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Weinviertel

Kamptal, Kremstal, Traisental, Weinviertel, Wagram, Thermenregion, Carnuntum
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Gaston

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Re: Weinviertel

BeitragSa 20. Aug 2016, 13:41

Und noch ein Weinviertler Veltliner:

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Auch dieses Exemplar ist insgesamt gelungen und bereitet Trinkspaß, Überhaupt kamen mir alle von mir probierten 15er Veltliner auf einem sehr ordentlichen Niveau ausgeglichen vor, mit kaum einem Ausreißer (vielleicht mit Ausnahme von Prechtl, der vielleicht doch eine Stufe besser war). Auch vom Charakter ähnelten sich die Weine, es war einfach klar, was man im Glas hatte, und man hatte Freude daran.

Die beiden Weinmärkte in Retz und Poysdorf kann ich übrigens sehr empfehlen. Dort kann man sich - gerade wenn man nicht die Zeit hat sich eingehender mit Region und Winzern zu beschäftigen – einen guten Überblick über die regionale Produktion machen, immer etwas probieren, und zum Abhof-Preis (oder vielleicht mit kleinem Aufschlag, das weiß ich jetzt nicht mehr ganz genau) einkaufen.
Beste Grüße
Gaston
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Gerald

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Re: Weinviertel

BeitragFr 2. Sep 2016, 10:13

Wirklich gut gelungen ist auch dieser Riesling vom Weingut Zull.

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Das Weinviertel ist ja an sich nicht so sehr für seine Rieslinge bekannt (in Österreich geht man landläufig - ob zu Recht oder auch nicht - davon aus, dass Riesling am besten auf Urgestein gedeiht). Das Weingut liegt aber ohnehin ganz am nordwestlichen Rand des Weinviertels an der Grenze zum Waldviertel, daher gibt es auch viele Lagen, die vom Granit der böhmischen Masse geprägt sind.

Der Wein selbst erinnert - vermutlich durch den heißen Jahrgang geprägt - stark an manche Rieslinge der "Reserve"-Kategorie aus dem Krems- oder Kamptal, ist aber vom Preis her deutlich günstiger.

Nächste Woche (Do 8.9.) findet übrigens wieder die Präsentation der "Premiumweingüter" (neben Zull weitere 14 Weinviertler Betriebe) in Wien statt, bin schon sehr gespannt.

Grüße,
Gerald
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Gerald

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Re: Weinviertel

BeitragFr 9. Sep 2016, 09:17

Gestern fand die bereits erwähnte Jahrespräsentation der "premiumweingüter Weinviertel" wie immer in einem großen Wiener Autohaus statt.

Der Verein (gegründet 2002) besteht aus 15 bekannten Weingütern, wobei die Bezeichnung "premiumweingüter" vielleicht ein bisschen mehr verspricht als sie zu halten vermag - das Qualitätsniveau der Mitgliedsbetriebe ist meiner Meinung nach durchaus unterschiedlich, außerdem fehlen einige der Topbetriebe der Region (z.B. Ebner-Ebenauer).

Schwerpunkt der angestellten Weine war erwartungsgemäß der sehr gute Jahrgang 2015 in Weiß (Rotweine werden im Weinviertel natürlich auch produziert, spielen aber bislang eher eine Nebenrolle). Die wichtigste Rebsorte im Weinviertel ist traditionell der Grüne Veltliner, mit dieser Sorte werden auch für mein Empfinden die besten Ergebnisse erzielt. Aber gar nicht so selten - besonders in Lagen mit Urgesteinsboden, wie sie vor allem im nordwestlichen Teil des Weinviertels häufig vorkommen - finden sich sehr schöne Rieslinge, die sich im Vergleich zu ihren bekannteren "Brüdern" aus der Wachau, dem Kamp- und Kremstal besonders durch ein tolles PLV auszeichnen.

Daneben haben die meisten Betriebe auch andere weiße Sorten, vor allem Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon blanc, die mich aber bisher nur selten wirklich begeistern konnten. Besonders der Sauvignon blanc entwickelt im Weinviertel häufig eine recht merkwürdige Bratenschmalz-Pfefferoni-Note. Auch oft gepflanzt und teilweise sehr attraktiv hingegen die Traminer.

