Preis und Qualität

Hohe Brisanz, kurzes Verfallsdatum
TroisLacs
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Preis und Qualität

Beitrag von TroisLacs »

Ich habe keinen passenden Thread gefunden, daher erlaube ich mir mal, selber einen zu eröffnen (mit Bezug zu Wein, nicht wie diejenigen von Heg oder wie er hiess mit dem pseudo-philosophischem Touch).

Das Zitat unten von Bernd aus dem Forum Lisa Bunn hat mich etwas zum Nachdenken angeregt.
Bernd Schulz hat geschrieben: ↑Fr 16. Okt 2026, 19:36
final_scream hat geschrieben: ↑Fr 16. Okt 2026, 19:26 Aber das allgemeine Interesse an diesem Weingut im Forum ist ja groß.
Bei einigen ist das Interesse groß, für andere hier ist das Weingut nicht teuer genug.
Ich merke es manchmal auch in meinem Umfeld, oftmals wird ein Wein nicht beachtet, weil der Preis zu niedrig ist. Automatisch wird tiefer Preis mit schlechter Qualität in Verbindung gebracht. Das ist wohl so sicher nicht ganz korrekt, genausowenig wie das Gegenteil, dass nur teure Weine gute Weine sind. Oder manchmal auch die Behauptung, dass Grossproduzenten weniger gute Qualität abliefern.

Ich habe im Moment einen Chateau L´Hospitalet 2020 von Gerard Bertrand im Glas. Elegant, fein, etwas Frucht, etwas Holz, aber sehr rund und ein schöner Trinkgenuss. Ein Grossproduzent, ja, daher auch etwas umstritten, hat halt auch Massenweine, aber hier stimmt die Qualität. Kein mächtiger, üppiger Südfranzose.
Natürlich freue ich mich selber auch, wenn ich einen "kleinen" Produzenten finde, der eine tolle Qualität liefert. Ich werde hier einigen ewig dankbar sein, dass ich Martin Müllen entdeckt habe ("Danke, Bernd").

In Spanien nähe Tarragona hatte ich einen mir komplett unbekannten Wein bestellt, Perlat Syrah der Cellers Unio aus der DO Montsant. Ich wollte keinen üppigen Wein aus dem Priorat, also blind diesen reinen Syrah für EUR 25 im Restaurant bestellt. Und wir waren beide begeistert, elegant, frisch, würzig, trinkfreudig ... also suchte ich hier nach dem Produzenten und habe zwar nur 2-3 Einträge gefunden, aber eher negativ behaftet. Im oben beschriebenen Sinne, einer der grössten Produzenten, quasi seelenlose Weine ... irgendwie schade, für 11-12 Euro hätte ich da ein paar Flaschen für einen umkomplizierten Trinkgenuss nach Hause genommen.
Ich bin selber auch der Meinung, dass eine gewisse Qualität ihren Preis hat, ich glaube, für die 2-3 Euronen im Aldi kriegst du einfach keinen halbwegs vernünftigen Wein, zumindest keinen, der einem Weinfreund Freude bereitet. Aber warum nicht für 10 Euro oder 15 Euro? Meine Gutsrieslinge von der Mosel sind alle in diesem Bereich, ich finde das Preis-Genuss-Verhältnis sensationell. Auf der anderen Seite habe ich ja selber auch die Comtesse de Lalande im Keller, und da bin ich mir bewusst, dass ich den Namen, das Renommé mitbezahle. Aber wenn da für mich das Gesamtpaket stimmt, dann bin ich dabei.

Worauf will ich hinaus? Sind wir - Weinfreunde und Weinkenner und Weingeniesser - blind geworden gegenüber "günstigeren" Weinen? Lehnen wir Grossproduzenten automatisch ab, weil sie nicht das romantische Ideal verkörpern? Oder lehnen wir teure Weine ab, weil sie nur "Marketing-Produkte" sind?

