Auf ein Glas ..... 2011 Chât. d'Etroyes, Les Ormeaux, Merc.
Verfasst: Di 29. Mai 2012, 08:23
Um in die Liste der schönsten Dörfer seines Landes aufgenommen zu werden, muss sich ein Dorf in Frankreich schon sehr anstrengen. Nicht mehr als 2000 Einwohner darf es haben, mindestens zwei historische Monumente aufweisen und eine Politik des Geschichts- und Kulturerbes betreiben, ökologisches Bewusstsein kann ich auch nicht schaden. Dann darf es sich ein Schild an den Ortseingang stellen, dass es zu den schönsten Dörfern Frankreichs gehört, was zwar keine offizielle Bezeichnung ist, aber durchaus einen heilsamen Einfluss auf den Tourismus haben kann.
Hätte man unsere Tante L. zu Lebzeiten gefragt, so wäre das alles gar nicht nötig gewesen. Das schönste Dorf Frankreichs, da gab es für sie überhaupt keinen Zweifel, ist das kleine Dörfchen Mercurey an Côte Chalonnaise.
Den Grundstein für diese lebenslange Liebe hat Ihr Mann, Onkel H., gelegt, der als Kriegsgefangener dort bei den Weinbauern als Feldarbeiter eingesetzt wurde. Und was die Menschheit im Großen nicht schafft, das haben Onkel H. und seine Einsatzfamilie im Kleinen geschafft. Über alle politischen, nationalen und sprachlichen Grenzen hinweg wurden sie Freunde, feierten Hochzeiten und Kindstaufen zusammen, besuchten sich gegenseitig und als sie sich nicht mehr besuchen konnten, schrieben sie sich Briefe, die ihnen sprachgewandte Verwandte und Freunde gegenseitig übersetzen. Denn mündlich und schriftlich, das war für diesen Freundeskreis ein himmelweiter Unterschied.
Jeden Urlaub verbrachte Tante L. dort auch noch nach Onkel H.s frühem Tod, deckte sich bei der Gelegenheit mit dem lokalen Wein und den allerneusten Neuigkeiten aus dem Dorf ein. In Mercurey hatte sie keinerlei Zipperlein oder schlechte Laune.
Und als wir vor vielen Jahren mit Weinfreunden eine Burgundreise machten, gerieten wir in das damals noch Michelin besternte Restaurant der Hostellerie le Val d'Or in ebenda, Mercurey. Sofort erinnerten wir uns an Tantens Erzählungen und konnten sie gleich verstehen. Übrigens, zu Hause angekommen, kommentierte Tante L. unsere Restaurantwahl mit den Worten "Tz tz tz! Ins Val d'Or, da gehen doch nur die reichen Leute aus Paris, in Mercurey isst man bei Y. und L.!" Ein Mercuréen hätte es sicher nicht besser ausdrücken können, nur auf Französisch.
Seitdem ist Mercurey auch bei uns, bei Herrn susa und mir, Familientradition geworden, unser Standard-Stoppover auf dem Weg an die Côte d'Azur und Ausgangspunkt für Weinreisen durch das Burgund.
Die Weine dort haben wir ebenfalls schätzen gelernt. Es sind nicht die großartigen komplexen mineralischen Chardonnays, wie man sie im nicht weit entfernten Montrachet findet, oder die subtil eleganten fast kapriziösen Pinots der nördlich gelegenen Côte de Beaune oder Côte de Nuits. Es sind einfache, gradlinige, etwas rustikale aber überaus charmante Weine voller Kraft mit klaren Aromen.
Unser Lieblingswinzer dort ist François Raquillet, gleich hinter der Kirche, vor allem seine Weißweine begeistern seit Jahren und mit durchaus etwas mehr als nur Charme, sie verfügen über eine zarte Mineralität, je nach Lage eher fruchtbetonte oder florale Noten, immer aber dicht und mit kraftvollem Schmelz. Unsere diesjährige Auswahl haben wir "blind" gekauft und zum ersten Mal nicht beim Winzer selber, sondern im vor einigen Jahren neu errichteten Caveau, der dort aber wortspielend DiVin Mercurey heißt. Der freundliche Verkäufer beruhigte uns gleich "Eh, Monsieur, c'est Raquillet, hein …!" Und deswegen haben wir dann noch ein paar andere probiert und gekauft, unter anderem den ersten 2011er Weißwein für dieses Jahr und er verspricht, gut zu werden.
2011 Les Ormeaux
Château d'Etroyes, Mercurey AOC, Côte Chalonnaise
Zartes Gelb und eine sehr feine mineralische Nase mit Grapefruit- und Limettenduft, am Gaumen recht geschliffen klar, angenehme nicht zu dominante Säure, nun auch leichtes Pfirsicharoma, wiederum Mineral, mittellanger feiner Abgang.
