Deutscher Riesling-Sekt
Verfasst: Sa 30. Nov 2013, 13:10
Bei mir kamen gestern (neben ein paar Stillweinen, dazu später an anderer Stelle mehr) einige Sekte auf den Tisch. Generalthema war "Deutscher Riesling-Winzersekt" (mit Piraten).
Alle Sekte wurden verdeckt verkostet und jeweils nach zwei Exemplaren enthüllt. Als Gastgeber habe ich mir nur spärliche Notizen gemacht:
1. Paulinshof/Mosel, Riesling Sekt brut oJ, 12%
-> sehr feine Perlage, recht leicht und trotzdem cremig. Duftet etwas nach Mandarinen, im Abgang leicht metallisch. Für mich 87 Pkte.
2. Kirsten/Mosel, 2009 Riesling Sekt brut, 12,5%
-> mittelfeine Perlage, schäumt im Mund ziemlich auf. Etwas süßer als 1 und insgesamt ein bisschen plump. 85 Pkte.
3. Raumland/Rheinhessen, Riesling Sekt brut oJ (deg. 01/11), 11,5%
-> leicht rosinige Nase, im Mund schon recht reif, bisschen Sherrynoten, aber auch Länge und Charakter. Schöne "Weinigkeit". 88 Pkte.
4. Fürst v. Metternich 2011 Riesling Sekt brut, 13%
-> Der Jahrgangsvertreter dieses Nicht-Winzer-Sekts überraschte alle: reife (aber nicht firne) Rieslingnase, große Tiefe, insgesamt sehr "seriös" (es fiel die Kategorisierung, "ein Sekt für Bismarck" - na ja, fast). 89 Pkte.
5. Schloss Reinhartshausen/Rheingau, Riesling Sekt brut Rheingau oJ, 13%
-> Schien leider einen Kork-Streifschuss erwischt zu haben. Dahinter aber sehr hohe Qualität (auch des Grundweins) erkennbar. 88 Pkte.
6. Robert Weil/Rheingau, 2010 Riesling Sekt brut, 12,5%
-> Ganz merkwürdig: Intensiver Dill-Geruch und -Geschmack (der Sekt zum Graved Lachs?). Der Korken nicht altersgemäß, die untere Platte war stark verschrumpelt und dunkel-feucht. 86 Pkte.
7. Wolfberger/Elsass, Crémant d’Alsace Riesling brut oJ, 12%
-> Zunächst durchaus animierend, aber doch sehr einfach gestrickt. Ein bisschen Sekt süß-sauer. 87 Pkte.
8. Reichsrat v. Buhl/Pfalz, Riesling Sekt brut 2010 (deg. 06/12), 12,5%
-> Eher schwächere Perlage, sehr weinig, tadellose Struktur, absolut eigenständig, rebsortentypisch und kein kläglicher Versuch der Champagner-Imitation. 90 Pkte.
9. Schloss Vaux/Rheingau, Rheingau Riesling brut oJ, 12%
-> Sehr frisch und zupackend, etwas rauchig, Cassis. Polarisierte etwas. "Mächtige Frische" ist auch eine komische Kombination. Ebenfalls 90 Pkte.
Mir ging es also bei dieser Probe nicht um das Prestige-Segment, sondern um das, was man im Weinhandel oder sehr gut sortierten Lebensmittelmarkt finden kann, wenn man bereit ist, zwischen 10 und 20 Euro auszugeben.
Wir haben es gestern irgendwie versäumt, ein Ranking aufzustellen. Der Buhl war aber der einhellige Favorit, auch Metternich gefiel erstaunlich gut (man muss sagen, dass die Jahrgangs-Variante sich preislich von den anderen Exemplaren in dieser Probe auch nicht unterscheidet, der ist ungefähr doppelt so teuer wie der jahrgangslose Supermarkt-Sekt). Interessant ist noch, dass der Raumland durch Angabe des Degorgier-Datums Aufschluss darüber erlaubte, dass es sich hier nun wirklich nicht mehr um eine aktuelle Flasche handelt. Ein jahrgangsloser Basis-Riesling-Sekt gehört nach fast drei Jahren natürlich längst ausgetrunken - um so respektabler, wie er sich trotzdem noch halten konnte. Auch vom Weil gibt es mittlerweile eigentlich schon den 11er, dennoch ein Rätsel, wie der 10er sich gestern zeigte. Und das für fast 20 Euro. Weil wird wohl auch im Sekt-Bereich nie zum PLV-Sieger. Auf jeden Fall ist das Thema "Überlagerung" hoch relevant, wenn man solche Sekte im Handel kauft, v. a. bei den jahrgangslosen Exemplaren, die keinen Aufschluss erlauben, wie lange die Flaschen schon im Laden stehen.
Den Reinhartshausen hätte ich gern aus einer einwandfreien Flasche getrunken. Und das der Paulinshof mir deutlich besser als Kirsten gefiel (Kirsten ist eigentlich für mich seit Jahr und Tag ein solder Wert aus dem Möpi-Sortiment), hätte ich so nicht erwartet.
Meine drei Haupt-Überraschungen:
1. Die Sekte waren weniger süß als befürchtet.
2. Die Sekte waren wesentlich verschiedener als erwartet.
3. "Frisch und fruchtig" waren nicht unbedingt die Attribute, die einem als Erstes in den Sinn kamen.