Ich für meinen Teil würde z.B. einen Betrieb wie Antinori nicht besuchen, das wäre mir zu gross und zu unpersönlich. Da suche ich mir gerne einen kleinen lokalen Produzenten, weil ich da vielleicht etwas entdecken könnte. Aber wenn mir einer einen Antinori-Wein einschenkt, trinke ich den gerne und lasse mich überzeugen und verwerfe nicht gleich die Hände.
Gruss, Sascha

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EThC
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Re: Preis und Qualität

Beitrag von EThC »

TroisLacs hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 20:48 Sind wir - Weinfreunde und Weinkenner und Weingeniesser - blind geworden gegenüber "günstigeren" Weinen?
...ich kann hier natürlich nur für mich selbst sprechen. Tatsächlich liegt der Durchschnittspreis einer Flasche in meinem Keller gerade bei 28,08 Euronen, wobei das bei 7 Eur je Flasche anfängt und bei 120 aufhört, die dreistelligen kann ich jedoch an einer Hand abzählen. Meine Spanne ist also relativ groß und ich würde den Durchschnittspreis an sich gerne wieder senken, aber ich kann's mir aktuell halt auch problemlos leisten, das Bessere dem Guten vorzuziehen...
TroisLacs hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 20:48 Lehnen wir Grossproduzenten automatisch ab, weil sie nicht das romantische Ideal verkörpern?
...Großproduzenten müssen darauf achten, ihre Weine massentauglich zu machen, Ecken und Kanten sind da absatztechnisch nicht zielführend. Deshalb sind solche Weine in aller Regel für mich nicht interessant.
TroisLacs hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 20:48 Ich für meinen Teil würde z.B. einen Betrieb wie Antinori nicht besuchen, das wäre mir zu gross und zu unpersönlich.
...geht mir genauso, wenn man -aus verständlichen Gründen- nicht die Möglichkeit hat, mit dem Winzer selbst zu sprechen, bringt mir das wenig. Das heißt aber nicht, daß ich die Weine deshalb nicht kaufen würde, das Kennenlernen läuft halt dann anders ab.
TroisLacs hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 20:48 Oder lehnen wir teure Weine ab, weil sie nur "Marketing-Produkte" sind
...das passiert bei mir durchaus. So gut wie alles jenseits der 100 Euronen-Marke ist preislich nur noch am Markt ausgerichtet, nicht an den Gestehungskosten, da bin ich dann raus, egal wie gut das objektiv oder subjektiv sein mag. Keine Kritik an den Winzern, würde ich vermutlich genauso machen, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, ich selbst spiele da nur nicht mit...
Viele Grüße
Erich

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Schönibert
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Re: Preis und Qualität

Beitrag von Schönibert »

Du machst hier ein riesiges Fass auf, auf das ich mich ich sehr gern einlassen werde.

Nicht heute, ich habe mich hier mit dem von meiner rheinhessischen Schwiegermutter gestern angesetzten Spundekäs auseinanderzusetzen. Viel Knoblauch, aber das funktioniert wunderbar. Dazu ne Flasche Magic Mountain 22, gekauft für 9,xx Euro womit wir dann doch wieder beim Thema wären.
Viele Grüße,
Euer Schöni
Bernd Schulz
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Re: Preis und Qualität

Beitrag von Bernd Schulz »

Hier im Forum beobachte ich halt, dass gar nicht so wenige ernstzunehmende und grundsätzlich vernünftige User nie etwas über Weine schreiben, die weniger als 15 bis 20 Euro kosten. Und das legt die Vermutung nahe, dass sie solche Weine im Normalfall gar nicht anrühren.

Ich übertreibe es vielleicht in die andere Richtung (obwohl ich - ich verrate mich jetzt einfach mal - angesichts einer vor einem guten Jahr gemachten Erbschaft durchaus in der Lage wäre, mir ab und an mal eine relativ teure Flasche zu kaufen). Aber ich habe mittlerweile kein besonders großes Bedürfnis mehr nach Weinen, die meinen "normalen" Preisrahmen deutlich übersteigen. Dank der Großzügigkeit Ralfs, der zu unseren Weinabenden immer etwas Besonderes mitbringt, trinke ich ja immer wieder richtig hochklassige und infolgedessen relativ hochpreisige Sachen, und ich trinke sie mit Interesse und Aufmerksamkeit, bin ganz froh, sie überhaupt einmal kennen zu lernen - aber ich merke auch, dass ich sie für mein Genussleben im Alltag einfach überhaupt nicht benötige. Das Plus an Befriedigung, welches mir z.b. ein Ried Dürrau von Weninger gegenüber dem einfachen Blaufränkischen von Thom Wachter verschafft, ist schlicht und einfach nicht besonders groß.

