Kalifornien

weinaffe
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Registriert: Mo 6. Dez 2010, 13:19
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Re: Kalifornien

Beitrag von weinaffe »

Hallo zusammen ,

hier noch ein paar Notizen zu gereiften kalifornischen Rotweinen, die kürzlich verkostet wurden:

991er Pinot noir Carneros (Robert Mondavi)
schon in der Nase sehr oxidativ, auch wenn sich geschmacklich noch Frucht und Extraktsüsse erkennen lassen. Durchaus ein qualitativer Wein, der einfach nur 20 Jahre zu spät entkorkt wurde.

Dann gab es eine 3-er Serie mit einer Rebsorte, der man solch eine Alterungsfähigkeit nicht unbedingt zutrauen würde. Allerdings stammen sie auch von einem Produzenten, der als Spezialist für diese Rebsorte gilt:

1990er Zinfandel Sonoma Valley (Rosenblum Cellars)
dieser Einstiegs-Zin ist noch überraschend lebendig: aufgehelltes Rubin, saftige Dunkelfrucht, vor allem Sauerkirsche, eher schlanke Stilistik, frische Säure, sogar gewisse Eleganz, macht noch sehr viel Spass.

1990er Zinfandel Contra Coast County (Rosenblum Cellars)
zuerst etwas Altersmuff, verliert sich dann weitgehend, etwas kräftiger, reife Sauerkirsche, aber auch etwas Ätherik (Kräuter) und Spargelanklänge, ebenfalls noch gut in Form, sollte aber jetzt getrunken werden.

1989er Zinfandel Georg Hendry Vineyard (Rosenblum Cellars)
das ist jetzt ganz nach meinem Geschmack: intaktes Rubinrot, reife, aber nicht überreife Herzkirsche etwas Himbeere, elegante Frucht, am Gaumen dicht gehaltvoll, aber nicht überpowert, schöne Würze, wirkt kühl und finessenreich, sehr saftig, gute Länge. Blind wäre ich sicher nicht auf Kalifornien oder gar Zinfandel gekommen; vom Stil her wirkt das eher wie ein bestens gereifter Pinot. Das ist jedenfalls ein Parade-Zin, bei dem man glatt zum Fan dieser Rebsorte werden könnte.

Als nächstes gab es 3 x Merlot von 3 verschiedenen Produzenten, die allesamt überzeugen konnten:

1997er Merlot Napa Valley (Joseph Phelps)
mit Ausnahme des "Piraten" der jüngste Wein im Verkostungsfeld: intaktes, kräftiges Rubin, elegante Dunkelfrucht (Kirsche, Cassis, Himbeere),jugendlicher Eindruck, am Gaumen ausgewogen-samtig, strukturiende Säure, Tannin fast komplett abgeschmolzen, tiefe Frucht, geschmeidig, extraktsüss, ein echter Crowd-Pleaser auf durchaus hohem Niveau.

1990er Merlot Napa Valley (Rutherford Hill)
wirkt gereifter als der Vorgänger mit ganz zarter Oxidation in der Nase, auch hier reife Dunkelfrucht, elegante Würze, zarter Tanninschleier, gut Länge. Macht noch Spass, sollte aber jetzt getrunken werden.

1985er Merlot Selected Cuvee (Pine Ridge)
der älteste Wein war wahrscheinlich sogar der beste Wein der gesamten Probe: kräftiges Granatrot, sehr elegante Nase, die frappierend an einen hochwertigen Pomerol erinnert, komplex mit Noten von Tabak, Unterholz, Pilzen und Graphit, saftige Cassis-/Kirschfrucht, perfekter Holzeinsatz, ein perfekter Pirat in einer Bordeaux-Probe. Chapeau!

Zum Abschluss gab es noch eine Serie mit 6 kalifornischen Cabernet Sauvignon, die leider alle aus unterschiedlichen Gründen nicht überzeugen konnten. Lediglich der Cabernet-Pirat aus dem Jahre 2003 konnte hier noch positiv herausstechen:

1994er Cabernet Sauvignon Reserve (ZD Wines)
etwas Oxidation in der Nase, dazu leicht käsige Noten, noch Frucht vorhanden, aber insgesamt zu weit gereift. Dazu vielleicht keine optimale Flasche. Schade !

