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Kremstal

Kamptal, Kremstal, Traisental, Weinviertel, Wagram, Thermenregion, Carnuntum
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EThC

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Re: Kremstal

BeitragMo 15. Okt 2018, 19:28

Das ist ja grundsätzlich nix Schlimmes, wenn man sich auf das konzentriert, wozu man auch den regionalen Bezug hat bzw. was man durch entsprechende Aufenhalte auch am besten kennt. Das mache ich letztlich genauso. Da ich im Raum München wohne, sind mir der Donauraum und Südtirol sowie Franken einfach näher als z.B. die Mosel; das spiegelt sich dann auch in den Bestandszahlen im Keller wieder.
Was die Qualitäten angeht, würde ich da beim Riesling generell keinen großen Unterschied zwischen A und D sehen, zumindest was die trockene Seite angeht; sind halt einfach schon vom Terroir her recht unterschiedlich. Bei den restsüßen Sachen allerdings sehe ich die Spitze klar in D und da an der Mosel. Ich selber bin ja eher auf der trockenen Seite unterwegs und reagiere auf freien Zucker in der Regel nicht so positiv. Es sei denn, einer der besseren Moselwinzer zeichnet für das Süße-Säure-Spiel verantwortlich, dann verspüre auch ich dabei deutliche Glücksmomente. Oder ich habe einen halbtrockenen Riesling von den Arndorfers aus dem Kamptal im Glas...
Viele Grüße
Erich


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Bernd Schulz

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Re: Kremstal

BeitragMo 15. Okt 2018, 21:38

EThC hat geschrieben:Was die Qualitäten angeht, würde ich da beim Riesling generell keinen großen Unterschied zwischen A und D sehen, zumindest was die trockene Seite angeht....


Hinsichtlich der besseren Betriebe (die uns hier im Forum interessieren) stimme ich dir zu; insgesamt habe ich aber den Eindruck, dass es in Österreich mittlerweile prozentual gesehen weniger regelrechten Murks gibt. Auch in Deutschland ist die Situation in den letzten Jahren besser geworden, aber gerade an der Mosel findet man immer noch genug Erzeuger, die Weine produzieren, denen gegenüber ich ein ordentliches Bier bei weitem vorziehe. Aber vielleicht trügt mich mein Eindruck auch - letzten Endes kenne ich die österreichische Weinszene nicht gut genug, um meine vorläufige Meinung fundiert begründen zu können.

EThC hat geschrieben:Bei den restsüßen Sachen allerdings sehe ich die Spitze klar in D und da an der Mosel....


Was den restsüßen Riesling angeht, sehe ich die Spitze auch klar in Deutschland. Und natürlich befindet sich die Mosel da ganz weit oben; allerdings sollte man andere Anbaugebiete wie die Nahe, den Mittelrhein (!), den Rheingau und Rheinhessen diesbezüglich nicht unterschätzen. Selbst die Pfalz ist - was heute kaum noch richtig wahrgenommen wird - in der Lage, grandiose restsüße Rieslinge hervorzubringen (die entsprechenden Produkte von Müller-Catoir oder auch Christmann konnten früher oft und zurecht sehr hohe GM-Bewertungen erzielen).

Herzliche und mittlerweile sehr offtopische :oops: Grüße

Bernd
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EThC

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Re: Kremstal

BeitragMo 15. Okt 2018, 21:55

Bernd Schulz hat geschrieben:insgesamt habe ich aber den Eindruck, dass es in Österreich mittlerweile prozentual gesehen weniger regelrechten Murks gibt

...um mal wieder ins Kremstal zurückzukehren: ich habe da zwar keinen flächendeckenden Überblick und es gibt da natürlich auch Winzer, die das Thema weniger gut als andere beherrschen, aber regelrechter Murks ist mir beim Riesling aus der Region noch nicht untergekommen, selbst Supermarktware aus Krems (Sandgrube 13 oder so) schlägt sich da vergleichsweise wacker. In 2015 /16 mal der ein oder andere etwas breitere Rebsortenvertreter, aber sonst zumindest solide.
Viele Grüße
Erich


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Gaston

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Re: Kremstal

BeitragMo 15. Okt 2018, 21:55

Gerald hat geschrieben:Nur scheint mir die Vielfalt in D wesentlich höher zu sein, österreichischer Riesling hat für mich meist ein recht eindeutiges Geschmacksbild. Wobei ich mit manchen deutschen Regionen (besonders Mosel) sehr wenig anfangen kann, bei anderen hingegen - z.B. Rheinhessen - schon tolle Weine probiert habe, die es in Ö in dieser Form nicht gibt.


