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Weinviertel

Kamptal, Kremstal, Traisental, Weinviertel, Wagram, Thermenregion, Carnuntum
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Gerald

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Re: Weinviertel

BeitragMi 11. Jul 2012, 08:51

Hallo Weingeist,

klar, mein Bild vom 2011er ist natürlich alles andere als umfassend, näher probiert habe ich vielleicht Weine von 5 oder 6 Weingütern - allerdings solche, bei denen ich in früheren Jahren immer sehr zufrieden war. Die Probeschlucke bei Massenverkostungen zähle ich nicht dazu, in solchen Situationen ist mein Unterscheidungsvermögen einfach zu gering ausgeprägt. Persönlich denke ich zwar, dass das für so manchen Weinguide genauso gilt, das ist aber ein anderes Thema ...

Sicher gibt es auch 2011 tolle Weine, nur offenbar bei meinen bisherigen Favoriten eher selten. Muss mich wohl ein bisschen umorientieren ;)

trotz der Beteuerung der Sommeliere, dass das was ich oxydativ empfinde, die Mineralität des Sardinischen Bodens wäre.


diese Erklärung (Weinfehler als "Terroirnote" auszugeben) kommt offenbar relativ oft vor und zeigt doch, dass man glaubt, den Konsumenten für dumm verkaufen zu können. Oder hat man schon einmal erlebt, dass die Reklamation bei einem schimmeligen Joghurt als "einzigartig neue, bioaktive Mikrobenkultur" zurückgewiesen wurde? :o

Grüße,
Gerald
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weingeist

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Re: Weinviertel

BeitragMi 11. Jul 2012, 13:49

Hallo Gerald!
Hallo slowcook!

Ich denke, wir liegen mit der Jahrgangseinschätzung grundsätzlich recht gut auf einer Linie. Mich hat auch mehr der eine Satz

slowcook hat geschrieben:Hallo Gerald
.....deinen Weingeschmack sehr oft genau nachvollziehen kann und ihn weitestgehend teile, erübrigt sich für mich dieses Jahr vielleicht eine aufwändige Fahrt nach Retz und Umgebung.
Gruss
Werner


von „slowcook“ hellhörig werden lassen. Von einem „Ausflug“ nach Retz bzw. andere Gebiete in NÖ würde ich mich trotzdem nicht abhalten lassen. Nur sollte man halt wirklich versuchen, zu kosten, bevor gekauft wird.

Zu Deinem Favoriten „Schwarzböck“ muss ich Dir leider zustimmen. Auch ich kenne das Weingut noch aus einer Zeit, wo es in einem alten Arkaden- oder Vierkanthof (jedenfalls mit einem herrlichen Garten, wenn ich mich richtig erinnere) war, bevor der (gelungene) Neubau auf der Hauptstraße bezogen wurde. Das Problem liegt halt in der Tatsache begründet, dass, von uns Weinfreunden entdeckte, gute Weingüter, die zusätzlich ein optimales Marketing betreiben, eben auch Weinjournalisten früher oder später auffallen. Und wenn diese in Ihren Publikationen darüber jubeln und entsprechende Wertungen abgeben, darf es nicht wundern, wenn auch jenes Publikum darauf aufmerksam wird, das eben mehr auf „Eventkultur“ Wert legt. Genau das spielt sich bei den Schwarzböcks derzeit nämlich ab (ich war einmal auf einer dieser Veranstaltungen, wobei leider mehr Parfüm und Rasierwasser zu riechen war, als vom Wein im Glas). Und ist der Winzer einmal in diesem Rad drinnen, muss er mitlaufen, ob er will oder nicht. Ob das der Gesamtqualität des Produkts gut tut, wenn dann seine Weine in jedem Jahr hochgelobt werden, wage ich zu bezweifeln. Ich stelle da als Beispiel nur Deine Einschätzung zum Nachfolger der „Hölle“ und die Wertung im Jungweinatlas der Vinaria gegenüber. Auf der einen Seite die Meinung eines Konsumenten (der keine kommerzielle Absicht hat – vermute ich jedenfalls einmal) und auf der anderen Seite der Weinjournalist, der auch im nächsten Jahr noch eine positive Gesprächsbasis haben möchte bzw. muss (wobei ich die Vinaria als Zeitschrift sehr schätze). Zum Wein selbst kann ich leider derzeit keine Wertung abgeben, da ich zwar Grüne Veltliner aus der Hölle aus einigen Jahrgängen kenne (und auch im Keller habe), nicht aber den Wein aus der Nachfolgelage.
Liebe Grüße
weingeist
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Gerald

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Re: Weinviertel

BeitragMi 11. Jul 2012, 15:06

Hallo Weingeist,

Und ist der Winzer einmal in diesem Rad drinnen, muss er mitlaufen, ob er will oder nicht.


ich weiß nicht, denn andere Winzer mit "Eventkultur" schaffen es doch auch, die Qualität zumindest eines Teils des Sortiments (meist der höheren Preisklasse) zu erhalten.

