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Re: Martin Müllen

Verfasst: So 25. Mai 2014, 12:12
von UlliB
Bernd Schulz hat geschrieben:Dass Ulli eher in Ollies Richtung tendiert und seine Erfahrungen mit den Müllenschen Rieslingen eher als Achterbahnfahrt bezeichnen würde, glaube ich zu wisssen.
Bernd,

ja, "Achterbahnfahrt" trifft es schon sehr gut. Im Jahr mache ich vielleicht ein gutes Dutzend Weine von Müllen auf, und die Erfahrungen damit schwanken regelmäßig zwischen völliger Begeisterung und ziemlicher Ernüchterung - wie zuletzt beim oben erwähnten Hühnerberg Kabinett.

Ob nun Flaschenvarianzen oder ein extrem launischer Entwicklungsverlauf dafür verantwortlich sind, weiß ich nicht wirklich. Dazu müsste ich einmal mehrere Flaschen des gleichen Weins parallel aufmachen; in einem Zweipersonenhaushalt ist das nicht unmittelbar attraktiv. Ist es aber wie von Dir vermutet Sprunghaftigkeit in der Entwicklung, wäre die schon außergewöhnlich groß, da gebe ich Ollie Recht.

Und einerlei, was nun die Ursache ist - die Folgen bewerte ich genau so wie er: "Zickige Weine, die mal hui, mal buh sind, und zwar voellig unvorhersehbar, sind eher unpraktisch." Und insofern gehört Müllen nach wie vor nicht zu meinen bevorzugten Produzenten - auch wenn ich da regelmäßig ein paar Flaschen kaufe. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und wenn's denn mal passt, dann passt auch wirklich alles.

Gruß
Ulli

Re: Martin Müllen

Verfasst: So 25. Mai 2014, 12:35
von Bernd Schulz
Ulli und Ollie,

mich machen eure Erfahrungen halt ratlos, weil ich das - ganz unabhängig von meiner persönlichen Sympathie für den Winzer - einfach so nicht erlebe.

In unseren Dreierverkostungen mit dem Ostbelgier und Ralf Gundlach stelle ich ja auch immer wieder einen Müllen-Wein auf den Tisch. "Pfui"-Flaschen waren da bislang so gut wie nicht dabei - die Weine stoßen regelmäßig auf größere bis große Zustimmung - und zwar bei den anderen erst einmal blind.

Dass unter den vielen Weinen, die Martin Müllen jedes Jahr erzeugt, auch mal der eine oder andere generell nicht ganz so toll gelungen ist, will ich selbstverständlich nicht abstreiten. Aber das steht ja auf einem anderen Blatt als die von euch beobachteten Phänomene.

Erklären lässt sich die Sache eigentlich nur durch eine jeweils subjektiv ganz unterschiedliche Wahrnehmung von Wein und seiner Qualität, oder?

Viele Grüße

Bernd

Re: Martin Müllen

Verfasst: So 25. Mai 2014, 14:35
von MichaelWagner
Hallo Leute,

Flaschenvarianzen haben nichts mit der Machart des Weins zu tun. Da ist in der Regel der Verschluss der Ursprung allen Übels.
Die Weine die ich persönlich von Müllen bis heute getrunken habe, erinnere ich doch eher im oberen Bereich der Skala wie Qualität von der Mosel schmecken sollte.

Ich erinnere mich leider nicht an den Verschluss, glaube aber es war Naturkork?

Re: Martin Müllen

Verfasst: So 25. Mai 2014, 15:00
von Bernd Schulz
Hallo Michael,

ja, Martin Müllen verschließt seine Weine weitestgehend mit Naturkork (sehr selten auch mal mit Schraubern).

Aber das erklärt ja nicht, dass Ulli und Ollie Probleme feststellen, die ich in dieser Form nicht feststellen kann. Dass bei ihnen regelmäßig die Flaschen mit schlechten und bei mir die mit guten Korken landen, ist doch ziemlich unwahrscheinlich.

Viele Grüße

Bernd

Re: Martin Müllen

Verfasst: So 25. Mai 2014, 15:19
von UlliB
Bernd Schulz hat geschrieben: Erklären lässt sich die Sache eigentlich nur durch eine jeweils subjektiv ganz unterschiedliche Wahrnehmung von Wein und seiner Qualität, oder?
Das würde ich eigentlich ausschließen wollen. Um nochmals auf den Hühnerberg Kabinett 2012 zurückzukommen: ich kann mir nicht vorstellen, dass der Wein in diesem Zustand bei irgendjemandem, der sich mit Mosel auskennt und Mosel mag, große Zustimmung gefunden hätte. Der Wein hatte keinen erkennbaren Fehler, aber er war blass, völlig belanglos, und für sein doch noch jugendliches Alter auch zu weit entwickelt. So in etwa das, womit man bei einem mäßig begabten 08/15-Erzeuger schon mal rechnen kann.

Und solche Erlebnisse habe ich mit Müllen-Weinen eben immer mal wieder. Daneben stehen aber auch Flaschen, die eindeutig zum Besten gehören, was in der Gegend produziert wird. Manchmal ist das der gleiche Wein, nur einige Monate später oder früher aufgemacht. Ob nun Flaschenvarianz oder nicht: Inkonsistenz in erheblichem Maß - eigentlich kenne ich keinen anderen Winzer, bei dem ich das in diesem Maß erlebe.

