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Analysenwerte
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 20:44
von Rieslingfan
Sind für euch die Analysewerte (Säure, Restzucker) von einem Wein wichtig, bzw. interessant?
Mir ist bewusst, dass man daraus in der Regel keine Rückschlüsse auf die Qualität eines Weins ziehen kann, es interessiert mich aber.
Re: Analysenwerte
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 21:01
von Lars Dragl
Hallo Markus!
In jedem Fall ja, aber wenn mir der Wein schmeckt, ist es mir eben auch egal. Das wird bei einem Mosel mit 14,5 Umdrehungen aber genauso wenig geschehen, wie bei einem Spätburgunder unter 4g Säure. Soweit zumindest meine bisherige Erfahrung.
Herzliche Grüße
Lars
Re: Analysenwerte
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 21:16
von EThC
...Säure und Restzucker bilden ja nur einen Teil der Wahrheit ab, insbesondere der Extrakt, der ja in den seltensten Fällen angegeben wird, beeinflußt da schon einiges.
Wenn aber bei einem mir unbekannten, trockenen Wein z.B. Säurewert ≈ Restzuckerwert ist, dann bin ich bei Blindkäufen schon äußerst zurückhaltend...
Re: Analysenwerte
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 21:37
von Bernd Schulz
Welche die Rolle die Analysewerte im Hinblick auf mein Kaufverhalten spielen, hängt sehr vom jeweiligen Wein ab. Beispiel: Bei trockenen Moselrieslingen toleriere ich relativ hohe Restzuckerwerte, bei trockenen fränkischen Silvanern vermeide ich Weine mit einem RZ-Wert von mehr als 4 g/l ziemlich konsequent.
Eine zunehmend größere Rolle spielt für mich der Alkoholgehalt, auf dem ich beim Einkauf immer sehr achte. Süßweine mit 10 und mehr Umdrehungen fallen sofort durchs Raster, und bei trockenen Weinen liegt meine Schmerzgrenze mittlerweile bei 13,5%.
Eine zuvor ungeahnte Bedeutung hat für mich der seit dem Jahrgang 2024 obligatorisch gewordene "Beipackzettel" gewonnen. Nach Möglichkeit schaue ich mir immer an, was außer Trauben und Schwefel noch alles in den Wein gekommen ist. Produkte mit diversen unnötigen Zusätzen (wie beispielsweise CMC

) erwerbe ich normalerweise nicht.
Herzliche Grüße
Bernd
Re: Analysenwerte
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 22:38
von Schönibert
Auch das kann man man natürlich bis zum Exitus überdurchanalysieren, Bernd. Ich hab auch so meine (Vor-)Urteile, aber ich lasse mich da trotzdem gern überraschen wenn ein alkoholstarker säurearmer Weißer trotzdem schmeckt oder umgekehrt. Werd aber mal nach CMC Ausschau halten - und es dann meiden.
Re: Analysenwerte
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 10:11
von Gaston
Früher habe ich das akribisch gesichtet, bis ich festgestellt habe, dass die nackten Zahlen kaum etwas darüber aussagten,
ob mir der Wein schmeckt oder nicht. Heute schaue ich in erster Linie auf den Alkoholgehalt. Bei trockenen Weissweinen möchte ich idealerweise bis 12,5% haben, toleriere aber auch noch 13/13,5.
Bei Rotweinen idealerweise auch bis 13,5 - aber hier wird es eng, und 14% kommt gelegentlich auch ins Glas. Alles darüber meide ich (zu kaufen, gelegentlich probieren schon), womit ja zahlreiche Weinregionen für mich ja kaum noch in Frage kommen...
Re: Analysenwerte
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 10:42
von amateur des vins
Gaston, das ist keine Kritik an Dir, auch wenn Dein Beitrag mich getriggert hat, sondern eine Verständnisfrage an alle, die mich schon länger umtreibt:
Warum wird i.d.R. bei Rotwein ein um einen halben bis ganzen Prozentpunkt oder noch mehr höherer Alkoholgehalt toleriert?
