Noch mehr Beaujolais:
Vorletzte Woche trafen Ole, R.G., George und ich uns, um ein paar 2013ern auf den Zahn zu fühlen. Die Zusammenstellung war eher zufällig, es handelte sich um Weine, die im Maison du Vin in Fleurie gerade greifbar waren.
Los ging es aber erst einmal mit einem 2014er (Nouveau) -
Domaine de Nugues - 2014 Beaujolais Villages Nouveau. 2014 soll ja im Beaujolais prächtig gelungen sein, da ich fast nie Beaujolais Nouveau trinke, kann ich diesen 14er jahrgangsmäßig aber nicht einschätzen. Er war ok, aber nicht wirklich gut, für meinen Geschmack war er für einen leichten "Saufwein", der auf die Frucht zu trinken ist, zu gehaltvoll.
Dann ging es mit den 2013ern los, zunächst einem
2013 Beaujolais Blanc von
Dominique Piron. Mittlerweile erzeugen durchaus einige Winzer von Flächen im südlichen Teil des Beaujolais (Pays des Terres Dorées), wo es mehr Kalkmergelflächen gibt, Weißweine aus Chardonnay. So richtig hat mich aber noch keiner überzeugt. Da greife ich lieber im nahegelegenen Mâconnais zu. Der Beaujolais Blanc von Piron war nett, viel mehr aber auch nicht.
Als ersten Rotwein hatten wir den
2013 Fleurie "La Grande Rose" von
Julie Balagny. Die Weine von Balagny, einer Elevin von Yvon Mêtras, gab es mal einen Jahrgang lang bei K&U, danach aber nicht mehr. Dieser Fleurie war mit 10,7% Vol. Alkohol ein echtes Leichtgewicht, hatte auch seine guten Seiten, aber auch seine Mängel (eine sehr grob wirkende Säure, eine leichte Klebstoffnote). Insgesamt gefiel er mir nur mittelmäßig.
Dann hatten wir den einfachen
2013 Fleurie der
Domaine de la Grande Cour (Jean-Louis Dutraive), dessen Weine leider immer schwieriger zu finden sind, da er eine große Fangemeinde in den USA, in England und auch in Frankreich hat. Dieser war einer meiner beiden Favoriten des Abends, für das Weingut eher gehaltvoll, aber schön klar, gut strukturiert und knackig.
Next up:
2013 Juliénas von
Pascal Granger. Das war nicht mein Wein, er wirkte irgendwie dumpf und muffig, hatte aber keinen Kork. Hier fehlte mir definitiv die Brillianz der Frucht. Unter Umständen habe ich dem Wein aber Unrecht getan, nachdem er anfangs etwas dumpf wirkte, habe ich mir keine große Mühe mehr mit ihm gemacht und ihn zum Essen getrunken (dazu ging er ganz gut).
Vor etwas weniger als drei Jahren hatten wir mal diverse Fleuries der
Domaine de la Chapelle des Bois (Coudert-Appert) im Glas (
http://www.dasweinforum.de/viewtopic.ph ... ois#p56123). Von der stand dieses Mal der
2013 Fleurie auf dem Tisch, ein durchaus vergnüglicher Wein, der sich aber auch nicht wirklich gut präsentierte. Auch hier fehlte es an Aromenklarheit (jedenfalls an dem Abend).
Zum Schluss gab es dann wieder einen sehr schönen Fleurie, nämlich den
2013 Fleurie von
Dominique Piron, den erst seit ein paar wenigen Jahrgängen gibt. Sein Fleurie war gut strukturiert, fein und klar in der Frucht, harmonisch in Tannin, Säure und Frucht und dementsprechend neben dem Dutraive der Wein des Abends.
Ich glaube, dass wir an dem Abend mit den Weinen etwas Pech hatten. Obwohl Fruchttag war (nach dem biodynamischen Kalender), präsentierte sich eigentlich kaum ein Wein so, wie man es von einem jungen Fleurie erwartet: klar und fein in der Frucht, animierend, leicht floral, einladend. Man musste immer ein wenig nach dem Bouquet suchen. Hieraus werde ich aber erst einmal keine Rückschlüsse ziehen, denn meine Vermutung ist, dass wir an dem Abend schlicht Pech mit der Ausdruckskraft der Weine hatten.