Auf ein Glas .... 2010 Riesl. Novemberlese, Schäfer-Fröhlich
Verfasst: Di 20. Dez 2011, 08:42
Endspurt Ihr Lieben!
Noch vier Mal schlafen und dann ist Heilig Abend. Ich hoffe, die Gänse, Enten, Weißwürste, Karpfen oder Roastbeefs liegen schon heil in Euren Tiefkühltruhen oder sind definitiv beim Metzger oder Geflügel/Fischhändler dV bestellt, die Beilagen sind klar, die Geschenke sind besorgt, der Baum ist ausgesucht. Falls nicht, ist es von nicht unwesentlicher Bedeutung, vor dem Erwerb seinen Christbaumkauf-Typ zu bestimmen, das vermeidet Verwirrung und unnötigen Zeitverlust. Denn ein vernünftiges Zeitmanagement ist das A und O in dieser Zeit.
Bleibt nur noch eine Frage offen – die S-Frage!
Die S-Frage beschäftigt die Nation meistens ab ungefähr dem dritten Adventssonntag und die vereinigte öffentlich-rechtliche und private Meteo-Taskforce forscht nur noch zu einem einzigen Thema: Wird es an Weihnachten schneien?
Weiße Weihnacht ist sozusagen die conditio sine qua non, die Bedingung ohne die der Erfolg einer Handlung oder eines Vorganges schlicht nicht möglich ist.
Allerdings haben wir speziell am Niederrhein gelernt, dennoch ohne auszukommen. Der Niederrheiner an sich fühlt sich ja in diesem nasskalten Allerheiligenschmuddelwetter gar nicht mal so unwohl, wenn er sich in einem diffusen Weltschmerz einrichten kann, den der wunderbare Hanns Dieter Hüsch so treffend mit den Worten skizzierte "Friede auf Erden
und den Menschen ein Unbehagen" . Der unbehagliche Weltschmerz kann allerdings ziemlich schnell mit Reibekuchen und Apfelkompott oder einem kräftigen Eintopf geheilt oder zumindest in den Hintergrund gedrängt werden.
Für die überwiegende Mehrzahl der deutschen Gebiete sieht es, wenn ich das Mittel aller Prognosen ziehe, gar nicht so übel aus, ein bisschen Schnee ist garantiert, wenn auch mancherorts nur in Form von Schneeregen oder Graupelschauer daher kommend. Bei uns mal wieder nicht und ich muss wohl doch zur Feier der Festtage noch ein bisschen Vorgartenpflege betreiben, leider wird kein gnädiges Weiß die Unzulänglichkeiten nachbarschaftsinkompatibler Gartengestaltung überdecken.
Unsereins treibt natürlich noch eine weitere Frage um, nämlich die, die sich der Weinafficionado mindestens einmal am Tag stellt "Und was trinken wir dazu?". Bei Familie susa will es seit einigen Jahren die Weihnachtstradition, dass am 24.12. ein Mouton geöffnet wird. Natürlich nicht zu den traditionellen Würstchen mit Kartoffelsalat, da harrt noch ein Ruckscher Silvaner seines Einsatzes, nein nachher, zur Bescherung resp. Meditation. Die Tradition gebietet weiterhin, dass Herr susa das Weihnachts-Oratorium von Bach auflegt, ich die Kerzen anzünde (wir gehören übrigens seit die Katzen einen Weihnachtsbaum inklusive brennender Kerzen und von Omi geerbtem antiken Lauscha-Kugelbehang zu Fall gebracht haben, zur Kategorie der Nicht-Weihnachtsbaum-Aufsteller, es gibt nur eine Bodenvase mit Tannengrün und unverwüstlichem Holz- und Pappmachéschmuck), der Kamin brennt und dann wird das Telefon ausgestöpselt. Für Weihnachtswünsche ist auch am 1. Feiertag noch Zeit und mit Mutter haben wir schon telefoniert.
Nur welcher Mouton soll es dieses Jahr werden? Den 85er hatten wir im Sommer, der wäre jetzt eigentlich perfekt, 86, 88, 89, 90 stünde noch zur Auswahl, die jüngeren können vielleicht noch ein wenig warten.
Und es ist ja noch ein wenig Zeit.