Die Menschen sind verschieden! Andere wiederum erklären, dass sie grundsätzlich in der Preisklasse ab 20 Euro weit mehr Genuss erleben als bei Weinen, die nur 15 oder gar nur 10 Euro kosten. Wenn es sich bei mir so verhalten würde, hätte ich das Gefühl, die Bodenhaftung mehr oder minder verloren zu haben, aber selbstverständlich akzeptiere ich auch eine solche Position - denn die Menschen sind verschieden ;) ! Problematisch wird es für mich dann, wenn ich den Eindruck bekomme, dass ausschließlich nur noch Sachen von extrem gehypten (und damit krass überteuerten) Erzeugern getrunken werden, um nicht nur mit besonders großer Kennerschaft, sondern zusätzlich mit besonders großer finanzieller Potenz anzugeben. Klar, die Menschen sind verschieden, aber diejenigen, die massiv mit dem Übermaß ihrer Kohle renommieren müssen, sind so prinzipiell verschieden von mir, dass ich sie einfach nicht sympathisch finden kann.... ;)
TroisLacs hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 20:48 Ich bin selber auch der Meinung, dass eine gewisse Qualität ihren Preis hat, ich glaube, für die 2-3 Euronen im Aldi kriegst du einfach keinen halbwegs vernünftigen Wein, zumindest keinen, der einem Weinfreund Freude bereitet.
Allesamt einig werden wir uns wohl in diesem Punkt. Eine Preisuntergrenze besteht selbstverständlich.

Herzliche Grüße

Bernd
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Re: Preis und Qualität

Beitrag von TroisLacs »

Schönibert hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 22:02 Du machst hier ein riesiges Fass auf, auf das ich mich ich sehr gern einlassen werde.
Dessen bin und war ich mir bewusst :D
Und freue mich auf die Beiträge.

Ich habe ein paar teurere Flaschen im Keller. Und da freue ich mich besonders darauf, wenn ich die mal mit Freunden oder Familie (die gerne Wein trinken) aufmachen kann. Und dann gibt es Tage oder Essen, die verlangen nach einem unkomplizierten Wein, der einfach Freude macht, sei dies ein Barbera zur Bolognese.
Gruss, Sascha

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Re: Preis und Qualität

Beitrag von TroisLacs »

Bernd Schulz hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 22:12 Hier im Forum beobachte ich halt, dass gar nicht so wenige ernstzunehmende und grundsätzlich vernünftige User nie etwas über Weine schreiben, die weniger als 15 bis 20 Euro kosten. Und das legt die Vermutung nahe, dass sie solche Weine im Normalfall gar nicht anrühren.
Das ist schade, denn ich denke, da gäbe es durchaus viele Weine zu entdecken.
Ein Wein muss meiner Meinung nach nicht immer "gross" sein. Er darf schlicht und einfach Freude machen, das Essen begleiten und muss nicht immer im Mittelpunkt stehen. Der muss dann aber auch nicht mit einem GG oder Premier Grand Cru Classé konkurrieren.
Und gerade in diesem Preisrahmen kann man ja durchaus mal blind eine oder zwei Flaschen bestellen. Im schlimmsten Fall wird der Wein verkocht.
Gruss, Sascha

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Re: Preis und Qualität

Beitrag von EThC »

