Halte ich für eine totale Fehleinschätzung. Ber BW ist mit Glück im Sommer trinkreif. Der vV ging trinkreif auf den Markt. Der BW hat mehr Säure, nicht nur gefühlt auch von den Werten. Der BW kam als hefige Limo auf den Markt und ist jetzt in einer harten Eisblock Phase. Da es sich um einen Gutsriesling handelt, ist das im positiven Sinn Mut zum Risiko. Hier hat man glücklicherweise noch die Möglichkeit in einer niedrigen Preisstufe, die Entwicklung eines Weins zu beobachten.
Prima, da haben wir also Dissenz und somit was zum Diskutieren
Und was die Entwicklungsmöglichkeiten der beiden Weine angeht, gehen unsere Meinungen wohl wirklich arg auseinander. Was den van Volxem anbelangt: Ja, der ist trinkreif, vom ersten Schluck an. Aber, im Gegensatz zu Deiner Wahrnehmung, hat er sich bei mir (und Andreas) durchaus noch im Glas verändert, er war am zweiten Tag besser (harmonischer, komplexer, vielfältiger). Das spricht aus mMn für seine Entwicklungsmöglichkeiten, er hat auch jede Menge "Stoff", Extrakt (wie auch immer man es am besten bezeichnet, man sehe sich nur die "Kirchenfenster" im Glas an), was sich im Laufe der Zeit geschmacksbildend wandeln wird. Ich habe die analytischen Werte nicht, und auch wenn mir persönlich die Säure etwas zu dezent ist - so säurearm, dass er sich die nächsten 2-3 Jahre nicht mehr positiv entwickeln wird, ist er sicher nicht. Also Trinkreife jetzt: Zustimmung. Bei Dir hört es sicher aber an, als wäre damit die Entwicklung bereits abgeschlossen. Da widerspreche ich gerne - auch aufgrund der positiven Erfahrung mit dem 2009er. Ich werde gerne zwei Flaschen vom 2011er aufheben, um sie in ca. 2 Jahren nochmal zu testen.
Beim Bürklin-Wolf kann ich nur aus der Momentaufnahme heraus urteilen, da mag ich dann auch etwas daneben liegen, was die Einschätzung der Entwicklung angeht. Aber ich finde ihn nicht so verschlossen, wie mir dein "Eisblock"-Vergleich suggeriert. Der zeigte bei mir die typische junge Riesling-Nase, nicht überbordend oder opulent, aber so wie es sich für einen jungen Pfälzer Riesling der Basisklasse gehört - nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger. Genauso am Gaumen: klar, geradlinig, säurebetont, relativ wenig Pfirsich und andere Fruchtnoten zeigend, dafür mehr Frische (Zitrus, Lemon?) im Vordergrund. Ein prima Basiswein aus meiner Sicht, animierend, hat Lust aufs zweite Glas gemacht. Aber zeigt er mit zunehmender Reife deutlich mehr Facetten? Da bin ich einfach etwas skeptisch. Was kommt noch nach, wenn die Frische und Spritzigkeit zurückgeht? Kann gut sein, dass ich da falsch liege, mit solcher Art Prognosen habe ich noch wenig Erfahrung. Ich denke aber, dass der Gutsriesling in zwei Jahren auch noch gut trinkbar sein wird, aber von seiner Frische und Jugendlichkeit verloren haben wird und dann hinter einem komplexer gereiften van Volxem zurückfallen dürfte. Wäre ja bei einem Wein, der gut 20% günstiger ist, auch keine Schande.