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Re: Vin doux naturel - aufgespriteter Süsswein

Verfasst: So 13. Sep 2026, 12:26
von Lars Dragl
Hallo Schöni!

Könnte das, was du als Maggikraut wahrnimmst, nicht auch aus der Rancio-Ecke kommen? So etwas wie oxidiertes Kaffeepulver ist da schon mal dabei.

Herzliche Grüße

Lars

Re: Vin doux naturel - aufgespriteter Süsswein

Verfasst: So 13. Sep 2026, 12:56
von Schönibert
Hallo Ulli, hallo Lars,

danke für Euer Feedback!

Ich meinte definitiv Zweiteres, also ebendiesen Einschlag, den ein Rotwein gern mal bekommt, wenn er seinem Ende zugeht. Hat mich halt echt überrascht bei einem 2021er Süßwein. Ich weiß natürlich nicht, wie lang der bei Galeria schon im Regal stand. Aber es handelt sich ja immerhin um den aktuell auch vom Weingut (noch) angebotenen Jahrgang des Rimage. Denke auch: Lagerschaden.

Was eine Rancio-Aromatik angeht, da bin ich leider zu wenig bewandert, als dass ich diese zuordnen könnte. Wenn sie eher ein Merkmal oxidativen Ausbaus ist, wäre die hier bei einem Rimage aber auch irgendwie fehl am Platz, weil der ja in der Banyuls Welt - wie Karsten schrieb - eher der Ruby-Vertreter ist, also eben nicht explizit oxidativ ausgebaut und aromatisch voll auf die Frucht fokussiert. Was der hier auch war, nur dass hier einer mit dem Büschel Liebstöckel im Glas herumgewedelt hat.

Rancio erwarte ich eher bei der anderen Flasche, dem 2014er ohne das Attrbut Rimage, ich berichte.

Re: Vin doux naturel - aufgespriteter Süsswein

Verfasst: Mo 14. Sep 2026, 20:29
von Schönibert
amateur des vins hat geschrieben: Do 27. Aug 2026, 23:54 ...und weil Du an Port denkst:
Banyuls Rimage geht eher in Richtung Ruby.
Banyuls (ohne Rimage) geht eher in Richtung Tawny.
Lieber Karsten, kannst du hierzu vielleicht noch etwas ausführen?

Ich hab mir dazu jetzt noch erlesen, dass Rimage sich für durchaus lange Flaschenreifung eignen soll und mit Vintage Port verglichen wird. Nun, Letzteres vermag mir etwas hoch gegriffen aber who knows. Sinn ergibt es in Abgrenzung zu dem oxidativ ausgebauten Banyuls ohne Rimage-Attribut, bei dem auf der Flasche dann eben nichts mehr passieren würde, analog 10y/20y Port. Oder einem Colheita.

Oder bin ich komplett auf dem falschen Dampfer unterwegs?

Re: Vin doux naturel - aufgespriteter Süsswein

Verfasst: Mo 14. Sep 2026, 22:06
von amateur des vins
Schönibert hat geschrieben: Mo 14. Sep 2026, 20:29
amateur des vins hat geschrieben: Do 27. Aug 2026, 23:54 ...und weil Du an Port denkst:
Banyuls Rimage geht eher in Richtung Ruby.
Banyuls (ohne Rimage) geht eher in Richtung Tawny.
Lieber Karsten, kannst du hierzu vielleicht noch etwas ausführen?

Ich hab mir dazu jetzt noch erlesen, dass Rimage sich für durchaus lange Flaschenreifung eignen soll und mit Vintage Port verglichen wird. Nun, Letzteres vermag mir etwas hoch gegriffen aber who knows. Sinn ergibt es in Abgrenzung zu dem oxidativ ausgebauten Banyuls ohne Rimage-Attribut, bei dem auf der Flasche dann eben nichts mehr passieren würde, analog 10y/20y Port. Oder einem Colheita.

Oder bin ich komplett auf dem falschen Dampfer unterwegs?
So richtig tief stecke ich in der Materie auch nicht drin - gespritete Weine sind doch etwas speziell von ihren Einsatzmöglichkeiten, und ich trinke sie daher eher selten. Aber letzlich ist Banyuls auch nur Wein und verhält sich jetzt nicht kategorisch anders - nur, daß Alkohol und Zucker stabilisierend wirken und sie zusätzlich i.d.R. stärker geschwefelt werden müssen, um nicht wieder zu gären anzufangen. Davon abgesehen, passiert bei einem oxidativ ausgebauten Wein auf der Flasche in erster Näherung natürlich aromatisch weniger als bei einem reduktiv gemachten - aber nicht nichts.

Falls die Aussage Deines erlesenen (sic!) Textes sein sollte, daß reduktiv gemachte Weine sich besser als oxidativ gemachte für lange Flaschenreifung eignen sollen, schiene mir das weit hergeholt: Ja, da passiert mehr auf der Flasche - aber im Umkehrschluß sind die oxidativ gemachten eher (noch) stabiler. Aber natürlich können die bei passender Qualität auch lange durchhalten.

