Die Weinforum Themenwoche

Hohe Brisanz, kurzes Verfallsdatum
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octopussy
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Re: Die Weinforum Themenwoche

Beitrag von octopussy »

Auch ich konnte die für die Themenwoche geöffneten Flaschen nicht so richtig gut weiter trinken, da ich kurzfristig zwei Tage nach Italien musste. Vorher habe ich aber noch jeweils ein Glas probiert, und es gab keine große Veränderung zum ersten Tag. Der 2006 Karl Schäfer Pechstein GG hatte etwas nachgelassen, der 2006 Spielmann Engelgarten ein kleines bisschen zugelegt. Jetzt fristen sie offen im Kühlschrank ihr Dasein - bis voraussichtlich Sonntag. Aber am Wochenende gibt es sicher noch einen anderen Riesling. Leider sieht es bei mir mit österreichischen Rieslingen zappenduster aus, deshalb muss noch mal etwas aus Deutschland herhalten.
Beste Grüße, Stephan
slowcook
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Re: Die Weinforum Themenwoche

Beitrag von slowcook »

Hallo zusammen

Bevor ich mir den Zorn der vereinigten deutschen Riesling-Liebhaber zuziehe, hier vorneweg: In unseren Gläsern landen prozentual gesehen nur wenige Rieslinge, eigentlich sowieso nur in meinem Glas, da meine Frau sie nach wie vor nicht so mag. Ich respektiere das, gönne mir aber von Zeit zu Zeit halt ein Fläschchen solo über mehrere Tage. Zum Essen reicht slowcook aus den geschilderten Gründen nie Riesling :!: .

2007 "Rieke" Riesling Spätlese trocken, Harzer Weingut Kirmann, Saale-Unstrut
Helles Gelb, absolut frische Apfelnase; am Gaumen recht würzig, Grapefruit; schöne Säure, mittellang im Abgang. Über 4 Abende verkostet; kleine Muffton-Irritation am dritten Tag, am vierten wieder bestens, der Muff war wohl bei mir zu suchen... Empfehlens- und preiswerter Riesling aus immer noch irgendwie "exotischen" Landstrichen.

2003 Singerriedel Smaragd, Franz Hirtzberger, Donau-Wachau
Eher dunkles Honiggelb, weisse Marille, weisser Pfeffer schon in der Nase. Am Gaumen dann Würzkraft, wie ich ich sie bei diesem Wein noch nie so kräftig erlebt habe, erinnert mich in der Intensität irgendwie an bestes Extra-Vergine-Olivenöl von Andreas März :o , aber natürlich alle Schärfe perfekt eingepackt und harmonisch. Sehr langer, nachhaltig feiner Abgang. Im Singerriedel möchte ich baden und singen. Der von diversen Weinschreibern abgestrafte und totgesagte Hitzejahrgang 2003 zeigt sich hier von seiner smaragdenen Seite. Ich kann mich neuppys Einschätzung also nur anschliessen: In Sachen Weisswein etwas vom Besten, was ich aus Österreich kenne.

PS: Der Singerriedel kostet rund das Vierfache des Rieke Riesling...

Gruss
Werner
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Erdener Prälat
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Re: Die Weinforum Themenwoche

Beitrag von Erdener Prälat »

A- und F-Riesling besitze ich nicht. Und diese Woche ist eigentlich Rotes aus der Langhe dran und dann noch mehr aus Italien. Zu anderem Zweck brauchte ich dann doch noch einen trockenen Weißwein. Der paßt stilistisch sicher kaum zu den anderen hier präsentierten Tropfen, ist er doch ein Prototyp für deutschen trockenen Riesling längst vergangener Zeiten: schlank, aromatisch, mit immer noch ordentlicher Säure. Und seine 25 Jahre hat er bestens überstanden. Ich glaube auch, daß die 35 kein Problem sein werden:-)
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UlliB
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Re: Die Weinforum Themenwoche

Beitrag von UlliB »

slowcook hat geschrieben: Der von diversen Weinschreibern abgestrafte und totgesagte Hitzejahrgang 2003
Kurzer Zwischenruf: bezogen auf die Wachau hat das meines Wissens nach niemand geäußert - und falls doch, ist derjenige einfach nur schlecht orientiert. 2003 ist dort ziemlich gut gelungen (nicht nur bei Hirtzberger, sondern generell), was darauf zurückzuführen ist, dass praktisch alle namhaften Lagen in der Wachau bewässert werden können und 2003 auch kräftig bewässert wurden. Das Problem in 2003 ist gar nicht so sehr die Hitze gewesen, sondern der Wassermangel - das gilt in diesem Jahr für ganz Europa, z.B. auch für Bordeaux. Wo genügend Wasser vorhanden war bzw. zur Verfügung gestellt werden konnte, hielten sich die Probleme in Grenzen.

