Probenkontext und Weinvorbereitung
Verfasst: Sa 30. Nov 2013, 15:47
Moin,
den etwas sperrigen Titel bitte ich zu entschuldigen ... Es geht um einen kleinen Versuchsaufbau, den ich um die Probe mit deutschen Sekten herum gebaut hatte.
Es gab vor den neun Sekten folgende zwei Weißweine (blind), zu einer Quiche mit Steinpilzen und Lauch:
A. Günter Steinmetz/Mosel, 2012 Wintricher Geierslay Riesling sur lie, 11,5%
ca. neun Stunden vor der Probe geöffnet, doppelt dekantiert und mehrere Minuten mit dem Pürierstab aufgemixt
B. Balthasar Ress/Rheingau, 2012 Hallgartener Jungfer Riesling trocken, 12%
ca. 48 Stunden vor der Probe geöffnet, zwischendurch mehrmals doppelt dekantiert
Beide gefielen der Probenrunde sehr gut. Bei A. wurde zunächst ob der Säure auf 2010 getippt, aber auch 2012 für möglich gehalten. Im Eindruck war der Wein sehr klar, straight, sehr rieslingtypisch. Wein B wurde als noch trockener, aber auch mineralischer und komplexer. Punkte habe ich nicht abgefragt. Beide kamen jedenfalls sehr gut an, A für mein Empfinden noch ein kleines bisschen besser als B.
Nach den Sekten gab es, zum Schweinebauch mit Teriyaki-Sauce, folgende zwei Weine (natürlich ebenfalls blind und ohne dass A und B schon enthüllt worden wären:
C. Günter Steinmetz/Mosel, 2012 Wintricher Geierslay Riesling sur lie, 11,5%
ca. eine Stunde vor der Probe bzw. ca. drei Stunden bevor sie an der Reihe waren geöffnet (einfach nur „Korken raus“ und wieder drauf)
D. Balthasar Ress/Rheingau, 2012 Hallgartener Jungfer Riesling trocken, 12%
ca. eine Stunde vor der Probe bzw. ca. drei Stunden bevor sie an der Reihe waren geöffnet (einfach nur „Schrauber auf“ und wieder zu)
Mal davon abgesehen, dass der Steinmetz geradezu als Perfect Match zum Essen durchging, gefielen die Weine ähnlich wie A. und B. Niemand hat auch nur den leisesten Verdacht geäußert, dass wir diese Weine zwei Stunden zuvor bereits im Glas gehabt hatten. Zugleich kann ich als einzig "Wissender" auch nicht behaupten, dass z. B. C und D nun merklich verschlossener gewesen wären oder dass B in irgendeiner Weise schon an Frische eingebüßt hätte.
Schließlich gab es noch
I. Chateau Tronquoy-Lalande 2005, St. Estèphe Grand Cru, 13%
ca. fünf Stunden bevor er an der Reihe war in eine weite Karaffe gefüllt
II. Chateau Tronquoy-Lalande 2005, St. Estèphe Grand Cru, 13%
ca. zwölf Stunden bevor er an der Reihe war, doppelt dekantiert und mehrere Minuten mit dem Pürierstab aufgemixt
Hier wurden gewisse Ähnlichkeiten zwischen den Weinen gesehen, aber keine Übereinstimmung. Insgesamt war der Wein auch leider nicht wirklich gut: grüne, tendenziell unreife Noten (in 2005??), aber auch sehr dicht und etwas ruppig. Es wurde nicht einmal auf Bordeaux getippt; die Vermutungen oszillierten zwischen Südfrankreich und Deutschland.
Natürlich ist das kein wissenschaftlicher Versuchsaufbau gewesen; dafür hätte man auch nicht so viele Parameter auf einmal verändern dürfen und auch noch mehr Varianten vorbereiten müssen. Außerdem hätte man wohl besser mehrere Exemplare parallel verkostet. ABER: Genau so "unwissenschaftlich" und multifaktoriell sind ja üblicherweise auch die Kontexte, in denen wir sonst Weine probieren, beschreiben und bewerten. Immerhin: Es kam nicht dazu, dass ein Wein im einen Fall als brillant, im anderen als minderwertig beschrieben wurde. Aber wenn wir Punkte oder Rangfolgen vergeben hätten, wäre es mit Sicherheit zu merklichen Unterschieden gekommen und im Zweifelsfall hätten sich dritte Weine in der Bewertung auch zwischen z. B. A und C geschoben.
