Hallo zusammen,
endlich mal wieder ist unsere Hamburger Beaujolais-Runde zusammengekommen, dieses Mal, um die
Chénas von
Paul-Henri Thillardon auszuprobieren, der relativ neu im Sortiment von Pinard de Picard ist.
Thillardon hat sich 2008 in La-Chapelle de Guinchay niedergelassen und ein paar Hektar Reben in Chénas gekauft. Mittlerweile sind er und sein Bruder nach Chénas umgezogen. Neben Lagen in Chénas haben sie in 2011 oder 2012 auch noch eine Parzelle in Moulin-à-Vent (Les Deschanes) an der Grenze zu Chénas erworben. Die Domaine arbeitet biologisch und pflügt ihre Weinberge teils mit Pferden. Insgesamt sind fünf Lagen im Portfolio:
Chénas "Les Carrières": sandige Schwemmböden nahe einem ehemaligen Steinbruch
Chénas "Les Boccards": rosa Granitböden
Chénas "Chassignol": rosa Granit mit Quartzanteil
Chénas "Blemonts"
Moulin-à-Vent "Les Deschanes"
Die Trauben werden à la Bourgignonne entrappt, gepresst und vergoren mit ein paar Tagen Kaltmazeration. Dann werden die Weine in Betontanks ausgebaut.
Es gibt eine Menge talentierter junger Winzer und Winzerinnen im Beaujolais und Paul-Henri Thillardon gilt als einer der vielversprechenden. Der Guide Bettane & Desseauve verleiht den Weinen zwar keine hohen Punkte, lobt die Domaine aber in den höchsten Tönen.
Probiert haben wir die drei 2012er, die bei Pinard verfügbar sind: Carrières, Boccards und Chassignol. Der
2012 Chénas Les Carrières wirkte noch etwas einfach, ganz verführerisch in der Nase, aber insgesamt dann doch etwas rustikal und bäuerlich. Das mag auch am Jahrgang liegen, für mich war der Carrières ein recht typischer Vertreter des 2012er Jahrgangs im Beaujolais außerhalb des Spitzensegments: schlank, hohe Säure, etwas eckig, rustikal. 2012 ist m.E. ein Jahrgang ausschließlich für die Spitzenlagen, die wärmeren Lagen und die Spitzenwinzer. Da lohnt es sich, ganz stark zu selektionieren.
Der
2012 Chénas Les Boccards war um Längen besser als der Carrières, viel feiner, ebenfalls recht herb und säuregeprägt, aber mit deutlich mehr Substanz als der Carrières, so dass der Wein sehr ausgewogen wirkt. Der hat auch richtig Potenzial, entwickelte sich mit Luft deutlich positiv. Das ist aus meiner Sicht ein Wein zum Einkellern, keiner zum jung trinken.
Noch einen drauf legte dann der
2012 Chénas "Chassignol", bei dem schon die Wachskapsel die Ambitionen von Thillardon bezüglich des Weins ausdrückt, obwohl der Wein nur einen Euro teurer ist als der Boccards. Im B&D wurde der Chassignol übrigens mit 13,5 Punkten fast schon abgestraft und deutlich schlechter bewertet als der Carrières. Aus meiner bescheidenen Sicht, bei der ich mit den anderen anschließen möchte, war der Chassignol der beste der drei Chénas mit viel Substanz, Struktur und Finesse bei einem gleichzeitig luftig-leichten Gesamteindruck. Auch der Chassignol ist aber ein Wein zum Einkellern (was ich auch im bescheidenen Umfang getan habe).
Dann hatten wir zum Vergleich noch den
2012 Moulin-à-Vent "Dernier Souffle" von
Richard Rottiers, der erst jüngst von Neil Martin für den WA mit 94 Punkten bewertet wurde. Der hat sich im Vergleich zu Anfang diesen Jahres deutlich zurückgezogen, wirkt jetzt sehr säurebetont und ziemlich verschlossen. Das ging schnell

. Die nächsten drei bis vier Jahre werde ich den Wein nicht anrühren.
Schließlich zum Schluss noch ein "Wochenendrest" (aber ein sehr guter):
Domaine du Vissoux - 2009 Moulin-à-Vent "Les Trois Roches". Während sich die 2012er verschließen, wachen die 2009er so langsam auf. Die anderen fanden den Trois Roches ein wenig zu "nett" im Vergleich zu den Thillardons und dem Rottiers, ich war letztlich auf der Basis eines kleinen Glases ziemlich begeistert. Der Wein zieht eine Menge Register, hat viele verschiedene Nuancen, ist definitiv freundlich und auch fruchtbetont, setzt das aber m.E. sehr gut um. Davon habe ich auch noch was zu Hause, werde mich noch minimal gedulden und freue mich dann aber drauf.