Gruß
Ulli
slowcook
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Re: Die Weinforum Themenwoche

Beitrag von slowcook »

Hallo Ulli

Das ist die Crux beim vielen Weinforum-, Blog-, Zeitschriften lesen: Oft weiss ich dann später nicht mehr, woher ich die Information hatte. Im vorliegenden Fall könnte es eventuell ein Statement im TAW gewesen sein, mit der Aussage, die 2003er Smaragde gehörten alsobald weggetrunken.
Da wir beide aber offenbar gleicher Meinung sind, freuen wir uns doch einfach am Gegenteil!

Gruss
Werner
joern_ribu
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Re: Die Weinforum Themenwoche

Beitrag von joern_ribu »

joern_ribu hat geschrieben: P.J. Kühn Riesling Landgeflecht 2 Trauben 2007

...Bin gespannt ob da morgen Abend noch was kommt...
Aufgrund akuter Erkältung erst heute, am dritten Abend, den Rest des Kühn-Rieslings geleert. Soweit das unter den Unständen wirklich beurteilbar ist, ist er immer noch in guter Form, passte sehr gut zum Schweinefilet an grünen Bohnen, da störte sogar Madame die fehlende Fruchtigkeit nicht im Geringsten. Ich bin nach den drei Tagen durchaus von diesem Wein beeindruckt und bedaure, dass es die letzte Flasche davon im Keller war.

Das für dieses Wochenende geplante 2007er Frühlingsplätzchen lasse ich aber lieber noch etwas liegen. Ich bin mir momentan nicht sicher, ob ich aufgrund Halsschmerzen und Medikamenten den Wein angemessen beurteilen könnte :(
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Salute - und immer einen guten Wein im Glas wünscht

Jörn
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theater69
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Re: Die Weinforum Themenwoche

Beitrag von theater69 »

joern_ribu hat geschrieben: ... akuter Erkältung ...
... Halsschmerzen und Medikamenten
Gute Besserung!!!
LG
Andreas

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Es soll keiner so wenig Wein trinken, dass er seiner Gesundheit schadet (Marc Aurel)
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Alas
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Re: Die Weinforum Themenwoche

Beitrag von Alas »

Hallo!

Nun habe ich eine Weile überlegt ob ich hier teilnehmen soll oder nicht. Schließlich wohne ich derzeit in einem Land, in dem die mitteleuropäischen Vorstellungen von Riesling kaum existent sind.
OK, es gab und gibt den Emerald Riesling, aus dem man süßliche Gewässer herstellt.
Einen Weinkeller habe ich nicht, eine Bestellung viel zu langwierig und das Internet-Angebot der Weinhändler ist nur sehr begrenzt mit dem Bestand im Geschäft identisch.
Schließlich habe ich mich für eine Entdeckungsreise entschlossen: Was finde ich an Riesling hier?

1. Teil
Eine Recherche im Internet ergibt 4 X Riesling aus hiesiger Produktion von drei Weingütern. Besser als nichts.
Bei dem Weinhändler in der Ibn Givrol-Strasse, bei dem ich am meisten kaufe, habe ich mal eine Flasche Pfaffenheim erworben, die ich recht gut fand. Auch eine Flasche Dr. Loosen vor längerer Zeit, die mir nicht gefiel.
Also auf in die Ibn Givrol-Strasse.
Den Pfaffenheim hat er immer noch. Auf meine Frage nach Riesling aus Israel ernte ich eine Verneinung, aber er hätte einen Sauvignon der trocken sei und schließlich sei es doch egal ob Riesling oder Sauvignon. Typisch!
Ganz oben im Regal in seiner französischen Ecke stehen zwei Flaschen Wein aus dem Elsaß als Sonderangebot, ein Riesling und ein Gewürztraminer von Arthur Metz 2010. Von ihm habe ich noch nie etwas gehört.
Ich kaufe beide Flaschen. Im Bus auf dem Weg nach Hause wundere ich mich, warum der Händler ein Sonderangebot ganz oben im Regal platziert. Das hat er noch nie gemacht.
Das Etikett der Riesling-Flasche ist zurückhaltend modern gestaltet. Vorn steht RACE / FRUITE und auf der Rückseite SHARP / FRUITY.
Am Abend versuche ich die Flasche mit meinem normalen Korkenzieher zu öffnen. Nichts rührt sich. Dann nehme ich meinen Jumbo-Öffner. Mir rutscht die Flasche immer wieder weg, aber der Korken rührt sich nicht. Meine Frau kommt zu Hilfe und schließlich bewegt der Korken sich mit einem unwilligem Plopp aus der der Flasche: Kunststoff.
Ich bin halb erschöpft.
Wir setzen uns an den Tisch (es gibt kalte Küche: drei Salate von mir) und ich gieße eine. Der Wein zeigt sich in hellem Strohgelb. Wir versuchen den Geruch zu ermitteln. Unsere Nasen werden länger und länger und erhaschen letztendlich etwas, was wir als Margarite beschreiben wollen.
Einen milden Geschmack finden wir auch, vielleicht Apfel, oder Ananas oder Aprikose oder.... Jedenfalls sehr wenig.
Weder schmeckt es nach Riesling noch nach Elsaß, SHARP and FRUITY schon gar nicht.
Es könnte ein Wein von irgendwo aus irgendwas sein.
Vielleicht braucht er Luft?
Am nächsten Tag jedoch ist Geruch und Geschmack nicht stärker, dafür ist der Wein jetzt sehr heftig sauer. UFF.
Nun will ich aber wissen wer dieser Arthur Metz ist.
Also dieses Unternehmen ist Teil der GCF-Group, sammelt die Weintrauben von 750 Winzern ein, verkaufte im Jahr 2006 8,2 Millionen Flaschen Wein und 7,5 Millionen Flasche Cremant de Alsace. AHA
Wieviel Computer und Labore bei der Herstellung mitwirkten, stand auf der Internetseite nicht. AHA-AHA.
Außerdem gehören zur GCF-Group noch Les Grands Chais de France mit einer Tageskapazität !!! von 1 Millionen Flaschen, La Maison du Vigneron mit jährlich ca. 7 Millionen Flaschen, Les Caves de Landiras mit einer Tageskapazität von 1,2 Millionen Flaschen und …. AHA-AHA-AHA

