Auf ein Glas ..... 2009 Bin 28 Penfolds
Verfasst: Di 3. Jul 2012, 09:17
Dass es unterschiedliche Spielarten der menschlichen Spezies gibt, fällt ja allenthalben auf. Männer können beispielsweise in die Blumen mitbringende und Gedenktag erinnernde Unterart unterteilt werden, im Gegensatz zu denen, denen beides nicht gegeben ist. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten, zu Anfang einer Beziehung können auch Nichtblumenmitbringer zeitweise der anderen Gruppe angehören, ein nachgewiesenermaßen temporäres Phänomen, was sich aber spätestens beim ersten Gedenktag legt, den vergessen sie nämlich. Ab diesem Zeitpunkt kann die Beziehung als gefestigt gelten mit guten Zukunftsaussichten (so frau sich mit diesem Umstand final abfinden kann und sich ihre Blumen selber kauft, ein funktionierendes Gedenktagerinnerungssystem installiert oder auf derlei Gunstbeweise einfach pfeift).
Auch ist es ein Irrtum, zu glauben, ausnahmslos alle Männer würden im Sommer nichts lieber tun, als an einem heißen Grill stehen und dicke Fleischbrocken über der Glut wenden. Es gibt auch die Spezies der Grillverweigerer. Nein, bis da endlich mal die Glut so weit ist, bin ich verhungert und dann ist alles außen angekokelt und innen roh, wer mag das denn essen und Bier mag ich auch keines.
Herr susa gehörte bis vor einigen Woche zu just dieser Spezies. Egal wie oft ich wie zufällig Hochglanzzeitschriften mit den besten Grillrezepten oder Flyer mit Grillsonderangebotaktionen des örtlichen Bau- und Gartenmarktes an seinem Platz vergaß, es war nichts zu machen. Ich hätt ja so gerne gegrillt, ich hab mir am End schon eingeredet, ich würd's auch nicht mögen. Aber es half nix, Herr susa grillte nicht und vor Einladungen auf Grillparties versuchte er sich zu drücken, wo es nur ging.
Bis vor zwei Monaten. Seitdem ist alles anderes. Alles begann damit, dass wir im Urlaub in unserem Ferienhaus einen betriebsbereiten Gasgrill, Premiummodell vom amerikanischen Marktführer, vorfanden. Und die Vermieterin aufmunternd sagte "Probieren Sie es ruhig mal aus, it's fun!" (sie ist Schottin).
Und so holte ich eines Tages beim besten Metzger am Urlaubsort ein richtig feines Stück Entrecôte vom Charolais, Label rouge, AOC, (am Vortag hatten wir mit einfachen Bratwürsten geübt) und Herr susa begab sich an den Grill. (Zuvor hatten wir alles notwendige Wissen im Internet zusammen gegoogelt – wie haben wir es früher im Urlaub nur ohne Internet geschafft). Und das Stück Fleisch wurde auf Anhieb perfekt (es war allerdings auch von exzellenter Qualität, solange es nicht zu durch geriet konnte man es eigentlich nicht versauen), nur ein paar Körner fleur de sel, frisch gebackenes Brot und ein feiner Rotwein dazu – ein Genuss.
Wieder zu Hause traute ich meinen Ohren nicht "Guck doch mal, was so ein Grill kostet, würd mich mal interessieren – einfach so!" Jetzt hieß es, dran bleiben, nicht zu enthusiastisch, aber geschickt.
Letzten Samstagnachmittag sind wir dann "einfach nur mal gucken" gefahren und kamen dann mit einem Gasgrill zurück.
Grillnerds und "echte Männer" werden einwenden, nur Holzkohle sei das Wahre, alles andere sei für Weicheier und Mädchen. Aber ein Gasgrill, zumal einer mit allen Schikanen, resp. mit den absolut erforderlichen zwei Brennkreisen, ist um Längen besser als überhaupt kein Grill. Die einfache Bedienung und Flexibilität des Systems hat den großen Skeptiker letztendlich überzeugt, der Grill ist schnell heiß, Temperatur kann individuell angepasst werden, indirektes Grillen, relativ wenig Geruchsentwicklung und keine Ascheabfälle, die immer genau dahin wehen, wo sie keiner brauchen kann (z.B. auf die Wäsche auf Frau Nachbarins Leine).
Gott sei Dank fanden sich am Samstag noch ein paar Merguez und Chipolatas in der Kühltruhe, denn wenn man/Mann schon am einzigen heißen Nachmittag des Jahres einen Grill zusammenbaut und sich mit einer Gasflasche abplagt, dann muss diese Bemühung ja auch mit der Grillinbetriebnahme belohnt werden. Ein bisschen Kartoffelsalat und Nudelsalat war schnell zusammen gerührt, die Zutaten hat man ja immer im Haus, auch für etwas Tabouleh hat's gereicht, das passt doch immer noch am besten zu Merguez.
