Bernd Schulz hat geschrieben:
Und, Stephan? Hast du dir die Siegerweine schon kistenweise bestellt?
Ich wohne nur zwei Autostunden von der Mosel entfernt, aber habe es dieses Jahr noch nicht ins Anbaugebiet geschafft und werde es in absehbarer Zeit auch nicht dorthin schaffen. Trotzdem bleibe ich angesichts der Ergebnisse des "BerlinKabinettCup" äußerst gelassen, da mir völlig klar ist, dass das Ranking der gleichen Weine seitens der gleichen Verkoster bereits in einem halben Jahr völlig anders ausfallen würde. Der von Hövelsche Kabi befindet sich möglicherweise schon seit drei oder vier Monaten auf der Flasche, während es sich bei den Molitor-Kabinetten um Fassproben (!) handelte - für mich ist das keine sinnvolle Basis für eine Rangfolge von mittelfristiger Aussagekraft.
Leider ist es mittlerweile Usus geworden, Rieslinge in einem völlig unruhigen Stadium zu bewerten. Leute, gebt den Weinen doch wenigstens ein paar Monate mehr! Dann seid ihr vielleicht nicht die ersten, die ihr Urteil loswerden - aber dafür hat dieses Urteil auch einen deutlich größeren Wert!
Hallo Bernd,
du darfst nicht außer acht lassen, dass du selbst seit wahrscheinlich gut und gerne 20 Jahren restsüße Weine von der Mosel, Saar und Ruwer trinkst. Nicht jeder kennt sich so gut aus. Für die etwas Unbedarfteren ist eine Verkostung wie der "BerlinKabinettCup" bei allen (aus meiner Sicht durchaus berechtigten) Vorbehalten gegen Rankings, den Anschein einer gewissen "Objektivität", Hype-Schürerei, etc. m.E. schon hilfreich. Nicht nur ruft es einer nicht zu vernachlässigenden Öffentlichkeit einen bestimmten, eine Zeit lang etwas vernachlässigten Weintyp wieder ins Gedächtnis, sondern gibt auch einen guten Überblick, wer was auf die Flasche bringt.
Das Ranking ist für mich dabei auch nicht ausschlaggebend, wenn auch auf jeden Fall interessant. Ein Van Volxem Rotschiefer interessiert mich zum Beispiel nicht, da ich ihn aus anderen Jahrgängen (2009, 2010) zwar als nette fruchtsüße Variante des "Saar-Riesling" in Erinnerung habe, ihn aber nicht mit einem klassischen Mosel- oder Saar-Kabinett vergleichen wollte. Es freut mich aber zum Beispiel zu sehen, dass Max von Kunow offenbar wiederholt (siehe zum Beispiel die Gault-Millau-Bewertungen für die 2010er, die ich voll und ganz nachvollziehen kann, da ich die Weine umwerfend gut fand) exzellente Rieslinge auf die Flasche bringt. Ein paar Flaschen Hütte und Scharzhofberg Kabinett (+ ein paar weitere) habe ich deshalb schon bestellt.
Sobald der Gault Millau rauskommt, sind übrigens in guten Jahren geschätzte 50-60% der restsüßen und feinherben Kabinette und Spätlesen vieler Produzenten ausverkauft. Und versuch mal, Jahre später für z.B. eine Vertikalverkostung einen Riesling Kabinett nachzukaufen. Ausgeschlossen. Eine frühe Einschätzung, mit wie vielen Unsicherheiten sie auch immer behaftet sein mag, hilft da auf jeden Fall. Und ich bin da auch ganz bei Matthias (port_ellen): bei den guten Produzenten und aus guten Lagen kann man eh kaum etwas falschmachen. Aber schau dir mal die letzten drei Plätze an: für mich sind alle drei keine Erzeuger, die unbedingt für ihre feinherben Kabinette bekannt sind. Wären die letzten drei die ersten drei gewesen, hätte ich vielleicht eher noch einmal darüber nachgedacht.
Und noch etwas: ein Jahr, zwei Jahre oder drei Jahre später sind solche vergleichenden Proben wegen Flaschenvarianzen, Verschlussphasen, etc. aus meiner Sicht mit fast ebenso großen Unsicherheiten behaftet.