Am nächsten Tag beschließe ich einen neu eröffneten Weinladen in der Jabotinsky-Strasse in Ramat Gan aufzusuchen. Dort finde ich einen Riesling 2009 von Pierre Sparr, den ich kaufe, aber nichts aus Israel.
So beschließe ich noch ein wenig weiter zu wandern zu einer Tankstelle, auf deren Gelände sich eine Filiale von der Kette Wine and More befindet. Dort war ich schon einmal und habe ein großes israelisches Sortiment in Erinnerung. Und tatsächlich: Man hat eine Vitkin Riesling 2008. Der wird später verkostet.
Nun ist Pierre Sparr Riesling 2009 dran, ein Kennenlern-Wein.
Nach dem Eingießen ins Glas glitzert und funkelt der Wein in sehr hellem Gelb. Das ist schon mal prima.
An der Nase zeigt er reifen Apfel und etwas später kommt Orchidee dazu.
Im Mund Traube, Apfel und etwas gelbes Kernobst. Die Säure ist angemessen und gut eingebaut, der Abgang mittellang.
Am zweite Tag ist die Farbe ein wenig dunkler und im Mund kommt nun klar Aprikose dazu.
Der Wein hat uns bestens gefallen.
Morgen geht es weiter.

So long

Alas
wat den een sien uhl is den annern sien nachtigall
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Birte
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Re: Die Weinforum Themenwoche

Beitrag von Birte »

Ganz oben im Regal in seiner französischen Ecke stehen zwei Flaschen Wein aus dem Elsaß als Sonderangebot, ein Riesling und ein Gewürztraminer von Arthur Metz 2010.
Hi, hi, der "Metro" Riesling aus dem Elsass. Mit dem habe ich vor etwa zehn Jahren auch mal Bekanntschaft gemacht, die Beziehung jedoch nicht weiter vertieft.
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octopussy
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Re: Die Weinforum Themenwoche

Beitrag von octopussy »

Das nächste Kapitel in der Weinforum Riesling Themenwoche läutete Freitag und gestern der 2007 Riesling Q.b.A. Trocken Buntsandstein vom Hirschhorner Hof (Frank John) ein. Frank John ist der ehemalige Kellermeister vom Weingut Reichsrat von Buhl und erzeugt seit - ich glaube - 2003 aus zugekauften Trauben eine Mini-Kollektion aus einem Sekt, einem Pinot Noir und einem Riesling, alles zu durchaus ambitionierten Preisen. Ich hatte mir von dem Wein einiges versprochen, gefällt mir doch die non-interventionistische und traditionelle Philosophie des Betriebes.

Leider hat mir (und Mme octo) der Wein nicht wirklich gut geschmeckt. Zum Essen (Lachs im Karotten-Orangen-Ingwer-Sud) trank er sich nicht schlecht, solo wirkt die sehr spitze Säure und die adstringierende Art am Gaumen aber einfach nur anstrengend. So ist auch die Flasche selbst an zwei Abenden zu zweit nicht ganz leer geworden. Vielleicht verbessert sich der Wein noch mit weiterer Flachenreife, vielleicht sind auch andere Jahrgänge besser gelungen. Aber ein sonderlich großes Interesse, andere Jahrgänge des Riesling oder den hochpreisigen Pinot Noir auszuprobieren, hat sich bei mir nicht eingestellt.

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Zuletzt geändert von octopussy am So 25. Mär 2012, 12:09, insgesamt 1-mal geändert.
Beste Grüße, Stephan
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