...und ein 50yo Colheita schmeckt nicht so wie ein 10yo. Ansonsten gäb's für das alte Zeugs ja auch keinen Markt.

Sorry, wenn ich nur unbefriedigend antworten kann.

Edit:
Den Unterschied in der Stabilität merkst Du idR recht schnell bei angebrochenen Flaschen.

Re: Vin doux naturel - aufgespriteter Süsswein

Verfasst: Mo 14. Sep 2026, 22:36
von Bernd Schulz
amateur des vins hat geschrieben: Mo 14. Sep 2026, 22:06 Aber letzlich ist Banyuls auch nur Wein und verhält sich jetzt nicht kategorisch anders - nur, daß Alkohol und Zucker stabilisierend wirken und sie zusätzlich i.d.R. stärker geschwefelt werden müssen, um nicht wieder zu gären anzufangen.
Mal eine ganz dumme Frage von jemandem, der so gut wie keine aufgespriteten Süßweine trinkt: Aufgespritet wird der Wein doch, um die Gärung zu stoppen - Alkohol rein, Hefen tot, oder? Warum müssen solche Weine dann stärker geschwefelt werden, damit es nicht zu einer Nachgärung auf der Flasche kommt? Auf den ersten Blick scheint mir das nicht logisch zu sein.... :?: :oops:

Herzliche Grüße

Bernd

Re: Vin doux naturel - aufgespriteter Süsswein

Verfasst: Mo 14. Sep 2026, 23:03
von amateur des vins
Bin kein Mikrobiologe. Aber Dein typischer Banyuls hat 16,5 %. Die haben Primitivo oder Amarone mittlerweile auch annähernd. Offenbar gibt es also Hefen, die das abkönnen, und wenn Du die mit ordentlich Zucker wieder aufpäppelst...

Reime ich mir als Laie so zusammen.

Re: Vin doux naturel - aufgespriteter Süsswein

Verfasst: Mo 14. Sep 2026, 23:27
von Bernd Schulz
Kapiere ich immer noch nicht richtig. Sicher gibt es Hefen ("Portweinhefen"), die erstaunlich viel Alkokol abkönnen, aber offenbar sind das nicht die Hefen, die man in aufgespriteten Süßweinen mittels Alkoholzugabe zwecks Zuckererhalt an der weiteren Vergärungsarbeit hindert. Noch einmal: Es wird Alkohol zugesetzt, damit die Hefen ihre Tätigkeit einstellen. Warum muss man dann hinterher besonders schwefeln? Der zugesetzte Alkohol verbleibt doch (leider :twisted: :mrgreen:) im Wein. :?:

Herzliche Grüße

Bernd

Re: Vin doux naturel - aufgespriteter Süsswein

Verfasst: Mo 14. Sep 2026, 23:45
von amateur des vins
Wenn Du's genau wisen möchtest, müßtest Du Dich bitte an jemanden wenden, der was davon versteht. Ich hab mir das auch nur angelesen.

Allerdings scheint es mir so, als gingest Du davon aus, man müsse nur den Alkoholgehalt auf 16 oder 16,5 % anheben und schlagartig würden 100 % aller Hefen lysiert. So exakt funktioniert Natur aber nicht. Und wenn der Winzer den Alk. nicht höher haben möchte, er aber auf Nummer sicher gehen möchte, versucht er es den Hefen eben noch ein bißchen ungemütlicher zu machen. Mir scheint das plausibel zu sein.

Re: Vin doux naturel - aufgespriteter Süsswein

Verfasst: Di 15. Sep 2026, 00:06
von amateur des vins
Ich habe nochmal ein bißchen recherchiert und dabei gelernt, daß Vins doux oft schon bei ungefähr 8 % gespritet und auf ca. 16 % gebracht werden. Und diese plötzliche extreme Änderung der Umweltbedingungen reicht häufig aus, um die Fermentation zu stoppen. Das bedeutet aber nicht, daß die Hefen gleich absterben, sondern ihnen ist erstmal so ungemütlich, daß der Stoffwechsel in den Keller geht. Und wie bei jedem Süßwein mit viel Nahrungsangebot kann es eben sein, daß ein kleiner Stamm unbeugsamer Hefen nicht aufhört, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Das bedeutet in erster Linie, daß mehr mikrobiologische Stabilisierung erforderlich ist. Um die zu erreichen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, von denen Schwefelung nur eine ist. Aber im Mittel werden Süßweine stärker geschwefelt sein als trockene, auch solch mit Sprit.

Re: Vin doux naturel - aufgespriteter Süsswein

Verfasst: Di 15. Sep 2026, 10:54
von Schönibert
Wieder mal ne sehr schöne Lernkurve, die man hier mitnehmen kann, auch aus Eurem Austausch! Und, Karsten, ich fand deine Antwort alles andere als unbefriedigend [sic!], sondern insgesamt sehr schlüssig - und aufschlussreich.