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Käse und Wein in Würzburg

Verfasst: Mo 12. Okt 2026, 21:16
von weinaffe
Hallo zusammen,

es wurde mal wieder Zeit, die Kombi der beiden "Naturprodukte" Käse und Wein auf den Prüfstand zu stellen. Zu diesem Zwecke trafen sich letzten Freitag im Rahmen meiner VHS-Seminare wieder wein- und käseaffine Menschen, um in einer Blindverkostung 14 Weine mit 7 verschiedenen Käsesorten zu verkosten. Bei den Käsesorten wurde praktisch die komplette Palette der verschiedenen Käsearten(Ziegenfrisckäse, halbfester Schnittkäse, etwas reiferer Schnittkäse, Hartkäse, Weichkäse mit Weißschimmel, Rotschmierkäse und Edelpilzkäse) abgedeckt.
Jeder Käse wurde mit 2 verschiedenen Weinen kombiniert. Zunächst wurden die jeweils beiden Weine solo probiert und jeder Teilnehmer sollte dann seinen Favoriten durch Handzeichen bekanntgeben. Anschließend sollte der Käse solo probiert werden, um eine Gefühl für den Käsecharakter zu bekommen. Zuletzt sollte dann jeweils der Käse in Kombination mit jeweils den beiden Weinen verkostet werden und wieder per Handzeichen die Präferenz abgefragt werden. Die blind verkosteten Weine wurden danach "aufgelöst". Die Gruppe war tatsächlich diszipliniert und wir kamen dadurch zu interessanten Ergebnissen.

Folgendes Line-up von Käse und Wein:

1. Käse: Lenggrieser Bio-Ziegenfrischkäse (zartes, reintöniges Milcharoma mit dezenter Ziegenaromatik)

Wein A: 2023er Stettener Stein "Vinz" Fume Scheurebe Alte Reben (Weingut am Stein, Würzburg) -Franken-

Wein B: 2024er Riesling Kabinett "Goldmund" feinherb (Mona Bastgen, Monzel) -Mosel-

Solo war die Scheurebe mit 11:7 der Favorit, in der Kombi holte der Moselaner auf und erreichte ein Remis (9 : 9). Die Scheurebe war knalltrocken und nur ganz zart in der Aromatik, so dass keiner auf die Rebsorte kam. Ein sehr eleganter, frischer Wein mit ganz hintergründiger Holznote und toller Länge. Nur 12,5 Vol%, leider nicht ganz billig (30 EURO ab Weingut). Auch der Moselriesling ist sehr gelungen. Die 22 Gramm Restzucker waren wunderbar integriert und die schlanken 10,5 Umdrehungen sorgten für viel Trinkfluss. Der Restzucker und die Mischung aus Frucht und Schiefermineralik passten jedenfalls sehr gut zum milchig-salzigen Frischkäse. In jedem Falle kann man beide Weine hier sehr gut als Partner einsetzen.

2. Käse: Fontina aus dem Aosta-Tal mit 3-monatiger Reife (eleganter Schnittkäse, leicht nussig)

Wein A: 2021er Ramsthaler St. Klausen Silvaner QW tr. Alte Reben (Neder, Ramsthal) -Franken-

Wein B: 2022er Furmint "Weiße Erde" QW tr. (Kraft, Rust) -Burgenland-

Hier war der Silvaner im Solo-Test der eindeutige Favorit (12 : 6), was aber sich in der Kombi wieder egalisierte (9 : 9).
Der Silvaner war deutlich frischer und erstaunlich jugendlich. Ein sehr gelungener 21er mit feiner Säure und guter Länge. Eher der schlanke Typ (trotz 13 Vol%), knalltrocken (0,5 RZ) und mineralisch eingefärbt ohne jegliche Birnen-oder Bananen-Aromatik. Sehr gelungen.
Der Furmint präsentierte sich trotz nur 12 Vol% reifer, mit deutlich Quitte und zarten Petrolnoten. In der Kombi passte das aber sehr gut mit dem zart-nussigen Fontina.