Wobei ich mir bei Schwarzböck doch nicht ganz sicher bin, ob die - von mir empfundenen - Verschlechterungen zumindest im Basissegment nicht doch absichtlich angestrebt wurden. Ganz konkret der Weinviertel DAC, der seit 2008 (?) Jahr für Jahr weniger nach Veltliner schmeckt, sondern vor allem mit exotischer Frucht aufwartet. Kann gut sein, dass die "Eventgesellschaft" das mehr honoriert als die rebsortentypische Würze, wie sie bei einem Weinviertel DAC ja eigentlich dominieren sollte.

Grüße,
Gerald
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Gerald

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Re: Weinviertel

BeitragMi 11. Jul 2012, 16:20

Besonders brisant finde ich aber deinen Satz

und auf der anderen Seite der Weinjournalist, der auch im nächsten Jahr noch eine positive Gesprächsbasis haben möchte bzw. muss


Das würde also bedeutet, dass ein Weingut, das es einmal "geschafft" hat, auch bei deutlich nachlassender Qualität weiterhin gute Bewertungen bekommt, oder? Die Aussage passt auch gut thematisch zum vor kurzen veröffentlichten Falstaff-Ranking der österreichischen Weingüter, das massive Kritik wegen der seit Jahren (Jahrzehnten?) quasi einzementierten Wertungen einstecken musste.

Grüße,
Gerald
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weingeist

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Re: Weinviertel

BeitragDo 12. Jul 2012, 16:11

Hallo Gerald!

Brisant ist der Satz eigentlich nicht. Ich denke einfach, er entspricht meinen Beobachtungen und den Gegebenheiten. Ich kann mich (spontan) an keine Abwertung eines Betriebs in diversen Weinführern erinnern, wobei ich mich gerne korrigieren lasse. Vielleicht wird das aber auch nur nicht an die große Glocke gehängt, so wie bei Aufwertungen.

Was mich dabei auch immer ein klein wenig irritiert, ist die Tatsache, dass wenn z. B. der "Nachwuchs" den Betrieb - aus welchem Grund auch immer - übernehmen muss, sich an den Bewertungen überhaupt nichts ändert.

Wobei aber auch ich beobachte, dass bei größeren Verkostungsveranstaltungen, bei mir selbst immer wieder die bekannten Betriebe vorne liegen. Gleiches Bild spiegelt sich auch in den Rankings der Weinführer wieder. Bei einer meiner letzten DAC-Weinviertel-Verkostungen habe ich mich vorerst ganz speziell auf (für mich) noch unbekannte Betriebe konzentriert. Und ich wurde teilweise herb enttäuscht. Überzeugen konnten mich dann wieder jene Betriebe, wo ich gute Qualität erwartet habe.

xxxxxxxx

Die (von Dir angesprochene) Exotik beim Grünen Veltliner stelle auch ich immer wieder fest. Meist schmecken mir diese Weine sogar sehr gut, wobei man über die Sortentypizität dann sehr wohl diskutieren kann. Es ist halt so, dass heute mit bestimmten Hefestämmen, bestimmte Geschmacksrichtung erzielt werden können, um den „mainstream“ zu treffen.
Liebe Grüße
weingeist
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Gerald

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Re: Weinviertel

BeitragDo 12. Jul 2012, 21:50

Was mich dabei auch immer ein klein wenig irritiert, ist die Tatsache, dass wenn z. B. der "Nachwuchs" den Betrieb - aus welchem Grund auch immer - übernehmen muss, sich an den Bewertungen überhaupt nichts ändert.


Ja, das hat mich eigentlich auch immer verwundert. Wenn der Vater noch beratend zur Seite stehen kann, ist das vielleicht noch verständlich. Wenn er aber mehr oder weniger plötzlich verstorben ist und der Junior alles auf einmal übernehmen muss - wie in letzter Zeit doch bei einigen angesehenen Weingütern der Fall - dann ist es tatsächlich mehr als merkwürdig, wenn die Bewertungen praktisch unverändert bleiben.

