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Deutschland 2013

Berichte, Erfahrungen, Prophezeiungen
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Bernd Schulz

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Re: Deutschland 2013

BeitragMo 31. Mär 2014, 13:25

Dadurch ist auch ein "schwächerer" Jahrgang der innerhalb dieses Zeitraums entstanden ist, meist um Klassen besser als sagen wir mal so alle Jahrgänge 80er bis späte 90er.


Michael, wenn du "alle Jahrgänge späte 70er bis späte 80er" geschrieben hättest, würde ich dir bedingungslos zustimmen! Die frühen und mittleren 90er hingegen halte ich im Nachhinein - von 1991 abgesehen - für eine Art goldenes Zeitalter des deutschen Weinbaus, zumindestens im M-S-R-Gebiet.

Insgesamt hielte ich es für besser, sich zum Thema Jahrgangsqualität erst 2 Jahre nach der Ernte zu äußern


Meinetwegen anderthalb Jahre nach der Ernte - aber eben nicht 5 Monate danach, wenn gerade mal ein Teil der Weine überhaupt eine Flasche gesehen hat.

aber worüber sollte man in der Zwischenzeit streiten


:lol: :twisted: :lol:

Viele Grüße

Bernd
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MichaelWagner

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Re: Deutschland 2013

BeitragMo 31. Mär 2014, 13:55

OK Bernd - in den frühen 90ern war ich noch nicht volljährig und durfte noch nicht probieren - dann gebe ich Dir mal recht :)
wenns läuft, dann läufts. Aber bis es läuft, dauerts...
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innauen

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Re: Deutschland 2013

BeitragMo 31. Mär 2014, 18:16

MichaelWagner hat geschrieben:
Insgesamt hielte ich es für besser, sich zum Thema Jahrgangsqualität erst 2 Jahre nach der Ernte zu äußern - aber worüber sollte man in der Zwischenzeit streiten :)

Gruß, Michael


Und was sollte man dann noch verkosten? Die Weine werden dann schon weg sein ;-)
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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Blaufränkisch

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Re: Deutschland 2013

BeitragMo 31. Mär 2014, 18:25

Hallo Ollie,

könntest du mir vielleicht bei Gelegenheit erläutern, was du mit der "österreichischen Krankheit" meinst? Muß ich mir sorgen machen :o

Was sich allerdings in den letzten 15 Jahren ein paar Mal geaendert hat, ist der Stil besonders der trockenen Rieslinge (und demnaechst auch der Spaerburgunder). Hier kommt es im Laufe der Zeit zu Nachwirkungen, weil sich erst mit Verzoegerung manifestieren ("oesterreichische Krankheit"). 2005 ist das beste Beispiel dafuer.


BTW: Ich würde auch meine, dass es keine zwei Jahre braucht, um die Qualität eines Jahrgangs einschätzen zu können. Fürs Detailurteil meinetwegen, also ob jetzt er jetzt um einen Hauch besser oder einen Hauch schwächer ist, als Jahrgang xy. Aber ob man sich relativ weit oben bewegt, im soliden Mittelfeld oder doch eher im schwierigen Bereich sollte man zumindest als Winzer im Frühjahr nach der Ernte einschätzen können. Mit Erfahrung und/oder entsprechenden Überlieferungen sollte es anhand des Witterungsverlaufes, der Mostqualitäten und der Verkostungseindrücke der (Jung-)Weine möglich sein, halbwegs treffsichere Vergleiche zu anderen Jahrgängen und deren Qualität, Stil und späterer Entwicklung zu ziehen.

Grüße

Bernhard
Hier gibts mehr von mir zu lesen: www.bernhard-fiedler.at
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Ollie

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Re: Deutschland 2013

BeitragMo 31. Mär 2014, 19:40

Michael, Bernd,

es geht mir ja nicht darum, im Januar ein abschliessendes Urteil ueber einen Jahrgang zu treffen, aber mehr als nur grob geben die kleinen Weine im Fruehjahr (April/Mai) die Richtung, in die die grossen Weine im Herbst gehen, schon. Mit etwas Erfahrung kann man recht brauchbare Einschaetzungen vornehmen. Oder, andersherum, ich bin imstande, fuer mich brauchbare Einschaetzungen vorzunehmen.

