Hallo Michael,MichaelWagner hat geschrieben: Die Aufhebung des Anbaustops wird mit ziemlicher Sicherheit folgendes bewirken: Es wird eine weitere nicht benötigte Schwemme von minderwertgem, billigem Wein in den Markt gedrückt, obwohl davon bereits mehr als benötigt wird im Markt ist und unter den Erzeugungskosten verscherbelt wird. Das wird weiter auf die Weinpreise drücken wird und Folgen für alle - auch im oberen Qualitäts-Segment - haben.
da Ihr Euch ja hier zwischenzeitlich lieber über die Rahmenbedingungen der Goldproduktion und über die Lebensumstände ostasiatischer Schneider gestritten habt, bringe ich hierzu noch mal meinen Punkt - das glaube ich nicht. Dazu noch einmal meine Argumentation von weiter oben:
Mir erschließt sich nach wie vor nicht, warum irgend jemand in ein Geschäft investieren sollte, dessen Marge schon jetzt äußerst gering bzw. sogar negativ ist - Dein eigener O-Ton: "billiger Wein [der]... unter den Erzeugungskosten verscherbelt wird."Genau das glaube ich eher nicht. Die EU kann ja nur die Anbauflächen in der EU regulieren, und wenn es wirtschaftlich attraktiv wäre, den schon jetzt superbilligen Billigmarkt mit noch billigeren Billigweinen zu fluten, gäbe es dafür schon jetzt genügend Möglichkeiten für eine Produktion außerhalb der EU. Dazu muss man gar nicht die neue Welt bemühen, das ginge auch quasi vor der Haustür: in Moldawien und der Ukraine gibt es riesige Rebflächen, die man bei Bedarf auch noch ausweiten könnte (Grund und Boden kostet nicht viel), die klimatischen Bedingungen sind für einen Massenanbau günstig, und Arbeitskräfte kosten sehr wenig. Da bliebe auch noch etwas Geld für die vermutlich notwendige "Landschaftspflege" übrig. Georgien ist auch nicht so weit weg. Aber was passiert da? Genau: nichts.
Genausowenig ist in den osteuropäischen Ländern wie Rumänien oder Bulgarien passiert, bevor die EU dort Pflanzrechte kontrollieren konnte. Auch als die schon Beitrittskandidaten waren: mit Ausnahme von Investitionen in ein paar traditionelle (!) Weinbaugebiete in Ungarn ist da so gut wie gar keine Investition geschehen.
Und ich vermute mal, warum das so ist: die Zitrone ist ausgequetscht, da geht nichts mehr. Die verkaufte Menge lässt sich nicht mehr ausweiten, es gibt jetzt schon zu viel billigen Wein. Da kann man nur noch über den Preis operieren, aber wie viel Luft ist denn da überhaupt noch nach unten? Es können nur ein paar Cent pro Flasche sein, denn viel mehr ist bei den momentanen Fassweinpreisen nicht drin. Schon jetzt muss man davon ausgehen, dass Flasche, Etikett und Verschluss, der Transport und die Handelmarge den Löwenanteil des Endverbraucherpreises ausmachen. Wann amortisiert sich da eine Investition, egal ob in in eine Neuanpflanzung oder in verbessertes Equipment zur Bewirtschaftung bereits bestehender Flächen?
Und noch viel weniger erschließt sich mir, warum selbst im Falle eines Falles irgendwelche negativen Folgen für das obere Qualitätssegment entstehen sollten. Diejenigen, die bereit sind, für eine Flasche Wein mehr als 5 Euro hinzulegen (z.T. deutlich mehr...), werden ihren Weinbedarf nicht schlagartig beim Aldi decken, nur weil da der Durchnittspreis einer Flasche von 2,00 Euro auf 1,95 oder 1,90 sinkt. Die Behauptung höre ich, die Begründung ist man mir bislang schuldig geblieben.
Gruß
Ulli