Hi Michl,
danke für den Einblick. Wenn ich unsere Eindrücke vergleiche, fällt mir vor Allem auf, dass meine Flasche wohl
Brett gehabt hat. Frucht habe ich in der Nase eigentlich keine gehabt. Das Metallische hat sich da wohl drübergelegt. Bei dir keine Anzeichen von Brett?
Manchmal frage ich mich, ob ich in Bezug auf Brettanomyces eine sehr sensible Wahrnehmung habe, subjektiv habe ich zuletzt viele Flaschen gehabt. Gerade Loire, auch Korsika aus 2017 und 2018 und Beaujolais sind bei mir recht durchseucht. Meine Frau empfindet das in der Regel wenig unangenehm, für mich sind die Weine schnell ungenießbar.
Michl hat geschrieben: Vielleicht sind die Weine ja schon mehr als trinkreif.
Wie du dann weiter schreibst, als drüber habe ich den Wein auch nicht gesehen, eher in einer Übergangsphase.
Michl hat geschrieben:...denn der Wein ist extrem tanninlastig.
Relativ zu dem feinen, leichten Körper sind schon einige Tannine vorhanden, aber als tanninlastig habe ich den Wein nicht empfunden; ich muss aber auch sagen, dass ich Tannine, wenn sie denn reif sind, recht gerne habe und wenig unangenehm empfinde.
Michl hat geschrieben:Dass Josef die Säure des Weins als frisch beschrieben hat, kann ich so nicht teilen, aber Josef ist ja bekanntermaßen eher säuresensibel.
Da hast du recht, für Mosel-Trinker ist die Säure natürlich ein Witz. Mir ist selber schon aufgefallen, dass ich häufig die Säure als frisch beschreibe und das für mich irgendwie ein Sammelbegriff für alles, was mehr als moderat ist, und weniger als lebhaft (in meiner Wahrnehmung sind wahrscheinlich 80% der Rieslinge aus D schon lebhaft). Aber ich werde an der Beschreibung vom Säureeindruck arbeiten, den finde ich häufig auch irgendwie unzureichend.
Wenn ich mich richtig erinnern kann, habe ich die Säure als fein und zurückhaltend empfunden, aber mit einigen
frischen Momenten. Die Säure war, wie du auch schreibst, ein recht untergeordnetes Element des Weins. Gar nicht dominant. Sie trat immer mal subtil in Erscheinung, hat dadurch auch m.M. nach zu dem Fragilen des Weins beigetragen. Bestimmte Aromen, eine schöne Balanciertheit, blitzte immer mal wieder auf und war beim nächsten Schluck irgendwie wieder weg. Dann war der Wein merkwürdig ausdrucksschwach und unbalanciert. Und auch die Tannine traten dann mehr in Erscheinung. Vielleicht kommt dein
tanninlastiger Eindruck daher.
Wir können uns ja bei der nächsten Flasche abstimmen und gleichzeitig verkosten, ich würde aber min. ein Jahr, eher zwei warten.
Grüße, Josef