Wow, nach drei Wochen Côte d'Azur (man erinnere sich an meine Einlassungen hier ) ein erfrischendes Erlebnis. Kein Chichi und Blingbling, dafür ein solider, sehr fein strukturierter Wein und schon durchaus ein wenig mehr als "nur" Alltagsqualität. Und die Preise so wohltuend angemessen und fair, 11.80€ ab Hof bzw. ab Caveau.
Hätte man unsere Tante L. zu Lebzeiten gefragt, so wäre das alles gar nicht nötig gewesen. Das schönste Dorf Frankreichs, da gab es für sie überhaupt keinen Zweifel, ist das kleine Dörfchen Mercurey an Côte Chalonnaise.
Den Grundstein für diese lebenslange Liebe hat Ihr Mann, Onkel H., gelegt, der als Kriegsgefangener dort bei den Weinbauern als Feldarbeiter eingesetzt wurde. Und was die Menschheit im Großen nicht schafft, das haben Onkel H. und seine Einsatzfamilie im Kleinen geschafft. Über alle politischen, nationalen und sprachlichen Grenzen hinweg wurden sie Freunde, feierten Hochzeiten und Kindstaufen zusammen, besuchten sich gegenseitig und als sie sich nicht mehr besuchen konnten, schrieben sie sich Briefe, die ihnen sprachgewandte Verwandte und Freunde gegenseitig übersetzen. Denn mündlich und schriftlich, das war für diesen Freundeskreis ein himmelweiter Unterschied.
Jeden Urlaub verbrachte Tante L. dort auch noch nach Onkel H.s frühem Tod, deckte sich bei der Gelegenheit mit dem lokalen Wein und den allerneusten Neuigkeiten aus dem Dorf ein. In Mercurey hatte sie keinerlei Zipperlein oder schlechte Laune.
Und als wir vor vielen Jahren mit Weinfreunden eine Burgundreise machten, gerieten wir in das damals noch Michelin besternte Restaurant der Hostellerie le Val d'Or in ebenda, Mercurey. Sofort erinnerten wir uns an Tantens Erzählungen und konnten sie gleich verstehen. Übrigens, zu Hause angekommen, kommentierte Tante L. unsere Restaurantwahl mit den Worten "Tz tz tz! Ins Val d'Or, da gehen doch nur die reichen Leute aus Paris, in Mercurey isst man bei Y. und L.!" Ein Mercuréen hätte es sicher nicht besser ausdrücken können, nur auf Französisch.
Seitdem ist Mercurey auch bei uns, bei Herrn susa und mir, Familientradition geworden, unser Standard-Stoppover auf dem Weg an die Côte d'Azur und Ausgangspunkt für Weinreisen durch das Burgund.
Die Weine dort haben wir ebenfalls schätzen gelernt. Es sind nicht die großartigen komplexen mineralischen Chardonnays, wie man sie im nicht weit entfernten Montrachet findet, oder die subtil eleganten fast kapriziösen Pinots der nördlich gelegenen Côte de Beaune oder Côte de Nuits. Es sind einfache, gradlinige, etwas rustikale aber überaus charmante Weine voller Kraft mit klaren Aromen.
Unser Lieblingswinzer dort ist François Raquillet, gleich hinter der Kirche, vor allem seine Weißweine begeistern seit Jahren und mit durchaus etwas mehr als nur Charme, sie verfügen über eine zarte Mineralität, je nach Lage eher fruchtbetonte oder florale Noten, immer aber dicht und mit kraftvollem Schmelz. Unsere diesjährige Auswahl haben wir "blind" gekauft und zum ersten Mal nicht beim Winzer selber, sondern im vor einigen Jahren neu errichteten Caveau, der dort aber wortspielend DiVin Mercurey heißt. Der freundliche Verkäufer beruhigte uns gleich "Eh, Monsieur, c'est Raquillet, hein …!" Und deswegen haben wir dann noch ein paar andere probiert und gekauft, unter anderem den ersten 2011er Weißwein für dieses Jahr und er verspricht, gut zu werden.
2011 Les Ormeaux
Château d'Etroyes, Mercurey AOC, Côte Chalonnaise
Zartes Gelb und eine sehr feine mineralische Nase mit Grapefruit- und Limettenduft, am Gaumen recht geschliffen klar, angenehme nicht zu dominante Säure, nun auch leichtes Pfirsicharoma, wiederum Mineral, mittellanger feiner Abgang.
Wow, nach drei Wochen Côte d'Azur (man erinnere sich an meine Einlassungen hier ) ein erfrischendes Erlebnis. Kein Chichi und Blingbling, dafür ein solider, sehr fein strukturierter Wein und schon durchaus ein wenig mehr als "nur" Alltagsqualität. Und die Preise so wohltuend angemessen und fair, 11.80€ ab Hof bzw. ab Caveau.