Gerade wird wieder die Werbetrommel für den neuen Falstaff-Weinguide gerührt. Aber wozu kaufen, wenn ohnehin dasselbe wie in den letzten 10 Jahren drinsteht :D

Grüße,
Gerald
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slowcook

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Re: Weinviertel

BeitragFr 13. Jul 2012, 21:15

Hallo Gerald
Hallo Weingeist

Zurück von einer 6tägigen Radfernfahrt entlang Rhein, Main, Neckar, Enz und Nagold (also stets offline) lese ich interessiert euren Dialog über ein Weingebiet, das ich halt wirklich nur dürftig kenne, zu dem ich mich aber (Jahrgang 2010) hier schon euphorisch geäussert habe.

Da sich die 2010er (West-)Weinviertler Veltliner (von Prechtl, Zull, Breitenfelder, Klein, Puhr, Seher) mE als hervorragend präsentieren, sehe ich dieses Jahr von weiteren Zukäufen ab. Dafür waren die Notizen von Gerald wie schon so oft hilfreich. Damit eine generelle Abwertung, eine Empfehlung auf Nichtprobieren oder ein Abraten von einer Weinviertelreise abzuleiten, liegt mir fern. Das Retzer Land bietet genug auch für Nichtönologen, da könnte ich jederzeit hinfahren und mich kulturell vollsaugen...

Das Degustieren hier in der Schweiz ist nicht so einfach, das Weinviertel ist sehr schwach vertreten. Vermutlich ist mein Weinkeller hierzulande noch einer der am besten bestückten ;) .

Gruss
Werner
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weingeist

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Re: Weinviertel

BeitragSa 14. Jul 2012, 18:39

Hallo Werner!

slowcook hat geschrieben:Damit eine generelle Abwertung, eine Empfehlung auf Nichtprobieren oder ein Abraten von einer Weinviertelreise abzuleiten, liegt mir fern. Das Retzer Land bietet genug auch für Nichtönologen, da könnte ich jederzeit hinfahren und mich kulturell vollsaugen...

Das scheint bei Dir etwas zu "hart" von mir hinübergekommen zu sein. Ich wollte damit nur zu verstehen geben, dass auch 2011 seine Vorzüge hat. ;)

slowcook hat geschrieben:Zurück von einer 6tägigen Radfernfahrt entlang Rhein, Main, Neckar, Enz und Nagold....

Mit dem Rad eine tolle Leistung; war sicher sehr schön. Ihr könntet einmal überlegen, das ganze auch entlang der Donau (Passau - Wien) zu machen, falls Ihr das nicht schon hinter Euch habt (immerhin ginge es da direkt durch die Wachau, vorbei am Kremstal, Kamptal, Traisental bis Wien). Einziger Wehrmutstropfen - wo hast Du die Weine hingepackt? In so eine Radtasche gehen doch maximal nur 4 Flaschen (also 8), wenn Du beide Seiten vollräumst und Dein Gewand vorher im Rhein versenkst. :lol:

slowcook hat geschrieben:Das Degustieren hier in der Schweiz ist nicht so einfach, das Weinviertel ist sehr schwach vertreten. Vermutlich ist mein Weinkeller hierzulande noch einer der am besten bestückten ;) .

Ist aber schön zu wissen, dass auch in der Schweiz Weine aus dem Weinviertel in einem Keller liegen - und nicht nur bei uns!
Liebe Grüße
weingeist
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slowcook

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Re: Weinviertel

BeitragDi 17. Jul 2012, 18:03

Hallo weingeist

Nein, nein, "hart" ist da nichts rübergekommen, sonst hätte ich mich schon zu wehren gewusst...
Ich wollte und will nur nochmals die Subjektivität meiner Äusserungen betonen.

Zu den Radtouren in Deutschland: Tagsüber literweise Wasser und Apfelschorle, abends Bier,Bier,Bier; es gibt so viele lokale Brauereien, die man einfach nicht übergehen kann :) !

Und ja, klar, die Donau habe ich von ihrer Quelle im Schwarzwald bis Wien mit dem Rad erfahren, streckenweise mehrfach. Grandios in der Vielfalt ihrer Landschaften!

OT: Also, lass mich anstossen auf dein Wohl mit einem Glas GV Eisenbock Alte Reben 2010 aus Schönberg am Kamp (vielleicht etwas viel Restzucker, aber was solls).

Gruss
Werner
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austria_traveller

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Re: Weinviertel

BeitragFr 10. Aug 2012, 19:59

Guten Abend Forum,
Die letzten 3 Tage hatte ich einen 2009er Grauburgunder von Schwarzböck im Glas.
Ehrlich gesagt war ich von dem Wein etwas entäuscht, er war sehr unharmonisch. Hatte deutliche Holznoten, war irgendwie unfertig und hat auch keine Tendenzen gezeigt, besser zu werden. Hat den jemand (Gerald ?) mal im Glas gehabt und weis genaueres zu berichten ?
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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