Viele Betriebe haben auch einen gewissen Anteil Rotwein im Sortiment, wo traditionell der Zweigelt die wichtigste Rolle spielt, sortenrein oder als Hauptbestandteil einer Cuvée. Die Weine sind meist recht ordentlich und werden von Jahr zu Jahr besser, bestehen aber derzeit im direkten Vergleich zu den burgenländischen Rotweinen noch eher selten.

Man hätte meinen können, dass der heiße und trockene Jahrgang 2015 mit minimalem Schädlingsdruck eigentlich überall tolle Weine ergeben hätte müssen. Tatsächlich - so zumindest mein Eindruck - war aber das Ergebnis eigentlich ähnlich differenziert wie die Jahre zuvor, meine bisherigen Favoriten haben auch 2015 die schönsten (Gesamt-) Kollektionen geliefert. Namentlich (in alphabetischer Reihenfolge) die Weingüter Klein, Prechtl und Zull.

Bei den einzelnen Weinen am besten gefallen haben mir die beeindruckenden und komplexen Veltliner Reserve von der Lage Äußere Bergen (Weingut Zull sowie Prechtl, die sich diese Lage teilen) sowie der "8000" von Setzer. Dazu der üppige und außerordentlich expressive Riesling Reserve Passion von Pfaffl - aus einer für große Riesling eigentlich nicht so bekannten Gegend. Bei Rotweinen die Cuvée Schrattenthal 9 von Zull.

Sehr schön - und mit unter 10 Euro geradezu schnäppchenverdächtig - auch die beiden Lagenveltliner (Wiege und Rustenberg) von Klein. Einen "Sonderpreis" (wenn ich so etwas vergeben würde) für sehr gut gelungene Weine aus unterschätzten Rebsorten bekäme der Welschriesling von Minkowitsch mit sehr schöner, ungewöhnlicher und komplexer Frucht.

Alles in Allem eine sehr interessante Präsentation, ganz besonders auch unter Berücksichtigung der - im Vergleich zu anderen Weinbaugebieten - noch relativ zurückhaltenden Preisgestaltung.

Grüße,
Gerald
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Bradetti

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Re: Weinviertel

BeitragFr 9. Sep 2016, 18:23

Hat jemand Erfahrung mit dem 2011er Quittengang und 07/08 und 09er Juliusberg von Schloss Maissau?
Danke euch!
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mixalhs

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Re: Weinviertel

BeitragMo 12. Sep 2016, 11:47

Ein verdammt guter Riesling aus dem Weinviertel:

Christoph Bauer, Riesling Wachstum Fuchs 2015

Das erste Mal, dass mir Christoph Bauers Riesling besser gefällt als seine Grünen Veltliner. Dabei sind die Grünen Veltliner keineswegs schlecht; sie sind so gut wie eh und je, also richtig gut (siehe unten). Aber nun zum Riesling: Frische Säure, ein bisschen Restzucker (9,3 Gramm), der sich sehr gut einfügt. Zitrus, etwas Mirabelle und Reneclaude, Kräuteriges und deutliche Mineralität mit herbem Tannin. Toller Trinkfluss: erfrischend und dabei tiefgründig und fein.


Gaston hat geschrieben:Und noch ein Weinviertler Veltliner:

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Auch dieses Exemplar ist insgesamt gelungen und bereitet Trinkspaß, Überhaupt kamen mir alle von mir probierten 15er Veltliner auf einem sehr ordentlichen Niveau ausgeglichen vor......
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Gerald

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Re: Weinviertel

BeitragMo 10. Okt 2016, 14:21

Sehr gut gefallen hat mir auch dieser Reserve-Veltliner aus 2015 von Ebner-Ebenauer:

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Wie viele der bisher probierten Veltliner des Weinguts sehr direkt und geradlinig und ohne jede Anbiederung an die "easy-drinking"-Fraktion. Wenn man keine Probleme mit der kräftigen Säure und dem etwas herb-kantigen Gaumengefühl hat, wird man mit einer Fülle an sich ständig ändernden Duftnuancen bedacht. Man muss dem Winzerpaar Respekt für den Mut zollen, solche Weine auf den Markt zu bringen, die bestimmt nicht jedem zusagen werden - vielleicht das genaue Gegenteil mancher Weinviertler Kollegen, die ihre Veltliner mit exotischen Noten in Richtung "Alkopop" bringen, um möglichst viele Konsumente (die eigentlich gar keinen Wein mögen) anzusprechen.