Solange trinken wir mal wieder lokal bzw. national, ich wäre sowieso zu Frankreich resp. Bordeaux lastig wird mir immer nachgesagt, nun ja, es gibt unangenehmere Sachen.
2010 Bockenauer Riesling trocken "Novemberlese"
Schäfer-Fröhlich, Nahe
und wie schreib ich's jetzt ohne mal wieder den Widerspruch der Puristen und Verfechter der reinen Lehre und exakten Weinsprache auf den Plan zu rufen unter Vermeidung aller auf dem Index befindlichen Vokabeln.
Farbe beschreiben erscheint mir noch ganz einfach, ein klares leicht funkelndes Goldgelb (übrigens lese ich öfter mal "Uringelb", also bei aller Liebe, erstens wird jeder Urologe bestätigen, dass das keine eindeutige Farbe ist, da gibt es vom wässrig-hellen Hellgrüngelb bis zum dunklen Bernstein so ziemlich alles und da sind krankhafte Veränderungen ins grünliche, bläuliche oder rot durchzogen noch nicht mal berücksichtigt und zweitens, nein danke, das ist mir für eine Weinbeschreibung dann doch irgendwie zu unappetitlich).
Der Duft ganz eindeutiger reifer Pfirsich, ein wenig Grapefruit und Limette und frische Kräuter, Estragon, Zitronenmelisse auch etwas Kamille, aber jetzt kommt's, auf der Zunge schmelzig (ja wie soll ich es denn sonst ausdrücken, wenn der Wein weich und ein wenig wie Sahne auf der Zunge liegt – na sei's drum – cremig könnte man noch sagen, aber cremig wär mich schon fast ein bisschen zu viel), mineralisch ist er auch (und auch hier wird er wieder kommen der böse erhobene Zeigefinger, aber die Anmutung von Schiefer und Quarz lässt sich nicht leugnen). Der Abgang ist recht lang.
Der Wein ist eine Sonderabfüllung für einen der Weinhändler mV, der dessen Beschreibungen noch viel blumiger sind als meine und über sein Fazit musste ich allerdings auch schmunzeln "Frisches Quellwasser aus kühlem Gebirgsgrund kann anmutiger den Durst der Seele nicht stillen." Obwohl, das hat was, wenn ich auch niemals Wein gegen der Durst sondern immer nur für den Genuss trinke.
Prost!
Noch vier Mal schlafen und dann ist Heilig Abend. Ich hoffe, die Gänse, Enten, Weißwürste, Karpfen oder Roastbeefs liegen schon heil in Euren Tiefkühltruhen oder sind definitiv beim Metzger oder Geflügel/Fischhändler dV bestellt, die Beilagen sind klar, die Geschenke sind besorgt, der Baum ist ausgesucht. Falls nicht, ist es von nicht unwesentlicher Bedeutung, vor dem Erwerb seinen Christbaumkauf-Typ zu bestimmen, das vermeidet Verwirrung und unnötigen Zeitverlust. Denn ein vernünftiges Zeitmanagement ist das A und O in dieser Zeit.
Bleibt nur noch eine Frage offen – die S-Frage!
Die S-Frage beschäftigt die Nation meistens ab ungefähr dem dritten Adventssonntag und die vereinigte öffentlich-rechtliche und private Meteo-Taskforce forscht nur noch zu einem einzigen Thema: Wird es an Weihnachten schneien?
Weiße Weihnacht ist sozusagen die conditio sine qua non, die Bedingung ohne die der Erfolg einer Handlung oder eines Vorganges schlicht nicht möglich ist.
Allerdings haben wir speziell am Niederrhein gelernt, dennoch ohne auszukommen. Der Niederrheiner an sich fühlt sich ja in diesem nasskalten Allerheiligenschmuddelwetter gar nicht mal so unwohl, wenn er sich in einem diffusen Weltschmerz einrichten kann, den der wunderbare Hanns Dieter Hüsch so treffend mit den Worten skizzierte "Friede auf Erden
und den Menschen ein Unbehagen" . Der unbehagliche Weltschmerz kann allerdings ziemlich schnell mit Reibekuchen und Apfelkompott oder einem kräftigen Eintopf geheilt oder zumindest in den Hintergrund gedrängt werden.