Bernd Schulz hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 22:12 Hier im Forum beobachte ich halt, dass gar nicht so wenige ernstzunehmende und grundsätzlich vernünftige User nie etwas über Weine schreiben, die weniger als 15 bis 20 Euro kosten. Und das legt die Vermutung nahe, dass sie solche Weine im Normalfall gar nicht anrühren.
...nun, zu denen zähle ich mich nicht und beim Verkosten aka Genießen ist mir der Preis erst mal egal, oft realisiere ich ihn erst genau, wenn ich beim Erstellen der VKN darüber stolpere. Wenn ich aber Weine z.B. auf einem Weingut probiere und (eigentlich so gut wie immer) feststelle, daß der Ortswein deutlich mehr Freude macht als der Gutswein und die Erste Lage noch mehr, dann schafft's der Gutswein häufig nicht in den Kofferraum, glorreiche Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ich hab aber bei den meisten Waren so eine innere -inflationsbedingt langsam steigende- Schmerzgrenze, die ich nur in begründeten Ausnahmefällen überschreite, beim Wein sind's aktuell ≈ 60 Euronen, bei Röhren-Phonoverstärkern deren 5.000, bei Kaffeefiltern nur eine.
Und ich bin teilweise auch bereit, unterschiedliche Preise für unterschiedliche Genres zu zahlen, weil ich ansonsten ganz drauf verzichten müßte, Champagner ist so ein Beispiel, freudespendende Sachen kosten halt einfach 50 bis 80 Euronen. Und natürlich gibt's auch belebenden Schaum aus anderen Regionen für die Hälfte, aber Schampus ist halt dann doch anders...
Viele Grüße
Erich

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Re: Preis und Qualität

Beitrag von Bernd Schulz »

TroisLacs hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 22:29 Ein Wein muss meiner Meinung nach nicht immer "gross" sein. Er darf schlicht und einfach Freude machen, das Essen begleiten und muss nicht immer im Mittelpunkt stehen.
So sehe ich das auch. Und davon abgesehen erlebe ich immer wieder relativ preiswerte Weine, die durchaus das Zeug dazu haben, einigermaßen im Mittelpunkt zu stehen, weil sie zwar nicht besonders teuer, aber trotzdem ziemlich "groß" sind.

Anders gesagt: Grundsätzlich gibt es beim Wein schon so etwas wie eine gewisse Relation von Preis und Qualität. Aber es existieren (wie auf anderen Gebieten auch) enorm viele Ausnahme in positiver wie in negativer Hinsicht. Und ich gebe zu, dass ich aus diversen Gründen eine gewisse Freude an der Jagd auf die positiven Ausnahmen habe! Wenn man beliebig viel ausgeben kann und will, ist es leicht, einen mehr als anständigen Wein ins Glas zu bekommen...aber das, was so leicht ist, weckt meinen Ehrgeiz eher weniger... :twisted:

Herzliche Grüße

Bernd
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Re: Preis und Qualität

Beitrag von Bernd Schulz »

EThC hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 22:39 ...nun, zu denen zähle ich mich nicht...
Zu denen zähle ich gerade dich ( :!:) auch nicht, denn du hast ja hier oft genug z.b. etwas über die Sachen von Harald Pairits geschrieben. Oder über die Weine von den Trockenen Schmitts. Oder....

Aber im Forum gibt es ja solche, die primär die Weine eines gewissen Betriebs aus dem rheinhessischen Hügelland genießen, um ihre Missbilligung des diversen anderen Usern unterstellten Mottos "Geiz ist geil" besonders klar zum Ausdruck zu bringen. Über Produkte von Pairits, Lisa Bunn, Weingart etc. usf. verlieren diese Weinfreunde nie ein Wort....

Herzliche Grüße

Bernd
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Re: Preis und Qualität

Beitrag von EThC »

Bernd Schulz hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 22:54 Über Produkte von Pairits, Lisa Bunn, Weingart etc. usf. verlieren diese Weinfreunde nie ein Wort...
...die Motivation der Leute, an die Du da vermutlich denkst, ist mir auch nicht ganz klar. Ich kann einerseits durchaus verstehen, daß man nach Möglichkeit immer nur Top-Sachen im Glas haben will, vor allem wenn man's sich finanziell leisten kann. Andererseits muß ich selbst mich auch immer wieder mal "erden", denn sonst wird auf Dauer das Besondere zum Gewöhnlichen. Ich liebe auch Riesling und hab recht viel davon im Keller, aber immer nur? Ich wäre längst gestorben vor Langeweile. Aber wie Du schon schrubst:
Bernd Schulz hat geschrieben: ↑Sa 17. Okt 2026, 22:12 Die Menschen sind verschieden!
Viele Grüße
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