Das ist nun aber auch nicht so schwer. Die allermeisten Jahrgaenge sind ziemlich normal und (bei meinen Winzern) mindestens solide (von Aenderungen in Stil und Weinbereitung mal abgesehen). Nach dem Motto: Das Wetter wird morgen so, wie es heute war. (Achtet mal drauf, diese Aussage stimmt fast immer.) Grobe Ausreisser kuendigen sich fruehzeitig an (2003, 2006), und nur in einem von zehn Jahren verschaetzt man sich bzw. ich mich (2008). Der Rest geht im Meinungsrausschen unter (einige bevorzugen 09,11, einige 10,12 usw.).

Abschliessend wuerde ich einem Jahrgang auch erst nach einigen Jahren. Aber dann hat's sich's ja eh so ausdifferenziert, dass man bestenfall zu dem Schluss kommt, dass "Jahrgangsqualitaet" eine eher aussagelose Messgroesse ist (s.a. gute Flaschen vs. gute Weine usw.).

Irgendwelche Schreiberlinge, die von ihren Meinungen leben, muessen natuerlich gleich losbloeken, und zwar je frueher, desto laut. Aber das ist lediglich der Aufmerksamkeitsoekonomie geschuldet. Dass es ausgerechnet Klimek ist, der bloekt, ist also nicht weiter verwunderlich, oder?


Bernhard,

mit "oesterreichische Krankheit" meine ich in diesem Zusammenhang hier diese seltsame Allianz von vorherrschendem Weinstil und vorherrschender Meinung der Weinjournaille. Na, vielleicht nicht Allianz, aber doch sehr starke Gleichphasigkeit. Dabeikommt es gelegentlich zu Wachauer Smaragden und anderen Resonanzkatastrophen, bei denen Weine entstehen, die sich nicht ganz so toll entwickeln, wie man das anfangs gehofft oder geglaubt hatte. (Bei Rotweinen nennt man das Phaenomen "Parkerisierung", bei trockenen Rieslingen aus Deutschland "Hofschusterisierung". :mrgreen:)

Cheers,
Ollie
Die Erde ist flach, und wir leben auf ihrer Innenseite.
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Bernd Schulz

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Re: Deutschland 2013

BeitragMo 31. Mär 2014, 20:16

es geht mir ja nicht darum, im Januar ein abschliessendes Urteil ueber einen Jahrgang zu treffen, aber mehr als nur grob geben die kleinen Weine im Fruehjahr (April/Mai) die Richtung, in die die grossen Weine im Herbst gehen, schon. Mit etwas Erfahrung kann man recht brauchbare Einschaetzungen vornehmen. Oder, andersherum, ich bin imstande, fuer mich brauchbare Einschaetzungen vorzunehmen.


Ja, mag sein. Ich habe allerdings den Ehrgeiz, möglichst frühe Einschätzungen vorzunehmen, auch gar nicht mehr. Die rasch in die Flasche gekommenen Rieslinge, die sich schon im März auf der ProWein in einem präsentablen und nicht mehr füllkranken Zustand befinden, sind eh meistens in einer für mich eher uninteressanten Stilistik gehalten. Und ich habe auch keine besondere Angst, später den Hastenichtgesehenmussteunbedingtgetrunkenhaben zu verpassen. Auf jeden Wein, den ich mir nicht kaufen kann, kommen übergenug Alternativen - mein Keller ist eh zu klein und meine Leber zu schwach. Sprich: Ich habe Zeit, richtig viel Zeit, um mir meine Meinung über einen Jahrgang zu bilden.

Viele Grüße

Bernd
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UlliB

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Re: Deutschland 2013

BeitragMo 31. Mär 2014, 21:12

Gewissermaßen die Kehrseite der von Stephan beklagten "Jahrgangspauschaliererei" ist die von manchen Händlern propagierte Meinung, dass der Jahrgang so gut wie gar keine Bedeutung mehr hat.