Für die überwiegende Mehrzahl der deutschen Gebiete sieht es, wenn ich das Mittel aller Prognosen ziehe, gar nicht so übel aus, ein bisschen Schnee ist garantiert, wenn auch mancherorts nur in Form von Schneeregen oder Graupelschauer daher kommend. Bei uns mal wieder nicht und ich muss wohl doch zur Feier der Festtage noch ein bisschen Vorgartenpflege betreiben, leider wird kein gnädiges Weiß die Unzulänglichkeiten nachbarschaftsinkompatibler Gartengestaltung überdecken.
Unsereins treibt natürlich noch eine weitere Frage um, nämlich die, die sich der Weinafficionado mindestens einmal am Tag stellt "Und was trinken wir dazu?". Bei Familie susa will es seit einigen Jahren die Weihnachtstradition, dass am 24.12. ein Mouton geöffnet wird. Natürlich nicht zu den traditionellen Würstchen mit Kartoffelsalat, da harrt noch ein Ruckscher Silvaner seines Einsatzes, nein nachher, zur Bescherung resp. Meditation. Die Tradition gebietet weiterhin, dass Herr susa das Weihnachts-Oratorium von Bach auflegt, ich die Kerzen anzünde (wir gehören übrigens seit die Katzen einen Weihnachtsbaum inklusive brennender Kerzen und von Omi geerbtem antiken Lauscha-Kugelbehang zu Fall gebracht haben, zur Kategorie der Nicht-Weihnachtsbaum-Aufsteller, es gibt nur eine Bodenvase mit Tannengrün und unverwüstlichem Holz- und Pappmachéschmuck), der Kamin brennt und dann wird das Telefon ausgestöpselt. Für Weihnachtswünsche ist auch am 1. Feiertag noch Zeit und mit Mutter haben wir schon telefoniert.
Nur welcher Mouton soll es dieses Jahr werden? Den 85er hatten wir im Sommer, der wäre jetzt eigentlich perfekt, 86, 88, 89, 90 stünde noch zur Auswahl, die jüngeren können vielleicht noch ein wenig warten.
Und es ist ja noch ein wenig Zeit.
Solange trinken wir mal wieder lokal bzw. national, ich wäre sowieso zu Frankreich resp. Bordeaux lastig wird mir immer nachgesagt, nun ja, es gibt unangenehmere Sachen.
2010 Bockenauer Riesling trocken "Novemberlese"
Schäfer-Fröhlich, Nahe
und wie schreib ich's jetzt ohne mal wieder den Widerspruch der Puristen und Verfechter der reinen Lehre und exakten Weinsprache auf den Plan zu rufen unter Vermeidung aller auf dem Index befindlichen Vokabeln.
Farbe beschreiben erscheint mir noch ganz einfach, ein klares leicht funkelndes Goldgelb (übrigens lese ich öfter mal "Uringelb", also bei aller Liebe, erstens wird jeder Urologe bestätigen, dass das keine eindeutige Farbe ist, da gibt es vom wässrig-hellen Hellgrüngelb bis zum dunklen Bernstein so ziemlich alles und da sind krankhafte Veränderungen ins grünliche, bläuliche oder rot durchzogen noch nicht mal berücksichtigt und zweitens, nein danke, das ist mir für eine Weinbeschreibung dann doch irgendwie zu unappetitlich).
Der Duft ganz eindeutiger reifer Pfirsich, ein wenig Grapefruit und Limette und frische Kräuter, Estragon, Zitronenmelisse auch etwas Kamille, aber jetzt kommt's, auf der Zunge schmelzig (ja wie soll ich es denn sonst ausdrücken, wenn der Wein weich und ein wenig wie Sahne auf der Zunge liegt – na sei's drum – cremig könnte man noch sagen, aber cremig wär mich schon fast ein bisschen zu viel), mineralisch ist er auch (und auch hier wird er wieder kommen der böse erhobene Zeigefinger, aber die Anmutung von Schiefer und Quarz lässt sich nicht leugnen). Der Abgang ist recht lang.
Der Wein ist eine Sonderabfüllung für einen der Weinhändler mV, der dessen Beschreibungen noch viel blumiger sind als meine und über sein Fazit musste ich allerdings auch schmunzeln "Frisches Quellwasser aus kühlem Gebirgsgrund kann anmutiger den Durst der Seele nicht stillen." Obwohl, das hat was, wenn ich auch niemals Wein gegen der Durst sondern immer nur für den Genuss trinke.
Prost!