Das scheint mir doch ein interessanter Punkt zu sein. Die Vielfalt in D kann ich - und jeder, der sich mit deutschem Riesling ein wenig auseinandersetzt – bestätigen. Für mich ist das ja auch der große Reiz am Wein und am Riesling im Speziellen. Mosel, Pfalz, Mittelrhein, Rheinhessen, Rheingau, Nahe etc. - jedes Gebiet hat seinen speziellen Reiz, seine spezielle Typizität sowie tolle Rieslinge zu bieten.

Für Ö kann ich nicht sprechen, da ich dortigen Riesling nur stichprobenartig kenne. Meine laienhafte Vorstellung ginge aber schon davon aus, dass der Wachauer Riesling deutlich anders als der Weinviertler und der wiederum anders als der Kremstaler ist, schon allein, wenn man Boden, Terroir, Mikroklima etc. in Erwägung zieht. Deshalb erstaunt mich Geralds Bemerkung vom "recht eindeutigen Geschmacksbild" des österreichischen Rieslings ein wenig... Gibts da noch andere Meinungen dazu? (Vielleicht wäre dies aber auch ein eigenes Thema "Spezifik des österreichischen Rieslings" oder so ähnlich.)
Beste Grüße
Gaston
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Gerald

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Re: Kremstal

BeitragDi 16. Okt 2018, 06:24

Hallo Gaston,

Für Ö kann ich nicht sprechen, da ich dortigen Riesling nur stichprobenartig kenne. Meine laienhafte Vorstellung ginge aber schon davon aus, dass der Wachauer Riesling deutlich anders als der Weinviertler und der wiederum anders als der Kremstaler ist, schon allein, wenn man Boden, Terroir, Mikroklima etc. in Erwägung zieht.


das würde ich so nicht unterschreiben, da in Österreich Riesling üblicherweise auf Urgesteinsboden gepflanzt wird (Wachau, Teile Krems-, Kamp- und Traisental, im Weinviertel vor allem am Nordwestrand an der Grenze zum Waldviertel). Auf Löss- oder Kalkboden nur selten.

Dazu hat Riesling in Ö ohnehin nur einen geringen Anteil an der Gesamtfläche (ca. 2.000 ha, entsprechend etwa 4% der Gesamtfläche). Dass es da in D mit 23.000 ha entsprechend 22% Gesamtanteil und der Tatsache, dass er in fast allen Weinbaugebieten (mit unterschiedlichsten Bodenverhältnissen) eine wichtige Rolle spielt, mehr Vielfalt gibt, ist meiner Ansicht nach nicht überraschend.

Grüße,
Gerald
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Gaston

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Re: Kremstal

BeitragDi 16. Okt 2018, 07:20

Hallo Gerald,

so wie du das schreibst, ist das durchaus nachvollziehbar, diese Fakten waren mir im Detail nicht klar. Und dass der deutsche Riesling vielfältiger als der österreichische ist, leuchtet ebenso ein.

Dennoch: dass der österreichische Riesling - jetzt etwas überspitzt gesagt – ein uniformes Geschmacksbild hat, bleibt für mich ein wenig überraschend, wo doch in Deutschland gerne darüber gesprochen wird, dass zwei nur wenige Kilometer voneinander entfernte Lagen deutlich unterschiedliche Geschmacksbilder hervorbringen.