Gruß
Ulli

Re: Martin Müllen

Verfasst: So 25. Mai 2014, 15:43
von Bernd Schulz
Ob nun Flaschenvarianz oder nicht: Inkonsistenz in erheblichem Maß - eigentlich kenne ich keinen anderen Winzer, bei dem ich das in diesem Maß erlebe.
Ulli, genau diese von dir festgestellte Inkonsistenz in erheblichem Maß kann ich aufgrund meiner (doch ziemlich reichhaltigen) Erfahrungen mit den Weinen einfach nicht feststellen. Es steht Aussage gegen Aussage :mrgreen: - und wir drehen uns immer lustig im Kreis....

Weshalb es zwischen uns zu solch großen Differenzen in den Erlebnissen/Wahrnehmungen kommen kann, verstehe ich nach wie vor nicht. Wenn da noch jemand eine Idee hat....

Herzliche Grüße

Bernd

Re: Martin Müllen

Verfasst: So 25. Mai 2014, 16:05
von MichaelWagner
Naja, da die Flaschen mit Sicherheit bei jedem jeweils in einem anderen klimatischen Umfeld gelagert werden kann das schon auch ein Erklärungsansatz sein. Feuchter Keller mit Schimmel hier und da - da kann bspw eine Lagerung in der Wohnung/Haus auch bei nicht optimaler Temperatur besser sein für den Kork. Da ja auch Ollie & Ulli Sahne-Flaschen haben, sehe ich da keine andere Alternative für die Erklärung von Flaschenvarianzen. Wenn man ein Fass oder einen Tank abfüllt, dann ist das danach schon ne "homogene Masse" - auch danach in den Flaschen. Die Varianzen stammen nicht von unterschiedlichem Wein, sondern von den leider sehr groß gewordenen qualitäts-Varianzen beim Kork, die dann je nach Lagerung total unterschiedlich "durchschlagen". Das muss nicht notwendigerweise korkschmecker oder TCA sein...

Re: Martin Müllen

Verfasst: So 25. Mai 2014, 16:34
von Ollie
Bernd, du erlebst doch ziemlich das gleiche wie Ulli und ich, du nennst es nur anders. Die Formschwankungen der Weine entgehen dir ja auch nicht.

Meine persoenliche Theorie dazu ist, dass manche Winzer den freien Schwefel sehr knapp einstellen; die unterschiedliche Gasdichtheit des Korkens fuehrt dann zu sehr grossen Unterschieden zwischen den einzelnen Flaschen. Kommt es durch den Korken vielleicht noch zu einem Phenoleintrag, dessen Hoehe wiederum von Korken zu Korken verschieden ist, verstaerkt sich der (Oxidations-/Reife-)Effekt. So ein bisschen wie PremOx fuer Arme.

Man muesste mal bei Muellen nachfragen, wie er seine Weine einstellt.

Cheers,
Ollie

Re: Martin Müllen

Verfasst: So 25. Mai 2014, 16:52
von Bernd Schulz
Bernd, du erlebst doch ziemlich das gleiche wie Ulli und ich, du nennst es nur anders. Die Formschwankungen der Weine entgehen dir ja auch nicht.
Nein, das sehe ich anders. Formschwankungen erlebe ich natürlich, und ich erlebe sie auch in einem leicht höheren Maße als bei Winzern, die ihre Weine temparaturgesteuert mit Reinzuchthefen im Edelstahl ausbauen. Aber von einer "Inkonsistenz in erheblichem Maße" kann ich keinesfalls sprechen - ich würde ansonsten auch nicht so viele Müllen-Weine kaufen, da ich - Sympathie hin oder her - mein Geld zu sauer verdiene, um es mit dem Erwerb vergleichsweise vieler "schlechter" Flaschen zum Fenster herauszuwerfen. Tatsächlich ist mir aber noch nie der Gedanke gekommen, meine Einkäufe bei Müllen wegen "Inkonsistenz" zu verringern. Und solche heftigen Ausfälle, wie Ulli sie beim trockenen Hühnerberg-Kabi schildert ("Der Wein hatte keinen erkennbaren Fehler, aber er war blass, völlig belanglos, und für sein doch noch jugendliches Alter auch zu weit entwickelt"), sind bei mir in den letzten Jahren eigentlich überhaupt nicht vorgekommen, nixe, niente!
Die Varianzen stammen nicht von unterschiedlichem Wein, sondern von den leider sehr groß gewordenen qualitäts-Varianzen beim Kork, die dann je nach Lagerung total unterschiedlich "durchschlagen".
Hmmm...aber das müsste ja dann auch Weine von anderen Erzeugern und nicht nur die von Martin Müllen betreffen, oder sehe ich das falsch? Warum hat Ulli die großen Schwankungen von hui bis pfui ausgerechnet bei Müllens Weinen zu verzeichnen und nicht bei denen von KaJo Christoffel oder Schloss Lieser oder....?

Mir kommt die Sache so besonders merkwürdig vor, weil ich Ulli persönlich kenne und seine Weinkompetenz ungemein schätze. Ich bin mir absolut sicher, dass er sich nicht irgendwas aus den Fingern saugt, aber kann seine (eure) Erfahrungen beim besten Willen nicht teilen.... :? :?

Viele Grüße

Bernd

Re: Martin Müllen

Verfasst: So 25. Mai 2014, 16:55
von Bernd Schulz
Man muesste mal bei Muellen nachfragen, wie er seine Weine einstellt.
Das kann ich gelegentlich gerne einmal machen!

Viele Grüße

Bernd