Moin,
diese Woche hatten wir endlich mal wieder Zeit für unsere eigentlich monatlich stattfindende Beaujolais-Runde. Ole hatte eingeladen zu ein paar Morgons aus 2005. Wohl dem, der so viel Morgon aus 2005 im Keller hat, dass er gleich mehrere Möglichkeiten für Vergleiche präsentieren kann. Wir entschieden uns für "Quer Beet".
[album]2548[/album]
Los ging es mit
2005 Morgon "Cuvée du Père Claude" von
Armand & Richard Chatelet, einem Erzeuger, von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Der Wein war recht gut, nicht sensationell, aber sauber, klar in der Frucht und mit einer eher herben Aromatik. Ein guter Einsteig und ein klassischer Cru Beaujolais, von dem man zu zweit zur Wurstplatte unkompliziert eine Pulle trinkt.
Der zweite Wein war stilistisch ganz anders. Der
2005 Morgon Côte du Py Vieilles Vignes von
Pierre Savoye war viel helltöniger in der Aromatik, blind hätte ich ihn (trotz anderen Bodens) wohl für einen Fleurie oder Chiroubles gehalten. Rote Beeren dominierten bei dem Wein das Geschmacksbild, er war sehr fein ausziseliert und wunderbar elegant, das bei einem hervorragenden Trinkfluss. Ein Name, den ich mir merken werde.
Wein 3 erinnerte wieder mehr an Wein 1. Mit einem unglaublich hässlichen Etikett versehen war er, der
2005 Morgon Charmes der
Domaine de la Côte des Charmes. Der Wein selber war nicht schlecht, aber etwas unharmonisch und einfach.
"Save the best for last" ist nicht nur ein kitschiger Song aus den frühen 90ern, sondern auch das Motto, das wir an dem Beaujolais-Abend verfolgten. Das fulminante Finale startete mit dem
2005 Morgon Côte du Py von
Dominique Piron, dessen bekanntester Wein der Chénas "Quartz" sein dürfte, der zusammen mit dem ***-Restaurant Lameloise in Chagny erzeugt wird. Zunächst wirkte der Wein sehr Beaujolais-untypisch mit seinen animalischen Noten und einer Aromatik, die frappierend an Syrah von der Nord-Rhône erinnerte, einer unglaublich festen Struktur und einem für Beaujolais nicht gerade typischen Tannin-Wall. Mit der Zeit wurde er aber immer zugänglicher und feiner und ging auch aromatisch mehr in Richtung Morgon (Kirschfrucht). In jedem Fall war der Wein noch sehr jung und einfach saugut.
Zuletzt hatten wir noch den
2005 Morgon Côte du Py "Javernières" von
Louis-Claude Desvignes aus einer Parzelle an der Côte du Py mit einem höheren Lehmanteil. Vor etwas mehr als einem halben Jahr war der Wein schon fantastisch, aber sehr verschlossen. Jetzt war er einfach hinreißend, sehr komplex, fein, elegant, komplett. Ein wunderbares Trinkvergnügen.
Im Fazit hat sich mal wieder gezeigt, dass 2005 ein großartiger Beaujolais-Jahrgang ist, jedenfalls wenn es um lagerfähige Weine geht, die über die junge Frucht hinaus etwas bieten sollen. Selbst eher einfache Weine wie Wein 1 und Wein 3 oben wirkten null müde, haben sich nur evtl. mit der Zeit nicht stark verbessert. Aber Weine wie die von Piron oder Desvignes erscheinen erst jetzt am Anfang ihrer richtig guten Trinkreife und werden sich über die nächsten fünf bis sechs Jahre noch größtes Vergnügen bieten. Mein Dank geht an Ole für die schöne Auswahl.