Kann aber auch sein, dass in Österreich nicht so ein Kult rund um die Lagen betrieben wird wie in Deutschland... :mrgreen:
Beste Grüße
Gaston
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Gerald

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Re: Kremstal

BeitragDi 16. Okt 2018, 08:21

Hallo Gaston,

natürlich will ich nicht sagen, dass alle österreichischen Rieslinge gleich schmecken. Bei der Präsentation der Domäne Wachau in der Vorwoche war ein Flight mit 3 ganz unterschiedlichen Rieslingen. Wobei ich einmal behaupte (beweisen kann ich es natürlich nicht), dass viele Winzer mit Rieslingen aus verschiedenen Lagen die Unterschiede absichtlich durch Parameter im Weinberg und Keller herausstreichen. So wie auch manche deutsche Winzer sinngemäß ausdrücken, dass "Terroir die Interpretation der Lage durch den Winzer" ist. ;)

Trotzdem ist die Spanne bei österreichischen Rieslingen meiner Ansicht nach deutlich geringer als bei deutschen. Aber auch im Vergleich zur österreichischen Paradesorte in Weiß, dem Veltliner - hier gibt es je nach Boden, Lesezeitpunkt und wer weiß noch anderen Parametern dramatische Unterschiede, wahrscheinlich ausgeprägter als bei deutschen Rieslingen.

Grüße,
Gerald
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82er Steirer

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Re: Kremstal

BeitragDi 16. Okt 2018, 21:04

Hallo,
ich glaube das alles ergibt sich schon allein daraus, dass in Österreich im Wesentlichen nur die Kategorien Kabinett trocken, Spätlese trocken und Auslese trocken (um es mal in traditionellen deutschen Kategorien zu formulieren) bearbeitet werden. Der gesamte feinherbe bis süße Bereich kommt in Österreich eigentlich nicht vor, was das Spektrum des Rieslings natürlich stark einschränkt. Meiner Meinung nach sind auch die klimatischen Differenzen zwischen innerhalb der österreichischen Riesling-Gebiete nicht so groß, wie in Deutschland (sprich: der Unterschied zwischen Wachau und Kamptal ist bei weitem nicht so groß wie der Unterschied zwischen Baden und der Saar). Beim Boden wird es wohl auch nicht viel anders sein, vor allem da ja in den verschiedenen Gebieten relativ einheitlich der Riesling auf dem kargen Urgestein steht und der Veltliner auf den Lössböden. In Summe ergibt sich daher ein (im Vergleich zu Deutschland) einheitlicheres Geschmacksbild.

Beste Grüße
Hans Peter
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Ralf Gundlach

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Re: Kremstal

BeitragMi 24. Okt 2018, 21:49

Wieder Proidl, wieder ein Volltreffer:
2015 Grüner Veltliner "Burg" Weingut Proidl
Wunderbare Nase nach Pfirsich und Kräutern. Am Gaumen wieder Pfirsich, Wildkräuter,dabei sehr mineralisch. Der Wein zeigt eine sehr schöne, herbe Note und das typische Pfefferl. Eingerahmt von einem kräftigen, aber niemals zur breite tendierenden Körper. Feine, perfekte Säure. Durchaus langer Abgang, zeigt keine Boytritisnoten. Macht jetzt schon Spaß, kann aber locker noch 5 Jahre reifen bis zum Höhepunkt. In sich ein wunderbar stimmiger Wein, den ich bzgl. des PLV-Verhältnisses einfach nur grandios finde. 90 Punkte. Kostet 10 Euro beim besten Weinhändler in Aachen. Vor Ort noch günstiger..

Gruß

Ralf
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Bernd Schulz

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Re: Kremstal

BeitragFr 26. Apr 2019, 20:59

Punktlandung! :twisted: - wieder einmal hatte ich Ralf Gundlachs Notiz und Bewertung ( :!: :mrgreen: ) nicht mehr im Gedächtnis, als ich eben meine VKN verfasst habe:

Bild

Früher gehörte Grüner Veltliner zu den wenigen Rebsorten, mit denen ich ein Grundsatzproblem hatte. Dagegen habe ich aber mit Erfolg angetrunken :mrgreen: - und ich bin froh darüber, dass meine Abneigung gegen die aromatisch spannende Sorte mittlerweile komplett verschwunden ist. In so etwas wie Proidls "Burg" könnte ich mich mittlerweile reinlegen - und ich muss dafür noch nicht einmal spürbar mehr berappen als für den Keller-Silvaner :twisted: :twisted: zum Fachhandelspreis.....

Herzliche Grüße

Bernd
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