Nach der Verkostung im
Cal Compte in Torroja geht die "dasweinforum" - Truppe, um den einen oder anderen erweitert, in das
Restaurant Abadia. Pedro sucht mich noch mal am Melis Stand auf und fragt, ob ich mitkomme. Aber ich muss erst fix noch einen Besuchs-Termin bei Melis klarmachen. Dann gehe ich hinterher, da mich Pedro beruhigt hat, dass eine Wurst weniger als 10 € kostet

.
In "alter Zeit" hatte das Restaurant nur für Hotelgäste offen und war preislich wirklich sehr ambitioniert, aber nachdem der Eigentümer, dem auch ein jetzt geschlossenes Restaurant zwischen Falset und Bellmunt gehörte, wohl pleite ging (meine an ihn verkauften und nach wie vor unbezahlten CD´s werden wohl als Miniforderung im Konkurs untergegangen sein...

), hat man sich jetzt eines Besseren besonnen.
"Früher" konnte man nur in der Bar des Dorfes auf Wunsch essen - aber der seinerzeit mit Klaus-Peter dort gegessene Salat mit Schinken wird in guter Erinnerung bleiden. Heute also ist das Restaurant Abadia froh über jeden Gast, der hier speisen möchte, die Preise sind fair, das Essen ist sehr gut und die Bedienung sehr freundlich. Man darf das Abadia also durchaus weiter empfehlen, was ich hiermit tue.
Am Tisch gibt es die Zwischenauswertung der bisherigen Fira. Dann teilt sich die Truppe, so recht Lust, in Falset nachzuschauen, ob die Stände noch geöffnet sind, hat eigentlich niemand.
Ich würde den Nachmittag gern nutzen, um mehr über Pep Ardevol und seine Weine zu erfahren, schließlich ist er mein Dachgeber und bislang kennen wir uns kaum, nur von gemeinsamen Proben bei Raimon und vom letztjährigen gemeinsamen Paella - Essen. Er stellt auch nie auf der Fira aus und ist auch sonst nicht längst überall präsent, von daher bin ich jetzt froh über den Kontakt, denn der Celler war eigentlich ohnehin auf meiner Wunschliste für dieses Jahr weit oben. Die Weine waren uns ja schon desöfteren positiv aufgefallen.
Klaus-Peter, Pedro und auch Flugkapitän Farid schließen sich mir an, auf dem Plaza Catalunya in
Porrera angekommen, lasse ich wie vereinbart das Handy nur kurz anklingeln und wenig später steht Pep vom
Celler Ardevol bereits bei uns. Wir gehen zu Fuß mitten hinein in das alte Dorf am steilen Berghang. Porrera ist mit den Sonnenuhren als Sehenswürdigkeit auch außerhalb vom Weintourismus ein interessantes Ziel. Alte Häuser gibt es hier zuhauf und viele beherbergen alte Winzerkeller, genau wie dieses eher unscheinbare Haus, in welches wir eintreten. Direkt hinter der Tür ist der Keller, in den Wohnteil ginge man durch eine andere Tür zwei Stockwerke höher von der nächst höheren Strasse aus. Die Tür öffnet sich zu einer wahren Schatzkammer, spinnenverhangene uralte Gewölbe beherbergen Flaschen und Fässer, auch in eine alte Zisterne könnte man fallen, passt man nicht so recht auf. Pep schnappt sich zwei verstaubte Flaschen und eine Etage weiter oben gibt es zunächst Fassproben - aus Ranciofässern und ähnlichem, auch einen uralten Weinbrand dürfen wir kosten.
Dann steigen wir weiter empor, sind im Wohnhaus und spüren schon im Treppenhaus den einstigen Glanz vergangener Generationen. Der Senior des Hauses lädt uns zur Besichtigung einiger alter Räume ein, hier sind alte Tapisserien, Möbel, Bilder und kleine Details erhalten, es ist fast wie in einem Museum - und doch auch diese Räume werden noch bewohnt. Wir sehen den Stolz in Pep´s Augen und auch die Freude beim Senior, dem dieses Haus gehört und der es uns Neugierigen in allen Details zeigt.
Dann ganz oben auf der Dachterrasse haben wir einen tollen Blick über die Dächer von Porrera und in die umliegenden Weinberge. So gut geht es uns - wir sitzen ganz oben und trinken gemeinsam die ersten beiden Weine, die Pep Ardevol gemacht hat -
Coma d´ en Romeu 2000 und
Terra d´ Hom 2001, wir haben die Zeit, die Weine im Glas atmen zu lassen und wir staunen über den Wettlauf dieser beiden älteren Semester, die noch so erstaunlich jung am Gaumen wirken.
Erst als ich jetzt meinen Mitschnitt auf dem Diktiergerät anhöre, um die Verkostungsnotizen für meinen Blog aufzubereiten, höre ich, was in Porrera eigentlich immer präsent ist -
the birds of Porrera, lange schneidende Pfiffe und abwechslungsreicher Vogelgesang. Kein Wunder, dass Porrera auch ein Dorf der Katzen ist, Vögel gibt es hier den Geräuschen nach genug zu fangen...
Später trinken Klaus-Peter und ich noch die Reste der beiden Flaschen im Weinbergshaus, Klaus-Peter hatte sich schließlich doch breitschlagen lassen, nicht erneut im Auto zu nächtigen. Er ließ seines stehen (hatte er doch Angst um das neue Prioratmobil) und nahm als Beifahrer an meiner Seite Platz.
Wir genießen den wunderbaren Abend in den Weinbergen, tauschen uns aus und kochen auf der Hütte - improvisiert aus den noch in meinen Vorräten irgendwie auffindbaren Zutaten, denn zum Kauf von Lebensmitteln kam ich weder am Sonnabend noch am Sonntag.
Alt werden wir nicht, wir lassen auch weitere Flaschen geschlossen, denn der Montag erfordert, dass der Wecker noch deutlich zeitiger klingelt.
Mit der in diesem Jahr leider einzigen Veranstaltung zum neuen Jahrgang - dem Tast Professional de Anada 2009 - folgt dann der weintechnische Höhepunkt der Tour schlechthin.