Grüße,
Gerald
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Gaston

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Re: Weinviertel

BeitragFr 11. Nov 2016, 22:31

Mal ein Roter aus dem Weinviertel:

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Blind würde ich ganz eindeutig auf einen leichteren Spätburgunder / Blauburger tippen, aber nun ja. Ein in meinem Augen angenehmer, sehr trinkiger Rotwein, der deutlich auf der Frucht gebaut ist und wohl in erster Linie Trinkvergnügen bereiten soll. Das tut er durchaus. :lol:
Beste Grüße
Gaston
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weingeist

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Weinviertel - DAC-Präsentation in der Hofburg

BeitragDo 16. Mär 2017, 09:59

Ganz überraschend habe ich (@ Gerald – sorry, sonst hätte ich mich bei Dir gerührt) am Tag der Veranstaltung noch Freikarten für diese Veranstaltung erhalten.

Man muss dazu vorausschicken, dass ich nicht gewillt bin, Eintritt zu bezahlen, nur weil Winzer, bei denen man das Jahr über – bei manchen sogar recht viel – Geld liegen lässt, ihr Kontingent an Freikarten lieber Angehörigen oder Nachbarn aus dem Dorf überlassen und für ihre Kunden dann nur mehr ein „leider nein“ übrig haben. Wenn Dir dann im Eingangsbereich der Veranstaltung typische „Waldviertler Urgesteine“ schwankend, leicht unsicher auf den Beinen und leise grölend entgegen kommen, bestärkt das leider meinen Eindruck (nur zur Klarstellung, warum ich nicht gewillt bin, für so eine Präsentationen etwas zu bezahlen).

Ich habe mich mit „meinem Kartenlieferant“ erst um 19 Uhr getroffen, wobei noch immer sehr viele Besucher anwesend waren. Die zwei Stunden Zeit nutzten wir dazu, uns bekannte Betriebe, aber auch einige neue Betriebe zu besuchen. Problematisch war, dass manche Betriebe nicht bereit sind, sich für solche Präsentationen kleine Weinkühler anzuschaffen, und so mancher Wein dann mit 24 Grad (oder mehr) Zimmertemperatur verkostet wurde.

Kommen wir zu den Weinen. Alle „normalen“ DAC-Weine waren aus dem Jahrgang 2016, vereinzelt konnte man auch Reserven aus 2015 verkosten. Wie schon bei vorangegangenen Beschreibungen von mir, möchte ich diese sehr allgemein halten und nicht unbedingt auf einzelne Betriebe abstellen.

Alle Weine aus 2016 waren in meinen Augen sehr sortentypische Vertreter für den Grünen Veltliner. Der Aromenbogen, aber auch die Geschmackseindrücke reichten tatsächlich über alle Aspekte von fruchtig, exotisch (was manche nicht so schätzen), würzig, zarter Tabak und auch das immer wieder in Verkostungsnotizen auftauchende, berühmte „Pfefferl“, war fast überall vorhanden.

Einen einzigen „Ausreißer“ hatten wir dabei. Der hätte (als Grüner Veltliner) in jeder Sauvignon Blanc Blindverkostung einen optimalen „Piraten“ ergeben. Man kann über diese Klone, die dieses Aromen- und Geschmacksbild ergeben, sicher diskutieren, z. B. schmecken meinem Bekannten gerade solche Vertreter der Sorte (wobei ihm dieser eine auch schon zu intensiv war), für mich sind sie im Bereich Grüner Veltliner allerdings eine „Themenverfehlung“.