1992er Cabernet Sauvignon (Hess Select)
auch hier etwas Oxidation, aber noch tolerabel, am Gaumen besser, saftige Säure, Cassis, Kirsche und Brombeere, intaktes Tannin, ordentliche Länge. Hat seinen Zenit aber schon längst hinter sich gelassen.

1988er Cabernet Sauvignon Stags Leap (Shafer)
leider ein kompletter Ausfall, schon farblich ein leuchtendes, untypisches Rosa, sehr oxidativ, deutliche Mäuselnote, die den Wein unendlich lang im Mund nachklingen lässt :lol: , als freakiger Naturwein könnte der glatt noch durchgehen, für mich aber ein Fall für den Ausguss... :(

1986er Cabernet Sauvignon Hillside Select (Shafer)
potentiell ganz großer Wein, der aber leider von einer deutlichen Oxidationsnote durchzogen ist, ansonsten sehr klassisch mit Substanz und versteckter Eleganz, in dieser Flaschenform leider nur bedingt ein Vergnügen :shock: Eigentlich sollte ein Wein dieser Klasse jetzt richtig glänzen.

1986er Cabernet Sauvignon Napa Valley (Clos Pegase)
leider noch oxidativer als der Vorgänger, am Gaumen ist die Klasse dieses Weines durchaus erkennbar, aber in dieser Flaschenform ist der Wein einfach zu alt. Schade!

1985er Cabernet Sauvignon Private Reserve (Raymond Vineyards)
Das wäre wahrscheinlich der Wein des Abends gewesen, aber gegen einen Bombenkork ist natürlich kein Kraut gewachsen. Jammerschade!

LG
Bodo
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AmonA
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Registriert: Di 28. Aug 2012, 12:35

Re: Kalifornien

Beitrag von AmonA »

Ridge, Lytton Springs 2023, Dry Creek Valley

76 % Zinfandel, 14 % Petite Syrah, 7 % Carignane, 2 % Alicante Bouschet, 1 % Mataro

Ich hatte die Flasche am Tag vorher geöffnet. Da der Korken eigentümlich roch und der Wein sehr zurückhaltend war, habe ich erst einen Tag später mehr probiert:
Der Wein ist leider etwas zu warm. Habe vergessen den zu temperieren.
Dunkles purpur, fast schwarzer Kern, sehr würziger Duft, Kakao, Kompott von dunklen Früchten, Kirschen, am Gaumen viel feines Tannin, perfekt eingebundene Säure, immenser Druck durch die Frucht, konzentriert, sehr langer Nachgeschmack, überwiegend nach dunklen Kirschen. Trotzdem der Wein etwas zu warm war (21 ° C) war der hohe Alkoholgehalt von 14,5 % nicht zu „schmecken“ – toll!
Der Geruch vom Korken hatte sich auch verflüchtigt - puh, Glück gehabt!
Grüße
AmonA (aka Volker)
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UlliB
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Registriert: Mo 6. Dez 2010, 18:27

Re: Kalifornien

Beitrag von UlliB »

Rubicon 2019 (Inglenook) 14,0%Vol. Der ist geeignet, ein paar gängige Vorurteile über kalifornische Weine zu bestätigen - aber bei weitem nicht alle.

81%CS, 11%M, 5%CF, 3%PV. Blickdicht. Die Nase sehr typisch Cabernet, gar nicht mal so intensiv. Aber die Intensität kommt umso mehr am Gaumen, enorme Konzentration, Unmassen von sandigem Tannin, belegt alles. Die Frucht ist reif, sehr reif, aber nicht überreif, da ist nichts marmeladiges, eingekochtes oder liköriges. Pendelt interessanterweise zwischen blauer und roter Frucht, sogar ein wenig Himbeere, ungewöhnlich für eine solche Cuvée. Genügend Säure. Holz ist kaum zu spüren, das hat der Wein komplett "geschluckt". Lang.

Nicht ganz unerwartet: viel zu jung. Der braucht noch ein Jahrzehnt, um die enorme Substanz zu verarbeiten. Und ich behaupte mal: den könnte man als Piraten in eine hochrangige Bordeaux-Probe mit Weinen aus einem sehr warmen Jahrgang (2018?) einstellen, ohne dass der sofort auffällt. Allenfalls könnte die Paarung von linksufriger Aromatik mit rechtsufriger Struktur irritieren.

Gruß
Ulli
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