Am Freitag 2011er Probe bei Norbert Müller mit
Pataille, Lignier-Michelot und
Bernstein.
Grundsätzlich waren die Winzerstile recht deutlich erkennbar. Klassche Burgunder von Lignier-Michelot, sexy Weine mit gut Holz von Bernstein, und Pataille, ja, kann ich nicht so genau sagen (s.u.), auf jeden Fall wären sie blind auch leicht als von einem Winzer zu erkennen gewesen.
Sylvain Pataille
Sylvain Pataille hat mir in diesem Jahr gar nicht gefallen. Die Weine haben eine Note, so wie es in Winzerkellern riecht – Maischtöne, überreife Frucht, Gärtöne. Ich reagiere darauf extrem und kann das gar nicht leiden. Andere fanden es in dieser Richtung nicht so schlimm – allerdings hat auch niemand in der Runde die Patailles als Überflieger verbucht. Ich habe schon deutlich besseres von Pataille im Glas gehabt. Sicherlich ein sehr guter Winzer. Ob es das Jahr ist oder nur der Zeitpunkt, kann ich aus mangelnder Erfahrung nicht sagen. Einige Burgund-Freaks wollten diesen Weinen einfach ein paar Jahre geben. Zum anderen sind die Weine recht tanningeprägt und strukturiert.
Marsannay Montagne 2011: Nase leicht alkoholisch, ein wenig Weihnachtsgewürz, dunkle Frucht. Strafft sich nach 5 Minuten und gewinnt Form. Im Durchgang durch den Mund zeigt sich der Wein recht facettenreich, allerdings macht mich die leichte Überreife nicht an. Dunkelbeerig. Einerseits hat die Frucht kein Zentrum, wirkt undifferenziert, anderseits hart und kantig mit zupackenden Tanninen.
Marsannay Les Grasses Tetes 2011: Maischegeruch, Kräuter. Am Gaumen ein wenig mehr Extraktsüße als beim Montagne, etwas mehr Stand, ansonsten aber ähnlich.
Marsannay Clos du Roi 2011: Für mich in der Nase deutlich besser zusammen. Bessere Balance. Harmonie erkennbar. Mehr Tiefe. Im Mund fand ich den Wein aber ähnlich wie die vorherigen, wenn auch noch strukturierter die die vorhergehenden Weine. Die Aromatik am Gaumen macht einen leicht künstlichen Eindruck.
Zum Käse noch mal getrunken (aber nichts mehr notiert): Hier deutlich besser. Das Fett saugt die Tannine etwas auf und der Wein zeigt sich besser. Allerdings ist die Aromatik weiterhin nicht mein Fall. Im Nachhinein habe ich die Hypothese (hätte vielleicht doch eine Flasche zum Nachprobieren mitnehmen sollen...), dass es daran liegt, dass die Struktur sehr deutlich über die Tannine und weniger über die Säure entfaltet wird. Insofern hat die Frucht keinen Crunch, sondern wird nur irgendwann von den Tanninen abgelöst, so dass der Eindruck undifferenziert bzw. auseinanderlaufend und kantig zugleich entsteht.
Oliver Bernstein
Sexy und holzbetont, das wäre mein Fazit zu den Bernstein-Weinen, wobei noch ergänzt werden müsste, dass alle drei Weine bei(trotz?) der gewissen Opulenz auch eine sehr feine mineralische Note aufweisen.
Gevrey Chambertin VV 2011: Sexy Nase mit etwas Kuh. Schönes Spiel zwischen Opulenz und Eleganz. Feuchter Stein. Am Gaumen etwas heiß, recht pralle Frucht, die vom Holz und den Tanninen aber gerade völlig unter die Räder kommt.
Gevrey Chambertin 1er Cru Champeaux 2011: Holz und Stein in der Nase. Harmonisch-hedonistisch. Am Gaumen dunkelfruchtig, Sauerkirsche, florale Noten, etwas heiß, schönes Süß-Sauer-Spiel. Zupackende Tannine, aber im langen Abgang rollt immer wieder die Frucht hoch.
Gevrey Chambertin 1er Cru Cazetieres 2011: Nase deutlich vielschichtiger und tiefer als die beiden vorangegangenen Bernsteins. Präziser als der Champeaux und auch das Holz ist in der Nase besser integriert. Am Gaumen ist das Ganze aber wiederum deutlich holz- und tanninbetonter als der Champeaux.
Lignier-Michelot.
Der Sieger des Abends: duftig, rassig, elegant. Die Weine zeichnen sich durch ein schönes süß-sauer Spiel aus, das, wenn auch etwas vordergründig, viel viel viel Trinkspaß vermittelt. Grundsätzlich hatten die 2011er deutlich mehr Fleisch auf den Rippen als die (in den unteren Rängen) recht fragilen 2010er. Ich frage mich, ob dieses Süß-Sauer-Spiel so etwas wie ein Charakteristikum terroirbetonter 2011er Burgunder sein könnte. Beim Champeaux Bernsteins habe ich diese Rassigkeit wahrgenommen und besonders auch bei den Chambolles von Bertheau war diese Dynamik vor einigen Wochen über alle Weine hinweg präsent. So deutlich habe ich das weder 2008 noch 2009 oder 2010 wahrgenommen. Da würden mich eure Erfahrungen interessieren.
Bourgogne Pinot Noir 2011: Schöner Auftakt zur Probe. Beim ersten Schnuppern etwas süßlich-weich, aber nach 5 Minuten ist der Wein in Form. Dunkle Frucht, recht würzig. Am Gaumen dunkle Frucht, schwarze Kirsche, Kirschkern, frische Säure, insgesamt gute Konzentration mit einem leicht wässrigen Kern. Macht Spaß.
Morey St. Denis, Rue de Vergy 2011: In der Nase rotfruchtig, sehr transparent, Him- und Walderdbeeren, etwas deutliche Süße. Am Gaumen sehr mineralisch, nasser Stein, leicht salzig, intensives Süß-Sauer-Spiel, Wald, leicht herbe Note im recht langen Abgang.
Clos de la Roche 2011: Die Nase ist ziemlich zu. Am Gaumen deutlicher Schlag über dem Village, sehr vibrierend, schönes Süß-Sauer-Spiel, gute Balance und sehr respektable Länge.
Grundsätzlich bestand bei den Teilnehmern der Probe große Übereinstimmung, dass der Lignier-Michelot am stärksten war. Die Restbestände waren extrem schnell weg

. Tolle, exemplarische Burgunder.
Grüße
Stefan