Und so wurde die grilllose Zeit bei susas endlich beendet und natürlich musste das auch gebührend begossen werden.
Gerade zu Merguez mit ihrer angenehm würzigen Schärfe sowie den Röstaromen des gegrillten Fleischs und der etwas orientalisch gewürzten Tabouleh passt ein Wein aus dem Süden Frankreichs, Rhône, Provence, Languedoc etc. vor allem die Rebsorten Syrah und Mourvèdre sehr gut. Auch ein australischer Shiraz kann sich da sehen bzw. trinken lassen. Zu Kartoffel- (mit Brühe und Vinaigrette) und Nudelsalat (mit Kräuter/Joghurt-Dressing) allerdings weniger, aber der Wein der gleichermaßen zu all den Komponenten eines zünftigen Grillabends passt, muss wohl noch erfunden werden, bzw. ist wohl ein Bier.
Wir hatten
2009 Bin 28 Kalimna Shiraz
Penfolds, Barossa Valley (Australien)
Bin 28 bezeichnet ausgewählte Fässer, aus denen das Lesegut der Lage Kalimna im Barossa Valley vergoren wird (Kalmina klingt ja irgendwie eher griechisch).
Es handelt sich um einen sehr dunkelroten Wein mit leicht violetten Reflexen am Glasrand, Duftet im ersten Augenblick wie ein Lebkuchen Zimt, Mandel, Koriander, Honig, danach breiten sich auch Fruchtaromen aus reife Pflaume, Süßkirsche, später auch Kräuter, Eukalyptus und Lakritz. Das ist so ein Nasenwein, sehr feine Aromen in der Nase, am Gaumen im ersten Augenblick etwas zu wuchtig, was sich aber nach einiger Zeit legt. Angenehm schmelzig aber nicht überfett, Schokolade, Mocca, zarte Vanille wiederum reife süße Frucht und ein mittlerer Abgang.
Passte wunderbar zu Merguez und Tabouleh.
Das ist ein Wein, mit dem man nicht viel falsch machen kann; sicher fehlt ein wenig Individualität, ein wenig zu glatt gebügelt, aber harmonisch, kräftig und konzentriert¸ sehr angenehm ist, dass der Holzansatz nicht zu dominant ist. Ein weiterer Vorteil ist die relativ einfache Beschaffung, den kriegt man fast an jeder Ecke, was wenn man mal gar nichts Passendes mehr im Keller hat, ein großer Vorteil ist (mit Weinkellern verhält es sich ja wie mit Kleider- und Schuhschränken, prall gefüllt mit Bekleidung jeder Art, aber für just DEN Anlass ist dann doch wieder nicht das Richtige drin und man kauft sich lieber was Neues, was Passende(re)s).
Auch ist es ein Irrtum, zu glauben, ausnahmslos alle Männer würden im Sommer nichts lieber tun, als an einem heißen Grill stehen und dicke Fleischbrocken über der Glut wenden. Es gibt auch die Spezies der Grillverweigerer. Nein, bis da endlich mal die Glut so weit ist, bin ich verhungert und dann ist alles außen angekokelt und innen roh, wer mag das denn essen und Bier mag ich auch keines.
Herr susa gehörte bis vor einigen Woche zu just dieser Spezies. Egal wie oft ich wie zufällig Hochglanzzeitschriften mit den besten Grillrezepten oder Flyer mit Grillsonderangebotaktionen des örtlichen Bau- und Gartenmarktes an seinem Platz vergaß, es war nichts zu machen. Ich hätt ja so gerne gegrillt, ich hab mir am End schon eingeredet, ich würd's auch nicht mögen. Aber es half nix, Herr susa grillte nicht und vor Einladungen auf Grillparties versuchte er sich zu drücken, wo es nur ging.
Bis vor zwei Monaten. Seitdem ist alles anderes. Alles begann damit, dass wir im Urlaub in unserem Ferienhaus einen betriebsbereiten Gasgrill, Premiummodell vom amerikanischen Marktführer, vorfanden. Und die Vermieterin aufmunternd sagte "Probieren Sie es ruhig mal aus, it's fun!" (sie ist Schottin).
Und so holte ich eines Tages beim besten Metzger am Urlaubsort ein richtig feines Stück Entrecôte vom Charolais, Label rouge, AOC, (am Vortag hatten wir mit einfachen Bratwürsten geübt) und Herr susa begab sich an den Grill. (Zuvor hatten wir alles notwendige Wissen im Internet zusammen gegoogelt – wie haben wir es früher im Urlaub nur ohne Internet geschafft). Und das Stück Fleisch wurde auf Anhieb perfekt (es war allerdings auch von exzellenter Qualität, solange es nicht zu durch geriet konnte man es eigentlich nicht versauen), nur ein paar Körner fleur de sel, frisch gebackenes Brot und ein feiner Rotwein dazu – ein Genuss.