Viele Grüße
Guido
Alle Sekte wurden verdeckt verkostet und jeweils nach zwei Exemplaren enthüllt. Als Gastgeber habe ich mir nur spärliche Notizen gemacht:
1. Paulinshof/Mosel, Riesling Sekt brut oJ, 12%
-> sehr feine Perlage, recht leicht und trotzdem cremig. Duftet etwas nach Mandarinen, im Abgang leicht metallisch. Für mich 87 Pkte.
2. Kirsten/Mosel, 2009 Riesling Sekt brut, 12,5%
-> mittelfeine Perlage, schäumt im Mund ziemlich auf. Etwas süßer als 1 und insgesamt ein bisschen plump. 85 Pkte.
3. Raumland/Rheinhessen, Riesling Sekt brut oJ (deg. 01/11), 11,5%
-> leicht rosinige Nase, im Mund schon recht reif, bisschen Sherrynoten, aber auch Länge und Charakter. Schöne "Weinigkeit". 88 Pkte.
4. Fürst v. Metternich 2011 Riesling Sekt brut, 13%
-> Der Jahrgangsvertreter dieses Nicht-Winzer-Sekts überraschte alle: reife (aber nicht firne) Rieslingnase, große Tiefe, insgesamt sehr "seriös" (es fiel die Kategorisierung, "ein Sekt für Bismarck" - na ja, fast). 89 Pkte.
5. Schloss Reinhartshausen/Rheingau, Riesling Sekt brut Rheingau oJ, 13%
-> Schien leider einen Kork-Streifschuss erwischt zu haben. Dahinter aber sehr hohe Qualität (auch des Grundweins) erkennbar. 88 Pkte.
6. Robert Weil/Rheingau, 2010 Riesling Sekt brut, 12,5%
-> Ganz merkwürdig: Intensiver Dill-Geruch und -Geschmack (der Sekt zum Graved Lachs?). Der Korken nicht altersgemäß, die untere Platte war stark verschrumpelt und dunkel-feucht. 86 Pkte.
7. Wolfberger/Elsass, Crémant d’Alsace Riesling brut oJ, 12%
-> Zunächst durchaus animierend, aber doch sehr einfach gestrickt. Ein bisschen Sekt süß-sauer. 87 Pkte.
8. Reichsrat v. Buhl/Pfalz, Riesling Sekt brut 2010 (deg. 06/12), 12,5%
-> Eher schwächere Perlage, sehr weinig, tadellose Struktur, absolut eigenständig, rebsortentypisch und kein kläglicher Versuch der Champagner-Imitation. 90 Pkte.
9. Schloss Vaux/Rheingau, Rheingau Riesling brut oJ, 12%
-> Sehr frisch und zupackend, etwas rauchig, Cassis. Polarisierte etwas. "Mächtige Frische" ist auch eine komische Kombination. Ebenfalls 90 Pkte.
Mir ging es also bei dieser Probe nicht um das Prestige-Segment, sondern um das, was man im Weinhandel oder sehr gut sortierten Lebensmittelmarkt finden kann, wenn man bereit ist, zwischen 10 und 20 Euro auszugeben.
Wir haben es gestern irgendwie versäumt, ein Ranking aufzustellen. Der Buhl war aber der einhellige Favorit, auch Metternich gefiel erstaunlich gut (man muss sagen, dass die Jahrgangs-Variante sich preislich von den anderen Exemplaren in dieser Probe auch nicht unterscheidet, der ist ungefähr doppelt so teuer wie der jahrgangslose Supermarkt-Sekt). Interessant ist noch, dass der Raumland durch Angabe des Degorgier-Datums Aufschluss darüber erlaubte, dass es sich hier nun wirklich nicht mehr um eine aktuelle Flasche handelt. Ein jahrgangsloser Basis-Riesling-Sekt gehört nach fast drei Jahren natürlich längst ausgetrunken - um so respektabler, wie er sich trotzdem noch halten konnte. Auch vom Weil gibt es mittlerweile eigentlich schon den 11er, dennoch ein Rätsel, wie der 10er sich gestern zeigte. Und das für fast 20 Euro. Weil wird wohl auch im Sekt-Bereich nie zum PLV-Sieger. Auf jeden Fall ist das Thema "Überlagerung" hoch relevant, wenn man solche Sekte im Handel kauft, v. a. bei den jahrgangslosen Exemplaren, die keinen Aufschluss erlauben, wie lange die Flaschen schon im Laden stehen.
Den Reinhartshausen hätte ich gern aus einer einwandfreien Flasche getrunken. Und das der Paulinshof mir deutlich besser als Kirsten gefiel (Kirsten ist eigentlich für mich seit Jahr und Tag ein solder Wert aus dem Möpi-Sortiment), hätte ich so nicht erwartet.
Meine drei Haupt-Überraschungen:
1. Die Sekte waren weniger süß als befürchtet.
2. Die Sekte waren wesentlich verschiedener als erwartet.
3. "Frisch und fruchtig" waren nicht unbedingt die Attribute, die einem als Erstes in den Sinn kamen.
Viele Grüße
Guido