Liegt es am jahreszeitlichen Trinkverhalten und somit eher mittelbar am Wein selber, oder ist es gerade umgekehrt und dieses resultiert aus jenem?
Könnte man nicht argumentieren: Weißwein wird fast immer kälter als Rotwein getrunken, und daher trägt der Alkohol bei Weißwein weniger auf?
Mir ist natürlich klar, daß zarte, filigrane Weine bei weißen viel häufiger als bei roten zu finden sind und diese bei zuviel Alkohol unausgewogen erscheinen würden. Aber das ist kein Naturgesetz, oder? Es gibt sie ja, die Weißweine mit "Rotweinkörper", aber sie sind hier im Forum nicht wohlgelitten, weshalb ich bedauernswert wenig über Südfranzosen lese. Auch hier liegt ein Henne-Ei-Problem vor, vom Selection Bias einmal abgesehen.
Gibt es also eine inhärente Eigenschaft, die Weißweine eher "niederalkaffin" und Rotweine eher "höheralkaffin" macht? Und ist Orangewein auch beim Alk. Wanderer zwischen den Welten? Reifen Rotweinsorten physiologisch generell später, sodaß sich der höhere Alk. zwangsläufig ergibt? Und warum wäre das so - natürliche pflanzenphysiologische Gründe oder Selektion durch Menschen?
Re: Analysenwerte
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 10:52
von EThC
...ich für mich unterscheide da nicht, es gibt in meinem Keller genügend Rotweine, die trotz 12 Umdrehungen und weniger nicht an Schwindsucht leiden, es gibt auch Winzer, deren gehaltvollste Rotweine Jahr für Jahr nie die Zwölfeinhalb-Grenze überschreiten, auch 10 % in absolut trocken und lochfrei gehen. Interessanterweise schaffen das die "naturnah" arbeitenden Winzer aber meiner Wahrnehmung nach öfter als die konventionell arbeitenden...
Re: Analysenwerte
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 11:08
von UlliB
Alkoholgehalte interessieren mich nur am Rande. Ich hatte schon rote Bordeaux mit deklarierten 14,5%Vol., bei denen der Alkohol überhaupt nicht hervortrat, und andererseits auch schon Weine mit "nur" 12,5 oder 13%, bei denen für mich der Alkohol unangenehm zu riechen und zu schmecken war. Das Thema hat allerdings schon etwas mit Bekömmlichkeit zu tun; zwei Gläser mit 14% zum Mittagessen und der Nachmittag ist gelaufen.
Worauf ich häufig achte, sind bei trocken deklarierten Weinen die Restzuckerwerte. Da halte ich das bei Burgundersorten und auch bei Silvaner so wie Erich:
EThC hat geschrieben: ↑Do 3. Sep 2026, 21:16
Wenn aber bei einem mir unbekannten, trockenen Wein z.B. Säurewert ≈ Restzuckerwert ist, dann bin ich bei Blindkäufen schon äußerst zurückhaltend...
Ich nenne das die "Genossenschaftsdoktrin", weil in Baden fast alle Genossenschaften genau so arbeiten, völlig egal ob Rot oder Weiß. Irgendeiner hat da mal aufgebracht, dass "trockene" Weine dann "harmonisch" sind, wenn Säurewert und Restzuckerwert identisch sind. Tatsächlich sind diese Weine für mich sperrig und zäh. Ein trockener Wein muss für mich
richtig trocken sein (Restzucker << 4g/L).
Leider arbeiten nicht nur die badischen Genossenschaften so, sondern auch etliche Winzer, und das nicht nur in Baden. Das ist schon fast eine Seuche.
Gruß
Ulli
Re: Analysenwerte
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 12:11
von JPO
Analysewerte sind mir Latte.
Schmecken muss der Wein. Warum er schmeckt - der Gaumen des Herrn ist unergründlich...