Was mich (jedenfalls bei den kühleren Weinen) ebenfalls positiv gestimmt hat, war der Aspekt, dass die Säurestruktur der Weine zwar spürbar war, die Säure sich im Gesamtpaket aber trotzdem sehr schön eingebunden präsentierte und (auf mich) eher trinkanimierend wirkte (gespuckt habe ich trotzdem konsequent, obwohl es mir bei so manchem Vertreter schwer fiel). Will heißen, ich werde mich sicher mit einigen Grünen Veltlinern aus dem Jahrgang 2016 für kommende Sommerabende, aber auch für die Lagerung eindecken.

Für mich persönlich kann ich festhalten (und auch ohne Angst, etwas falsches zu empfehlen, sollte jemand von Euch nach typischen Grünen Veltlinern Ausschau halten) dass meine beiden favorisierten Weingüter ihrer Rolle voll und ganz gerecht wurden. Dabei handelt es sich um die beiden Weingüter

> Prechtl (Zellerndorf) und
> Gschweicher (Röschitz)

Wobei dort die Preisgestaltung zwar noch „human“ ist, aber man schon auch weiß, dass man für sein Produkt einen bestimmten Preis verlangen darf und kann.

Günstiger würde es sicher (Achtung, ich habe keine Preise verglichen, das sind jetzt nur meine Erfahrungswerte von Einkäufen aus den Vorjahren) bei den Weingütern

> Greilinger (Schöngrabern)
> Hummel (Niederschleinz)

werden, wobei in der Qualität der Weine wenig Unterschied feststellbar war.

Beachten muss man bei meinem Erfahrungsbericht auch, dass das jetzt schon unfair ist, vier Weingütern von 177, die sich präsentiert haben, heraus zu picken. Für mich stehen diese vier aber genau für den Typ von Grünen Veltliner DAC, wie ich ihn mir vorstelle. Klar, wir haben mehr als die vier verkostet, nur natürlich auch bei weitem nicht alle. Da gäbe es sicher noch genug weitere positive Entdeckungen zu machen (auch negative natürlich). Dieser Bericht soll lediglich ein ganz allgemeines Bild zeichnen, vielleicht aufzeigen, dass die Qualität 2016 stimmt, und man im Regelfall einen guten und sortentypischen Grünen Veltliner aus diesem Jahr erstehen wird können.

Sollte es weitere Erfahrungswerte zu Weinviertler-DAC-Weinen geben, kann ja jeder diesen Thread mit weiteren Empfehlungen fortsetzen.
Liebe Grüße
weingeist
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austria_traveller

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Re: Weinviertel - DAC-Präsentation in der Hofburg

BeitragDo 16. Mär 2017, 10:40

weingeist hat geschrieben:und so mancher Wein dann mit 24 Grad (oder mehr) Zimmertemperatur verkostet wurde.

Genau DAS stört mich bei solchen Verkostungen.
Danke für diesen Bericht.
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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Gerald

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Re: Weinviertel

BeitragFr 17. Mär 2017, 11:42

Hallo Herbert,

danke für den ausführlichen Bericht. Die Eintrittsgebühr stört mich persönlich nicht, ganz im Gegenteil (am besten gar keine Freikarten, dann ist das Gedränge vielleicht geringer und die erwähnte Besuchergruppe, die weniger an den Geschmacksnuancen denn am Alkoholgehalt interessiert ist, kommt vielleicht gar nicht ;) ). Interessanterweise ist bei der Herbstverkostung der "Premiumweingüter Weinviertel" normalerweise das Gedränge nicht so schlimm, obwohl die Veranstaltung kostenlos ist - man muss sich aber vorher anmelden.

Klingt jedenfalls sehr interessant, der neue Jahrgang hat sich ja auch in der Wiener Verkostung als frisch und harmonisch gezeigt. Natürlich befinden sich die Weine jetzt in der Jungweinphase, schwer zu sagen, wie sie sich z.B. nächstes Jahr präsentieren. Zumindest ich bin da mit Prognosen sehr vorsichtig, da ich mich schon oft geirrt habe ;)

Grüße,
Gerald
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