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Re: Primat der Rebsorte

Verfasst: Do 14. Feb 2013, 14:48
von Gerald
Also mir ist es bei Wachauer Weinen schon öfters passiert, dass ich mir nicht sicher war, ob es jetzt ein Riesling oder Veltliner ist, da nämlich Steinobstnoten aufgetreten sind, die in anderen Regionen bei Veltlinern kaum vorkommen. Am Gaumen war es dann oft schon klarer, aber von der Nase alleine hätte ich es nicht sagen können.

Das war übrigens schon mehrmals bei den neuen Prager-Smaragden beim Weinfrühling der Fall ...

Kann aber natürlich auch an meinen eingeschränkten Verkosterfähigkeiten liegen :oops:

Grüße,
Gerald

Re: Primat der Rebsorte

Verfasst: Do 14. Feb 2013, 14:50
von argentum
Juchhuuu, mien Lieblingsthema... 8-)

Re: Primat der Rebsorte

Verfasst: Do 14. Feb 2013, 14:50
von Gerald
Was ich übrigens - rein logisch betrachtet - für Unsinn halte, ist die Behauptung mancher Winzer, dass ein gemischter Satz dadurch, dass er nicht nur aus einer Rebsorte besteht, die Herkunft besser als sortenreine Weine ausdrücken kann. Wenn Rebsorte X die Herkunft gut (oder schlecht) ausdrückt, Rebsorte Y und Rebsorte Z ebenfalls, dann wird das für eine Mischung dieser Rebsorten genauso gelten, denke ich einmal ...

Grüße,
Gerald

Re: Primat der Rebsorte

Verfasst: Do 14. Feb 2013, 14:52
von argentum
ups sorry, da ging mal der zweite Teil der Aussage verloren, aber in Teilen schliesse ich mich Ulli an, obwohl ich dazu noch anfügen möchte: das Terroir ist nichts ohne den Winzer...

Re: Primat der Rebsorte

Verfasst: Do 14. Feb 2013, 15:06
von UlliB
sorgenbrecher hat geschrieben:wovon ich nichts halte ist die überhöhung des terroir-begriffes. ja, ich bin der überzeugung, dass es rebsorten gibt, die deutlich empfindlicher auf lagenunterschiede reagieren als andere rebsorten und im besten falle sind diese lagenunterschiede auch noch möglichst reproduzierbar blind schmeckbar (wobei wohl für immer die frage im raum stehen wird, ob dieser vermeintlich lagentypische geschmack nicht nur ein als typisch wahrgenommener geschmack ist, der durch die vinifizierung, die tradition oder durch besonders erfolgreiche winzer in dieser lage geprägt wurde und wird).
Marko,

ich bestreite keine Sekunde, dass es einen (schmeckbaren) Lagencharakter gibt und dieser sehr wohl von einer Handvoll von Spezialisten mit einer hohen Treffsicherheit auch bei Blindverkostungen ausgemacht werden kann. Aber eben: eine Handvoll Spezialisten... es ist schon interessant, zu erleben, wie schwer sich bei Blindverkostungen auch erfahrene Weinprofis damit tun, Lagen zu identifizieren, das betrifft regelmäßig auch ortsansässige Winzer. In einer kürzlich vom Vinum publizierten Chardonnay-Verkostung (ich hatte darüber wegen eines kleineren Fehlers an anderer Stelle berichtet) waren die durchweg erfahrenen Verkoster nicht einmal in der Lage, das Herkunftsland auszumachen.

Wenn der Lagencharakter aber nicht ohne vorhergehenden Blick auf das Etikett identifiziert werden kann: welchen Wert hat er denn - außer dass er für Diversität sorgt?

Vor dem Hintergrund der offensichtlich ganz enormen Schwierigkeit, die Lage bei Weinen aus der selben Rebsorte blind festzumachen, dann auch noch zu behaupten, der Lagencharkter bestände völlig unabhängig von der Rebsorte, ist für mich ein bloßer Hirnfurz.

Gruß
Ulli

Re: Primat der Rebsorte

Verfasst: Fr 15. Feb 2013, 09:49
von Charlie
UlliB hat geschrieben: auch noch zu behaupten, der Lagencharkter bestände völlig unabhängig von der Rebsorte, ist für mich ein bloßer Hirnfurz.
Da kann ich einen draufsetzen: der Lagencharakter besteht völlig unabhängig von der Rebsorte, aber nicht im Wein :ugeek:

Re: Primat der Rebsorte

Verfasst: Fr 15. Feb 2013, 11:18
von weingeist
Charlie hat geschrieben:Da kann ich einen draufsetzen: der Lagencharakter besteht völlig unabhängig von der Rebsorte, aber nicht im Wein :ugeek:
Sorry, aber das verstehe ich jetzt nicht mehr. Wenn nicht im Wein, wo dann ? :?

Re: Primat der Rebsorte

Verfasst: Fr 15. Feb 2013, 15:53
von Markus Vahlefeld
weingeist hat geschrieben:
Charlie hat geschrieben:Da kann ich einen draufsetzen: der Lagencharakter besteht völlig unabhängig von der Rebsorte, aber nicht im Wein :ugeek:
Sorry, aber das verstehe ich jetzt nicht mehr. Wenn nicht im Wein, wo dann ? :?
Natürlich in der Lage... :lol: :lol:

Re: Primat der Rebsorte

Verfasst: Fr 15. Feb 2013, 16:11
von Markus Vahlefeld
UlliB hat geschrieben:(...) es ist schon interessant, zu erleben, wie schwer sich bei Blindverkostungen auch erfahrene Weinprofis damit tun, Lagen zu identifizieren, das betrifft regelmäßig auch ortsansässige Winzer.
Meine Erfahrung (und ich verkoste oft mit Winzern):

1. Winzer erkennen ihre eigenen Weine oftmals nicht (ca. 60%)

2. Nur Weine, die man bereits öfter getrunken hat, kann man einer Lage zuordnen

3. Niemand (!) schafft es, unbekannte und blind verkostete trockene Rieslinge ihren Lagen zuzuordnen


zu 1. Winzer sind schlechte Verkoster. Sie sind betriebsblind und achten bei ihren Weinen auf ganz andere Parameter als "die Lage" (Zucker, Alkohol, Cuveetierung, Holzeinsatz etc.)

zu 2. Terroir ist ausschließlich eine Eigenschaft, die sich aus der Erinnerung speist. Terroir ist nicht schmeckbar sondern nur erinnerbar. Ein Widerspruch? Aber hallo!

zu 3. Manchmal ein Glückstreffer, aber NIE zweimal oder mehrmals hintereinander. Das habe ich noch nie erlebt. NIE.

Und ich wette mit jedem hier im Forum um eine Flasche Petrus 2000, dass es NIEMAND schafft, bei einer Blindprobe mit 3 trockenen Rieslingen, die Weine richtig einer Lage zuzuordnen. Bei dieser Wette bezahle ich sogar die Rieslinge 8-)

Re: Primat der Rebsorte

Verfasst: Fr 15. Feb 2013, 16:25
von weingeist
Hallo Markus,
Markus Vahlefeld hat geschrieben:Natürlich in der Lage... :lol: :lol:
sollte ich das nächste Mal durch die Achleiten bei Weißenkirchen oder den Burgberg bei Spitz wandern, werde ich versuchen, die Lage einmal so richtig zu kosten. :lol:

Sollte mir jemand dabei zusehen und mich einliefern lassen wollen, werde ich mich jedenfalls auf "das Weinforum" beziehen. ;)