Die einfachste Variante ist die, ganz einfach jeden Jahrgang als besser als seinen jeweiligen Vorgänger zu bezeichnen, worauf man dann auch gleich das Argument dafür hat, dass der aktuell beworbene Wein "der beste jemals erzeugte XY" ist. Diese Methode wird z.B. von einem nicht ganz unbekanntem Händler aus dem fernen Westen der Republik kontinuerlich verfolgt. An und für sich müsste das Vorgehen auf längere Sicht zu einer Glaubwürdigkeitskrise führen - die Tatsache jedoch, dass die Kunden diese Masche offensichtlich seit vielen Jahren "fressen", spricht dafür, dass auch eine dämlich gestrickte Werbemethode durchaus ihre Klientel findet :mrgreen:

Etwas subtiler ist die Methode einiger Händler, zuzugeben, dass in bestimmten Jahren die äußeren Bedingungen nicht so ganz einfach waren, aber dabei darauf hinzuweisen, dass ihre (und nur ihre) jeweiligen Winzer auf Grund perfekter Weinbergsarbeit, gnadenloser Selektion und gerade dem richtigen Maß an kontrolliertem Nichtstun im Keller den widrigen Umständen getrotzt haben und (mal wieder) einen großen Wein in die Flasche gezaubert haben. Das ist schon etwas subtiler als Variante 1.

Und schließlich gibt es natürlich noch die Variante für die echten Kenner. Der Händler, der diese beliefern möchte, bestreitet überhaupt nicht, dass es erhebliche stilistische Jahrgangsunterschiede gibt. Aber seinen Winzern gelingt es jedes Jahr, das Terroir im exakten Kontext der jeweiligen Jahrgangsbedingungen perfekt herauszuarbeiten, wodurch der echte Kenner die Freude hat, die göttliche Kontinuität des Terrois vor dem Hintergrund der natürlichen Variabilität der Jahrgänge erkennen zu können. Das erweitert den Anspruch von Kategorie 2 in nicht unerheblichem Umfang und dürfte bei der ins Auge gefassten Zielgruppe gut verfangen.

Alle drei Kategorien blenden aus, dass es tatsächlich gute und weniger gute Jahrgänge gibt, und sich kein Winzer wirklich schlechten äußeren Bedingungen vollständig entziehen kann, was man den Weinen am Ende auch deutlich anmerkt.

Dass man mitunter nicht sofort erkennen kann, welche Qualitäten ein Jahrgang hat (und welche nicht), ist davon unbenommen.

Gruß
Ulli
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octopussy

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Re: Deutschland 2013

BeitragMi 2. Apr 2014, 15:08

;) , das ist sehr passend beschrieben. Ich kenne auch für alle drei Typen einen typischen Vertreter, wobei Nr. 3 mir tatsächlich noch am liebsten ist.

UlliB hat geschrieben:Alle drei Kategorien blenden aus, dass es tatsächlich gute und weniger gute Jahrgänge gibt, und sich kein Winzer wirklich schlechten äußeren Bedingungen vollständig entziehen kann, was man den Weinen am Ende auch deutlich anmerkt.


Das ist sicher richtig. Gleichwohl gilt für mich weiterhin die Gleichung wie folgt:

1. Winzer (am wichtigsten)
2. Jahrgang (wichtig, aber deutlich weniger wichtig)
3. Terroir (ebenfalls wichtig, aber deutlich weniger wichtig als Nr. 1)

Weine von mir unbekannten (und eher als mittelmäßig bekannten) Winzern aus gutem Jahrgang oder aus guten Lagen haben mir allenfalls in Ausnahmefällen bislang Freude bereitet. Gerade im Burgund ist mir im Zweifel ein Village Wein eines der guten Erzeuger aus einem mittleren Jahr lieber als der Grand Cru eines mittelmäßigen Erzeugers aus einem Spitzenjahr.

Stilistische Unterschiede zwischen Jahrgängen kann man auch schätzen lernen. Ein großer Jahrgang zeichnet sich für mich durch mehrere Komponenten aus, die für mich in etwa so aussehen könnten: gute, aber nicht übertriebene Traubenreife, Säure für die Lagerfähigkeit, die nicht spitz sein sollte, klare Aromen und gute Konzentration ohne Schwere. Für bestimmte Weine gibt es sicher noch weitere Komponenten, die mehr oder weniger wichtig sein können (Botrytis ja/nein, Tanninqualität, etc.).