Viele Grüße
Guido
den etwas sperrigen Titel bitte ich zu entschuldigen ... Es geht um einen kleinen Versuchsaufbau, den ich um die Probe mit deutschen Sekten herum gebaut hatte.
Es gab vor den neun Sekten folgende zwei Weißweine (blind), zu einer Quiche mit Steinpilzen und Lauch:
A. Günter Steinmetz/Mosel, 2012 Wintricher Geierslay Riesling sur lie, 11,5%
ca. neun Stunden vor der Probe geöffnet, doppelt dekantiert und mehrere Minuten mit dem Pürierstab aufgemixt
B. Balthasar Ress/Rheingau, 2012 Hallgartener Jungfer Riesling trocken, 12%
ca. 48 Stunden vor der Probe geöffnet, zwischendurch mehrmals doppelt dekantiert
Beide gefielen der Probenrunde sehr gut. Bei A. wurde zunächst ob der Säure auf 2010 getippt, aber auch 2012 für möglich gehalten. Im Eindruck war der Wein sehr klar, straight, sehr rieslingtypisch. Wein B wurde als noch trockener, aber auch mineralischer und komplexer. Punkte habe ich nicht abgefragt. Beide kamen jedenfalls sehr gut an, A für mein Empfinden noch ein kleines bisschen besser als B.
Nach den Sekten gab es, zum Schweinebauch mit Teriyaki-Sauce, folgende zwei Weine (natürlich ebenfalls blind und ohne dass A und B schon enthüllt worden wären:
C. Günter Steinmetz/Mosel, 2012 Wintricher Geierslay Riesling sur lie, 11,5%
ca. eine Stunde vor der Probe bzw. ca. drei Stunden bevor sie an der Reihe waren geöffnet (einfach nur „Korken raus“ und wieder drauf)
D. Balthasar Ress/Rheingau, 2012 Hallgartener Jungfer Riesling trocken, 12%
ca. eine Stunde vor der Probe bzw. ca. drei Stunden bevor sie an der Reihe waren geöffnet (einfach nur „Schrauber auf“ und wieder zu)
Mal davon abgesehen, dass der Steinmetz geradezu als Perfect Match zum Essen durchging, gefielen die Weine ähnlich wie A. und B. Niemand hat auch nur den leisesten Verdacht geäußert, dass wir diese Weine zwei Stunden zuvor bereits im Glas gehabt hatten. Zugleich kann ich als einzig "Wissender" auch nicht behaupten, dass z. B. C und D nun merklich verschlossener gewesen wären oder dass B in irgendeiner Weise schon an Frische eingebüßt hätte.
Schließlich gab es noch
I. Chateau Tronquoy-Lalande 2005, St. Estèphe Grand Cru, 13%
ca. fünf Stunden bevor er an der Reihe war in eine weite Karaffe gefüllt
II. Chateau Tronquoy-Lalande 2005, St. Estèphe Grand Cru, 13%
ca. zwölf Stunden bevor er an der Reihe war, doppelt dekantiert und mehrere Minuten mit dem Pürierstab aufgemixt
Hier wurden gewisse Ähnlichkeiten zwischen den Weinen gesehen, aber keine Übereinstimmung. Insgesamt war der Wein auch leider nicht wirklich gut: grüne, tendenziell unreife Noten (in 2005??), aber auch sehr dicht und etwas ruppig. Es wurde nicht einmal auf Bordeaux getippt; die Vermutungen oszillierten zwischen Südfrankreich und Deutschland.
Natürlich ist das kein wissenschaftlicher Versuchsaufbau gewesen; dafür hätte man auch nicht so viele Parameter auf einmal verändern dürfen und auch noch mehr Varianten vorbereiten müssen. Außerdem hätte man wohl besser mehrere Exemplare parallel verkostet. ABER: Genau so "unwissenschaftlich" und multifaktoriell sind ja üblicherweise auch die Kontexte, in denen wir sonst Weine probieren, beschreiben und bewerten. Immerhin: Es kam nicht dazu, dass ein Wein im einen Fall als brillant, im anderen als minderwertig beschrieben wurde. Aber wenn wir Punkte oder Rangfolgen vergeben hätten, wäre es mit Sicherheit zu merklichen Unterschieden gekommen und im Zweifelsfall hätten sich dritte Weine in der Bewertung auch zwischen z. B. A und C geschoben.
Viele Grüße
Guido