Wieder zu Hause traute ich meinen Ohren nicht "Guck doch mal, was so ein Grill kostet, würd mich mal interessieren – einfach so!" Jetzt hieß es, dran bleiben, nicht zu enthusiastisch, aber geschickt.
Letzten Samstagnachmittag sind wir dann "einfach nur mal gucken" gefahren und kamen dann mit einem Gasgrill zurück.
Grillnerds und "echte Männer" werden einwenden, nur Holzkohle sei das Wahre, alles andere sei für Weicheier und Mädchen. Aber ein Gasgrill, zumal einer mit allen Schikanen, resp. mit den absolut erforderlichen zwei Brennkreisen, ist um Längen besser als überhaupt kein Grill. Die einfache Bedienung und Flexibilität des Systems hat den großen Skeptiker letztendlich überzeugt, der Grill ist schnell heiß, Temperatur kann individuell angepasst werden, indirektes Grillen, relativ wenig Geruchsentwicklung und keine Ascheabfälle, die immer genau dahin wehen, wo sie keiner brauchen kann (z.B. auf die Wäsche auf Frau Nachbarins Leine).
Gott sei Dank fanden sich am Samstag noch ein paar Merguez und Chipolatas in der Kühltruhe, denn wenn man/Mann schon am einzigen heißen Nachmittag des Jahres einen Grill zusammenbaut und sich mit einer Gasflasche abplagt, dann muss diese Bemühung ja auch mit der Grillinbetriebnahme belohnt werden. Ein bisschen Kartoffelsalat und Nudelsalat war schnell zusammen gerührt, die Zutaten hat man ja immer im Haus, auch für etwas Tabouleh hat's gereicht, das passt doch immer noch am besten zu Merguez.
Und so wurde die grilllose Zeit bei susas endlich beendet und natürlich musste das auch gebührend begossen werden.
Gerade zu Merguez mit ihrer angenehm würzigen Schärfe sowie den Röstaromen des gegrillten Fleischs und der etwas orientalisch gewürzten Tabouleh passt ein Wein aus dem Süden Frankreichs, Rhône, Provence, Languedoc etc. vor allem die Rebsorten Syrah und Mourvèdre sehr gut. Auch ein australischer Shiraz kann sich da sehen bzw. trinken lassen. Zu Kartoffel- (mit Brühe und Vinaigrette) und Nudelsalat (mit Kräuter/Joghurt-Dressing) allerdings weniger, aber der Wein der gleichermaßen zu all den Komponenten eines zünftigen Grillabends passt, muss wohl noch erfunden werden, bzw. ist wohl ein Bier.
Wir hatten
2009 Bin 28 Kalimna Shiraz
Penfolds, Barossa Valley (Australien)
Bin 28 bezeichnet ausgewählte Fässer, aus denen das Lesegut der Lage Kalimna im Barossa Valley vergoren wird (Kalmina klingt ja irgendwie eher griechisch).
Es handelt sich um einen sehr dunkelroten Wein mit leicht violetten Reflexen am Glasrand, Duftet im ersten Augenblick wie ein Lebkuchen Zimt, Mandel, Koriander, Honig, danach breiten sich auch Fruchtaromen aus reife Pflaume, Süßkirsche, später auch Kräuter, Eukalyptus und Lakritz. Das ist so ein Nasenwein, sehr feine Aromen in der Nase, am Gaumen im ersten Augenblick etwas zu wuchtig, was sich aber nach einiger Zeit legt. Angenehm schmelzig aber nicht überfett, Schokolade, Mocca, zarte Vanille wiederum reife süße Frucht und ein mittlerer Abgang.
Passte wunderbar zu Merguez und Tabouleh.
Das ist ein Wein, mit dem man nicht viel falsch machen kann; sicher fehlt ein wenig Individualität, ein wenig zu glatt gebügelt, aber harmonisch, kräftig und konzentriert¸ sehr angenehm ist, dass der Holzansatz nicht zu dominant ist. Ein weiterer Vorteil ist die relativ einfache Beschaffung, den kriegt man fast an jeder Ecke, was wenn man mal gar nichts Passendes mehr im Keller hat, ein großer Vorteil ist (mit Weinkellern verhält es sich ja wie mit Kleider- und Schuhschränken, prall gefüllt mit Bekleidung jeder Art, aber für just DEN Anlass ist dann doch wieder nicht das Richtige drin und man kauft sich lieber was Neues, was Passende(re)s).