Jetzt ist es aber so, dass einige Komponenten, die Größe in der Zukunft versprechen (z.B. viel Säure, massives Tannin, hohe Konzentration, o.ä.), einen Wein lange Zeit nur begrenzt vergnüglich zu trinken gestalten. Ich denke da an 1996er und 2005er rote Burgunder, 2010er Rieslinge, 2005er Rote Bordeaux, etc. Wer seit Jahrzehnten Wein kauft und sich beherrschen kann, ist irgendwann im Zyklus drin, dass er/sie stets ausreichend trinkreife Weine im Haus hat. Ich bin aber der Ansicht, dass es mindestens 10 Jahre, eher 15 Jahre, dauert, bis man einen solchen Keller aufgebaut hat (und man muss sich beherrschen und liegen lassen können :mrgreen:). Für die Zwischenzeit sind m.E. nicht große, aber zugängliche Jahrgänge eine Wonne. Eine Wonne sind sie auch häufig als Essensbegleiter. Jedenfalls ich mag es zum Essen häufig gerne ein bisschen einfacher und nicht zu komplex.

Auch ich kann mich nicht freimachen von dem Gedanken, weniger gute Jahrgänge schlicht auszulassen. Nach allem kommt stets der Gedanke: Jahrgang x von Wein x kostet das Gleiche wie Jahrgang y von Wein x. Warum soll ich den schlechten Jahrgang nehmen? Soll ich nicht lieber statt Wein x aus Jahrgang y, Wein y (kostet die Hälfte von Wein x) aus Jahrgang x nehmen und habe damit mehr Vergnügen als mit Wein x aus Jahrgang y?

Aus meiner Sicht lohnt es sich trotzdem, auch in nicht so guten Jahrgängen ein paar Flaschen seiner Lieblingsweine zu kaufen, erstens um sich selbst ein Bild von dem Jahrgang machen zu können, zweitens, um seine Lieblingswinzer (und auch die Händler, die sie führen) auch in weniger optimalen Jahrgängen zu unterstützen, und drittens, weil aus meiner Sicht fast jeder Jahrgang am Ende doch für eine bestimmte Gelegenheit gut ist, sei es, dass man mal einen säurearmen oder -reichen Wein braucht, einen zum früher trinken, o.ä.

Trotz alledem werde ich mich bezüglich der deutschen 2013er eher zurückhalten. Das eine oder andere, was ich immer kaufe, werde ich auch dieses Jahr kaufen. Aber nach größeren Käufen deutscher Rieslinge in 2012 werde ich dieses Jahr diesbezüglich etwas kürzer treten.
Beste Grüße, Stephan
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Gaston

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Re: Deutschland 2013

BeitragDo 3. Apr 2014, 16:34

Terry Theise hat sich jetzt zu 2013 geäußert:

http://www.skurnikwines.com/msw/2013germanvintage.html

Da klingt doch deutliche Skepsis bzw. eine Art Unsicherheit durch. Interessant auch seine – wie immer wunderbar polemisch formulierte – Behauptung, dass mehr oder weniger flächendeckend entsäuert wurde:

There are two kinds of vintners in 2013; those who deacidified (henceforth “d-assed”) and are glad to admit it, and those who d-assed and won’t admit it. I’m not saying every grower d-assed every wine; I’m saying every grower d-assed some wines, and if he didn’t and you drink them, baby, do two things right now – find the Pepto-Bismol and call your dentist.

Ich habe ja mit Theises Statements oft so meine Schwierigkeiten, teile allerdings die Einschätzung, dass 2012 ein großartiger Jahrgang war und ist. Auf 2013 bin ich trotzdem gespannt.
Beste Grüße
Gaston
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Markus Vahlefeld

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Re: Deutschland 2013

BeitragFr 2. Mai 2014, 14:24

Hier sind meine ersten Eindrücke vom Jahrgang 2013:

Die größte Weinmesse der Welt, die Prowein in Düsseldorf, fand vor gut einem Monat statt und sie ist für die deutschen Weißwein-Winzer immer auch ein Schaulaufen des neuen Jahrgangs. Zwar sind im März bei weitem nicht alle Weine schon gefüllt, aber, wie es so treffend heißt: there is no second chance to make a first impression.

Der Jahrgang 2013 war für die deutschen Winzer kein einfacher. Der Austrieb der Reben war spät und sehr uneinheitlich. Der Sommer kam früh und war dann schon wieder vorbei, als die Trauben Sonne und Reife tanken sollten.
Hier weiterlesen: http://www.huffingtonpost.de/markus-vah ... 40555.html
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