3. Käse: Comte Vieux (16 Monate gereift) aus dem Jura (kräftiger aber feiner Kuhmilch-Charakter, stärker nussig, leichte Kristallbildung)

Wein A: 2022er Savagnin "Sous voile" Arbois a.c. (Dugois, Les Asures) -Jura-

Wein B: 2022er "Lousas" Vinas de Aldea tinto (Envinate + Viticultores Galegos) -Ribeira Sacra-

Der 3 Jahre unter einer Hefeflorschicht gereifte Savagnin polarisierte erwartungsgemäß in der Solo-Verkostung und unterlag dem eleganten Rotwein mit 7: 11 Stimmen. In der Kombination spielte der Jura-Wein aber seine Stärken aus und gewann den Vergleich (10 : 8). In der Nase etwas "naturig" und mit zarter Fino-Note glänzt er am Gaumen mit viel Frische und Curry-Würze. Regionaler Käse und regionaler Wein passen halt häufig sehr gut zusammen. Der elegante Nord-Spanier passte aber auch mit seiner fast pinot-artigen Frucht und Würze und zartem Holzeinsatz sehr gut zum Comte. Der Mischsatz dieses Rotweines war deutlich vom Mencia (ca. 80%) geprägt.

4. Käse: Parmiggiano Reggiano Vacche Rosse (24 Monate gereifter Hartkäse) ( viel Umami, konzentriert, etwas Karamell, Kristallbildung)

Wein A: 2022er Traiskirchner "Igeln" 1e Lage Zierfandler QW tr. (Stadlmann, Traiskirchen) -Thermenregion-

Wein B: 2009er Chateau Poujeaux Cru Bourgeois Exceptionnel (Fam. Cuvelier, Moulis) -Bordeaux-

Die Solo-Tendenz ging in Richtung des Zierfandlers (11 : 7), in der Kombi konnte der Weißwein sogar noch leicht zulegen (12 : 6). Qualitativ konnten aber beide Weine überzeugen. Der Zierfandler in seiner dezenten Quitten- und Birnenaromatik mit Kraft (14 Vol%) und Länge, der Poujeaux mit seiner kraftvollen, etwas modernen Bordeaux-Stilistik (ebenfalls 14 Umdrehungen) und seinem feinkörnigen Tannin. Die Franzosen bevorzugen zumeist zur Käseplatte Rotwein, obwohl das Tannin in Verbindung mit der konzentrierten Salzigkeit des Käses selten eine wirkliche Harmonie finden kann. Trotz des relativen glatten Tannins des Poujeaux war die Harmonie eben nicht so gelungen wie mit dem fülligen und dezent fruchtigen Zierfandlers. Dieser Hartkäse braucht in jedem Falle einen kräftigen Weinpartner.

5. Käse: Camembert de Normandie (handgeschöpft, 6 Wochen Reife) (perfekt gereift, nussig, pilzig, dezent Trüffel)

Wein A: ------ Cuvee Vive Blanc de Blancs Grand Cru Extra Brut (Claude Cazals, Mesnil-sur-Oger) -Champagne-

Wein B: 2017er Volnay "En Champans" 1er Cru (Monthelie-Douhairet-Porcheret, Monthelie) -Burgund-

Solo ergab sich ein Remis (9 : 9), in der Kombination setzte sich aber überraschenderweise der wunderbar gereifte Burgunder mit 12 : 6 durch.
Beide Weine konnten aber voll überzeugen. Der Champagner in seiner klaren und zart gereiften Art (ca. 3,5 Jahre Hefelager), frisch, mit 3 Gramm Dosage, ein typischer Aperitiv-Schampus. Der Burgunder gefiel vor allem durch seine perfekte Reife und Ausgeglichenheit. Sehr elegant, zarte Frucht und ebensolches Tannin. Passte auch für mich tatsächlich etwas besser als der Champagner. Die Franzosen haben also doch manchmal auch ein gutes Händchen für die Wein-Käse-Kombi :lol:

6. Käse: Munster (Rotschmierkäse aus dem Elsass mit 2 Monaten Reifung) (eleganter, würziger Rohmilch-Munster)

Wein A: 2023er Wipfelder Traminer QW tr. (Uwe Gessner, Garstadt) -Franken-

Wein B: 2022er Niersteiner Bildstock Grauer Burgunder "Alte Reben" (Gehring, Nierstein) -Rheinhessen-

Hier ein sehr überraschendes Ergebis: Solo 11 : 7 für den eleganten Traminer (8 gr. Restzucker), in der Kombi genau umgekehrt 11 : 7 zugunsten des Grauburgunders.
Der Traminer aus über 50 Jahre alten Reben überzeugt mit zarter eleganter Tramineraromatik, trotz 13,5 Umdrehungen nicht überpowert, die zarte Restsüsse steht ihm gut. Mit 8,50 EURO ab Weingut ein echtes Schnäppchen. Der Grauburgunder aus 55 Jahre alten Reben mit ebenfalls 13,5 Vol% ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Kräftiger, aber gelungener Holzeinsatz (Tonneau), komplett durchgegoren (0,7 gr. RZ), geschmeidige Säure (5,3) sorgen für Schmelz, Länge und perfektes Kontra zum intensiven Munster. Auch Grauburgunder-Skeptiker könnten diesem Rheinhessen einiges abgewinnen. Mit knapp 18 EURO ab Weingut sehr fair bepreist.

7. Käse: Roquefort (Edelpilzkäse aus Schafmilch mit 4-monatiger Reife) (salzig, extrem Umami, würzig und intensiv)

Wein A: 2021er Würzburger Rieslaner Spätlese Ortswein (Bürgerspital Würzburg) -Franken-

Wein B: 2025er "Roen" Gewürztraminer Vendemia tardiva (Cantina Tramin) -Südtirol-

Beide Weine sind solo getrunken absolute Schönheiten. Der große Unterschied lag in der Restsüsse. Während der Rieslaner (eigentlich schon eine ausgewachsene Auslese) bei 8 Vol% 114,8 Restzucker bei 9,3 Promill Säure enthielt, hatte der Südtiroler Gewürztraminer bei nur 6,6 Promill Säure und 11 Vol% fast doppelt soviel Restzucker (226).
Solo brillierte der Rieslaner mit glasklarer Frucht und saftiger Säure und war mit 13 : 5 der Favorit. In der Kombination bewährte sich aber die deutlich höhere Restsüsse des Gewürztraminers und daher drehte sich das Ergebnis zugunsten des Südtirolers (11 : 5 ). 2 Teilnehmer konnten sich nicht entscheiden und haben sich daher stimmlich enthalten.
Ich kann beide Weine nur wärmstens empfehlen. Beide Weine sind in der Frucht extrem brillant mit nur dezenter, aber extrem sauberer Bortrytis. Der Bürgerspitäler Rieslaner ist ohnehin jedes Jahr ein must-buy, da die 0,75 l-Flasche nur 15 EURO (!) kostet.
Ich habe auch selten einen so klaren, feinen und extrem sortentypischen Gewürztraminer aus Südtirol in dieser Gewichtsklasse getrunken. Vor Ort kostet die 0,375 l-Flasche berechtigte 27,50 EURO.

Fazit: Eine zwar sehr aufwendige Geschichte (40 Gläser per Hand gespült ;) ), aber immer wieder sehr interessant und aufschlußreich. Nicht selten glänzt derjenige Wein in der Kombination mit Käse, der solo probiert nicht unbedingt der Favorit war.

Nachahmung im privaten Kreis mit ein paar Freunden wärmstens empfohlen !! Wichtig: nicht nur der Wein, auch der Käse sollte erstklassig sein. Dann steht einem genussvollen Abend nichts mehr im Wege.

LG
Bodo

Re: Käse und Wein in Würzburg

Verfasst: Di 13. Okt 2026, 08:01
von Créot
Tolle Probe, danke für den Bericht, Bodo. Sehr interessant.