schon lange hinter der 20 Euro Schallmauer verschwunden, wie Gloria oder Meyney.

Andererseits scheint auch niemand Probleme damit zu haben 30 Euro für deutschen Spätburgunder aus Einzellagen auszugeben.

Grüße,

wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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Rotundweiss

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Re: Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

BeitragSa 24. Okt 2015, 08:27

harti hat geschrieben:Hallo Georg,

in einigen Punkten stimme ich Dir zu.

Nur: Den Geschmack von guten Pauillac, Pessac oder Pomerol (meine Lieblings-Appellationen) finde ich nun mal nicht in einem Poujeaux, Rollan de By, Sénéjac oder was weiß ich. Grüne Lese, Ultraselektion und 100 % Barrique können das Terroir nicht ersetzen. Das hat mit Klassifikation zunächst einmal gar nichts zu tun. Ich habe den Keller voll von den ach so tollen Cru Bourgeois, aber die schmecken leider ganz anders als eine Comtesse, eine Conseillante oder ein Haut Brion. Wenn ich ehrlich bin, ich trinke lieber alle paar Monate mal einen richtig guten Bordeaux als regelmäßig eine billige Kopie. Im Preisbereich der teureren Cru Bourgeois oder der preiswerten klassifizierten Gewächse gibt es in anderen Ländern und Regionen für mich inzwischen deutlich interessantere Weine.

Grüße

Hartmut



Hallo Hartmut,

schon klar, ich breche auch grundsätzlich keine Lanze für die bürgerlichen Gewächse in Bezug auf Vergleichbarkeit mit z.B. gutem Pauillac. Da geht schon noch ein wenig mehr...eher wehre ich mich gegen die Pauschalaussage, dass BDX doch ach so teuer geworden sei...mag für manches Gewächs, was man sich mal leisten konnte/wollte, zutreffen, stelle ich aber das gros der Weine in einen Preis- Genusskontext, sind meine Empfindungen halt andere.
Bleiben wir bei Pauillac: Für unter € 35 gab´s in der Subse aus den sicherlich teuren wie vermutlich ausgezeichneten Jahren 2009/10 Batailley, Haut Bages Liberal, Haut Batailley. Ob diese in Jahren dann mit einer ordentlichen Comtesse vergleichbar sein werden, wage ich nicht zu beurteilen...hohen Genuss für relativ wenig Einsatz versprechen sie aber in jedem Fall. Soll´s dann ein wenig mehr sein, dürfte für den knapp doppelten Obulus Gran Puy Lacoste eine gute Wahl gewesen sein. Für eine Gazin 2009 wurden € 60 aufgerufen, vermutlich hat man in Pomerol solch hohe Qualität auch in vorherigen Dekaden nicht günstiger bekommen. Hat man natürlich über die Jahre die von dir genannten Etiketten kennengelernt, kann ich schon nachvollziehen, dass sich diese inzwischen weit aus jedem akzeptablen Preisniveau katapultiert haben.

P.S.: Interessantere Alternativen aus anderen Ländern/Regionen im Vergleich zu teureren C.B./preisw. klass.BDX
kenne ich z.Z. nicht. Da ich deine zahlreich gelesenen Statements zu gutem Wein sehr schätze, würde ich mich
über einen Tip per PM sehr freuen.

Viele Grüße, Georg
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UlliB

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Re: Bordeaux 2015 - fettes Jahr, fette Preise?

BeitragSa 24. Okt 2015, 17:19

Rotundweiss hat geschrieben:....und bevor auch nur Irgendjemand nur einen Wein probieren konnte, wird (wie all die Jahre) hier erstmal wieder ne Preisdebatte angezettelt.

Richtig - wie an anderer Stelle schon angemerkt, ist eine Diskussion über Bordeaux ohne eine zeitgleiche Diskussion über Preise nicht mehr möglich. Das ist jetzt nunmal so, und wenn der Wein dabei sehr häufig hinter seinen Preis zurücktritt, ist das eben auch so. Es bleibt immer noch ein Phänomen, dass andere Gebiete mit wesentlich dramatischeren Preisentwicklungen (Burgund !) das bislang vermeiden konnten, aber im Ergebnis ist es egal.

Ansonsten sehe ich es wie Hartmut: die zweite Liga kann nicht die erste ersetzen. Das ist hier nicht anders als sonstwo. Aber dass die zweite Liga in den letzten drei Jahrzehnten qualitativ enorm zugelegt hat und heute häufig dem entspricht, was die erste Liga vor 25 Jahren produziert hat, und dabei auch im internationalen Quervergleich preislich absolut kompetitiv ist, wird völlig ausgeblendet.

Denn Bordeaux ist in der allgemeinen Wahrnehmung vor allem anderen eins: zu teuer. Womit wir wieder am Ausgangspunkt der Diskussion sind: Bordeaux und Preise - ein untrennbares Paar :twisted:

Gruß
Ulli
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